Km 37213 - Km 37398_Santa Elena - Chisec

Die Tage in Santa Elena taten uns gut. Wir haben viel selbst gekocht, die Hektik draussen gelassen und die gemeinsame Zeit genossen. An einem Tag spazierten wir zu einem Veloladen und waren richtig erfolgreich. Wir kauften Speichenschlüssel und sogar einen Fahrradcomputer. An einem anderen Tag erkundeten wir die Insel Flores. Ausserdem kümmerten wir uns um die Wäsche und die Routenplanung, die inzwischen schon wieder ganz anders aussieht.
Nach fünf Tagen Erholung ging es dann aber wieder weiter. Nachdem wir das gesamte Gepäck und die Räder die paar Stockwerke nach unten geschleppt haben, geht es im Morgengrauen los. Wir verlassen die Stadt in Richtung San Benito. Danach führt uns die Carretera nach San Antonio. Kurz danach hört der Asphalt auf, die Strasse besteht für die nächsten Kilometer aus Schotter und führt uns durch leicht hügeliges Gelände mit Weideland und Feldern. Es nieselt leicht, und wir geniessen die Abwechslung. Auf der PET11 haben wir dann wieder Asphalt unter den Rädern und es rollt sich einiges leichter. In El Subin frühstücken wir in einem kleinen Lokal die hier typischen Rühreier mit Bohnen, Tortillas und einer Art Sahne.
Die Landschaft ist extrem schön und fast unwirklich grün. Es hat viel Weideland, sanfte Hügel und kleine Seen. Immer wieder überholen uns kleinere und grössere Lastwagen, die mit Kühen und Kälbern beladen sind. Eine der Kühe pieselt gerade bei einem Überholmanöver – wir standen definitiv zur falschen Zeit am falschen Ort.
Am frühen Nachmittag erreichen wir Sayaxché. Der Ort liegt am Ufer des Río La Pasión, einem wichtigen Fluss, der seit Jahrhunderten als Verkehrs- und Handelsweg dient. Über den Fluss führt keine Brücke, sodass sämtliche Lastwagen, Viehtransporter, Minibusse, Privatautos, Motorräder und eben auch Pédaleurs auf kleine Pontonfähren mit Aussenbordern verladen und auf die andere Seite gefahren werden. Am anderen Ufer angekommen, rumst der Ponton in eine Steinaufschüttung und verkeilt sich dort im Sand. Kleine Fahrzeuge können direkt runterfahren, bei den Grossen wird der Motor nochmals kurz angeschmissen, um das Wegdriften des Boots zu vermeiden.
Auf der anderen Flussseite angekommen, erreichen wir Sayaxché definitiv. Cynthia fährt direkt den Hügel hoch, während Mike noch einen Schwatz mit einem Guatemalteken hält. Der junge Mann zeigt seinen Presseausweis und interviewt Mike kurzerhand.
Kurz darauf fahren wir gemeinsam durch die wuselige Stadt. Sie ist ganz anders als alles, was wir bisher von Guatemala kennengelernt haben. Es ist fröhlich, wild und richtig was los. Ein Hotel finden wir schnell und wir dürfen auch schon auf das Gelände. Doch ins Zimmer dürfen wir frühestens um 14 Uhr. Strenge Regel der Stadt. Oder so ähnlich. Auf der anderen Strassenseite werden Bananen und Erdbeeren in Schokolade verkauft. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Verkäuferin hat uns bei der Zufahrt bereits gesehen und schenkt uns den süssen Snack als Willkommensgeschenk. So herzig. Bepackt mit dem feinen Dessert machen wir es uns im Innenhof des Hotels bequem. Praktischerweise hat es eine Dusche. Die nutzen wir spontan und verbringen den Rest der Wartezeit im Pool. Könnte schlimmer sein. Nach dem Check-in machen wir
uns direkt auf die Socken und erkunden die Stadt. Wir essen ein paar Tacos und besorgen Getränke für den nächsten Tag. Danach schlendern wir noch etwas an den Fluss und schauen dem bunten Pontontreiben zu.
Heute erwarten uns einige Kilometer. Deshalb sind wir bereits unterwegs, als die Stadt noch schläft, und können mit den ersten Sonnenstrahlen losradeln. Die ersten Kilometer führen uns durch den Dschungel und den Nationalpark El Rosario. Es geht gemächlich auf und ab, und anfangs denken wir noch, wir könnten den ganzen Tag im Schatten der Bäume verbringen. Doch dem ist nicht so.
Wir passieren mehrere kleine Orte, die auf der Karte nicht verzeichnet sind. Umgekehrt fehlen einige Ortschaften, die auf den Karten eingezeichnet wären. Gleichzeitig entstehen überall neue Dörfer. An den Strassenrändern stehen Schilder: Hier kommt dann mal eine Kirche, dort eine Arztpraxis, da ein Hotel und dort ist eine Wohnsiedlung geplant. Es fehlen nur noch die Investoren. Auf der ganzen Strecke ist deshalb nur wenig los, und wir fahren und schieben uns den Tag über auf der PET11 voran. Hier scheinen Serpentinen weitgehend unbekannt zu sein. Statt sich den Hang hinaufzuschlängeln, führt die Strasse einfach pfeilgerade nach oben. Das ist nicht nur für uns anstrengend – auch die Lastwagen röhren aus dem letzten Loch. Einmal angehalten, ist ein erneutes Anfahren praktisch unmöglich. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ein Stück zurückzurollen und neu Anlauf zu nehmen. Das möchte natürlich niemand.
Also kämpfen sich die LKWs auf Biegen und Brechen den Hügel hinauf. Komme, was wolle – zurücksetzen scheint keine Option zu sein. Wir haben dieses Spiel schnell durchschaut und weichen den Lastwagen jeweils rechtzeitig aus.
In der Gegend gibt es viel Weideland, Maisfelder, Ölpalmenplantagen und verstreute Siedlungen. Auf den Weiden grasen Pferde und Kühe, vor den Häusern leben Schweine, Hunde, Hühner und Gänse. Immer wieder flattert oder gackert es vor uns über die Strasse.
In der Ferne sehen wir die Sierra de Chinajá – die ersten richtigen Hügel seit mehreren Wochen. Sanft und ruhig liegen sie da: runde, dicht bewaldete Gipfel, eine scheinbar endlose Decke aus tropischem Wald. Die Gegend gehört zu den ursprünglichsten Landschaften Guatemalas: ein Übergangsbereich zwischen den weiten Regenwäldern Peténs und den feuchten Bergen von Alta Verapaz. Wir sind nun fast wieder am gleichen Ort wie vor rund zwei Monaten. Comitán in Mexiko ist nur noch einen Katzensprung entfernt.
In La Ceiba sehen wir eine Tankstelle mit Restaurant und beschliessen, etwas zu essen. Kaum haben wir bestellt, fahren zwei Touristenbusse vor. Zwei Dutzend Touristinnen und Touristen steigen aus, decken sich mit Chips und Wasser ein, hören Sprachnachrichten ab und vertreten sich die Beine. Ein paar Minuten später sitzen sie wieder im Bus und es scheint, als wäre nichts gewesen. Zur kurzen Irritation der Einheimischen bleiben wir sitzen und essen in aller Ruhe weiter.
Wenig später erreichen wir mit Alta Verapaz den nächsten Bundesstaat. Ab sofort wirkt alles anders: Es ist wuselig, laut und chaotisch. Es wird gewunken und gehupt. Kinder rufen aus den Hütten oder springen auf die Strasse, um uns zuzuwinken. Die Frauen kichern verlegen, und die Männer möchten Fotos machen. Die Pédaleurs – Gringo und Gringa – sind in der Gegend angekommen. Es herrscht allgemeine Aufregung. Vermutlich werden Touristen hier kaum gesehen, ausser wenn man sich gerade bei der einen Tankstelle aufhält, wo alle auf ihrer Fahrt von Antigua nach Flores pausieren.
An der Kreuzung von San Antonio halten wir bei einer weiteren Tankstelle an und besorgen uns frische Getränke. Auch an dieser kleinen Kreuzung ist erstaunlich viel los. Sie dient als Bushaltestelle für Sammelfahrten in alle Himmelsrichtungen.
Schon aus der Entfernung hört man das aufgeregte Hupen der Busse. Sobald ein Bus anhält, springen eine Handvoll fliegender Händler in das bereits völlig überfüllte Fahrzeug und bieten Snacks, Getränke oder kleine Geschenke an. Keine zehn Sekunden später ist der Spuk vorbei: Alle die nicht für die Fahrt bezahlt haben werden wieder aus dem Bus gedrückt, und dieser fährt mit heulendem Motor davon. Glück haben die Händler, wenn auch der Tank noch gefüllt werden muss, das verschafft Verkaufszeit.
Auch für uns geht es weiter – aber nur noch ein kleines Stück. Nach etwas mehr als neunzig Kilometern und rund achthundert Höhenmetern erreichen wir das Hotel, das wir als Tagesziel festgelegt hatten. Der Hotelier freut sich sichtlich über unseren Besuch und macht direkt ein paar Fotos mit uns. Das Zimmer ist super, der Pool gigantisch und die Limonade erfrischend. Ein richtig schöner Abschluss eines sehr anstrengenden, abwechslungsreichen und tollen Tages.
Heute schlafen wir etwas länger, denn wir haben nur eine ganz kurze Etappe geplant. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind auf unserer Strecke nicht schön regelmässig verteilt und so schauen wir jeweils ein, zwei Tage im Voraus, wie weit wir fahren werden. Heute also nur ein kurzes Stück, denn morgen ist ultraweit. Alternativ wäre heute ultraultraweit. Lieber nicht. Gegen sieben Uhr geht es los, die Sonne strahlt uns an und wir folgen der gleichen Strecke wie gestern – zuerst gen Westen, dann in den Süden. Wir schieben die pfeilgeraden Hügel hoch, rollen rasant runter, bremsen scharf unten beim Topes der hier Túmulo heisst und schieben danach wieder nach oben.
Nach etwa zwei Stunden haben wir das Ziel erreicht und checken in Chisec in einem riesigen Hotel ein. Es hat scheinbar mehr Betten als das ganze Dorf und wir sind die einzigen Gäste. Jedenfalls vorerst – gegen Abend dann treffen noch ein paar einzelne Personen ein. Das Hotel hat einen Pool, mehrere Wasserrutschen, eine Tanzhalle und zwei Wachhunde. Im Dorf ist es eher ruhig. Da heute Sonntag ist, haben viele Läden und Restaurants geschlossen. Wir finden dann aber noch ein Lädeli das uns ein paar Sachen verkauft und kochen anschliessend selbst. Den Rest des Tages lassen wir ruhig angehen, geniessen die Ruhe und schreiben die eine oder andere Geschichte. Morgen erwartet uns ein strenger Tag. Zweitausendvierhundert Höhenmeter sind angesagt. Mal gögs wie das wird. Und ob wir wirklich nirgends schlafen können dazwischen. Wir werden sehen, dann wissen wir es und berichten dann.
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The days in Santa Elena did us good. We cooked a lot ourselves, left the hustle and bustle outside, and enjoyed our time together. One day we walked to a bike shop and were really successful. We bought spoke wrenches and even a bike computer. On another day we explored the island of Flores. We also took care of the laundry and route planning, which by now already looks completely different again.
After five days of recovery, it was time to move on. After carrying all our luggage and the bikes down the few flights of stairs, we set off at dawn. We leave the city heading towards San Benito. From there, the carretera takes us to San Antonio. Shortly afterwards, the asphalt ends. For the next few kilometres, the road consists of gravel and leads us through gently hilly terrain with pastures and fields. It is drizzling lightly, and we enjoy the change. On the PET11, we are back on asphalt and the riding becomes much easier. In El Subin, we have breakfast in a small local restaurant: the typical scrambled eggs with beans, tortillas, and a kind of cream.
The landscape is extremely beautiful and almost unrealistically green. There are many pastures, gentle hills, and small lakes. Again and again, smaller and larger trucks overtake us, loaded with cows and calves. One of the cows is peeing right at the moment a truck passes us – we were definitely in the wrong place at the wrong time.
In the early afternoon, we reach Sayaxché. The town lies on the banks of the Río La Pasión, an important river that has served as a transport and trade route for centuries. There is no bridge across the river, so all trucks, cattle transporters, minibuses, private cars, motorcycles, and of course also cyclists are loaded onto small pontoon ferries with outboard motors and taken to the other side. Once we reach the opposite bank, the pontoon crashes into a pile of rocks and gets stuck there in the sand. Small vehicles can simply drive off, while for the larger ones the engine is started briefly again to prevent the boat from drifting away.
Having reached the other side of the river, we finally arrive in Sayaxché. Cynthia rides straight up the hill, while Mike is still chatting with a Guatemalan man. The young man shows his press ID and promptly interviews Mike.
Shortly afterwards, we ride together through the lively town. It is completely different from anything we have experienced in Guatemala so far. It is cheerful, wild, and there is a lot going on. We quickly find a hotel and are already allowed onto the property. However, we cannot enter the room before 2 p.m. A strict town rule. Or something like that. Across the street, bananas and strawberries covered in chocolate are being sold. Naturally, we do not want to miss that. The saleswoman had already seen us arriving and gives us the sweet snack as a welcome gift. So lovely." Carrying the delicious dessert, we make ourselves comfortable in the hotel courtyard. Conveniently, there is a shower. We spontaneously use it and spend the rest of the waiting time in the pool. Things could be worse.
After checking in, we immediately head out and explore the town. We eat a few tacos and buy drinks for the next day. Afterwards, we stroll along the river for a while and watch the colourful activity around the pontoons.
Today we have quite a few kilometres ahead of us. That is why we are already on the road while the town is still asleep, and we can start cycling with the first rays of sunlight. The first kilometres take us through the jungle and El Rosario National Park. The road gently rises and falls, and at first we think we might be able to spend the whole day in the shade of the trees. But that is not the case.
We pass several small settlements that are not marked on the map. On the other hand, some villages shown on the maps are missing. At the same time, new villages are springing up everywhere. Along the roadside there are signs saying: here a church will be built, there a medical practice, over there a hotel, and a residential area is planned somewhere else. All that is missing are the investors.
Because of this, there is very little traffic along the entire route, and we spend the day slowly making our way along the PET11, sometimes cycling and sometimes pushing. Here, hairpin bends seem to be largely unknown. Instead of winding its way up the slope, the road simply goes straight upwards like an arrow. This is not only exhausting for us – the trucks are also roaring at their absolute limit. Once they stop, starting again is practically impossible. They have no choice but to roll backwards a little and build up momentum again. Of course, nobody wants that to happen.
So the trucks fight their way up the hills by any means necessary. Whatever happens – reversing does not seem to be an option. We quickly understand how this works and make sure to get out of the way of the trucks in good time.
The area is characterised by extensive pastureland, cornfields, oil palm plantations, and scattered settlements. Horses and cows graze in the fields, while pigs, dogs, chickens, and geese live in front of the houses. Again and again, something flutters or scurries across the road in front of us.
In the distance, we see the Sierra de Chinajá – the first proper hills we have seen in several weeks. They lie there gently and peacefully: rounded, densely forested peaks, a seemingly endless blanket of tropical forest. This region is one of Guatemala’s most pristine landscapes: a transition zone between the vast rainforests of Petén and the humid mountains of Alta Verapaz. We are now almost back at the same place where we were about two months ago. Comitán in Mexico is only a stone’s throw away.
In La Ceiba, we see a petrol station with a restaurant and decide to stop for something to eat. As soon as we have ordered, two tourist buses arrive. Two dozen tourists get out, stock up on chips and water, listen to voice messages, and stretch their legs. A few minutes later, they are back on the bus and it feels as if nothing ever happened. To the brief confusion of the locals, we remain seated and calmly continue eating.
A little later, we reach Alta Verapaz, the next department. From now on, everything feels different: it is lively, loud, and chaotic. People wave and honk. Children call out from the huts or run onto the road to wave at us. The women giggle shyly, and the men want to take photos. The Pédaleurs – the Gringo and the Gringa – have arrived in the area. There is general excitement. Presumably, tourists are rarely seen here, except perhaps at that one petrol station where everyone travelling from Antigua to Flores stops for a break.
At the crossroads in San Antonio, we stop at another petrol station and get some fresh drinks. Even this small intersection is surprisingly busy. It serves as a bus stop for shared rides in all directions.
You can hear the excited honking of the buses from far away. As soon as a bus stops, a handful of street vendors jump onto the already completely overcrowded vehicle and offer snacks, drinks, or small gifts. Less than ten seconds later, the spectacle is over: everyone who has not paid for the ride is pushed back out of the bus, and it drives away with the engine roaring. The vendors are lucky if the bus still needs to be refuelled – that gives them some extra selling time.
We continue as well – but only for a short distance. After a little more than ninety kilometres and around eight hundred metres of climbing, we reach the hotel that we had set as our destination for the day. The hotel owner is visibly delighted by our visit and immediately takes a few photos with us. The room is great, the pool is enormous, and the lemonade is refreshing. A truly wonderful ending to a very challenging, varied, and fantastic day.
Today we sleep a little longer because we have planned only a very short stage. The accommodation options along our route are not evenly distributed, so we usually look one or two days ahead and decide how far we will ride. Today, therefore, only a short distance – because tomorrow is going to be extremely long. The alternative would have been an extremely, extremely long day today. Better not.
Around seven o’clock we set off. The sun is shining down on us, and we follow the same route as yesterday – first westwards, then south. We push our bikes up the arrow-straight hills, race downhill at great speed, brake hard at the bottom where the speed bumps are called túmulos here, and then push upwards again.
After around two hours, we reach our destination and check into a huge hotel in Chisec. It seems to have more beds than the entire village, and we are the only guests. At least for now – by evening, a few individual people arrive.
The hotel has a pool, several water slides, a dance hall, and two guard dogs. The village itself is rather quiet. Since today is Sunday, many shops and restaurants are closed. However, we eventually find a small shop that sells us a few things, and afterwards we cook for ourselves.
We take it easy for the rest of the day, enjoy the peace and quiet, and write one or two stories. Tomorrow awaits us with a demanding day. Two thousand four hundred metres of climbing are on the agenda. We will see how it goes. And whether we really will not find anywhere to sleep in between. We will find out – and then we will know, and we will report back.

