Km 37163_Tikal
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Nach dem Frühstück spazieren wir ein paar Strassen weiter durch den Ort und werden dann kurz vor Neun Uhr von unserem Fahrer und Guide abgeholt. Mit im Bus sind noch sieben junge Guatemalteken, zwei Mexikaner und eine Amerikanerin. Obwohl wir direkt am Nationalpark wohnen, führt die Fahrt uns ungefähr fünfzehn Kilometer in den Dschungel hinein, bis wir an eine Schranke gelangen. Hier können wir gegen Vorweisen des Passes unser Ticket kaufen. Halleluja wird auch ein Foto akzeptiert, sonst wäre das für eine von uns ein kurzer Ausflug geworden. Danach geht die Fahrt nochmals geschlagene siebzehn Kilometer weiter. Wir sind also mitten im Zmittstdrin. Nach der Ankunft teilt sich die Gruppe auf – offenbar haben nicht alle das gleiche Angebot gebucht. Wir bleiben zusammen mit fünf Guatemalteken bei Gerver, unserem Guide. Er führt uns zu einer weiteren Ticketkontrolle, wir bekommen ein farbiges Bändeli am Arm und dann geht es endlich los.
Damit du einen kurzen Überblick darüber bekommst, was wir heute hier besichtigen, haben wir ein paar Hintergrundinformationen für dich zusammengestiflet:
Tikal ist eine der bedeutendsten Ruinenstädte der Maya und eine der eindrucksvollsten archäologischen Stätten Amerikas. Sie liegt im tropischen Regenwald im Norden Guatemalas und war zwischen etwa 200 und 900 n. Chr. ein politisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum der Maya. Seit 1979 gehört Tikal gemeinsam mit dem umliegenden Nationalpark zum UNESCO-Welterbe – sowohl wegen seiner kulturellen als auch seiner natürlichen Bedeutung.
Die Anlage umfasst hoch aufragende Tempel, gewaltige Paläste und zahlreiche weitere Gebäude, die im dichten Regenwald verborgen liegen. Tikal erstreckt sich über 65 Quadratkilometer, der für Besucher zugängliche Bereich umfasst 16 Quadratkilometer mit über 3000 Bauwerken. Der gesamte Nationalpark ist rund 575 Quadratkilometer gross. Das ist in etwa so gross wie der Genfersee.
Die ersten Siedlungen entstanden um 600 v. Chr. Während der klassischen Maya-Zeit entwickelte sich Tikal zu einer der mächtigsten Metropolen Mesoamerikas. Auf dem Höhepunkt im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. lebten dort und in der Umgebung vermutlich 60000 bis über 100000 Menschen. Die Stadt umfasste mehr als 100 Quadratkilometer. Obwohl bisher über 3000 Gebäude freigelegt wurden, zeigen moderne LiDAR-Scans über 60000 weitere versteckte Strukturen wie Strassen, Mauern und Häuser unter dem Waldboden. Ja zugegeben, die vielen Zahlen machen ein kleines Hirnbääm. Aber schon spannend, oder?
Der Name Tikal bedeutet in der Maya-Sprache „an der Wasserstelle“. Da kein grosser Fluss vorhanden war, entwickelten die Maya ein ausgeklügeltes System aus unterirdischen Kanälen und grossen Becken, um Regenwasser zu sammeln und die Bevölkerung zu versorgen.
Tikal war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern spielte über Jahrhunderte eine wichtige politische Rolle in der Maya-Welt. Die Herrscher führten Bündnisse und Kriege mit anderen bedeutenden Städten wie Calakmul und Copán. Die Geschichte Tikals ist durch steinerne Monumente, sogenannte Stelen, gut dokumentiert. Diese enthalten Informationen über Herrscher, Dynastien, Kriege und wichtige Daten. Gerver hat uns ein paar der Zeichen erklärt und gezeigt, wie man sie deutet. Noch sind wir nicht sattelfest, aber spannend war es allemal.
Im 9. Jahrhundert wurde Tikal vermutlich aufgrund einer Kombination aus Umweltveränderungen, politischen Konflikten und sozialen Umbrüchen aufgegeben. Danach überwucherte der Regenwald die Ruinen. Obwohl Reisende die Stadt bereits im 19. Jahrhundert beschrieben, begannen systematische Ausgrabungen erst im 20. Jahrhundert. Bis heute sind viele Gebäude vom Wald bedeckt und nur etwa 15 bis 20 Prozent der Anlage freigelegt.
Tikal ist auch durch die Filmgeschichte bekannt: Luftaufnahmen der Tempel dienten in „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ als Kulisse für die Rebellenbasis auf Yavin 4.
Hintergrundinfo Ende.
Nun stehen wir also zu acht mitten im Dschungel und spazieren über die breiten, mit Steinen ausgelegten Wege, wie man sie hier überall findet. Doch schon nach wenigen Metern schlägt sich Gerver ins Unterholz – und wir hinterher. Der Trampelpfad ist schmal und definitiv nicht für die breite Besucherschaft gedacht. Gerver erzählt uns, dass die Landkarten der Gegend seit über hundert Jahren nicht mehr aktualisiert wurden. Das führt dazu, dass jedes Jahr mehrere Touristen, die auf eigene Faust unterwegs sind, verloren gehen und entweder nicht mehr lebend oder gar nicht mehr aufgefunden werden. Oh.
Im Nationalpark leben unter anderem Jaguare, Pumas, Brüll- und Klammeraffen, Tukane sowie Aras. Gerver zeigt uns einige private Aufnahmen seiner Begegnungen mit Jaguaren – das letzte Filmli wurde direkt hier um die Ecke, vor gerade einmal fünf Tagen, aufgenommen. Und wir sagen euch: Selbst wenn man den Zoom noch mit einrechnet, war dieser Jaguar beeindruckend nah. Und schön. Dass man sich hier auf den Trampelpfaden verirren kann, ist absolut nachvollziehbar. Vielleicht nicht gerade dort, wo wir unterwegs waren – hier hört man immer wieder andere Besucher auf den grossen Wegen. Aber ein paar Hundert Meter weiter? Da sieht die Sache schon ganz anders aus. Mitten im Busch zeigt uns Gerver dann eine Stelle mit alten Fahrzeugen. Drei oder vier komplett durchgerostete Fords stehen dort auf einem Haufen. Sie wirken, als wären sie vor rund hundert Jahren einfach abgestellt und seitdem vergessen worden.
Kurze Zeit später erreichen wir die ersten Ruinen. Steile, leicht von Gras überwachsene Treppen führen weit hinauf. Oben schweift der Blick über den Dschungel. In der Ferne ragen weitere Pyramidenspitzen aus dem dichten Regenwald empor. Zwischen den Tempeln hören wir das laute Brüllen der Affen und die Rufe tropischer Vögel.
Die Anlage ist so gewaltig und beeindruckend, dass wir den ganzen Tag das Gefühl hatten, all diese Eindrücke gar nicht richtig verarbeiten zu können. Die Wege zwischen den Bauten sind weit und oben auf den Pyramiden eröffnet sich ein 360-Grad-Panoramablick. Man sieht nichts als Urwald. Urwald. Urwald. Und weit in der Ferne ragen die Spitzen weiterer monumentaler Bauwerke aus dem dichten Grün. Die Pyramiden sind nicht nur hoch – sie stehen auch auf ebenso riesigen, von Menschenhand errichteten Plattformen. Eine zwanzig Meter hohe Pyramide erhebt ihre Spitze also rund vierzig Meter über den ursprünglichen Erdboden. Und das alles entstand ohne Maschinen, Strom oder industrielles Werkzeug. Kaum zu begreifen. Dann denkt man an das Alter dieser Gebäude, an die Geschichte der Maya, an die Grösse ihrer Zivilisation, an die Hitze und daran, wie überwältigend dieser Ort ist. Alles wirkt gleichzeitig mächtig, faszinierend und beinahe unwirklich. Wir waren wirklich geflasht und haben unzählige schöne Fotos gemacht. Aber kein Foto kommt an das Gefühl heran, das wir hier vor Ort hatten. Es war einfach Bääääm.
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After breakfast, we walk a few streets through the town and are then picked up shortly before nine o’clock by our driver and guide. Also on the bus are seven young Guatemalans, two Mexicans, and an American woman. Although we are staying right next to the national park, the drive takes us about fifteen kilometres deeper into the jungle until we reach a barrier. Here, we can buy our tickets by showing our passports. Hallelujah, a photo of the passport is also accepted – otherwise, this would have been a very short excursion for one of us. After that, the journey continues for another full seventeen kilometres. So, we are really right in the middle of nowhere.
After arriving, the group splits up – apparently, not everyone booked the same package. We stay together with five Guatemalans and Gerver, our guide. He leads us to another ticket checkpoint, we receive a colourful wristband, and then we can finally begin.
To give you a brief overview of what we are visiting today, we have put together some background information:
Tikal is one of the most important Maya ruined cities and one of the most impressive archaeological sites in the Americas. It lies in the tropical rainforest of northern Guatemala and was a political, economic, and religious centre of the Maya between approximately 200 and 900 AD. Since 1979, Tikal, together with the surrounding national park, has been a UNESCO World Heritage Site – recognised both for its cultural and natural significance.
The site includes towering temples, enormous palaces, and numerous other structures hidden within the dense rainforest. Tikal covers an area of 65 square kilometres, while the part accessible to visitors covers 16 square kilometres and contains more than 3,000 structures. The entire national park is around 575 square kilometres in size – roughly equivalent to the area of Lake Geneva.
The first settlements appeared around 600 BC. During the Classic Maya period, Tikal developed into one of the most powerful cities in Mesoamerica. At its peak in the 7th and 8th centuries AD, an estimated 60,000 to more than 100,000 people lived there and in the surrounding area. The city covered more than 100 square kilometres. Although more than 3,000 buildings have been uncovered so far, modern LiDAR scans have revealed more than 60,000 additional hidden structures beneath the forest floor, including roads, walls, and houses. Yes, admittedly, all these numbers can make your head spin a little. But it is fascinating, isn’t it?
The name Tikal means “at the water source” in the Maya language. Since there was no large river nearby, the Maya developed a sophisticated system of underground channels and large reservoirs to collect rainwater and supply the population.
Tikal was not only a religious centre but also played an important political role in the Maya world for centuries. Its rulers formed alliances and fought wars with other major cities such as Calakmul and Copán. The history of Tikal is well documented through stone monuments known as stelae. These contain information about rulers, dynasties, wars, and important dates. Gerver explained some of the symbols to us and showed us how they can be interpreted. We are certainly not experts yet, but it was fascinating nonetheless.
In the 9th century, Tikal was likely abandoned due to a combination of environmental changes, political conflicts, and social upheaval. Afterwards, the rainforest reclaimed the ruins. Although travellers described the city as early as the 19th century, systematic excavations only began in the 20th century. To this day, many buildings remain covered by forest, and only around 15 to 20 percent of the site has been excavated.
Tikal is also famous through film history: aerial shots of the temples were used in “Star Wars: Episode IV – A New Hope” as the setting for the Rebel base on Yavin 4.
Background information over.
So here we are: eight people standing in the middle of the jungle, walking along the wide stone-paved paths that can be found throughout the site. But after only a few metres, Gerver suddenly disappears into the undergrowth – and we follow him. The narrow trail is definitely not intended for the average visitor. Gerver tells us that the maps of the area have not been updated for more than a hundred years. As a result, every year several tourists who explore the area on their own get lost and are either never found or are not found alive. Oh.
The national park is home to, among others, jaguars, pumas, howler monkeys, spider monkeys, toucans, and macaws. Gerver shows us some private recordings of his encounters with jaguars – the most recent video was taken right here nearby, just five days ago. And believe us: even taking the zoom into account, this jaguar was impressively close. And beautiful.
The fact that people can get lost on these trails is completely understandable. Perhaps not exactly where we are walking – here, you can still hear other visitors on the main paths. But a few hundred metres further away? The situation looks completely different. Deep in the jungle, Gerver shows us a place with old vehicles. Three or four completely rusted-out Fords are piled up there. They look as if they were simply abandoned around a hundred years ago and forgotten ever since.
A short time later, we reach the first ruins. Steep stairways, slightly overgrown with grass, lead far upwards. At the top, the view stretches across the jungle. In the distance, more pyramid peaks rise above the dense rainforest. Between the temples, we hear the loud roars of monkeys and the calls of tropical birds.
The site is so vast and impressive that we spent the entire day feeling as if we could not truly process all these impressions. The paths between the structures are long, and from the tops of the pyramids, you get a 360-degree panoramic view. There is nothing but rainforest. Rainforest. Rainforest. And far away, the peaks of further monumental structures emerge from the dense green.
The pyramids are not only tall – they also stand on enormous platforms built by human hands. A pyramid that is twenty metres high therefore rises around forty metres above the original ground level. And all of this was created without machines, electricity, or industrial tools. It is almost impossible to comprehend.
Then you think about the age of these buildings, the history of the Maya, the size of their civilisation, the heat, and just how overwhelming this place is. Everything feels powerful, fascinating, and almost unreal at the same time. We were truly blown away and took countless beautiful photos. But no photograph can capture the feeling we had standing there in person. It was simply incredible.

