Km ۹۳۵۵ - Km ۹۶۲۲_Lar - Bandar Abbas


Der Tag startet mit einer super Abfahrt. Fünf Kilometer wieder den Berg runter –alles in Richtung Lar. Zuerst haben wir darüber nachgedacht, in Lar ein Hotel zu suchen und einen ganzen Tag zu Faulenzen. Heute in der morgendlichen Frische entscheiden wir uns dagegen und biegen vor der Stadt ab. Wir entdecken eine Tankstelle und kaufen für die nächsten Tage ein. Schliesslich kommt nun die Wüste und da ist die Versorgung gelinde gesagt mangelhaft. Vor der Tankstelle werden Crêpes angeboten. Crêpes. Wahnsinn. Die einzigen im ganzen Land. Wir schlagen zu. Mmmmh fein.

Beim Verlassen der Tankstelle werden wir das zweite Mal in diesem Land von Hunden angegriffen. Aber die vier sind noch etwas müde und so ist es viel mehr eine leere Drohung als ein richtiger Angriff. Mike greift beherzt nach seiner Peitsche und schon zotteln die Viecher wieder ab.

Nach ein paar Kilometern gönnen wir uns unter einem Verkehrsschild eine Pause. Drei Männer halten an und fragen, ob wir etwas brauchen. Wir verneinen. Nach einigen Minuten fahren sie wieder zu. Sie steigen aus, geben uns Tee und Kuchen und fragen uns allerlei über die Reise. Der eine Mann telefoniert währenddessen mit jemandem und erzählt die ganze Geschichte nochmal. Irgendwann wollen sie dann unsere Pässe sehen. Komisch finden wir. Aber da ihr Auto ein grünes Nummernschild –das sind die der Behörden – hat, rücken wir die Pässe raus. Nun wollen sie sie auch noch fotografieren. Wir weigern uns, die Pässe aus der Hand zu geben, lassen das Foto aber machen. Uns ist irgendwie nicht mehr so wohl. Wer sind denn diese Männer? Erklären tun sie uns nichts. Sie entschuldigen sich nur am laufenden Band und telefonieren und Fotografieren dann weiter. Komisch.

Als wir dann endlich weiter fahren kommen wir schon nach kurzer Zeit bei der Polizeiinspektion zum Stehen. Wir werden rausgewunken. Überrascht uns natürlich nicht nach der Begegnung mit den drei Jungs. Unsere Pässe werden abgenommen und wir sind bereits auf das Mühsamste vorbereitet. Der Chefpolizist weiss bereits über unsere ganze Reise Bescheid. Aha .da ging das Telefonat also hin. Zu unserer Überraschung bekommen wir die Pässe ohne hin und her wieder ausgehändigt. Wir dürfen passieren. Hallo Wüste.

Die Fahrt durch die Wüste führt leicht bergab. Der Gegenwind ist jedoch so unerbittlich, dass wir das Gefühl haben, den ganzen Tag lang den Berg hoch zu strampeln. Die Landschaft ist sehr schön. Die Weite und die Leere beeindrucken uns sehr. Zwischen den Abgaswolke und den Kadaverdüften riechen wir ab und zu frische Blumen. Wir sehen zwar keine, aber es riecht so. Ist also noch schön, wenn es nur Stein und Geröll hat und man dann so ein Blümchen riecht.

Ab und zu stehen an der Strasse verlassene – oder nicht wir sind uns da nicht so sicher – Unterkünfte. Sie sehen aus wie Iglus aus Lehm und sind mit bunten persischen Schriftzügen geschmückt.

Die Lastwagenfahrer hupen von Tag zu Tag kräftiger wenn sie uns sehen. Wir nehmen an, dass wir dem einen oder andern bereits im Norden begegnet sind und sie uns wieder erkennen. Manchmal fällt der Fahrer vor lauter Winken fast aus dem Laster.

Den ganzen Tag über passieren wir kein einziges Dorf. Geschweige denn eine Tankstelle oder eine Hütte. Nichts. Gar nichts. Wir sind aber nicht alleine – denn die Fliegen folgen uns Tramp um Tramp. Sie sind immer da. Schwirren um unsere Köpfe, in die Nasenlöcher, die Ohren und weiss der Kuckuck wo überall noch hin. Mike schiebt fast die Krise. Er fuchtelt wie wild um sich und verliert den Kampf kläglich.

Die Autofahrer halten ab und zu an und schenken uns Granatäpfel oder eben auch Datteln. Hier werden die Geschenke übersichtlicher, was wir ganz angenehm finden. Es gibt sechs Datteln oder zwei Äpfel. Gerade richtig fürs Lenkertäschli. Auch einen Muffin gibt’s mal. Aber der ging leider in den weiten der Fahrt verloren. Einmal hält die Polizei eine Flasche Eiswasser aus dem Fenster. Diese Erfrischung ist besonders willkommen.

Mittlerweile ist es schon spät und wir sind auch ziemlich geschafft. Seit Stunden sind wir wieder auf der Suche nach einem Schlafplatz. Kaum zu glauben. Du bist in der Wüste, aber findest keinen Schlafplatz. Es macht uns fast stifelisinnig. Irgendwo hat ein Lastwagen eine ganze Ladung Gibs verloren. Es musste ja so kommen, dass Cynthia genau da rein fällt. Berrybarry sieht aus wie ein orientierungsloser Kokainabhängiger und auch die Packtaschen sind frisch bestäubt. Uns reicht es. Wir sind müde. Wir wollen endlich schlafen und uns vor allem vor diesen nervigen Fliegen verstecken.

Nach vielen Kilometern entdecken wir endlich die geeignete Unterführung für uns. Kein Auto in Sicht, die Abfahrt ist gut befahrbar und unter der Brücke lauert auch keine Mülldeponie auf uns. Aber was ist das? Ein junger Mann sitzt am Brückenrand und lässt seine Beine baumeln. Gopf. Hesch keis Dehei?.

Wenn der Typ da ist, können wir unseren Schlafplatz vergessen. So ärgerlich. Wir fahren weiter.

Bei Kilometer 122 finden wir endlich einen Schlafplatz. Also eigentlich nicht, aber es wird dunkel und so stellen wir unser Zelt auf eine Nebenstrasse, welche unbefahren scheint. Natürlich gehen die Heringe nicht in den Boden und Mike muss riesige Felsbrocken daher schleppen um unser Zuhause daran zu befestigen.

Zum Abschluss des Tages machen wir Limonade aus den vielen geschenkten Zitrusfrüchten und peppen zum Abendessen eine Nudelsuppe mit eigenen Gewürzen auf. Ganz in der Nähe sehen wir die Lichter der nahen Stadt. Hier wollen wir morgen einkaufen.

Obwohl wir eigentlich damit gerechnet haben, bekommen wir doch keinen Besuch in der Nacht. Auch gut. So konnten wir uns richtig ausruhen. Wir fahren als erstes die Stadt an, die gestern so hell erleuchtet war. Aber wir finden sie nicht. Es hat nur ein, zwei kleine Häuser die Gestern Abend New York gespielt haben. Wir dachten, dass uns nun die Strasse nur noch bergab führt. Aber weit gefehlt. Inzwischen haben wir seit Shiraz zwar beinahe 1300 Höhenmeter verloren, aber durch den Gegenwind und das ständige Auf und Ab haben wir es gar nicht richtig registriert. Heute sind wir noch auf 300 Höhenmeter und die Hoffnung auf eine rasante Abfahrt direkt nach Bandar Abbas können wir uns wohl an den Lenker schmieren.

Auch das zweite Dorf, das auf unserer Karte verzeichnet ist, existiert nicht. Und somit auch kein Laden. Die Pepsi – man trinkt halt was man bekommt – sind schon lange ausgegangen. Aber Wasser haben wir noch genug für die nächsten paar Stunden. Also pedalieren wir weiter unseres Weges und nach insgesamt etwas über 100 Kilometern lacht uns der erste Verkaufsstand an.

Vor dem Laden sitzen eine Handvoll Männer, die uns neugierig beobachtet. Mike geht zum Einkauf. Die Dame hinter dem Tresen ist so aus dem Häuschen, dass sie vor lauter Verlegenheit – Touristen kennt man hier wohl nicht – nicht in der Lage ist, einen Preis zu nennen oder sonst irgendwie ihren Job zu machen. Männliche Hilfe von aussen muss her. Als Mike den Laden wieder verlässt, stehen da schon über ein Dutzend Männer und ein paar Kinder und Ziegen vor Cynthia und glotzen sie an. Fast verkauft.

Einige Kilometer weiter treffen wir endlich auf Kahurestan. Ein kleines Kaff. Hier kann man einkaufen und sich mit Seife die Hände waschen. Judihui. Was einem nach einer Fahrt durch die Wüste so alles erfreuen kann.

Bevor wir den hoffentlich letzten Hügel erklimmen machen wir in Dar Gud eine kleine Snackpause in einem Bushäuschen. Im Schatten sitzend hören wir den ersten Azan seit langem. Und das hat sich gelohnt. Endlich einmal live und mit voller Hingabe. Richtig schön. Sowieso erblicken wir seit einigen Kilometern immer wieder hier und da ein Minarett. Von denen gab es hier im Iran überraschend wenige. Auch der Muezzin war selten zu hören. Ganz anders also als im Nachbarland Türkei.

Wir entscheiden uns für die alte Strasse, welche nahe dem Persischen Golf entlang führt. Dazu müssen wir zuerst die Hügelspitze erklimmen und dann bis zur Hälfte wieder runter fahren. Mittlerweile ist es Mittag und wir freuen uns schon, bald das langersehnte Ziel Bandar Abbas erreicht zu haben. Das Meer ist jedenfalls schon in Sichtweite. Grosse Freude.

Aber wo ist denn hier nur die Strasse? Jetzt sollte man eigentlich links abbiegen können. Keine Kreuzung in Sicht. Wir stoppen an einer Polizeiinspektion und fragen nach. Ein Soldat empfiehlt uns, wieder zurück den Hügel hoch zu fahren und anschliessend die neue Strasse zu nehmen. Wir jammern etwas rum von wegen anstrengend und so und schon lässt uns der Soldat über einen Sandhügel klettern und die nun ersichtliche alte Strasse befahren.

Die ungefähr 20 Kilometer lange Strecke ist unbefahren. Kein Auto weit und breit. Nur ein ausgebranntes Wrack finden wir am Strassenrand. Hmm. Nach ein paar Kilometern kommt uns ein Motorrad entgegen. Wir sollen umkehren, die Brücke sei eingestürzt und der Wasserlauf unpassierbar. Unpassierbar? Das gibt’s bei uns nicht. Wir fahren weiter. Und schon nach zwei, drei Kilometer lacht uns die eingestürzte Brücke ins Gesicht.

So einiges haben wir auf den letzten Kilometern zurückgelassen, aber die Dickköpfe sind uns erhalten geblieben und so kommt es für uns nicht, aber auch gar nicht in Frage, uns von einer dämlichen, launischen, uneinsichtigen Brücke vergraulen zu lassen.

Cynthia marschiert dem Bachbett entlang auf der Suche nach einem passenden Übergang. Es ist ziemlich aussichtslos. Schon ohne Gepäck sinkt sie dermassen im Schlick ein, dass sie fast nicht mehr raus kommt. Die glitschigen Mulche mit ihrer ungesunden Hautfarbe beobachten sie und scheinen sie auszulachen. Im Schlick hat es viele Tierspuren. Von herzig bis ohmygod das muss eine Raubkatze gewesen sein. Phuu.

Weder Flussauf- noch Flussabwärts ist kein Übergang möglich. Wir entscheiden, es direkt an der Stelle zu versuchen, wo die Brücke eingestürzt ist. Das Wasser ist Hüfttief und trüb. Aber es handelt sich um Salzwasser. Wird schon nicht so schlimm sein. Und ein Bad haben wir ja auch bitternötig.

Mike schleppt ein Gepäckstück nach dem andern durch das Nass und Cynthia entlädt die Räder auf der einen und belädt sie auf der andern Seite neu. Nach knappen zwei Stunden ist das Werk vollbracht. Hätten wir den Rat des Soldaten befolgt, wären wir wohl schon längstens auf der anderen Seite der Bucht angekommen. Aber so war es irgendwie befriedigender.

Wir kämpfen uns nun auf der anderen Seite des Flusses gegen den Wind durch die Bucht. Noch immer ist kein Fahrzeug in Sicht. Aber wir entdecken eine Antilope.

Noch 50 Kilometer trennen uns vom Hafen. Das schaffen wir. Nie hätten wir geahnt, dass diese letzten Kilometer uns nochmal das letzte Brösmeli Energie rauben. Der Wind ist unerbittlich. Einfach fies. Und so strampeln wir stundenlang zuerst entlang der Industrie und anschliessend entlang der Containerhäfen in Richtung Osten. Die Lastwagen rasen an uns vorbei und es ist einfach nur unglaublich anstrengend, nervend und ätzend. Wir sind erschöpft. Fünfzehn Kilometer vor der Stadt fängt nun auch noch die Strasse an hügelig zu werden. Auffahrt hier, Brücke da. Nerv.

Pünktlich zum Eindunkeln erreichen wir die hässliche Hafenstadt im Süden des Landes. Das erste Hotel möchte uns die Haare vom Kopf fressen. Aber die brauchen wir ja noch. Darum fahren wir im Dämmerlicht in die Innenstadt. Hotel zwei will uns kein Zimmer geben. Entweder zwei oder gar keins. Da nehmen wir lieber gar keins. Hotel drei ist noch besser. Cynthia geht rein und fragt nach einem Zimmer. Oh ja, es habe viele Zimmer, welches wir denn haben möchten. Egal. Der Herr zeichnet einen Plan der Stadt, wo es überall Hotels hat. Cynthia fragt nochmal nach, ob sie denn nicht hier in dem Hotel schlafen könnte. „But Misses, yees, we have many, many rooms.“ „Here?“ „Yes, in Bandar Abbas“ „No, here, in this Hotel?“. „oh. Nonononono. We don’t have“

Aha. Wieder zwanzig Minuten verlöffelt.

Um sechs finden wir dann doch noch eine akzeptable Unterkunft. Wir checken ein, Mike holt Burger, wir essen, duschen, waschen und erholen uns von der mit 145 Kilometern längsten Etappe der bisherigen Reise.

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