Km ۹۱۰۷ - Km ۹۳۵۵_Akbarabad - Lar


Heute geht’s richtig rund. Schon vor dem Mittag bringen wir die ersten 100 Kilometer hinter uns. Super. Obwohl wir immer wieder für Fotos oder Fragen angehalten werden, kommen wir so schnell voran wie noch nie zuvor. Einige Anhalter schenken uns Obst. Granatäpfel und Äpfel sind immer noch hoch im Trend. Ab und an spüren sich die Anhalter aber nicht mehr selber. So schenkt uns einer an die 15 Granatäpfel. Fünfzehn. Das sind megaviele. Und schwer ist es auch. Aber es ist ja so herzig und wir können es nicht abschlagen. So wackeln wir fröhlich mit etwas mehr Gepäck in Richtung Jahrom. In Jahrom soll es ein Hotel geben. Aber es ist noch so früh und irgendwie sind wir so gut im Schuss, dass wir die Stadt dann umfahren und weiterziehen. Bei der Stadtausfahrt lacht uns ein Lädeli mit Teppich an. Also eine Gartenwirtschaft so quasi. Wir gehen rein, bestellen was die anderen Gäste auch essen und bekommen feines Keinahnungwasdasseinsoll.

Schuster bleib bei deinen Leisten ist hier in der Islamischen Republik nicht so populär und so hat der Lädelirestaurantmann auch noch eine Gastankstelle. Und es kommen zwei Kunden. In einem Auto. Zuerst wird das Gas von einer grossen in die kleine Flasche abgefüllt. Zwei Meter neben unserem Essteppich. Dass der Schlauch nicht passt, kann hier wohl passieren. Und so sprüht wegen der undichten Dichtung das halbe Gas in die Luft. Eine grosse Wolke Gas schwebt zu uns. Die Jungs am Nachbarteppich stört es nicht und so rauchen sie genüsslich ihre Wasserpfeife weiter. Jaja, ihr ahnt schon was passiert. Aber weit gefehlt. Es kommt noch schlimmer. Denn die beiden Jungs im Auto haben nun den Schlauch noch umgesteckt und befüllen ihr Auto direkt. Der Eine langweilt sich wohl und will sich eine Zigarette anzünden. Im Auto. BUMM. Das Auto steht innert einer Millisekunde in Flammen. Die beiden menschlichen Fackeln springen aus dem Wagen und schon stehen ein Dutzend Iraner und zwei Pédaleurs unter Schock. Unsere Räder liegen direkt neben dem Auto, welches in die Luft zu fliegen droht. Mutig und blitzschnell rennen wir hin und bringen unser Hab und Gut in Sicherheit. Alle zusammen rennen wir einige Meter davon. Bald schon kann der Wagen in die Luft fliegen und mit ihm die Gasflaschen in der Nähe. Aufregung pur.

Wir bringen uns in Position und warten ab. Neben uns eine der menschlichen Fackeln. Mike verarztet den armen Kerl so gut es geht. Aber da muss ein Arzt her. Der Typ hat Verbrennungen zweiten Grades an den Armen und im Gesicht. Und einen Schock. Aber einen Richtigen. Dem Raucher geht’s noch schlechter. Ihm hat es zu allem Überfluss auch noch das Hemd an die Brust geschmolzen. Er wird von einer anderen Gruppe Männer mit Joghurt eingesalbt. Noch immer steht das Fahrzeug in Flammen. Die Handbremse löst sich und der Wagen rollt noch näher an das kleine Lädeli heran. Der Besitzer des Kabuffs ist völlig aufgelöst und den Tränen nahe. Da kommen endlich Feuerwehr und Ambulanz daher. Feuerwehrmänner hat es nicht. Aber einen Schlauch. Die Zuschauer greifen beherzt zu und der Brand wird gelöscht. Phuu. Glück gehabt.

Nachdem wir unsere Essen bezahlt haben suchen wir das Weite. An der nächsten Ecke setzen wir uns hin und versuchen unseren Puls wieder zu normalisieren. Was für ein Erlebnis. Lago mio. Verrückt.

Wir strampeln noch etwas den Berg hoch und finden hinter einer weiteren Baustelle ein gemütliches Plätzchen. Bevor wir die Strasse verlassen passiert noch die Polizei neben uns. Sie grüsst uns mit einem Salam aus dem Lautsprecher und lässt die Dachlichter einmal kreisen. So herzig. Also das muss man schon mal sagen. Die Polizei hier ist ausgesprochen nett, hilfsbereit und zuvorkommend. Super. Wirklich.

Am nächsten Morgen bringen wir noch die letzten Höhenmeter des Berges hinter uns. Ab jetzt geht es nur noch runter bis Bandar Abbas. Oder? Nein, natürlich nicht. Aber auch das wissen wir noch nicht. Die Strasse ist relativ flach und führt uns nach einer kurzen Abfahrt stetig bergauf. Es ist heiss. Wir sind müde. Der Schreck von gestern steckt uns noch etwas in den Knochen und so halten wir bereits nach fünfzig Kilometern Ausschau nach einem Schlafplatz. Aber wir finden keinen. So gönnen wir uns ab und zu einen Snack, während dem wir Kilometer um Kilometer abstrampeln. Der Weg führt uns an einigen Nomaden vorbei, welche ihre Zelte hier und dort am Strassenrand errichtet haben. Eine Familie schenkt uns zwei Äpfel und auch ein paar Datteln gibt’s zum Snacken.

Langsam aber sicher kommen wir in den Süden des Landes. Ausser der Landschaft verändern sich auch die Menschen. Waren es im Norden noch mongolische, russische oder allgemein zentralasiatische Einflüsse sind hier mehr die afghanischen, indischen und arabischen Ethnien vertreten. Die Menschen sind dunkler, kleiner und herber. Wir wurden öfters vor Banditen gewarnt und irgendwie sehen die hier alle etwas wie Räuber aus. Die Tücher, die sich die Männer wegen dem Staub um den Kopf wickeln erwecken auch nicht gerade mehr Vertrauen. Aber einen Banditen haben wir dann doch nicht gefunden. Er uns auch nicht.

Es fällt auf, dass hier nur wenige Touristen unterwegs sind. Wir sind hier noch fremder als vorher. Und auch nicht immer sehr willkommen. Vor allem dass eine Frau hier durchradelt scheint gar nicht so lässig zu sein. Naja. Wir finden hier ja auch nicht alles so lässig.

Nach 100 Kilometern haben wir noch immer keinen Platz gefunden. Es ist noch immer heiss und wir werden immer müder. Und da steht er vor uns. Der Berg. Wie aus dem Nichts. Der Anstieg ist voll bereweich. Mega steil und uns rutschen beim Schieben beinahe die Beine weg. Kann auch daran liegen, dass wir schon ziemlich schlapp waren. Jedenfalls gab uns dieser Berg – kurz vor der Ortschaft Lar – noch den allerletzten Rest. Oben angekommen finden wir nach 120 Kilometern einen geeigneten Platz für unser Zelt. Wieder eine Baustelle. Die gefallen uns. Nachdem Mike einen kräftigen Eintopf gezaubert und Cynthia das Zelt aufgestellt hat, üben wir uns noch im perfekten Nachtfoto. Schöne Bilder hat es gegeben. Eines davon könnte sogar für unser Kalendertitelbild nominiert werden. Will see.

Morgens um drei fährt ein Auto zu. Fünf Männer steigen nur wenige Meter neben uns aus. Ohmannohmann. Ist jetzt der Moment der Banditen gekommen? Nein. Nur Pinkelpause.

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