Km ۷۹۵۶ - Km ۸۰۰۵_Karaj - Teheran


Beim Frühstück im Hotel treffen wir auf einen anderen Tourenfahrer. Wir unterhalten uns eine Weile mit dem Irisch-Kanadischen Doppelbürger, der in Thailand lebt. Nach einem angenehmen Schwatz machen wir uns auf in Richtung Hauptstadt.Während der ersten paar Kilometer führt die Strasse leicht bergab. Bis zum dreissigsten mussten wir kaum mit Kraft in die Pedale treten. Wir machen also hier und da eine Pause und werden schon leicht übermütig. So leicht sind wir schon lange nicht mehr so schnell vorangekommen. Dieses Teheran zu erreichen ist ja ein Klax… noch vor dem Mittag erreichen wir die Stadteinfahrt… Die Hauptstadt von Iran ist in den Hang gebaut. Der Norden liegt um einige hundert Meter höher als der Süden. Unser Hostel liegt im Norden. Jaja. Übermut tut selten gut. Wir strampeln während mehreren Kilometern den Berg hoch. Teheran ist riesig. Sie hat insgesamt weit mehr Einwohner als die ganze Schweiz und während des Tages kommen noch einmal knapp so viele Pendler hinzu. Crazy.

Unterwegs werden wir wieder des Öfteren angesprochen. Winken hier, Foto dort. Auch zum Übernachten werden wir eingeladen. Wir bleiben aber bei unserem Entscheid, das Hostel zu nehmen. Dieses ist gar nicht so leicht zu finden. Der Strassenverlauf von Teheran ist für Fahrradfahrer eine Herausforderung. Es führen mehrere Highways quer durch die City. Ausfahrten gibt es kaum. Man fährt jeweils fünfhundert Meter in die eine Richtung und hat dann die Möglichkeit einen U-Turn zu machen. So fahren wir im U-Turnkarrussel den Berg hoch. Die so zusätzlich erreichten Kilometer bringen uns während der Stadteinfahrt noch über unsere 8‘000er Hürde. Juhuii. Irgendwo hier muss doch dieses Hostel sein. Wir werden angesprochen. Ein junger Herr begleitet uns bis zur nächsten Kreuzung. Jetzt nur noch die Strasse runter, zweimal um die Ecke und schon sind wir da. Für die paar Kilometer von der Stadteinfahrt bis hier haben wir fast fünf Stunden gebracht. Phuu. Wir sind geschafft.

Im Hostel angekommen, werden wir herzlich empfangen. Vor Ort ist ein Motorradfahrer aus der Schweiz. Direkt kommen wir ins Gespräch. Phil ist auf seiner fünfundzwanzigjährigen BMW eine ähnliche Strecke wie wir gefahren. Es tut gut, mal wieder mit jemandem aus dem eigenen Land zu plaudern. Zusätzlich sind da auch noch Luca und Andrea. Die beiden Cousins sind aus Torino und fuhren den Weg nach Teheran mit ihrem fünfzigjährigen Fiat500. Das Hostel ist voll mit vielen herzlichen jungen Menschen aus der ganzen Welt. Wir werden in einem Dorm einquartiert. Das Seven Hostel ist neu und sehr gepflegt. Wir fühlen uns direkt wohl. Nach einer Kennenlernrunde und einem feinen Abendessen gehen wir früh ins Bett.

Heute wollen wir die Stadt besichtigen. Sie ist sehr gross und auch weitläufig. Einen Stadtkern an sich gibt es nicht. Wir beschliessen, den berühmten Bazar zu besuchen. Schon die Reise dahin ist ein Abenteuer. Zuerst mal ein Spaziergang zur Busstation. Der Weg führt über einer Brücke, auf der – aus aktuellem Anlass in Mekka – eine schwarze Flagge aufgezogen ist. Bei der Bushaltestelle stehen wir vor einer für uns völlig neuen Situation. Die Sitzplätze sind geschlechterspezifisch. Frauen steigen vorne ein, die Männer hinten. Die Glasscheibe macht die Trennung komplett. Hier hat sich also der Kulturschock versteckt, auf den wir gewartet haben. Da wir durch das Gedränge auch keinen Blickkontakt haben, gilt für die beiden Pédaleurs einfach, ganz fest die Stationen mitzuzählen.

Nach Nummer sieben geht’s raus. Einmal ausgestiegen, wird die Strasse überquert. Hier geht es zur Metro. Auch da wird auf eine klare Trennung geachtet. Mike hinten, Cynthia vorne. Fleissige Verkäufer preisen während der Fahrt lautstark geschlechterspezifische Produkte in den Waggons an. Bei Station fünf geht’s raus. Den Bazar finden wir schnell. Er ist riesig. Ganze 10 Kilometer soll die Gesamtlänge betragen. Für Cynthia sind eine neue Jacke und eine neue Hose fällig. Iranianlike halt. Bewaffnet mit dem neuen Trenchcoat und einer Jogginghose zum Radeln spazieren wir noch etwas durch das Gewusel. Die aufregende Reise, die vielen Eindrücke, die Menschen, der Lärm und die Düfte machen uns müde. Wir kehren zurück ins Hostel.

Phil, Luca und Andrea waren in der Zwischenzeit einkaufen. Sie wollen für alle Bewohner ein Barbecue veranstalten. Wir sind natürlich mit von der Partie und dürfen kochen. Es gibt Burger, marinierte Pouletspiesse und Maiskolben vom Grill, eine Art griechischen Salat und einen Rüeblisalat mit Sonnenblumenkernen und Pistazien. Fast alle Hostelgäste und ein paar Iranerinnen kommen zum Geniessen, Lachen und Plaudern. Es ist ein sehr schöner Abend und wir freuen uns, dass wir wieder einmal für eine grosse Gruppe die Kochlöffel schwingen durften. Und fein war es auch.

Den gesamten nächsten Tag verbringen wir im Hostel. Wir waschen die Wäsche, zeichnen, schreiben, plaudern, lachen, entspannen, wischen ausgelaufenes Sardinenöl aus den Packtaschen, spielen Ukulele, plaudern noch mehr und spannen so richtig aus.

Am Abend bekommen wir grossen Appetit auf Corn Flakes. Wir machen uns auf den Weg in einen etwas weiter entfernten Laden und kaufen ein. Wir finden Kellog‘s, Nutella und Nescafe. Ein Traum. Dann geht es zur Kasse. Ein Albtraum. Die Cornflakes alleine kosten schon achtzehn Dollar. Meine Güte. Importware ist hier echt der Wucher. Und so müssen wir ein paar der Produkte zurückgeben, haben wir doch nur ein paar Nötli mitgenommen. Die Flakes nehmen wir aber trotzdem mit. Und sie schmecken fantastisch. Ein richtiges Dinner Deluxe. Die Resten schliessen wir – nur so für den Fall – im Spint ein. Zählt ja schon fast zu den Wertsachen.

Wir haben beschlossen, unseren Aufenthalt in Teheran um eine weitere Nacht zu verlängern. Auch beschlossen haben wir, die Zeit im Hostel zu geniessen. Auf das Sightseeing verzichten wir grösstenteils. Es tut einfach gut, mal wieder irgendwo zuhause zu sein. Für den Abend laden uns Andrea und Luca ins Roberto Café ein. Sie haben dort jeweils die Möglichkeit, ihre Stiftung anzupreisen. Diese ist übrigens richtig klasse. Luca und Andrea fahren von Krankenhaus zu Krankenhaus und sammeln die Träume der Kinder ein. Diese publizieren sie auf ihrer Webseite und so kommen die Jungs an Spendengelder, welche dem Kinderspital in Torino zugutekommen. Die beiden Italiener nehmen uns also mit in ihrem Fiat. Eskortiert werden wir von Phil. Eine lustige Fahrt beginnt. Die Höchstgeschwindigkeit des Oldtimers beträgt 80km/h. Bei Rückenwind und flacher Strasse. Wie das mit dem Wind so war, als wir durch die Stadt fuhren, wissen wir nicht. Aber das arme Autöli ist auf dem Highway, bergauf mit 30km/h beinahe abgesoffen. Wir kämpfen uns über eine Stunde durch Teherans Rushhour. Es geht so langsam voran, dass wir Plätze tauschen, aussteigen, aufs Motorrad umsatteln, Videos drehen, mit anderen Autofahrern quatschen, geschenkte Nüsse knabbern und rumalbern.

Als wir die fünfzehn Kilometer zu Robertos Café zurückgelegt haben, werden wir herzlich begrüsst. Das ganze Team freut sich auf die fünf Touristen. Wir werden verpflegt, unterhalten, ausgefragt, fotografiert und beobachtet. Nebenbei sitzen wir inmitten des vollen Cafés am grössten Tisch und malen mit Bundstiften unsere Träume auf grosses Papier. Kinder können so einfach ihre Träume zeichnen. Und wir Erwachsenen, wir denken lange nach, überlegen hin und her, schauen beim Nachbarn und sind unentschlossen. Irgendwie fast schon traurig. Oder könntest du auf Anhieb deinen grössten Traum nennen und zeichnen? Also wir mussten schon etwas grübeln. Auf der Webseite www.berevolution.itfindest du die Ergebnisse, die bis heute gesammelt wurden.

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