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Km 39094 – Km 39194_Cañas – La Fortuna

vor 6 Tagen
7 Min. Lesezeit

Früh stehen wir auf, tragen unsere Sachen ins Erdgeschoss und beladen die Räder. Gegen halb sechs fahren wir los und verlassen die Stadt. Die Radrennfahrerinnen sehen wir heute nicht, einzig die Begleitfahrzeuge überholen uns ab und an.

Wir spuren in die Via 142 ein, und als Erstes geht es in die Höhe. Auch der Rest der Strecke ist zunehmend hügelig und noch grüner als in den letzten Tagen. War es am frühen Morgen noch sonnig, ist der Himmel nun leicht bedeckt. Sehr gut, so wird es heute einmal nicht vierzig Grad warm. Aus den Bäumen entlang der Strasse werden wir von Kapuzineraffen beobachtet, und auch die Kühe auf der Weide drehen sich nach uns um. Die ersten zwanzig Kilometer geht es etwa sechshundert Meter in die Höhe – wir blicken zurück auf eine grüne, saftige, leuchtende und weite Landschaft.

Kurz nach dem Ort Los Angeles entdecken wir eine Abkürzung und biegen spontan links ab. Am Wegesrand liegt die «Brisas de Tilawa», eine Art Gärtnerei mit Labyrinth, Trampolin und eigenem Restaurant. Wir gehen frühstücken und bekommen Reis, Bohnen, Bananen, Speck, Pancakes und Honig. Wunderbar. Frisch gestärkt buchen wir online eine Unterkunft und schwingen uns wieder auf die Räder, um die Tagesreise fortzusetzen.

Nun führt der Weg mehr oder weniger direkt an den Lago Arenal. Noch immer befinden wir uns auf der Abkürzung, und die Strasse ist entsprechend nicht die Hauptverkehrsachse. Auf Schotter geht es steil den Berg hinunter. So steil, dass wir ständig anhalten und unsere Bremsen kühlen lassen. Nach einigem Geratter erreichen wir wieder die Hauptstrasse und nun auch den Lago Arenal. Blau und ruhig liegt er vor uns.

Es handelt sich um den grössten See in Costa Rica und er ist von einer beeindruckenden Landschaft mit Bergen und viel Natur umgeben. Ausserdem spielt der See eine wichtige Rolle für die Energieversorgung des Landes.

Wir fahren links rum. Und es ist unfassbar anstrengend. Meine Güte. Für die nun noch zwölf Kilometer brauchen wir über drei Stunden. Ufe und abe und heiss und feucht und anstrengend und ufe und ufe und ufe und kurz mal abe, aber hauptsächlich ufe. So hatten wir das überhaupt nicht in Erinnerung. Aber was wotsch mache. Umdrehen ist keine Option.

Am Mittag erreichen wir zeitgleich mit dem Regen unser Tagesziel Nuevo Arenal. Es hat hier eine deutsche Bäckerei, und so ein richtig feines Stück Brot wäre halt schon mal wieder schön. Tom, der Bäcker und Inhaber, lebt seit ungefähr dreissig Jahren hier. Er begrüsst uns herzlich, lädt uns auf ein Stück Zwetschgenkuchen ein, wir plaudern etwas, und kurz darauf nehmen wir die letzten Meter unter die Räder. Das frische, grosse Stück Brot packen wir sorgsam in eine Tasche und hüten es wie unseren Augapfel.

Die Unterkunft Little Paradise hält, was der Name verspricht. Obwohl es das günstigste ist, scheint es auch das schönste Hotel weit und breit zu sein. Die Aussicht reicht über den ganzen See bis zum Vulkan. Das Grundstück ist grün, es blühen Blumen, und die Gastgeberin Liliana ist sehr herzlich. Das Zimmer ist gross, wir haben eine Hängematte, können die Küche benutzen und dürfen sogar Wäsche waschen. Traumhaft.

Auch bekommen wir noch Besuch von der Nachbarin. Sososo herzig. Renate ist Schweizerin und wohnt seit zwei Jahren gleich um die Ecke. Wir haben einen sehr angenehmen Schwatz. Danke für die schöne Begegnung.

Wir bleiben zwei Nächte und gehen erst einmal zurück in den Ort für einen grösseren Einkauf. Danach geniessen wir die Zeit. Wir liegen in der Hängematte, schreiben, lesen, dösen, zeichnen, kochen, essen und geniessen den schönen Ort. Abends leuchten Glühwürmer, frühmorgens brüllen Brüllaffen, und rund um die Blumen brummen die Hummeln. Richtig idyllisch. Ach und das Brot: Herrlich!


Nach dem freien Tag packen wir unsere sieben Sachen und machen uns gewohnt früh auf den Weg. Wir fahren weiter im Uhrzeigersinn dem See entlang. Die Strecke ist anders als erwartet: Wiederum ist es ziemlich hügelig, und auch heute sammeln wir einige Höhenmeter. Dafür ist es ruhig. Keine Restaurants, keine Lädeli, keine regulären Dörfer.

Das Wasser liegt zwischen sanften, dicht bewachsenen Hügeln. Immer wieder öffnet sich zwischen Bäumen und Weiden der Blick auf den riesigen See. Die Hänge leuchten intensiv grün. Dazwischen entdecken wir einzelne grosse Häuser und Fincas mit Weideland – in den meisten leben ausgewanderte Schweizer und Deutsche.

Kurve um Kurve geht es bergauf und bergab. Hinter jeder Biegung verändert sich die Aussicht. Je weiter wir fahren, desto üppiger und tropischer wird die Vegetation. Palmen, riesige Bäume, Bananenpflanzen, Farne und dichtes Gebüsch säumen den Asphalt. Fast scheint es, als würde der Wald die Strasse langsam zurückerobern. Dazwischen liegen offene Wiesen mit Kühen.

Wir entdecken bunte Vögel mit knallig rotem und gelbem Gefieder. Und dann sehen wir sogar einen Tukan. Vielleicht. Jedenfalls sieht er ihm sehr ähnlich. Wir wissen es nicht genau. Auch der Vulkan Arenal taucht immer wieder zwischen den Bäumen auf. Der fast perfekt kegelförmige Vulkan ragt mit seinen rund 1670 Metern deutlich über die Landschaft hinaus. Zwischen 1968 und 2010 war er immer wieder aktiv und wird bis heute überwacht. Nach und nach sehen wir immer mehr Touristen. Die Region ist wegen ihrer Natur, der Wanderwege, der Tiervielfalt und der heissen Quellen sehr beliebt. Wir freuen uns, ein weiteres Mal hier sein zu dürfen und geniessen den Anblick des gewaltigen Berges.

Kurz vor La Fortuna finden wir dann endlich ein Restaurant und gönnen uns ein zweites Frühstück. Im Ort selbst haben wir ein nettes Hostel gebucht und dürfen bereits am Vormittag einchecken.


***


We get up early, carry our things downstairs and load up the bikes. Around half past five, we set off and leave the city behind. We don't see the female cyclists today; only the support vehicles pass us from time to time.

We merge onto Via 142, and the first thing we do is climb. The rest of the route is increasingly hilly and even greener than in recent days. While it was still sunny early in the morning, the sky is now slightly overcast. Very good – at least it won't reach forty degrees today. Capuchin monkeys watch us from the trees along the road, and even the cows in the pastures turn around to look at us. During the first twenty kilometres, we climb about six hundred metres – looking back, we see a green, lush, vibrant and expansive landscape.

Just after the village of Los Angeles, we spot a shortcut and spontaneously turn left. At the side of the road is «Brisas de Tilawa», a kind of garden centre with a labyrinth, trampoline and its own restaurant. We stop for breakfast and are served rice, beans, bananas, bacon, pancakes and honey. Wonderful. Refreshed and well fed, we book accommodation online and get back on our bikes to continue the day's journey.

The road now leads more or less directly to Lago Arenal. We are still on the shortcut, so the road is not one of the main routes. We head steeply downhill on gravel. So steeply that we have to stop constantly to let our brakes cool down. After quite a bit of rattling, we reach the main road again, and now also Lago Arenal. Blue and calm, it stretches out before us.

It is the largest lake in Costa Rica and is surrounded by an impressive landscape of mountains and abundant nature. The lake also plays an important role in the country's energy supply.

We turn left. And it is unbelievably exhausting. Good grief. It takes us more than three hours to cover the remaining twelve kilometres. Up and down and hot and humid and exhausting and up and up and up and briefly down, but mostly up. We absolutely did not remember it being like this. But what can you do? Turning back is not an option.

At lunchtime, we reach our destination for the day, Nuevo Arenal, at exactly the same time as the rain. There is a German bakery here, and a really nice piece of bread would certainly be wonderful for a change. Tom, the baker and owner, has been living here for about thirty years. He gives us a warm welcome, invites us to a piece of plum cake, we have a little chat, and shortly afterwards we get back on the bikes for the final few kilometres. We carefully pack the large, fresh loaf of bread into a bag and guard it like the apple of our eye.

The name of our accommodation, Little Paradise, certainly lives up to its promise. Although it is the cheapest place, it also seems to be the nicest hotel around. The view stretches across the entire lake all the way to the volcano. The grounds are green, flowers are in bloom, and our host Liliana is incredibly warm and welcoming. The room is spacious, we have a hammock, can use the kitchen and are even allowed to do our laundry. A dream.

We also get a visit from the neighbour. So, so sweet. Renate is Swiss and has lived just around the corner for the past two years. We have a lovely chat. Thank you for the wonderful encounter.

We stay for two nights and first head back into town to do a bigger grocery shop. After that, we simply enjoy our time. We lie in the hammock, write, read, doze, draw, cook, eat and enjoy this beautiful place. In the evenings, fireflies glow, early in the morning howler monkeys roar, and bumblebees buzz around the flowers. Truly idyllic. Oh, and the bread: Heavenly!

After our day off, we pack up our few belongings and set off, as usual, early in the morning. We continue clockwise around the lake. The route is different from what we expected: once again, it is quite hilly, and today we rack up quite a few metres of elevation gain as well. On the other hand, it is quiet. No restaurants, no little shops, no proper villages.

The water lies between gently rolling, densely vegetated hills. Again and again, the view of the huge lake opens up between the trees and pastures. The slopes glow an intense green. Here and there, we spot large houses and fincas with grazing land – most of them are home to Swiss and German expats.

Bend after bend, we go uphill and downhill. The view changes around every corner. The further we ride, the lusher and more tropical the vegetation becomes. Palm trees, enormous trees, banana plants, ferns and dense undergrowth line the asphalt. It almost seems as though the forest is slowly reclaiming the road. In between are open meadows with cows.

We spot colourful birds with brilliantly red and yellow plumage. And then we even see a toucan. Maybe. At least it looks very much like one. We're not entirely sure. Mount Arenal also appears again and again between the trees. The almost perfectly cone-shaped volcano rises to around 1,670 metres and towers prominently over the landscape. It was repeatedly active between 1968 and 2010 and continues to be monitored to this day. Gradually, we see more and more tourists. The region is very popular because of its nature, hiking trails, wildlife and hot springs. We are happy to be here once again and enjoy the sight of the mighty mountain.

Just before La Fortuna, we finally find a restaurant and treat ourselves to a second breakfast. In town itself, we have booked a nice hostel and are already allowed to check in in the morning.

 
 
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