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Km 35958 - Km 36051_Santa Elena - Mérida

  • 3. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Am nächsten Tag geht es uns entsprechend. Besonders Mike ist angeschlagen. Der arme. Doch wir fahren trotzdem weiter, denn in Santa Elena gibt es wirklich nichts zu sehen oder einzukaufen. Hätten wir einen Tag Pause eingelegt, hätten wir für Essen wiederum in die Stadt fahren müssen und dies unter Umständen mehrmals. Mühsam und nicht erholsam. So fahren wir lieber weiter. Wir planen eine möglichst kurze Strecke. Es sind heute nur dreissig Kilometer.

Zuerst aber schlafen wir etwas länger als sonst. Danach nehmen wir die ersten fünfzehn Kilometer in Angriff. Die Strasse schnurgerade über einzelne Hügel. Mike ist ziemlich angeschlagen und so ist die Strecke ein Kampf. Nach über einer Stunde erreichen wir die Zwischenetappe: die Archäologische Ausgrabungsstätte Uxmal.

 

Uxmal wurde zwischen etwa 700 und 1000 n. Chr. zu einem bedeutenden politischen und religiösen Zentrum der Maya und gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zu den bekanntesten Bauwerken gehört die Pyramide des Magiers, der Gouverneurspalast sowie das Nonnenviereck. Ein besonderes Merkmal von Uxmal sind die zahlreichen Darstellungen des Regengottes Chaac. Die Region besitzt kaum natürliche Wasserquellen, weshalb Regen für das Überleben der Stadt von zentraler Bedeutung war. Viele Gebäude sind mit den charakteristischen Masken dieses Gottes geschmückt. Seine lange, gebogene Nase ist sein Markenzeichen. Anders als viele andere Maya-Städte wurde Uxmal nicht streng nach einem geometrischen Raster angelegt. Die Bauwerke folgen vielmehr dem Gelände und astronomischen Ausrichtungen, was auf ein hohes Mass an mathematischem und astronomischem Wissen hinweist.

Der Legende nach wurde die berühmte Pyramide des Magiers von einem magischen Zwerg errichtet, der aus einem Ei geschlüpft war. Er sollte beweisen, dass er der rechtmäßige Herrscher sei – und baute die Pyramide in nur einer Nacht. Vielleicht hat der kleine Zwerg in der Eile etwas geschlufet, denn die Pyramide ist nicht symmetrisch. Das Bauwerk hat einen ungewöhnlich elliptischen Grundriss, was für Maya-Pyramiden sehr selten ist. Der prächtige Gouverneurspalast enthält über 20.000 sorgfältig bearbeitete Steine. Bis heute ist nicht völlig geklärt, wie die Maya diese enorme Präzision ohne Metallwerkzeuge erreichten. Sicherlich nicht über Nacht.

Es ist total beeindruckend. Wo kommen alle die Steine her? Und wer hat sie aufeinander gelegt? Und wie lange hat das gedauert? Fragen über Fragen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus und kann sich, obwohl man genau davorsteht, gar nicht vorstellen, dass es diesen Ort gibt und wie er belebt wurde.

Wir schlendern also über das Gelände, staunen hier und dort und verscheuchen Moskitos am Laufmeter. Neben uns hat es noch etwa sechs weitere Besucher vor Ort. Alles Touristen. Da wir ja die ersten zwei Monate keine Touristen sahen, wird es uns hier manchmal schon fast zu viel. Als wir dann den Ort verlassen, kommen gerade volle zwei Reisebusse voller wandelnden, schwitzigen Hawaiihemden und beigen kurzen Hosen an. Oh mann.

 

Mike ist ziemlich entkräftet und die zweite Etappe – also die weiteren fünfzehn Kilometer – gestalten sich schwierig. Wir kommen nur sehr langsam voran, es wird immer heisser. Die Strasse ist flach, die Bedingungen optimal. Und trotzdem. Schön ist die Strecke allemal. Wir werden von tausenden(!) gelben Schmetterlingen begleitet. Sie tanzten den ganzen Vormittag über um uns rum und zeigten uns den Weg. Sooo schön.

Wir erreichen Muna. Vor einem kleinen Hotel halten wir an. Die Besitzerin kommt direkt nach draussen und begrüsst uns. Sie ist ganz aus dem Häuschen. Es seien immer wieder Touristen in der Gegend, aber alle fahren immer vorbei und nie halte jemand in ihrem Hotel an. Herzlich willkommen. So lustig.

Sie gibt uns ein Zimmer, wo wir die Fahrräder optimal einstellen und die Klimaanlage auf Höchststufe nutzen können. Perfekt. Den Rest des Tages verbringt Mike mit Schlafen und Cynthia mit Krankenschwesterlen. Am Abend entscheiden wir, dass wir noch eine zweite Nacht bleiben. Die Hotelbesitzerin könnte stolzer nicht sein. Auch den nächsten Tag wird geschlafen. Viel geschlafen. Mike kämpft gegen Montezumas Rache und Cynthia kocht Süpplis.

 

Für die letzten Kilometer nach Mérida stehen wir früh auf. Wir wollen einen möglichst grossen Teil der Etappe in den frühen Morgenstunden schaffen. So sind wir also in aller früh bereit. Unsere Velos nicht. Platten. Maaaaaaann. So ärgerlich. Da der Platten eher ein Nichtprall als ein Totalplatt ist, fahren wir trotzdem weiter und pumpen einfach unterwegs jeweils nach. Die Strecke ist fantastisch für uns. Es geht alles schnurgerade, die Strasse ist flach, es weht ein leichter Wind und wir kommen zügig vorwärts. Nach fünfzig Kilometern finden wir sogar ein Glacé.

In Mérida angekommen, erreichen wir unser AirBnB sehr schnell. Es handelt sich um ein grosses Herrenhaus, wo wir ein Zimmer beziehen können. Küche und Gemeinschaftsbereich teilen wir uns mit anderen Gästen. Es ist wohl das schönste AirBnB, das wir bis anhin auf dieser Reise hatten. Sehr gut. Mike schläft die nächsten Tage viel und kämpft gegen die Käfer. Langsam kommt er wieder zu Kräften. Wir verlängern und bleiben mindestens eine Woche hier.

 

***

 

The next day, we feel exactly as expected. Mike, in particular, is struggling. Poor guy. Nevertheless, we decide to keep moving because there is really nothing to see or buy in Santa Elena. If we were to take a rest day, we would still have to travel into town for food, possibly more than once. That sounds neither relaxing nor practical. So we choose to continue. Fortunately, today’s stage is a short one: only thirty kilometres.

First, we sleep in a little longer than usual. Then we set off on the first fifteen kilometres. The road runs arrow-straight over a series of gentle hills. Mike is feeling quite unwell, and every kilometre is a battle. After more than an hour, we reach our intermediate destination: the archaeological site of Uxmal.

 

Uxmal became an important political and religious centre of the Maya civilization between approximately AD 700 and 1000 and has been a UNESCO World Heritage Site since 1996.

Among its most famous structures are the Pyramid of the Magician, the Governor’s Palace, and the Nunnery Quadrangle. One of Uxmal’s defining features is the abundance of representations of the rain god Chaac. The region has very few natural water sources, making rainfall essential for the city’s survival. Many buildings are decorated with the god’s distinctive masks, easily recognised by their long, curved noses. Unlike many other Maya cities, Uxmal was not laid out according to a strict geometric grid. Instead, its buildings follow the contours of the land and various astronomical alignments, demonstrating an impressive level of mathematical and astronomical knowledge.

According to legend, the famous Pyramid of the Magician was built by a magical dwarf who hatched from an egg. To prove that he was the rightful ruler, he supposedly constructed the pyramid in a single night. Perhaps the little dwarf rushed the job a bit, because the pyramid is not symmetrical. The structure has an unusual elliptical footprint, something rarely seen in Maya pyramids. The magnificent Governor’s Palace alone contains more than 20,000 carefully carved stones. To this day, it remains unclear exactly how the Maya achieved such extraordinary precision without metal tools. Almost certainly not overnight.

The site is absolutely breathtaking. Where did all these stones come from? Who stacked them on top of one another? How long did it take? Questions upon questions. Even while standing right in front of these buildings, it is difficult to comprehend that this place truly existed and once bustled with life.

We wander through the site, marvelling at one structure after another while swatting mosquitoes by the dozen. Besides us, there are perhaps six other visitors. All tourists. Considering that we hardly saw any tourists during our first two months on the road, it already feels a little crowded. As we are leaving, two entire tour buses arrive, filled with walking, sweating Hawaiian shirts and beige shorts. Oh dear.

 

Mike is becoming increasingly exhausted, and the second stage—the remaining fifteen kilometres—is a real struggle. We move forward at a snail’s pace while the temperature continues to climb. The road is flat, the conditions are otherwise perfect, and yet it remains difficult. The scenery, however, is beautiful. Thousands of yellow butterflies accompany us along the way. They dance around us all morning long, seemingly guiding us down the road. It is absolutely magical.

Eventually, we reach Muna. We stop in front of a small hotel. The owner immediately comes outside to greet us. She is beside herself with excitement. Tourists pass through the area all the time, she tells us, but nobody ever stops at her hotel. Welcome. She gives us a room where we can safely store our bicycles and make full use of the air conditioning, which is immediately set to maximum. Perfect.

The rest of the day is spent with Mike sleeping and Cynthia playing nurse. By evening, we decide to stay a second night. The hotel owner could not be happier. The following day is dedicated entirely to recovery. Lots of sleeping. Lots. Mike continues his battle against Montezuma’s Revenge while Cynthia cooks soups and does everything she can to help.

For the final kilometres to Mérida, we get up early. We want to complete as much of the stage as possible before the heat of the day arrives. So there we are, ready at dawn. Our bicycles, however, have other plans. Flat tyre.Oh come on. Fortunately, it is more of a slow leak than a complete puncture, so we decide to continue and simply top up the air whenever necessary. The route is fantastic. Everything is straight, the road is flat, a gentle breeze is blowing, and we make excellent progress. After fifty kilometres, we even find an ice cream stand.

Upon arriving in Mérida, we quickly reach our Airbnb. It is a large colonial-style mansion where we rent a room. The kitchen and common areas are shared with other guests. It is probably the nicest Airbnb we have stayed in during the entire trip so far. Excellent.

Over the next few days, Mike sleeps a great deal and continues fighting off the bugs in his system. Slowly but surely, he regains his strength. We extend our stay and decide to remain here for at least a week.

 
 
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