Töfftöffaleurs.ch_Tag 1 - Tag 3


Wir schlafen schlecht. Vielleicht sind wir auch etwas nervös wegen der Reiseplanänderung, die uns gestern so überrascht hat. Sicher aber liegt es vor allem daran, dass die Matratzen in diesem Hotel so uunglaublich weich sind, sodass man - wenn man sich normal hingelegt hat - mit seinem Eigengewicht die Matratze so verbogen hat, dass die Füsse nach oben guckten. Die schliefen dann die ganze Zeit ein. Immerhin fand wenigstens dieser Körperteil seine Ruhe. Lange nach Mitternacht haben wir dann die Nase voll. Wir packen Leinen und Wolldecke und nisten uns am Boden ein. Hier schlafen wir besser. Am nächsten Morgen geht es als erstes zum Frühstück. Wieder einmal herrscht hier ein unglaubliches Personalaufgebot. Danach ziehen wir uns in unser Zimmer zurück und treffen die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Reise. Kurz vor ein Uhr Mittags verladen wir all unsere Gepäckstücke in den Lift. Der General Manager empfängt uns an der Rezeption. Wir halten ihm ein selbstaufgesetztes Schreiben unter die Nase, dass er die Gesamtverantwortung für unser Gepäck und unsere geliebten Räder trägt. Er unterschreibt sofort. Phuu. Grosse Erleichterung. Wir verabschieden uns von unseren Habseligkeiten und versuchen uns ab sofort zu entspannen. Kommt alles gut. Alles wird noch da sein, wenn wir zurückkehren. Ganz ruhig. Nach dem Zmittag spazieren wir mit einem Rucksack und einer Rolltasche zum Bahnhof. Der Marsch ist irgendwie weiter als gedacht und wir brauchen eine ganze Weile, bis wir die Station erreichen. Tickets haben wir ja schon gestern besorgt und so musste uns der Schaffner heute nur noch die Sitznummern aushändigen. Danach heisst es warten. Knappe zwei Stunden verbringen wir auf dem Bahnhof von Tuticorin. Es hat viele Menschen die von hier nach da schlendern. Wo die herkommen und wo sie hinwollen ist uns ein Rätsel, denn Züge fahren während unserer gesamten Wartezeit weder ein noch aus. Wir verfolgen wie gebannt, die indischen Videoclips, die an den verschiedenen Bildschirmen auf dem gesamten Areal gezeigt werden. Mehrere davon wurden in der Schweiz gedreht. Sooo schön. Bollywood goes Stanserhorn ond omgekehrt. Pünktlich können wir dann die Eisenbahn betreten. Unser Abteil finden wir auch schnell. Während der Fahrt nach Vanchi Maniyachi werden wir von einem Mann mit der üblichen indischen Fragestunde unterhalten. Der Zug fährt mit seinen sechzig Kilometern pro Stunde erstaunlich schnell und so haben wir nach ungefähr neunzig Minuten unseren Umsteigebahnhof erreicht. Die Station Vanchi Maniyachi liegt am Ende der Welt. Mitten im Nichts befinden sich einige Gleise und ein Wasserverkäufer. Es hat unglaublich viele Menschen, die sich auf und neben den Gleisen tummeln. Ein Volksport scheint hier zu sein, so lange wie möglich mit dem Einstieg zu warten. So fährt der Zug bereits los, als die letzten Männer - mehr oder weniger todesmutig - auf den Wagen springen. Es handelt sich um diejenigen, die wir bereits während den letzten zwanzig Minuten haben rumlungern sehen. Sie waren also nicht zu spät dran, sie suchten schlichtweg den Kick. Wir verbrachten etwas über eine Stunde an diesem Bahnhof und nutzen die Zeit um über das nicht vorhandene Abfallsystem Indiens zu philosophieren. Es ist wirklich erschreckend, was da alles so rumliegt. Ist ein Kaffeebecher leer, wird er einfach auf den Boden geschmissen. Ständig waten wir auf dem Subkontinent durch Abfallberge. Es fällt uns schwer, die Ignoranz vor Ort zu akzeptieren. Auch unser zweiter Zug fährt planmässig ein. Fascht es bitzi wie dehei. Auf unserem Ticket waren nur die Sitzplätze des ersten Zuges vermerkt, und so gehen wir nun einfach davon aus, dass wir wieder die gleichen Plätze beanspruchen dürfen. Richtig so. Wir steigen also in den Zug ein, teilen die Kabine mit einem lautstarken Inder und nisten uns ein. Der Zug fährt bis spät in die Nacht und so nutzen wir die Zeit für ein Nickerchen. Zwischendurch telefoniert unser Inder, macht das Licht ein und aus, schreit etwas vor sich hin und kommt und geht. Nachdem dann noch der Steward sein finanzielles Glück bei den einzigen Touristen versucht hat, treffen wir kurz vor Mitternacht in Trivandrum ein. Das Hotel vor Ort haben wir bereits gebucht und so spazieren wir spät Nachts die paar Hundert Meter von den Gleisen zu unserer Unterkunft. Zum Glück war es so nah, denn viel länger würden wir hier im Dunkeln nicht herumschlendern wollen. Da es seit dem Mittagessen nichts Kaubares zu kaufen gab, sinken wir hungrig in den Schlaf aus dem wir nach wenigen Stunden wieder gerissen werden.

Der Wecker klingelt. Wir packen unsere Sachen, schnappen uns ein verschärftes Samosa am Strassenrand und hüpfen ins erste Tucktuck welches uns direkt zum Flughafen fährt. Hier treffen wir auf einige Touristen und einen Essstand. Letzterer interessiert uns um einiges mehr. Nachdem wir uns etwas gestärkt hatten, geht es zum Check-In. Es muss nur die Rolltasche geröntgt werden, denn den Rest nehmen wir als Handgepäck. Es bimmelt. Oh mann. "Lighters are not aloud, you have to take it out" Hä? Davon abgesehen, dass wir nicht wussten, dass Feuerzeuge im Aufgabegepäck verboten sind, überrascht es uns auch, dass wir eines dabei haben sollen. Hmm. Komisch. Wir packen also alles aus und finden nichts. Einzeln in kleinen Etappen wird alles nochmal durch die Maschine gelassen. Nichts. Kein Feuerzeug in Sichtweite. Die Schlange der anderen Passagiere dehnt sich langsam aber sicher aus. Die Beamtin meint darauf hin, sie sähe kein Feuerzeug. Aha. Etwas confused stellen wir fest, dass die Beamtin entweder unglaublich gelangweilt, ziemlich mühsam oder einfach nur gstabig ist. Jedenfalls dürfen wir weiterziehen. In der Eile hat der Kläbiaufkleberbeamte jedoch seine Arbeit nicht gemacht und so müssen wir beim eigentlichen Check-In nochmal zurückkehren und das Gepäck noch einmal durchleuchten lassen. Endlich gibts einen Kleber und wir dürfen das Gepäck aufgeben. Geschafft. Das Ticket in der Hand, wollen wir die Passkontrolle durchschreiten. Ultragstabig. Obwohl es eine klare Anstehschlange hat, kommandiert uns der Schlangverkompliziererbeamte von einem Schalter zum anderen. Für ihn ist es offensichtlich wichtig, dass an jedem Schalter gleich viele Menschen anstehen und so müssen wir - als wir schon fast an der Reihe waren - die Schlange wechseln und nochmal ganz hinten anfangen. Chunsch druus? Mer au ned. Unsere Pässe werden kritisch beäugt und viele Fragen gestellt. Bei Mike ging es ziemlich schnell, er war aber überrascht, dass die Inder offenbar über sein Fahrrad bestens Bescheid wussten. Bei Cynthia dauert und dauert es. Dass sie zuerst entlang der Küste in Hotels registriert wurde und nun aber auf schnellem Weg wieder von Osten nach Westen gelangte scheint verdächtig zu sein. Aber nach einem hin und her wurde dann auch sie durchgelassen. Seit wir am Flughafen angekommen sind, werden wir von einer Gruppe Frauen mit ihren paar Aufpassern umzingelt. Es handelt sich um Moslems, welche die Reise nach Mekka antreten. Die Frauen tragen rot-weiss karierte Kopftücher, auf denen in riesigen Lettern der Name sowie die Telefonnummer der Kontaktperson prangert. Die aufgescheuchten Konfitüregläschen huschelen dauernd herum und sind völlig von der Rolle. Sie können offensichtlich weder lesen noch schreiben und scheinen ihren ersten Flug anzutreten. Die paar männlichen Begleiter haben alle Hände voll zu tun, ihre Schäfchen beisammen zu halten. Mittlerweile wurde unser Pass schon etwa fünfmal kontrolliert. Nun geht es noch durch die Personenkontrolle. Hä? Waren die Pédaleurs nicht schon da? Neinnein, hier ist alles etwas komplizierter. Schliesslich muss ja jeder Inder seine Aufgabe haben. So stehen wir wieder einmal an. Mike kommt relativ schnell dran, Cynthia muss an der Frauenschlange warten. Zusammen mit der ganzen Gruppe Mekkareiserinnen. Es wird geschubst, gedrängelt, gestupft, in den Nacken geschnauft und tierisch genervt. Die Minuten vor dem Durchlass scheinen sich in Stunden zu verwandeln und in eine der mühsamsten Anstehmomente ever zu entwickeln. Währenddessen gewinnt Mike einen anstrengenden Kampf um sein Handgepäck. Der Beamte wollte ihm alle möglichen Gepäckstücke aushändigen, nur unseren Rucksack gabs irgendwie nicht. Das kommt eben davon, wenn man zwei Menschenscanner und drei Handgepäckscanner hat. Chrüsimüsi pur. Irgendwann spuckt es dann auch Cynthia am anderen Ende der Durchleuchtung wieder aus. Ihr Feuerzeug wurde beschlagnahmt. Pffff. Im Flugzeug bekommen wir unseren Platz inmitten der Ladies, die wir schon allzu gut kennen. Einisch tüüf doreschnuufe. Das Flugzeug hebt ab, Kracker und Kaffee werden verteilt und schon befinden wir uns im Landeanflug. Ungefähr eine halbe Stunde haben wir über den Wolken verbracht. So viel Gstabigkeit wegen so wenig Flug. In Sri Lanka angekommen, geht es ganz schnell. Das Visumsformular haben wir bereits online erhalten und so müssen wir nur noch eine kleinen Zettel ausfüllen. Wir werden noch darauf hingewiesen, dass bei Drogentransport die Todestrafe droht und schwupp dürfen wir unser Gepäck holen. Dieses wartet bereits auf uns. Klappt also alles wie am Schnürli. Mit einem Taxi lassen wir uns für 30 Dollar in unser Hotel fahren. Die Mautgebühr - die wir zwangsläufig selber zahlen mussten, weil nur unser Fenster runtergelassen wird - nicht inbegriffen. Nach einem Verfahrer hier und einem U-Turn da findet unser Chauffeur das Hotel fast auf Anhieb. In unserem vorübergehenden Zuhause angekommen werden wir mit einem Erfrischungsgetränk herzlich begrüsst. Der Besitzer ist sehr aufmerksam und auch etwas aufgeregt. Aber es ist richitg gemütlich. Colombo ist sehr sauber, modern, aufgeräumt, ruhig und angenehm. Uns gefällt es auf Anhieb in dieser Stadt. Sri Lanka ist zwar etwas teuer als sein Nachbarland, dafür kann man die Zeit hier auch besser geniessen. Zwei Nächte verbringen wir in Sri Lankas Hauptstadt und lassen uns an einem Tag von einem Tucktuckfahrer durch die Stadt führen. Er bringt uns an verschiedene Tempel, lässt uns von den besten Kokosnüssen kosten und erklärt und dies und das über den Buddhismus. Die Tempel sind wirklich sehr beeindruckend. Nicht zuletzt wegen den kunstvollgestalteten Statuen aus Elfenbein, Gold und Jade. Sowieso entdecken wir tonnenweise Elfenbein - dieser stammt natürlich aus vergangenen Zeiten - verarbeitet zu Schmuck, Statuen oder ganz am Stück in seiner vollen Grösse von teilweise beinahe zwei Metern Länge. Crazy, wie gross der Elefant gewesen sein muss. Natürlich ist die Tour nach der ausgemachten Stunde nicht zu Ende. Immer wieder weisen wir den Guide darauf hin, dass wir nicht mehr als eine Stunde bezahlen werden. Als wir uns dann endlich durchsetzen konnten und die Tour ein Ende nahm, ging es natürlich noch zum Exporthändler. What else. Wir shoppen also ein paar Ansichtskarten und verabschieden uns von unserem sehr herzlichen selbsternannten Reiseführer.

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