Ungarn - Rumänien

4.-10 Juli 2012

Der Camping war verlassen und so nahe an der Strasse, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste darauf schlafen. Der Tag in der Slowakei war nett, ich wage mir noch kein Urteil, so nach einem Tag. Auf meinem Heimweg werde ich nochmal einfahren. Die Nacht verbrachte ich zum dritten Mal in Folge in einem Hotel. Der Grund, kostet kaum mehr als ein Platz für das Zelt und hat ein kühlen Raum. Durch Weizen und Sonnenblumenfelder, die bis zum Horizont reichen, nähere ich mich Ungarn. Die polnischen Zloti hatte ich direkt Forint gewechselt, diese Pflicht bleibt mir nun erspart. Kein Wunder schwärmen viele Schweizer von Ungarn, das ist wie zuhause nur in warm. Die Leute sind freundlich, geduldig wenn man sie nicht versteht und es ist recht sauber. Überall werden Weine angeboten, jeder Ort hat mindestens einen Weinkeller. Auf dem Camping in Tokaj nehme ich mir ein Plätzchen und lerne zwei deutsche Radler kennen, wir quatschen bis in die Nacht hinein. Früh geht es weiter zur Grenze, zumindest versuche ich es. Die ersten Fahrverbotsschilder umfahre ich noch, das ist mir aber so zu blöde, die Schilder sind wohl für die Dorfleute, damit sie die Strasse nicht blockieren. Oder sie haben zu viele gedruckt und wissen nicht wohin damit, ich ignoriere sie strikt. Das Land hier ist flach und windig, das aufziehende Gewitter pustet und pustet, von der Seite. Einige Kilometer vor der Grenze gibt es den ersten Platten. Beim Wechseln leg ich grad die neuen Pneu an, bin wohl über ein Küchenmesser gefahren, denn der Schnitt ist riesig und geht durch den Pannenschutz. Darum war ich in Warschau. Drei Kids amüsieren sich, äffen mich nach, der eine ist so frech, das gibt es kaum. Er muss alles anfassen und mit allem herumspielen. Nach 50 Metern geben sie es auf mir hinterher zu fahren, das sind eben 8600er Beine. An der Grenze geh ich auf den Camping. Das erste in Rumänien, da bietet mir einer ein Iphone an, da das Ding geklaut oder gefälscht sein wird, nein danke. In Oradea versuche ich vergeblich Postkarten aufzutreiben. Vor mir erheben sich die Karpaten, die Strasse wird dem entsprechend immer Hügeliger. Ich habe die Wahl, breite und laute Strasse oder die steile querfeldein, ich nehme die quer durch die Berge, die hat sicher weniger Verkehr. Im letzten Dorf vor dem Anstieg übernachte ich über einer Tankstelle. In der Kühle des Morgens trete ich in die 12% hinein, mir folgt Andreea, eine Rumänin die in Spanien wohnt und studiert. Zusammen fahren wir in drei Stunden die knapp 15Km zum Kulminationspunkt hinauf. Sie ist hier im Urlaub und macht das jeden Morgen, so als Training und da sagen die Leute ich sei Wahnsinnig. Die Abfahrt in den Kessel ist wunderbar und beinahe ohne Unterbruch. Ich fahre durch das Herz Rumäniens, die Leute sind erstaunt dass ich aus der Richtung komme. Der Weg aus dem der Sohle ist wiederum sehr hart, ein Regenschauer kühlt erst ab und wird dann zur feuchten Tropenhitze. Die zweite Abfahrt wird unterbrochen weil hinter der Kurve der Belag fehlt. Auf dieser Seite der Bergkette kostet alles das Sechsfache, das ist schwachsinnig. Sie verlangen für null Service 30-40 Euro pro Nacht. Den Camping gibt es heute auch nicht, „Ja schau, wo, wo willst du dein Zelt hinstellen, heute haben wir eine Hochzeit.“, ich stell mein Zelt in den Mais. Auf den ersten Kilometer folgt mir ein Radfahrer, freundlich aber ziemlich geschwätzig. Ich habe heute keine Energie, nehme mir nach vergeblicher Campingsuche ein Zimmer. Für den Camping hätte ich ziemlich in die Richtung gemusst, aus der ich kam. Die Hälfte des Hotels der in Gebrauch ist, ist auch nur halb. Mich würde es nicht stören dass ich den Duschkopf nicht aufhängen kann, müsste ich nicht mit beiden Händen die Löcher im Schlauch zuhalten. Nach dem meine ID aus dem sicheren Schuhkarton geholt wurde, folge ich dem Fluss ins Tal hinein. Damit das Adrenalin so richtig in Fahrt kommt, schiessen zwei Hunde aus dem Nichts auf die Strasse und verfolgen mich ein rechtes Stück. Jetzt bin ich wach, der Nächste kriegt den Stock zu spüren. Der Fluss trägt eine Haube aus Müll und er wird stetig vermehrt. Etwa die Hälfte der unter 40 jährigen kümmert sich darum, aus Rumänien ein besseres und saubereres Land zu machen, ihnen gegenüber steht der Rest, dem es am Arsch vorbei geht. In ganz Europa war der Strassengraben eingesaut, aber hier, das glaubt man nicht wenn man es nicht gesehen hat. Ein älterer Herr will mir zu verstehen geben, als ich anhalte weil mir die PET Flasche runterfiel, lass es liegen, das macht schon jemand weg. Warum sonst wer, wenn ich es selber wegmachen kann? Die Einstellungsehe ich in den Tagen häufig, „Warum ich, wenn jemand anders?“ Nach Pitesti finde ich keinen Platz zum schlafen, Wildcampen ist kein Problem, da viele Roma das praktizieren, stört es niemanden wenn ein Zelt mehr da steht, nur die Hunde. Es gibt keinen Platz wo die scheiss Viecher sich nicht herum tummeln. Und, sie sind aggressiv. Alle Tierschützer und „Nein wie kannst du nur?“-Menschen sollten nicht weiterlesen. Die Sonne steht tief, die faulen Kannibalen erwachen aus ihrer Trägheit. Inzwischen bin ich so verdammt sauer, der etwa zwanzigste Köter heute muss es auf die harte Tour lernen. Er lässt nicht locker, lässt sich nicht verscheuchen, ich ziehe ihm meinen Stock so hart über die Schnauze, dass er in zwei bricht und das Drecksvieh blutend und jaulend von mir ablässt. In der Dunkelheit fahre ich in einen Feldweg, es heult und bellt um mich herum, aber ich habe eine ruhige Nacht. Bevor die Sonne aufgeht mache ich mich, kaum geschlafen, auf den Weg nach Bukarest. Der eine der es versucht, lernt das Gefühl eines fliegenden Steins kennen, habe kein Erbarmen mehr. Vor der Stadt kaufe ich einen etwas dickeren Schaufelstiel und nehme dann ein Bett in einem Hostel mitten in der Stadt.

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