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Km 35124 - Km 35211_San Cristóbal de las Casas – Ocosingo

  • 7. Juni
  • 6 Min. Lesezeit

Am nächsten Morgen geht es dann sehr früh los. Wer meint, es gehe nun nur noch bergab, täuscht sich. Wir fahren zuerst steil bergauf über La Sierra bis nach San Isidro. Dichte, grosse Nadelwälder, kleine Dörfer und weite Blicke begleiten uns. Die Strecke ist unfassbar schön – und auch etwas anstrengend. Die knapp fünfzehn Kilometer hätten uns eigentlich schon fast gereicht für den Tag. Doch die Route hatte anderes mit uns vor. Wir erreichen die Strasse 199 und folgen ihr für den Rest des Tages. Das Gebiet, das wir heute durchqueren, ist Tzeltal-Gebiet. Die Tzeltal gehören zu den grössten Maya-Gruppen Mexikos und leben seit Jahrhunderten im Hochland von Chiapas. Hier wird hauptsächlich Tzeltal gesprochen – gewunken wird international.


Bei einer Pause hält ein Fahrzeug neben uns. Es ist Pedro. Ohne grosse Umschweife lädt er uns ein, bei ihm zu schlafen. Wir sollen ihn anrufen, wenn wir Oxchuc erreicht haben. Wir schreiben uns die Nummer auf und lassen auf uns zukommen, was passiert.


Zuerst aber beginnt es stark zu regnen. Huiuiui. Wir sind mitten in den Bergen, umgeben von Nadelbäumen, und es regnet und hagelt gleichzeitig. Pitschnass stellen wir uns irgendwo unter. Als der Regen etwas nachlässt, setzen wir die Fahrt fort und nehmen die lange Abfahrt bis zum Tagesziel. Dort angekommen kontaktieren wir Pedro. Er schickt uns eine Adresse, und wir warten dort auf ihn. Währenddessen quatschen wir noch etwas mit Francisco. Er erzählt uns, dass er Tzeltal ist und Mais anbaut. Ein lustiger, älterer Kauz ist er – wie er mit seiner Machete schwingend vor uns steht und alles über uns wissen möchte.

Kaum ist Francisco weg, kommt Pedro daher gefahren. Pedro ist sehr freundlich und ausgesprochen unaufdringlich. Im Grunde genommen drückt er uns einfach den Schlüssel zu seiner Schule in die Hand und zeigt uns das Klassenzimmer, in dem wir übernachten dürfen. Danach erklärt er uns den Weg zum nächsten Laden und ist weg. Wir gehen kurz einkaufen und sind innert wenigen Minuten bekannt wie bunte Hunde in diesem Ort. Zwischen Wandtafel und Schulmöbeln schlafen wir wunderbar.


Am nächsten Morgen spazieren wir zu Pedros Haus, retournieren ihm den Schlüssel und halten noch einen kleinen Schwatz. Er bietet uns an, auch in der nächsten Stadt bei einem Bekannten von ihm zu schlafen. Wir lehnen ab – denn wir hatten bereits eine Unterkunft gebucht. Beim Verlassen der Stadt winken uns die Kinder und rufen «Adiós».


Nach wenigen Minuten ist der erste Hügel geschafft und wir werden von Mario zum Kaffee eingeladen. Mario betreibt einen kleinen Laden und wird von seinen Enkeln unterstützt. Der Kaffee ist süss und die Unterhaltung lustig. Mario erzählt von sich und wir von uns und ganz nebenbei lernen wir noch ein paar Worte in Tzeltal. Nach einer gemütlichen halben Stunde fahren wir frisch gestärkt weiter. Bayel wokolawal!


Wir sind guten Mutes, denn schliesslich erzählen uns alle, es gehe heute nur noch runter. Äh. Pustekuchen. Auf dem Autositz geht es vielleicht runter. Im Sattel jedenfalls nicht. Die ersten Kilometer geniessen wir eine schöne Abfahrt, danach wird es anstrengend. Ufe und abe und nomol ufe und nomol abe. Aber schön ist es. Mega schön. Wir sehen so weit in die Ferne. Es hat Schluchten, einen Wasserfall und die Flora verändert sich bei jedem Höhenmeter, den wir verlieren.

Anfangs sind die Hänge steil, die Täler eng eingeschnitten, die Vegetation dicht und feucht – eine Mischung aus Kiefern, Eichen und immergrünen Bergwäldern. In vielen Kurven windet sich die Strasse durch die Berge der Sierra Madre de Chiapas. Immer wieder öffnen sich kurze Blicke in tiefe Schluchten, in denen sich kleine Siedlungen und Felder an die Hänge klammern. Der Asphalt ist stellenweise rau, die Landschaft wirkt abgelegen und still.


Je weiter wir Richtung Ocosingo kommen, desto deutlicher verändert sich das Klima. Es wird wärmer und feuchter, die Vegetation geht allmählich in tropischere Formen über. Kiefern treten zurück, dichter werdende Laubwälder übernehmen das Bild, vereinzelt tauchen Palmen auf. Die Hänge werden weniger schroff, dafür grüner und üppiger.

Kurz vor Ocosingo öffnet sich das Tal schliesslich und wir geniessen eine fantastische Aussicht vom Mirador aus. Die Landschaft wirkt weniger zerklüftet, dafür weitläufiger – mit Feldern, Weideflächen und den ersten Ausläufern der Selva Lacandona im Osten.

Dem Regen entkommend nehmen wir die letzten Kilometer unter die Reifen und geniessen eine letzte, doch so sehr ersehnte, Abfahrt. Ocosingo selbst liegt bereits in einer spürbar tieferen, wärmeren Zone, die den Übergang Richtung Dschungel markiert.

Die gebuchte Unterkunft finden wir schnell und wir fühlen uns direkt wohl. Morgen werden wir Toniná besuchen. Wie das war, erzählen wir im nächsten Bericht.  

 

***


The next morning, we set off very early. Anyone thinking it would be all downhill from here is mistaken. First, we climb steeply up through La Sierra towards San Isidro. Dense pine forests, small villages, and wide-open views accompany us along the way. The route is unbelievably beautiful — and also quite demanding. Those first fifteen kilometres alone would almost have been enough for one day. But the route had other plans for us.

 

We reach Highway 199 and follow it for the rest of the day. The area we are travelling through today is Tzeltal territory. The Tzeltal are one of the largest Maya groups in Mexico and have lived for centuries in the highlands of Chiapas. Tzeltal is mainly spoken here — though waving is universal.

 

During a short break, a vehicle pulls up beside us. It is Pedro. Without much hesitation, he invites us to stay at his place for the night. We should call him once we reach Oxchuc. We write down his number and simply let things unfold.

 

First, however, the rain begins. And not just a little. We are deep in the mountains, surrounded by pine trees, while rain and hail pour down at the same time. Completely soaked, we take shelter wherever we can. Once the rain eases slightly, we continue and tackle the long descent towards our destination for the day.

 

After arriving, we contact Pedro. He sends us an address, and we wait there for him. While waiting, we chat with Francisco. He tells us he is Tzeltal and grows maize. A funny older character, standing in front of us swinging his machete around while wanting to know absolutely everything about us.

 

Barely has Francisco left when Pedro arrives. Pedro is very friendly and remarkably unobtrusive. Essentially, he simply places the key to his school into our hands and shows us the classroom where we are allowed to sleep. Afterwards, he explains where to find the nearest shop and disappears again. We quickly head out to buy a few things and within minutes we are as well known in the village as colourful dogs. Between blackboards and school furniture, we sleep wonderfully.

 

The next morning, we walk to Pedro’s house, return the key, and chat for a little while longer. He even offers us a place to stay in the next town with an acquaintance of his. We decline, as we had already booked accommodation. As we leave town, the children wave at us and shout “Adiós”.

 

After only a few minutes, the first hill is behind us and Mario invites us in for coffee. Mario runs a small shop and is helped by his grandchildren. The coffee is sweet and the conversation entertaining. Mario tells us about his life, we tell him about ours, and along the way we even learn a few words in Tzeltal. After a cosy half hour, we continue our ride feeling refreshed. Bayel wokolawal!

 

We are in high spirits because everyone keeps telling us that from here on it is all downhill. Yeah, right. Maybe if you are sitting in a car seat. Certainly not in a bicycle saddle. The first few kilometres treat us to a beautiful descent, but afterwards it becomes exhausting again. Up and down and then more up and more down. But beautiful. Incredibly beautiful. We can see so far into the distance. There are deep canyons, a waterfall, and the flora changes with every metre of altitude we lose.

 

At first, the slopes are steep, the valleys narrow, and the vegetation dense and humid — a mixture of pines, oaks, and evergreen mountain forests. The road winds through the mountains of the Sierra Madre de Chiapas in countless curves. Again and again, brief views open into deep ravines where small settlements and fields cling to the hillsides. The asphalt is rough in places, and the landscape feels remote and quiet.

 

The closer we get to Ocosingo, the more noticeably the climate changes. It becomes warmer and more humid, and the vegetation gradually shifts towards a more tropical appearance. Pines retreat while denser broadleaf forests take over, and the occasional palm tree begins to appear. The slopes become less rugged, but greener and more lush.

 

Shortly before Ocosingo, the valley finally opens up and we enjoy a fantastic view from the mirador. The landscape appears less jagged and much more expansive — with fields, grazing land, and the first foothills of the Selva Lacandona visible in the east.

 

Trying to stay ahead of the rain, we pedal through the final kilometres and enjoy one last — and very much longed-for — descent. Ocosingo itself already lies in a noticeably lower and warmer zone, marking the transition towards the jungle.

 

We quickly find our booked accommodation and immediately feel at home. Tomorrow, we will visit Toniná.

 

 
 
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