Km ۹۶۲۲- Km 9651_Bandar Abbas - Dubai


Bandar Abbas ist eine hässliche Stadt. Ja, so kann man es schon sagen. Es ist schmuddelig, laut und hat die eine oder andere finstere Ecke. Von romantischer Hafenatmosphäre ist wenig zu spüren.

Wir verbringen unseren Aufenthalt grösstenteils im Hotel. Auch hier wieder - Licht geht nicht, von Draussen her rumpelt es und wie überall gibt es keinen Siphon. Die Toilette beduftet somit das ganze Gebäude.

Nach Ausschlafen und Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Da der Taxifahrer weder seine Stadt kennt noch nach dem Navigationsgerät fahren kann, führt ihn Mike bis zum Ziel. Da angekommen werden wir von zwei netten Wachmännern wieder weggeschickt. Wir müssen das Ticket beim Office in der Innenstadt beziehen. Mit einem auf Persisch geschriebenen Zettelchen machen wir uns auf zum nächsten Taxi. Jetzt klappt es schon besser. Als wir nach rasanter Fahrt im Office ankommen, werden wir direkt in den zweiten Stock geführt. Ein netter Herr empfängt uns, schenkt Tee ein und bearbeitet Flott den Papierkram. Nach wenigen Minuten bekommen wir zwei Tickets für den übernächsten Tag. Am Montag soll es also losgehen.

Wir freuen uns. Das Ticket zu besorgen war einfach und mit insgesamt USD 180 auch relativ preiswert. Endlich geht es in ein neues Land. Wir plangen ziemlich.

Auf dem Rückweg ins Hotel kommen wir mit dem lustigen Taxifahrer ins Gespräch. Sein Sohn wohnt in London und so hat spricht auch Pap ein sehr passables Englisch. Noch zweimal werden wir dem Herrn zufällig begegnen.

Auf der Suche nach einem Restaurant irren wir etwas durch das Quartier. In einem Waffenladen - hier ist die Munition praktischerweise direkt am Gewehr angebunden - finden wir glücklicherweise einen neuen Hut für Mike. Mit Tarnmuster. Ohje. Es gab nichts anderes. Aber er kann ja gut malen...

Die Zeit in Bandar Abbas ist eher langweilig. Es gibt aber auch wirklich kaum Sehenswertes. So freuen wir uns, als dann die dritte Nacht rum ist und wir unsere Sachen packen können.

Um 18:00 Uhr sollen wir am Hafen sein. Das Hotel verlassen wir gegen 10:00. Wir setzen uns in einen Schattenplatz am Meer, kochen, lesen und trödeln rum. Gegen 14:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Hafen. Ein Rumäne ist auch schon da. Kurz darauf kommen Norbert und Lawrence. Ein Deutscher und ein Schweizer. Lawrence kennt Phil - den wir aus Teheran kennen - und wird mit ihm gemeinsam durch Indien fahren. Wie klein die Welt doch ist. Mittlerweile müssen ganz schön viele Reservationsbadetüchlein am Strand ausgelegt werden. Hahaha.

Wir plaudern und essen und erzählen Geschichten. Um 18:00 öffnen sich die Pforten zum Check In. Touristen haben Vortritt. Es ist ähnlich wie am Flughafen. Gepäck durch den Scanner, Ticketkontrolle. Dann Warten.

Nach einer Stunde können wir durch die Passkontrolle. Die Computer der Beamten verfügt über maximal Windows 95 und der Beamte selber ist im Adlertippslowmotionmodus. Die Passkontrolle dauert ewig. Die Pédaleurs stehen eine viertel Stunde am Schalter. Irgendetwas stimmt nicht. Was, das finden wir dann auch raus. Bügelfalte hat bei der Visaverlängerung die Daten des Westens verwendet. Da es hier aber weder November noch das Jahr 2015 gibt, und man auch unsere Schrift nicht kennt, waren die Beamten ziemlich konfus. Aber nach einiger Zeit werden wir dann doch aus dem Iran entlassen.

Vor der Leibesvisitation wird Mike nach der Nationalität gefragt. Nach einem "Suisse" folgt ein herzliches "Oh, Country of Sepp Blatter. Please enter." Bei Cynthia ist es ähnlich einfach. Die Dame fasst ihr einmal an die Brust und winkt sie dann durch. Ziemlich easypeasy.

Wieder warten. Zwei Stunden. Wir plaudern mit einem Iraner und einem französischen Paar das nun auch dazu gekommen ist. Eine richtig grosse Truppe langsam. Um 21:00 Uhr dürfen wir auf das Schiff. Zuerst die Europäer, dann Frauen und Kinder und zum Schluss die Männer.

Mike muss nochmal zurück. Man braucht eine Passkopie. Das Gesudel von Bügelfalte hat wohl Konsequenzen.

Die Räder werden gut befestigt und dann geht es an Deck. Da es wenige Passagiere hat, steht jedem eine eigene Sitzreihe als Liege zur Verfügung. Perfekt.

Mittlerweile sind wir an die zwölf Touristen und jeder hat sich was zu erzählen. So verfliegt die Zeit. Es gibt noch Abendessen und dann gegen 22:30 tuckert das Schiff los über den Persischen Golf. Äh. Arabischen Golf. Äh. Sagen wir Golf. Das Schiff tuckert also über den Golf. Ganz politisch korrekt eben.

Die Überfahrt ist ziemlich gemütlich und wir kriegen sogar eine Mütze voll Schlaf.

Am Morgen wachen wir auf, als die Sonne langsam über den Horizont schleicht. Wir sehen Schiffe auf der See und die Küste in der Ferne. Wir freuen uns.

Gegen 8:30 Uhr erreichen wir - auf das Chlöpfibrotfrühstück verzichten wir an Board - das lang ersehnte Ziel Sharjah. Wir binden unsere Fahrzeuge los und rechnen eigentlich damit, dass wir nun an die Grenze pedalieren können. Weit gefehlt. Die Fahrzeuge dürfen ausgeladen werden, die Passagiere müssen zurück an Board. Denn hier ist alles anders. Zuerst wird sämtliches Transportgut mit einem einzigen Kran vom Schiff geladen - an die zwanzig Helferlein unterstützen den Arbeiter mehr oder weniger - und erst dann dürfen wir das Schiff verlassen. Die Prozedur dauert über eine Stunde. Nachdem wir das Schiff - und somit endgültig Iranischen Boden - verlassen, geben wir für die Hafenarbeiter wohl ein lustiges Bild ab. Wir fahren in Karavanformation zur Grenze. Zuvorderst ein Polizeiauto, gefolgt von zwei Pédaleurs, einem Motorrad, einem Geländewohnmobil und einem Bus vollgestopft mit Passagieren. Das Schlusslichtli bildet ein zweiter Polizeiwagen.

Im Passbüro wartet pro Passagier ein Stuhl. Warten ist angesagt. In Reih und Glied sitzen wir alle hier - gespannt darauf, was nun passiert. Einige Minuten geht gar nichts. Dann kommt ein Mann in Uniform und fummelt am Fernseher herum. Kein Bild. Nach einigen Versuchen geht er davon. Eine weitere Viertelstunde später erscheint ein Mann mit Ranghöherer Uniform. Jetzt geht es dann gleich durch die Grenze - denken wir. Aber nein, der Herr ist bloss etwas versierter mit dem Fernseher und unterstützt seinen Vorgänger. Wir warten weiter. Wenigsten werden wir von einer Telenovela unterhalten.

Nach einer Ewigkeit wird einer der vier Computer besetzt und ein Passagier nach dem andern darf seinen Pass vorweisen. Zuerst die Frauen, dann die Touristen und im Anschluss die Männer. Alles dauert uuunglaublich lange. Wir selber kommen nach ungefähr 90 Minuten an die Reihe. Die Männer sind wohl immer noch am Warten.

Mit neuem Stempel im Pass schnappen wir unsere Räder und transportieren sie durch die Gepäckkontrolle. Prompt muss Cynthia zwei Taschen genauer zeigen. Sie werden von den Grenzbeamten detailliert inspiziert. Aber auf eine wirklich sehr herzige Art und Weise. Der Kontrolleur gibt sich auch alle Mühe, die Sachen wieder ordentlich zu verstauen. Ein paar Witze später sind wir herzlich Willkommen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Was für ein Gefühl. Supersuper. So lange haben wir uns gefreut - und nun sind wir tatsächlich da. Tschüsstschüss Kopftuch - hallo flattrige Wuschelhaare.

Zum Hotel fahren wir knappe zwanzig Kilometer nach Dubai. Es ist sauber, gepflegt, riecht gut und geht gesittet zu und her. Auf der Strasse werden wir ab und zu angehalten und angesprochen. Auch Fotos werden gemacht. Wir sind verzaubert. Vor sieben Jahren waren wir schon mal hier. Damals hatten wir einen Kulturschock. Heute wieder. Aber in die andere Richtung. Schon gspässig, wie sich die Wahrnehmung verändern kann. Uns gefällt es hier.

Die Skyline von Dubai ist mega. Einfach nur mega. Wir sind richtig excited. Das Hotel ist schnell gefunden und bezogen. Nach einigem Hin und Her haben dann auch unsere Räder ein gemütliches und sicheres Plätzchen ergattert.

Jetzt aber nichts wie los zum Burger King. Wir können es kaum erwarten und haben den Fussweg bereits vor Tagen herausgesucht. Endlich wieder mal etwas essen, was wir wollen. Endlich mal wieder selber entscheiden. Endlich mal wieder richtig zubeissen. Endlich mal wieder frei sein.

Gestärkt von Burger, Eis und Kaffee setzen wir uns hinter den Computer. Denn noch etwas fehlt uns zum grossen Glück. Das Bloggen. Done.

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