Km 5154 - Km 5301_Kastamonu - Duragan


Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, gönnen wir uns in einem Park ein fantastisches Zmittag. Den Rest des Tages verbringen wir auf Youtube. Am nächsten Tag machen wir uns auf, die Stadt zu besichtigen. Den besten Überblick bekommen wir, als wir den Aufstieg zur Burgruine geschafft haben. Kastamonu ist eine schöne Stadt mit etwas über 100'000 Einwohnern.

Hier treffen Tradition und Moderne - wie in der ganzen Türkei - aufeinander. Durch die ganze Stadt fliesst ein Kanal. Neben den engen Gässchen, durch die die Melonenverkäufer ihre Früchte durch den Lautsprecher anbieten, liegen breite Strassen in denen die neuste europäische Mode in den Schaufenstern ausgestellt wird. Wir schlendern so durch die Jahrzehnte und geniessen hier und da die türkische Küche.

Mike braucht neue Schuhe und so nutzen wir die Chance und gehen in einen Laden, der tatsächlich seine Lieblingsschuhe - Converse Chucks - anbietet. Heute gibt es in diesem Shop zwei für eins und so springen für Cynthia auch noch neue Nikes raus. Alles in allem für knapp fünfzig Franken. Ein echtes Schnäppchen.

Im Anschluss machen wir uns daran, einige Postkarten zu schreiben. Gekauft haben wir sie in Istanbul. Verschickt haben wir sie immer noch nicht. Denn, ein Briefkasten gibt es nicht und die Post ist geschlossen. Als wir die Karten der Rezeptionistin geben wollen, lacht sie, zeigt die Karten allen Anwesenden und fragt uns anschliessend, ob die Karten für sie sind und was sie denn damit soll. Es machte den Eindruck, als hätte sie zum ersten Mal eine Postkarte gesehen. Lustig. Wir nehmen die Karten wieder in unsere Obhut.

Mike hat einen Haarschnitt nötig. Seit gut 3'000 Kilometern ringt er mit sich, ob die Haare nun kurz bleiben oder lang werden sollen. Er hat durch die Sonne goldene Strähnen bekommen, die ihm sehr gut stehen. Aber im Nacken, da wird es durch die langen Haare heiss. Hin und her wird überlegt und studiert. Der Entscheid ist gefallen. Seiten abrasieren, auf dem Oberkopf lange Haare stehen lassen. Fest entschlossen sucht er den Frisör auf und gibt seine Wünsche an. Alles klar. Alles verstanden. So schneidet ihm der Frisör die Haare an der Seite und um die Ohren und dann ratzfatz auch noch gleich einmal oben drüber. Oh no. Monatelange Goldlockenzucht zerstört. Doe. Wenigstens hats nur 1€ gekostet und Haare wachsen ja glücklicherweise wieder nach. Ratet mal, was Frisör auf Türkisch heisst. Kuavör. Und Blätterteig heisst übrigens Milföi. Nur so nebenbei.

Jedenfalls haben wir nun also in Kastamonu neue Energie getankt und fahren am nächsten Morgen nach einem kräftigen Frühstück los. Wir folgen heute den ganzen Tag dem Gök Irmak. Der Fluss fliesst in Richtung Osten und so kommen wir in den Genuss einer Abfahrt. Die ersten dreissig Kilometer fliessen gemütlich vor sich hin. Taskörprü erreichen wir früher als gedacht. Nun erwarten uns einige Hügel. Aber der Tag verläuft an und für sich gut und schaffbar.

Gegen fünfzehn Uhr wollen wir in einer Tankstelle, ungefähr zehn Kilometer vor Hanönü, ein Glace kaufen. Der Koch vom dazugehörigen Restaurant lädt uns gleich noch zum Tee ein und so kommen wir ins Gespräch. Als erstes muss - so wie in letzter Zeit häufiger - mal der Beziehungsstatus abgefragt werden. Nachdem das geklärt ist, zeigen wir dem Koch Fotos aus der Schweiz, von unserer Reise und versuchen ein Gespräch via Translator. Er lädt uns ein, bei ihm auf seinem Feld zu Campen. Das Angebot nehmen wir gerne an. Zwar ist es erst früher Nachmittag, aber wir haben unser Tagesziel bereits erreicht. So stellen wir das Zelt in das Strohfeld und beobachten gemeinsam mit dem Koch die Gegend durch den Feldstecher. Als wir wieder alleine sind, kommen die Kinder und laden uns zum Tee ein. Wir gehen also wieder vor zum Restaurant und trinken Tee. Alleine. Schräg. Es ist wie bereits schon einmal erlebt, wieder so, dass man hier eingeladen und fürstlich bewirtet wird, aber man wird dann doch nicht wirklich wahrgenommen. Mit uns wird nicht gross geredet oder sonst der Kontakt gesucht. Wir bekommen einfach ganz viel Tee. Es ist schon sehr härzig und beide Parteien freuen sich ab der Begegnung. Früh schon verkriechen wir uns in unser Zelt und gehen schlafen. Mitten in der Nacht kommt eine Taschenlampe daher gewackelt. Çay, Çay ruft es von weitem. Wir sollen nun also noch einen Tee geniessen. Völlig verschlafen krabbelt Mike aus dem Schlafsack und schüttet sich den brühend heissen Tee rein. Bedankt sich und geht wieder schlafen. Cynthia hat es gar nicht erst aus den Daunen geschafft.

Heute fahren wir zum See. Dazu folgen wir - genau wie gestern - der 030. Es ist heiss. Heiss. Heiss. Wir suchen heute lange nach einem Pausenplätzchen. Ein weiteres Phänomen der Türkei erleben wir auch hier wieder hautnah. Man ist nie alleine. Egal, wie gut du geschaut hast und sicher bist, dass du alleine bist. Sobald du dich setzt, kommt einer daher und spricht dich an. Schon gspässig. Die nächsten Tage werden wir das noch mehr erleben. Wir fühlen uns hier sowieso ein bisschen wie im Zoo. Autos kommen gefahren, bremsen ab, fahren im Schritttempo an uns vorbei und jeder der Insassen schaut ganz gebannt aus dem Fenster. Dann - kurz bevor der Motor ganz abwürgt - wird wieder beschleunigt und wir bleiben in der Abgaswolke zurück. Meistens wird auch gehupt und ab und an auch gewunken. Das freut uns immer. Jedenfalls das Winken. Beim Hupen ist das so. Der Mensch hat da so ein Organ. Das ist für das Gleichgewicht nötig. Ohne Gleichgewicht ist Fahrradfahren schwierig. Und so ist das dauernde Tröööötdidelidudeliduuuuuuutuuuuuu schon etwas anstrengend. Ja. Es ist nicht einfach ein Tuuut. Nein. Jedes Auto hat eine andere Hupe. Diese bestehen aus bis zu acht Tönen und sind schon ziemlich musikalisch. Also immer schön Party on the road.

Wie bereits erwähnt, ist es heiss. Hitze macht ja auch Gerüche etwas strenger. Und so weichen wir heute den Kadavern auf der Strasse in noch grösserem Bogen aus. Zwischendurch riecht es besonders streng. Dann ist auf der Seite meistens ein Friedhof. Ja tatsächlich. Hier wird das alles etwas anders gehandhabt. Die Gräber sind direkt an der Autostrasse. Meistens führt die Strasse auch direkt über den Friedhof. Da hast du links und rechts Grabstätten und in der Mitte fahren die Autos. Gräber sind hier keine Gräber sondern Marmorsakropharge. Hier ist der Umgang mit Verstorbenen definitiv anders als in Europa. Auch gut.

In Boyabat gönnen wir uns ein Schläfchen im Stadtpark. Wir sind die Attraktion. Jeder der vorbei geht, bleibt stehen und schaut. Keiner spricht uns an. Alle schauen. Wenn wir grüssen, dann grüssen sie zurück. Mehr passiert nicht. Lustig.

Die Fahrt führt weiter, an Duragan wo gerade die letzten Vorbereitungen für zwei Hochzeiten getroffen werden vorbei, an den See Altinkaya Baraji. Der See ist eigentlich ein überlaufener Fluss. Sieht aber aus wie der Vierwaldstädtersee. Schon bald finden wir am Ufer ein superschönes Plätzchen. Hier gefällt es uns. Einsam und ruhig. So setzen wir uns hin und geniessen. Das erste Auto kommt gefahren. Fährt vorbei. Das zweite. Das dritte. Einige hundert Meter neben uns wird gefischt. Wo kommen denn all die Menschen her? Ein Junge und sein Papa kommen zu unserem Plätzchen. Sie gucken sich den See an. Gehen wieder. Weitere Autos fahren vorbei. Halten in der Nähe. Ach egal. Wir stellen unser Zelt auf. Weiss ja sowieso die ganze Stadt dass hier zwei Verrückte sind. Wir legen uns zu Bett. Kaum ist es dunkel, fährt eine ganze Familie direkt neben uns. Sie feiern eine leise Party und zischen nach ein paar Stunden wieder ab. Ziemlich viel los für das kleine Uferstück.

Gebadet haben wir übrigens nicht. Denn die Türkei hat ein echtes Abfallproblem. Wunderschön ist dieses Land aber leider schmeisst jeder alles aus dem Auto, aus dem Hausfenster oder in den Fluss, was dann im See endet. Und so verzichten wir auf das PET-Geplansche.

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