Km 25731 - Km 25879_San Diego - Ensenada


Nachdem wir unsere sieben Sachen gepackt, nach Draussen getragen und auf die Fahrräder verladen haben, verlassen wir unser Motel in San Diego. Doch die erste Pause ist bereits in Sichtweite - denn wir frühstücken in einem klassischen Diner. Es gibt Kaffee zum Nachfüllen, Rühreier, Bratkartoffeln, Speck, Ahornsirup und noch viel mehr. Frisch gestärkt und motiviert geht es nun richtig los. Während unserer Fahrt durch die Stadt von San Diego werden wir beinahe etwas wehmütig. Uns gefällt es hier sehr gut und das Navymuseum, das Legoland oder den Park möchten wir eigentlich auch noch sehen. Ach und irgendwie noch viel mehr von den USA im Allgemeinen. Aber es ist ja auch gut, dass wir weiterfahren - dann können wir eine weitere Stadt - nämlich San Diego - auf unsere "da-wollen-wir-noch-einmal-hin" Liste setzen. Auf dieser Liste sind übrigens schon ungefähr zweihundertsechsundsiebzig Orte. Uns wird also auch zukünftig nicht langweilig werden.

Trotzdem dass wir uns mega auf Mexico freuen, schnägglen wir irgendwie nur so vor uns hin. Vielleicht aber schnäggeln wir gar nicht und es fühlt sich nur so an, gerade weil wir uns freuen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde ist ja eigentlich ganz ordendlich - wahrscheinlich können wir einfach die Vorfreude kaum im Zaum halten. Und so ist es natürlich umso ärgerlicher, dass sich gerade jetzt ein Draht in Mikes Hinterpneu gebohrt hat und wir das Loch im Pneu flicken müssen. Bitzi sälber Schuld - schliesslich haben wir ja das letzte Mal berichtet, dass uns die Abenteuer und das Plattenflicken etwas fehlten... Der Pneu ist aber schnell geflickt, San Diego verlassen, Chula Vista durchquert und gegen Mittag San Ysidro erreicht. Für den Grenzübertritt nach Mexico gibt es einen extra angelegten Veloweg. Juhui. Dieser ist aber gerade wegen Umbau geschlossen. Ohnei. So hopsen wir von den Rädern und schieben sie kurz entschlossen über die Fussgängerbrücke. Ganz oben angekommen macht es dann auch an Cynthias Hinterpneu Pfffff. Ja sägemal. Schon wieder einen Platten. Diesmal waren es Glasscherben, die sich mit uns über die Grenze zu schmuggeln versuchten. Aber nänei, ned met üüs. Wir puhlen die Stücke raus, flicken den Pneu mitten auf dem Übergang und setzen anschliessend unseren Marsch in Richtung Mexico fort.

Auf der anderen Seite des Gehweges können wir einige Dollars in Pesos wechseln und so sind wir bereit für den nächsten Schritt - die eigentliche Grenze. Im Voraus haben wir wieder etliche Geschichten über den Grenzübergang gelesen. Schauermärchen über Wartezeiten, Stempelsuche, Schmiergelder und so weiter wurden uns angekündigt. Also entweder machen die Pédaleurs alles falsch respektive alles richtig, oder die Gegebenheiten haben sich über Nacht geändert, oder der eine oder andere Blogkollege übertreibt gerne mal etwas. Anyways. Wir berichten dir hier gerne, wie es uns so ergangen ist. Zuerst spazierten wir zwischen zwei Metallmauern einen Gang entlang. Da kamen dann zwei freundliche amerikanische Beamte mit grossem Hund, welcher an den Taschen rumschnupperte. Zwei Sekunden später, waren wir auch schon wieder weiter und die Vereinigten Staaten von Amerika sind verlassen. Dann geht es durch ein Drehkreuz. Die grösste Herausforderung für uns, denn das Passieren mit Velo erfordert Millimeterarbeit. Anschliessend standen wir vor drei verschiedenen Linien. Als Mexikaner geht man links, als Ausländer der nur kurz Mexiko besuchen will in der Mitte und als Langzeittourist rechts. Somit entscheiden wir uns für rechts und werden sofort von einer freundlichen Beamtin in Empfang genommen. Sie nimmt unsere Pässe, füllt für uns ungefragt das gesamte Visumsformular aus, gibt die Unterlagen zurück und schickt uns an den nächsten Schalter, damit wir die Visumsgebühr von ungefähr 20 Franken pro Person begleichen können. Die Dame an diesem Schalter ist ebenfalls sehr zuvorkommend, stempelt alles professionell ab und händigt uns eine Quittung aus. Damit gehen wir wieder zurück zu Dame eins. Diese ruft einen Mann mit mehr Buttons auf der Uniform zu sich. Der guckt die Unterlagen an, fragt, wo wir so hinwollen und macht dann ruckzuck einige Stempel. Und tattaa - nach nicht einmal zehn Minuten haben wir jeweils ein Visum mit einer Gültigkeit von sechs Monaten in der Hand. Anschliessend werden wir wie fast immer bei der Taschenkontrolle durchgewunken - die Räder auf- und abzuladen erscheint offensichtlich nicht nur uns als mega mühsam - und schon sind wir in Mexico. Ja, so einfach wars.

In die andere Richtung ist es bestimmt etwas langwieriger, aber so von Nord nach Süd, ist der Grenzübertritt Bubieifach. Nur eine kleine, grosse Frage bleibt uns noch: werden die USA je erfahren, dass wir ausgereist sind? Wir hoffens - sonst gelten wir in einigen Monaten wohl oder übel als Illegale Einwanderer. Naja, wenn wir das nächste Mal einreisen dann erkundigen wir uns vornweg mal bei der zuständigen Botschaft. Sicher isch sicher. Aber bis dahin vergehen ja noch ein paar Jahre. Mindestens vier. Wenndweischwasmermeine. Oh yeah - Pédaleurs are in Mexico. Jupiduu. Schon nach zwei Minuten sind wir fast so etwas wie fallen in love. Uns gefällt es super. Es hupt, man hört Musik, die Autos haben Beulen, es riecht nach Tacos, Fleischspiessen und Hühnchen. Zwar waren wir noch nie hier, doch irgendwie fühlt es sich an wie Heimkommen. Also nicht Heim im Sinne von Züri - aber so im Sinne von Asien. Schliesslich waren wir ja da fast ein Jahr so etwas wie Zuhause und so fühlen wir uns wieder pudelwohl. Frohen Mutes fahren wir als erstes zu einer Tankstelle um die örtlichen ATMs zu testen, eine Cola zu ergattern und das neue Chipssortiment zu prüfen. Goodbye Maissirup-Lebensmittel - hello Tacos.

In Tijuana wollen wir nicht übernachten. Schliesslich ist es ja noch früh am Nachmittag und die Stadt selber ist ja bekannt dafür, dass es nach dem Eindunkeln nicht so heimelig ist. Also pedalieren wir weiter - einmal über die Hügel. Atemnot pur. Nicht nur wegen der Hitze und des steilen Anstiegs, viel mehr wegen den Abgasen. Innert wenigen Minuten fühlen sich unsere Lungen völlig verklebt an. Es kratzt, wir spudern und alles ist wie anno dazumal. So ein Schoppenfläschli Reinigungsbürsteli wärs jetzt. Das könnte man Schlucken und einmal richtig die Lunge durchwischen. Oder so ähnlich. Aber trotz des Geröchels - oder gerade deswegen - gefällt es uns hier. Es hat wieder hupende Taxis, überholende Busse, winkende Beifahrer und fröhliche Spaziergänger. Der Verkehr ist zwar um einiges hektischer als in den letzten Monaten, doch als gefährlich würden wir das überhaupt nicht bezeichnen. Musst halt eben einfach auf deiner Seite bleiben und aufpassen wegen den fehlenden Gullideckeln, dann passt es wunderbar. Oben am Hügel angekommen, geht es natürlich wieder herunter. Judihui en tolli Abfahrt mit Blick aufs Meer.

In Rosarito nehmen wir uns ein Motel, direkt am Meer. Kaum eingecheckt verlassen wir die Räumlichkeit wieder, denn wir wollen unbedingt zum Strand. Einige Fusstauchisequenzen später spazieren wir dem Sand entlang und passieren Bars, Restaurants, Mariachi Bands, Masseurinnen und Hennakünstler. Unser Spaziergang führt uns zurück zur Strasse und endet in einem Steakhouse. Das Restaurant ist innen eingerichtet wie ein Tropenhaus mit Cheminee und ist richtig gemütlich. Wir bestellen jeweils eine Hauptspeise und bekommen Nahrung für zwei Familien aufgetischt. Läck - mega fein, aber kaum zu schaffen. Mit vollem Magen kullern wir zum nächsten Oxxo - das sind die Lädelis wo es alles gibt - und posten noch das Nötigste für die nächsten Stunden. Anschliessend rollen wir zurück ins Hotel und gehen zeitig schlafen. Also richtig zeitig. So zeitig, dass wir um sieben Uhr abends bereits die zweite Traumsequenz starten. Die Sonne geht so gegen sechs Uhr auf und unser zwölfstunden Schlafmarathon somit zu Ende. Aber wir haben keine Eile, denn unser Mexico Zeitplan geht wunderbar auf. Noch. In der Nacht war es zapfig kalt und so sind wir froh, als dann die ersten Sonnenstrahlen ins Zimmer scheinen. Wir frühstücken ein paar Waffeln mit Limonade und starten den ersten vollen Mexicotag. Zuerst geht es zurück zur Hauptstrasse, auf der Suche nach einem Brötchen. Mike findet leckeres Zuckergebäck und so ist die erste Pause auch schon angekündigt. Gestern war also keine Ausnahme - es gefällt uns auch heute noch mega gut. Die Menschen sind sehr freundlich, wir fühlen uns wohl und sicher. Die Strecke führt entlang der Scenic Route - auf dem alten Highway Nummer 1 - in den Süden. Hier wird viel gebaut, verkauft und vermietet. Die Zielgruppe sind vor allem US-Amerikaner, welche sich ein Häuschen am Meer leisten wollen. Aber je weiter wir in den Süden fahren, desto weniger ist davon zu sehen. Am späteren Vormittag führt uns unsere Strasse unter der Neuen hindurch und es geht ins Landesinnere in Richtung Mision. Mision ist ein kleines Käffchen und relativ schnell erreicht. Danach fängt die Herausforderung an. Es geht hoch und hoch und hoch. Keine Häuser, keine Tankstelle, wenig Bäume. Vor allem Fels, Sand, Stein und Sukkulenten. Jupie. Wir steigen auf eine Höhe von ungefähr 400 Metern an. Unterwegs treffen wir noch die für uns ersten zwei Radler in Mexico. Sie machen gerade eine Pause und der Schwung der Pédaleurs inklusiver schlechter Reaktion macht es nicht möglich einen Schwatz zu halten. Nächscht mol denn - mer gsehd sech ja sowieso emmer zweimal. Am frühen Nachmittag haben wir dann den Peak erreicht und es geht in einer rasanten Abfahrt zurück zum Meer - direkt nach Ensenada. Hier hat es richtig günstige Hotels und so wollen wir die Gelegenheit direkt am Stadtrand nutzen. Der angeschriebene Preis gilt jedoch nicht für die ganze Nacht. Ooops.

So fahren wir weiter in den Stadtkern. Auch hier hat es fast nur Hotels mit Stundenpreisen. Na dann, wir buchen halt eine ganze Nacht. Die Stadt ist sehr schön, scheint jedoch etwas dem Sextourismus verfallen zu sein. Es gibt viele Adults only stores, Rabatte auf Blaue Pillen, und eben - Stundenhotels. Als erstes besorgen wir uns ein Zmittagznacht. Danach spazieren wir entlang des Touristenviertels. Richtig herzig. Souvenirlädeli mit Silberschmuck, Ledertaschen, Gumpibälleli und allem was so dazu gehört. Kurze Zeit später kehren wir jedoch wieder zurück - sind nämlich etwas müde. Den Abend verbringen wir gemütlich. Wir schreiben unsere Wohnungssuche aus, Surfen selber etwas im Internet, chatten mit einigen Freunden und malen uns schon etwas die naheliegende Zukunft aus.

Während der Nacht wird im und ums Hotel fleissig gearbeitet. Alle leisten offenkundig zufriedenstellende Einsätze. Aber wir können trotzdem schlafen. So ein monotones Rumpelgeräusch hilft ja auch beim Eindösen. Am kommenden Morgen sind wir bereit für die Weiterfahrt. Oder doch nicht? Irgendwie fühlt es sich heute nicht richtig an, weiter zu fahren. Warum? Keine Ahnung, wir könnens nicht recht sagen. Beide sind wir etwas hibbelig, unsicher und aufgekratzt. Und so halten wir uns an eine bewährte Lösung - wir machen frei.

Den heutigen Tag über planen wir mal etwas ordentlicher die Etappen bis La Paz - also wir gucken mal nach wos Wasser gibt und so -, schreiben Blog, laden Bilder hoch und räumen in unseren Hirnzellen auf. So. Scho besser. Und juhuu - es bleibt auch noch Zeit für einen zweiten Stadtrundgang. Morgen geht es weiter.

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