Km 36051 - Km 36186_Mérida – Pisté
- 10. Juli
- 8 Min. Lesezeit

Knapp zwei Tage unterwegs – und schon wieder so viel erlebt. Zum Glück lassen wir es gemütlich angehen. So bleibt immer wieder Zeit, die eine oder andere Geschichte festzuhalten.
Wir verlassen Mérida mit den ersten Sonnenstrahlen. Nach acht fahrfreien Tagen spüren wir die ersten Kilometer in den Knien und Schultern. Es ist aber nur etwas Flugrost – schon nach wenigen Metern fühlt sich alles wieder gut an. Unsere Route führt uns quer durch die Stadt, bis wir Mérida bei Kanasín endgültig hinter uns lassen. Der YUC folgend verpassen wir Acanceh beinahe, kommen dann aber doch noch in den Genuss, das herzige Städtchen zu durchfahren. Bunte Häuser säumen die Strassen – und mitten im Ort steht tatsächlich eine Maya-Pyramide. Zmittst drin.
Die weitere Strecke verläuft ruhig. Typisch für die Halbinsel Yucatán: flaches Land, niedriger Trockenwald, Buschwerk und vereinzelte Felder. Vier Männer in einem PickUp - der eine liegt in einer gepannten Hängematte auf der Ladefläche - schenken uns eine Flasche Ananassaft und einen Kuchen. Wir kommen gut voran und erreichen Homún bereits kurz nach neun Uhr. Unsere Etappen planen wir jeweils nur sehr grob. Eigentlich wollten wir einfach irgendwie von Mérida nach Pisté gelangen und suchten uns am Abend zuvor ungefähr auf halber Strecke eine Übernachtungsmöglichkeit. Dass Homún zu den schönsten Ausflugszielen Yucatáns gehört, wussten wir allerdings nicht.
Der kleine Ort gilt als Tor zum sogenannten Ring der Cenoten. Rundherum liegen unzählige natürliche Süsswasserhöhlen und -becken, die durch den Einsturz des Kalksteins entstanden sind. Manche liegen unter freiem Himmel, andere tief in Höhlen. Viele dieser Cenoten werden von Familien oder kleinen Kooperativen betrieben und sind über kurze Feldwege erreichbar.
Die Auswahl ist riesig – mehr als zwanzig Cenoten liegen praktisch in Gehdistanz. Wir entscheiden uns für den Klassiker: die Santa Bárbara Cenoten. Nach wenigen Minuten im Mototaxi stehen wir bereits am Ticketschalter. Hier kann man den Eintritt mit oder ohne Mittagessen buchen. Wir entscheiden uns für die Variante mit Verpflegung, wählen gleich unser Menü aus und erhalten anschliessend unsere Schwimmwesten. Kurz darauf sitzen wir in einem kleinen motorisierten Schmalspurbähnli. Unsere Erwartungen sind ehrlich gesagt eher bescheiden. Wir rechnen mit einer stark touristischen Anlage. Doch wir werden positiv überrascht. Zwar sind einige Besucher unterwegs, aber nirgends wirkt es überlaufen. Im Gegenteil. Alles ist hervorragend organisiert, sauber und gepflegt. Der Aufenthalt macht vom ersten Moment an grossen Spass.
Das Besondere an Santa Bárbara ist, dass sich auf dem Gelände vier sehr unterschiedliche Cenoten befinden, die alle ihren ganz eigenen Charme haben. Die Loki bringt uns zur ersten Station: der Cenote Casabel. Sie ist eine Höhlencenote. Über eine steile Treppe gelangen wir tief in die Kalksteinhöhle. Zwischen den jahrtausendealten Stalaktiten schimmert das kristallklare Wasser in einer fast mystischen Atmosphäre. Nur wenige Lichter weisen uns den Weg. Wir ziehen unsere Schwimmwesten an und halten vorsichtig die Zehen ins kühle Nass. Es ist traumhaft. Mitten in einer Höhle zu schwimmen, den Kopf in den Nacken zu legen und die beeindruckende Grotte zu bewundern, ist einfach unglaublich. Lange lassen wir uns treiben, bevor wir wieder ans Tageslicht zurückkehren.
Von dort aus spazieren wir zur zweiten Cenote. Sie heisst Chacsinkín und ist eine halb offene Cenote. Über eine breit geschwungene Wendeltreppe gelangen wir hinunter. Durch die Öffnung in der Decke fallen Sonnenstrahlen ins Wasser und erzeugen wunderschöne Lichtspiele. Kleine Fische begleiten uns beim Schwimmen, während über uns Schwalben und Fledermäuse um die Stalaktiten ihre Kreise ziehen. Das Wasser leuchtet in kräftigen Blau- und Türkistönen, die Pflanzen strahlen in sattem Grün und das warme Sonnenlicht taucht alles in ein goldenes Licht. Wir sind begeistert.
Nur wenige Gehminuten weiter erwartet uns die dritte Cenote. Xooch ist ebenfalls halb offen und begeistert mit besonders klarem, tiefem Wasser sowie üppiger Vegetation und etwas grösseren Fischlis. Hier machen wir sogar ein Erinnerungsfoto.
Anschliessend bringt uns das Bähnli zur vierten Cenote, die sich beim Eingang der Anlage befindet: Pool Cocom. Diese offene Cenote wird vollständig vom Tageslicht durchflutet. Auch hier verbringen wir eine ganze Weile im Wasser, geniessen die Ruhe, die Natur und einfach den Moment.
Danach geht es ins Restaurant, denn wir haben unser Essen bereits vorbestellt. Als wir ankommen, weiss das Personal sofort Bescheid. Der Kellner bestätigt unsere Bestellung noch einmal, und nur wenige Minuten später stehen die Teller vor uns. Das Essen ist hervorragend. Keine touristischen Klassiker wie Burger oder Pizza, sondern authentische, yucatekische Küche, die mit viel Liebe zubereitet und fein abgeschmeckt wurde. Wir sind rundum begeistert.
Später lassen wir uns ins Hotel zurückfahren, drehen noch eine Runde in diesem Pool und und so geht ein weiterer, richtig schöner Tag in Mexiko zu Ende.
Der nächste Morgen. Stammleser wissen Bescheid: Es geht früh los. Zuerst biegen wir links ab, um in Richtung Hocabá zu gelangen. Wir werden von vielen, ja wirklich vielen Hunden begrüsst. Sie traben neben uns her und applaudieren bellend. Irgendwann geben sie aber auf und lassen uns unseres Weges ziehen.
Bei Hocabá geht es dann nach rechts und wir pedalieren Richtung Xocchel. Unterwegs haben wir Platten Nummer achtzehn. Wir entscheiden uns, den Reserverpneu in den aktiven Dienst zu beordern. Kurz darauf erreichen wir die grössere Strasse und folgen ihr via Kanunil und Libre Unión bis zu unserem Tagesziel Pisté.
Auf dem Weg bekommen wir Besuch. Genau wie gestern fahren wir durch einen riesigen Schwarm Schmetterlinge. Es müssen Tausende sein – gelb, hellgrün und zwischendurch auch rot. Sie fliegen um und neben uns her. Bei manchen haben wir das Gefühl, sie begleiten uns. Die Summervögeli sind wunderschön, aber etwas kamerascheu.
Nach etwas über achtzig Kilometern erreichen wir Pisté und essen im Dorfkern zu Mittag. Es gibt sehr gutes Poulet mit Reis, Bohnen und Gemüse – ein Klassiker. Dazu trinken wir Limonade. Richtig viel Limonade. Unser Hotel ist gleich um die Ecke. Wir checken ein, freuen uns über das schöne Zimmer, springen kurz unter die Dusche und danach lange in den Pool. So, so schön.
Nun wird der Blog getippt und gedöst. Morgen wartet das nächste Abenteuer: Wir besuchen Chichén Itzá – eines der neuen sieben Weltwunder.
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Barely two days on the road – and already so much has happened. Luckily, we’re taking it easy. That way there’s always time to capture a few of these stories.
We leave Mérida with the first rays of sunlight. After eight days without riding, we feel the first kilometers in our knees and shoulders. But it’s only a bit of rust – after just a few minutes everything feels fine again. Our route takes us straight through the city until we finally leave Mérida behind at Kanasín. Following the YUC, we almost miss Acanceh, but then still get the chance to ride through this charming little town. Colorful houses line the streets – and right in the middle stands a real Maya pyramid. Right in the center.
The rest of the route is calm. Typical for the Yucatán Peninsula: flat land, low dry forest, scrub, and scattered fields. Four men in a pickup truck – one of them lying in a hammock stretched across the bed – hand us a bottle of pineapple juice and a piece of cake. We make good progress and reach Homún shortly after nine. We only roughly plan our stages. We basically just wanted to get from Mérida to Pisté somehow and had chosen a place to stay about halfway the night before. We didn’t know, however, that Homún is one of Yucatán’s most beautiful excursion destinations.
The small town is considered the gateway to the so-called Ring of Cenotes. All around are countless natural freshwater sinkholes and pools formed by collapsed limestone. Some are open-air, others deep inside caves. Many of these cenotes are run by families or small cooperatives and are accessible via short dirt roads.
The choice is huge – more than twenty cenotes are practically within walking distance. We decide on the classic: the Santa Bárbara Cenotes. After a few minutes in a mototaxi, we already reach the ticket counter. You can buy entry with or without lunch. We go for the option with food, choose our menu right away, and are then handed our life vests. Shortly after, we sit in a small motorized narrow-gauge train. To be honest, our expectations are rather modest – we assume it will be a heavily touristic setup. But we are pleasantly surprised. There are some visitors, but nowhere does it feel crowded. On the contrary, everything is extremely well organized, clean, and well maintained. From the very first moment, we really enjoy being here.
What makes Santa Bárbara special is that there are four very different cenotes on the grounds, each with its own character. The little train takes us to the first stop: Cenote Casabel. It is a cave cenote. We descend a steep staircase deep into the limestone cave. Between the ancient stalactites, the crystal-clear water shimmers in a nearly mystical atmosphere. Only a few lights guide our way. We put on our life vests and carefully dip our toes into the cool water. It’s magical. Swimming inside a cave, lying back and looking up at the impressive grotto, is simply incredible. We float for a long time before returning to the surface.
From there we walk to the second cenote. It is called Chacsinkín and is a semi-open cenote. A wide spiral staircase leads us down. Sunlight streams through the opening in the ceiling, creating beautiful light patterns on the water. Small fish accompany us as we swim, while above us swallows and bats circle around the stalactites. The water glows in deep blues and turquoise tones, the plants shine in rich green, and the warm sunlight bathes everything in golden light. We are impressed. Just a few minutes’ walk away, the third cenote awaits. Xooch is also semi-open and impresses with especially clear, deep water, lush vegetation, and slightly larger fish. We even take a souvenir photo here. Afterwards, the little train takes us to the fourth cenote, located near the entrance of the site: Pool Cocom. This open cenote is fully flooded with daylight. We spend a long time here as well, enjoying the water, the calm, the nature, and simply the moment.
After that, we head to the restaurant, since we had already pre-ordered our meal. As soon as we arrive, the staff immediately knows what’s going on. The waiter confirms our order, and just a few minutes later the plates arrive. The food is excellent – no touristy classics like burgers or pizza, but authentic Yucatán cuisine, lovingly prepared and beautifully seasoned. We are completely delighted.
Later we are driven back to the hotel, do another round in the pool, and so another wonderful day in Mexico comes to an end.
The next morning. Regular readers know what that means: an early start. First we turn left to head toward Hocabá. We are greeted by many – really many – dogs. They trot alongside us, barking as if applauding. Eventually they give up and let us continue on our way. Near Hocabá we turn right and pedal toward Xocchel. Along the way we get flat tire number eighteen. We decide to put the spare tire into active duty. Shortly after, we reach the main road and follow it via Kanunil and Libre Unión to our destination for the day: Pisté.
On the way we get a visit. Just like yesterday, we ride through a huge swarm of butterflies. There must be thousands – yellow, light green, and sometimes even red. They fly around and alongside us. At times it feels like they are accompanying us. The butterflies are beautiful, but a bit camera-shy.
After just over eighty kilometers, we reach Pisté and have lunch in the village center. We eat very good chicken with rice, beans, and vegetables – a classic. We drink lemonade. A lot of lemonade. Our hotel is just around the corner. We check in, enjoy the beautiful room, take a quick shower, and then spend a long time in the pool. So, so beautiful.
Now the blog is being written and we’re dozing off. Tomorrow’s next adventure awaits: we will visit Chichén Itzá – one of the new seven wonders of the world.

