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Km 38311 – Km 38536_Playa El Cuco – Nacaome

26. Sept.
7 Min. Lesezeit

Als wir am frühen Morgen bereit sind, das Hotel zu verlassen, ist dieses noch nicht so weit. Denn die Flut hat den Ausgang versperrt – da kommen wir nicht durch. Das Wasser zieht sich zwar langsam zurück, doch noch immer schwappt es vor dem Eingang hin und her. So tragen wir unsere sieben Sachen die Treppen hoch und verlassen das Haus schlussendlich durch das obere Stockwerk, das auf der Rückseite zur Hauptstrasse führt.


Die ersten Kilometer führen uns auf dem Boulevard El Cuco nach Osten. Dann biegen wir links ab nach Intipuca. Die Strasse ist sehr gut: frisch asphaltiert und wir kommen flott voran. Wunderbar. Nun kommt ja die Hauptstrasse, dann wird es noch besser gehen. Denkste! Kaum erreichen wir die CA-2, fangen die Schlaglöcher an. Die Strasse ist in schlechtem Zustand und wir fahren weite Strecken über Sand, Schotter und an Kuhherden vorbei. Ach ja. Und einen Platten gab es natürlich auch.



Noch nie auf dieser Reise haben wir eine so lange Pause zwischen den Erlebnissen und dem Festhalten unserer Erinnerungen gehabt. Diese sind mittlerweile etwas löchrig, und so müssen wir nun Mut zur Lücke beweisen.

Zum Zmittag finden wir in der Nähe des Weilers Los Angeles ein tolles Restaurant. Endlich gibt es mal wieder Sopa de Gallina und Chicharron de Cerdo. Es ist also für alle etwas dabei.

Je weiter wir nach Osten kommen, desto stärker öffnet sich das Gelände. Die Berge gehen in eine weite, flache Küsten- und Schwemmlandebene über. In der Ferne sehen wir Vulkan- und Berglandschaften. Nach einer holprigen Fahrt erreichen wir unser Tagesziel La Unión.

Kaum sind wir im Hotel angekommen, errichten wir eine kleine Werkstatt – denn es gab schon wieder einen Platten. Cynthia will sich gerade auf den Weg machen, um ein paar kühle Getränke zu kaufen, da wird sie auf der Strasse von einem jungen Mann angesprochen. Stefan aus den USA ist ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs und hat sein Zimmer im Hotel direkt nebenan.

So lustig: Für uns beide ist es nach jeweils sieben Monaten die erste Begegnung mit einem anderen Fahrradfahrer. Kurzerhand verabreden wir uns zum Abendessen. Wenige Stunden später ist es so weit und wir treffen uns vor dem Hotel. Stefan kennt eine Pupuseria und so spazieren wir gemeinsam dorthin. Mmmmh. War wirklich sehr fein! Stefan ist mit seinem Surfboard unterwegs und radelt mehr oder weniger immer am Atlantik den Wellen nach. Wir verbringen einen kurzweiligen Abend und freuen uns sehr über diese unerwartete Begegnung. Stefan nimmt am nächsten Tag die Fähre nach Nicaragua. Sicher treffen wir uns wieder. Wo mag das dann wohl sein? Wir freuen uns darauf.


Die Nacht ist anstrengend. Wir hatten uns gegen eine Klimaanlage entschieden und nun nur so einen lumpigen Ventilator. Unfassbar heiss! Aber auch diese Nacht geht vorbei und am nächsten Morgen starten wir wieder in das nächste Abenteuer.

La Unión verlassen wir in Richtung Westen. Nach knapp einem Kilometer haben wir den ersten Platten. Aktuell ist es wie verhext. Noch denken wir, das seien viele Platten. Doch was wirklich viele Platten sind, werden wir in den kommenden Tagen noch lernen.

Unsere Route führt uns vorbei am Área Natural Protegida Bahía de La Unión und weiter auf dem Pan-American Highway in den Süden bis nach Pasaquina. Heute ist Día de la Independencia, also der Unabhängigkeitstag. Im Jahr 1821 erklärten Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica ihre Unabhängigkeit von Spanien. Es gibt Paraden, Musik, traditionelle Tänze und oft auch Feuerwerke. Der Tag erinnert an die gemeinsame Geschichte und die Unabhängigkeit der zentralamerikanischen Länder.

Und wir passieren heute zwei dieser Paraden. Die Schulkinder tragen hübsche Uniformen und marschieren mit Triangeln, Trompeten und Trommeln durch die Gassen. Am Strassenrand stehen Menschen, die ihnen zuschauen und sie filmen.

Als wir durch ein kleines Dorf fahren, ruft es plötzlich von der Seite: «Hola, Hola, Hola …» Wir winken wie gewohnt, sehen aber niemanden. Verdutzt schauen wir ein zweites Mal hin. Da sitzen doch tatsächlich zwei grüne Papageien in einem pinkigen Baum und rufen: «Hola, Hola, Hola …». Es klingt wie ein Chor. Kaum kommen wir näher, werden die Vögel etwas schüüch und aus ihren Schnäbeln kommen nur noch einzelne Grusswörter. Wir sind entzückt.


Kurz darauf erreichen wir den Grenzübergang El Amatillo. Adiós, schönes El Salvador. Es war uns eine grosse Freude!

Nur wenige Minuten später sind wir zurück in Honduras. Hier im Süden sieht das Land total anders aus als noch vor wenigen Wochen im Norden. Es ist trocken, staubig und wirkt um einiges einfacher.

Direkt nach El Amatillo ist die Umgebung zunächst stark vom Grenzverkehr geprägt. Lastwagen, Busse, Motorräder und kleinere Fahrzeuge sind unterwegs. Dann wird es ländlicher. Die Strasse führt uns durch trockene Erde und vorbei an staubigen Seitenstreifen und Grasflächen. Einzelne grosse Bäume spenden etwas Grün. Die Sonne ist intensiv, die Landschaft wirkt weit und offen. Ausserhalb der Ortschaften gibt es längere Abschnitte, in denen kaum etwas anderes als die Berge am Horizont zu sehen ist.

Auf der Strasse begegnen uns Einspänner mit klapprigen Pferden und Zweispänner mit kräftigen Ochsen. Landarbeiter kommen uns zu Ross entgegen, und am Strassenrand tummeln sich Hühner, Schweine, Ziegen und Hunde.

Der Panamericana folgend, haben wir wieder ein paar Platten und erreichen am späteren Nachmittag nach etwa 80 Kilometern den Ort Nacaome. Hier finden wir ein herziges Hotelzimmer, in dem wir uns richtig wohlfühlen. Und: Es hat wieder eine Klimaanlage. Halleluja!


Mike repariert dieses und jenes, während Cynthia sich von einem Tuk-Tuk zum Einkaufen fahren lässt. Wir sind fix und foxi. Nach der gestrigen Nacht und dem heute doch sehr anstrengenden Tag freuen wir uns auf tiefen Schlaf im kühlen Bett.


***


When we are ready to leave the hotel early in the morning, the hotel itself is not quite ready for us to go. The tide has blocked the exit – there is simply no way through. The water is slowly receding, but it is still sloshing back and forth in front of the entrance. So we carry all our belongings up the stairs and eventually leave the building through the upper floor, which leads out onto the main road at the back.

The first few kilometres take us east along Boulevard El Cuco. Then we turn left towards Intipuca. The road is excellent: freshly paved and we make good progress. Wonderful. Now we’ll reach the main road, so surely things will get even better. Think again! As soon as we reach the CA-2, the potholes begin. The road is in poor condition and for long stretches we ride over sand and gravel, passing herds of cattle along the way. Oh yes. And, of course, we get another flat tyre.

Never before on this journey have we had such a long gap between experiencing things and recording our memories. By now, our memories are somewhat patchy, so we now have to embrace the gaps.

For lunch, we find a great restaurant near the hamlet of Los Angeles. Finally, there is Sopa de Gallina and Chicharrón de Cerdo again. So there is something for everyone.

The further east we travel, the more the landscape opens up. The mountains give way to a wide, flat coastal and alluvial plain. In the distance, we can see volcanic and mountainous landscapes. After a bumpy ride, we reach our destination for the day, La Unión.

As soon as we arrive at the hotel, we set up a little workshop – because, yes, we have another flat tyre. Cynthia is just about to head out to buy some cold drinks when a young man approaches her on the street. Stefan from the USA is also travelling by bicycle and has his room at the hotel right next door.

How funny: after seven months each, this is the first time either of us has met another cyclist. We quickly arrange to have dinner together. A few hours later, the time has come and we meet in front of the hotel. Stefan knows a pupuseria, so we walk there together. Mmmmh. It was really delicious! Stefan is travelling with his surfboard and more or less always follows the waves along the Atlantic coast. We spend a lovely evening together and are delighted by this unexpected encounter. Stefan is taking the ferry to Nicaragua the next day. Surely we’ll meet again. But where might that be? We’re looking forward to it.

The night is a tough one. We had decided against air conditioning and now only have this lousy little fan. Unbelievably hot! But this night passes too, and the next morning we set off on our next adventure.

We leave La Unión heading west. After barely a kilometre, we get our first flat tyre. At the moment, it feels like we are cursed. We still think this is a lot of flat tyres. But over the next few days, we are going to learn what a lot of flat tyres really means.

Our route takes us past the Área Natural Protegida Bahía de La Unión and continues south along the Pan-American Highway to Pasaquina. Today is Día de la Independencia, Independence Day. In 1821, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua and Costa Rica declared their independence from Spain. There are parades, music, traditional dances and often fireworks. The day commemorates the shared history and independence of the Central American countries.

And today we pass two of these parades. The schoolchildren wear beautiful uniforms and march through the streets with triangles, trumpets and drums. People stand along the roadside watching them and filming.

As we ride through a small village, we suddenly hear someone calling from the side: “Hola, hola, hola …” As usual, we wave, but we can’t see anyone. Puzzled, we take another look. And there they are: two green parrots sitting in a pinkish tree, calling out, “Hola, hola, hola …” It sounds like a choir. As soon as we get closer, the birds become a little shy, and only individual greetings come out of their beaks. We are delighted.

Shortly afterwards, we reach the El Amatillo border crossing. Adiós, beautiful El Salvador. It was a great pleasure!

Just a few minutes later, we are back in Honduras. Down here in the south, the country looks completely different from what we saw in the north a few weeks ago. It is dry, dusty and seems considerably more basic.

Immediately after El Amatillo, the surroundings are strongly shaped by border traffic. Trucks, buses, motorcycles and smaller vehicles are on the move. Then the landscape becomes more rural. The road takes us through dry earth, past dusty verges and grassy areas. Individual large trees provide a touch of green. The sun is intense and the landscape feels wide and open. Outside the towns, there are long stretches where there is hardly anything to see except the mountains on the horizon.

On the road, we encounter horse-drawn carts with rickety horses and carts pulled by pairs of sturdy oxen. Farm workers ride towards us on horseback, while chickens, pigs, goats and dogs roam along the roadside.

Following the Pan-American Highway, we have a few more flat tyres and reach the town of Nacaome in the late afternoon after around 80 kilometres. Here we find a cute little hotel room where we feel really comfortable. And: it has air conditioning again. Hallelujah!

Mike repairs this and that, while Cynthia takes a tuk-tuk to go shopping. We are completely wiped out. After last night and what has been a very tiring day today, we are looking forward to a deep sleep in a cool bed.

 
 
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