Km 39194 – Km 39429_La Fortuna – Puerto Limón

Die Sicht auf den Vulkan Arenal ist fantastisch. Wir sind wieder früh unterwegs und diesmal hat es tatsächlich keine Wolken um den Gipfel. Während der stetig sanften Abfahrt auf der Via 142 halten wir immer wieder an, staunen in Richtung Vulkan oder bewundern ihn einfach im Rückspiegel.
Heute rollt es schnell und zügig, sodass wir erst nach einer Weile merken, dass wir eine Abzweigung verpasst haben. Doch kein Problem: Ein schmaler Weg über Land und durch kleine Dörfer bringt uns zurück auf die richtige Route.
Neben uns hält ein weisser Touristenbus an. Der Fahrer ist allein, steigt aus und winkt mit einer Packung Mandeln. Das ist Henry! Wie cool! Henry haben wir vor ein paar Tagen schon einmal getroffen – im Westen des Lago Arenal. Auch damals hielt er neben uns an, stieg aus und winkte mit einer Packung Snacks. Heute hat er allerdings noch viel mehr davon dabei. Wie lustig! Wir freuen uns riesig. Es werden Fotos gemacht und unsere Taschen beladen. Wir bekommen Mandeln, Trockenfrüchte und Chips – und zwar nur vom guten Zeugs. Fantastisch! Wenn Henry uns das nächste Mal sieht, so verspricht er, gibt es noch mehr. Juhuuu! Danke, Henry! Wir haben mehrere Tage lang gesnackt. Es war toll!
Allgemein wird wieder viel gehupt und gewunken. Insbesondere die Lastwagenfahrer scheinen sich über uns zu freuen. Manchmal tragen die Lastwagen Nummernschilder aus den Nachbarländern. Gerade dann fragen wir uns, wie oft uns manche Fahrer wohl schon begegnet sind – und wo sie uns wohl zum ersten Mal gesehen haben.
Wir folgen der C4 in Richtung Puerto Viejo und beziehen kurz davor, bei Chilamate, ein Hotelzimmer. Das Hotel besteht aus vielen kleinen Appartements und hat sogar einen Pool. Fantastisch! Nach einem kurzen Schwumm gönnen wir uns eine Pause und lauschen den Brüllaffen, die, so scheint es, direkt auf dem Hoteldach hausen.
Danach wird es laut. Also noch lauter. Denn hier wird eine mehrstündige Babyshower geschmissen – mit DJ, Animation und gaaaanz vielen Gästen. Mega härzig und gleichzeitig mega laut. Ein Burger stillt unseren Hunger, und zur Schlafenszeit wird es dann glücklicherweise ruhig. So kommt der Sandmann nicht vergeblich zu Besuch.
Relativ spontan – also während des Frühstücks – entscheiden wir, dass wir heute nicht der grossen Strasse folgen möchten, sondern lieber über Land fahren wollen. Die Navigations-Apps sind sich uneinig, welche Strassen überhaupt existieren, und die papierige Landkarte weiss von gar nichts. Wir beschliessen, es einfach zu wagen.
Aber erst einmal müssen wir in Puerto Viejo Geld abheben. Nachdem wir bei drei Bankomaten nichts bekommen haben, meint der vierte, es gäbe Geld – allerdings nur gegen Aufpreis. Ja, wie so oft halt. Cynthia denkt sich wenig dabei, rechnet nicht gross um – ist sowieso so ein Züüg hier mit diesen Tausenderbeträgen. Man muss alles mal 550 oder durch 0,0018 rechnen – und sagt zu. Erst später, beim Einpacken des Geldes, merken wir: Das Geldabheben hat uns schwuppdiwupp, innert weniger Sekunden, so viel wie ein Zmittag gekostet. Nömmenüüt..
Anschliessend fahren wir in das Strässlein ein, das es angeblich entweder gar nicht oder kaum geben soll. Pustekuchen. Der Weg ist total stark befahren – jedenfalls zu Beginn.
Wir fahren quer durch die Bananenplantagen der Region. Die Banane wächst in Costa Rica unter idealen Bedingungen: ganzjährig warm, sehr feucht und mit reichlich Niederschlag. Wir passieren endlose Reihen von Bananenstauden, dazwischen Bewässerungs- und Entwässerungsgräben sowie kleine Schienen- oder Seilsysteme, über die die schweren Bananenbüschel transportiert werden.
Die Bananen werden grün geerntet, damit sie auf dem langen Weg ins Müesli nicht zu reif werden. Anschliessend werden sie gewaschen, sortiert und in Kartons verpackt. Mit Lastwagen geht es zum Hafen, von wo aus grosse Schiffe die Bananen nach Europa bringen. Dort werden sie zum Reifen gebracht und anschliessend mit Lastwagen in die Verkaufsläden gefahren.
Bald schon wird der Verkehr weniger, und irgendwann ist auch der Asphalt verschwunden. Rund dreissig Kilometer fahren wir auf der staubigen Schotterstrasse durch die Plantagen. Affen rennen vor uns über die Strasse und Schopfkarakara hüpfen neben uns her. Und wer weiss, was uns noch alles aus dem Gebüsch heraus beobachtet.
Sprühflugzeuge fliegen direkt über unseren Köpfen tief über die Plantagen und verteilen Pflanzenschutzmittel auf den Bananenpflanzen. Die Piloten sind sehr geschickt. In exakter Choreografie decken sie die gesamten Flächen ab.
Irgendwann erreichen wir wieder Asphalt und bekommen in einer Soda – so heißen die einfachen Restaurants hier – ein zweites Frühstück. Superlecker: Gallo Pinto, wahlweise mit Pollo oder Huevos Estrella. Übrigens: Wir sind nun auf der karibischen Seite Costa Ricas, whoopwhoop.
In Guápiles haben wir ein Airbnb gebucht und kommen dort gegen drei Uhr an. Bei einem älteren Paar können wir in einem separaten Zimmer mit eigenem Bad übernachten. Perfekt! Die Hitze, der Staub, das Holpern – wir sind ziemlich geschafft. Zum Glück ist auch das Lädeli nicht weit entfernt, und so können wir uns bald mit ein paar Snacks zurückziehen.
In Puerto Limón haben wir uns für die kommenden paar Tage eine Wohnung gemietet. Judihui. Wir freuen uns auf das Päuseli und die Klimaanlage. Nach dieser Pause folgt die nächste – denn wir werden noch ein paar Tage in einem Bungalow direkt am Strand verbringen. Darauf freuen wir uns natürlich meega. Aber erst mal muss geradelt werden.
Wir lassen Guápiles hinter uns und fahren durch die Karibische Tiefebene. Entlang der Strasse sehen wir grosse Weideflächen, einzelne Rinderweiden, Bananen- und Ananasplantagen, verstreute Häuser und kleine Geschäfte. Dazwischen: dichtes Grün und einzelne Waldstücke. Mehrere Brücken führen über grosse Flüsse und kleinere Wasserläufe. Grüne Aras fliegen über unseren Köpfen.
Wir folgen heute der Autopista Nummer 32. An uns vorbei fahren Hunderte von Lastwagen – die meisten davon sind mit Bananen beladen und auf dem Weg zum Hafen. Auch heute gönnen wir uns ein zweites Frühstück in einer Soda. Die Fahrt ist anstrengend. Wir haben in den letzten Tagen etwas zu wenig gegessen und auch nicht genug geschlafen. Apropos Essen: Wir brauchen sooooo viel. Unfassbar. Wir könnten die ganze Zeit essen und wären immer noch hungrig. Krass.
Als wir Puerto Limón erreichen – wir waren ja bereits vor ein paar Jahren einmal hier –, erwartet uns nochmals ein heftiger Anstieg. Guess where unsere Wohnung ist? Genau. Da, wo die Sendemasten stehen. Und wo stehen die Masten? Genau. Ganz oben.
Irgendwann kommen wir dann an und fühlen uns direkt wohl. Sogar eine Waschmaschine haben wir. Und einen Laden direkt um die Ecke. Heute sind wir besonders auf den Felgen, und so geht gar nichts mehr. Am Abend können wir uns dann noch zum Kochen aufraffen. Danach fallen wir total müde ins Bett.
***
The view of Arenal Volcano is fantastic. We’re on the road early again, and this time there are actually no clouds around the summit. During the steadily gentle descent along Route 142, we keep stopping to marvel at the volcano or simply admire it in our rear-view mirrors. Today, we’re rolling along quickly and smoothly, so it takes us a while to realize that we’ve missed a turn. But no problem: a narrow road through the countryside and small villages brings us back to the right route. A white tourist bus pulls up next to us. The driver is alone, gets out, and waves a packet of almonds at us. It’s Henry! How cool! We met Henry a few days ago already, on the western side of Lake Arenal. Back then, he also pulled up beside us, got out, and waved a packet of snacks at us. But today he has brought much, much more. How funny! We’re absolutely thrilled. Photos are taken, and our bags are loaded up. We get almonds, dried fruit, and chips — and only the good stuff. Fantastic! Henry promises that the next time he sees us, there will be even more. Yippee! Thank you, Henry! We snacked on it for several days. It was wonderful! In general, there’s lots of honking and waving again. The truck drivers in particular seem to be delighted to see us. Sometimes the trucks have license plates from neighboring countries. That’s when we wonder how many times some of these drivers have already passed us — and where they might have seen us for the very first time. We follow Route C4 toward Puerto Viejo and, just before reaching it, get a hotel room in Chilamate. The hotel consists of lots of little apartments and even has a pool. Fantastic! After a quick swim, we take a break and listen to the howler monkeys, who seem to be living right on the hotel roof. Then things get loud. Actually, even louder. Because there’s a baby shower going on here that lasts for several hours — complete with DJ, entertainment, and soooo many guests. Super cute and, at the same time, super loud. A burger takes care of our hunger, and fortunately, things finally quiet down around bedtime. So the Sandman doesn’t come for nothing.
Relatively spontaneously — meaning during breakfast — we decide that today we don’t want to follow the main road but would rather take the back roads. The navigation apps can’t agree on which roads even exist, and the paper map knows nothing at all. We decide to simply give it a try. But first, we need to withdraw some money in Puerto Viejo. After getting nothing from three ATMs, the fourth one tells us there is money available — but only for an extra fee. Yep, pretty much as usual. Cynthia doesn’t think much of it and doesn’t really bother converting the amount — the whole thing with all these thousands here is confusing anyway. You have to multiply everything by 550 or divide by 0.0018 — and she agrees to the fee. Only later, while putting the money away, do we realize that withdrawing cash has cost us, in the blink of an eye and within a few seconds, as much as a lunch. Ouch… After that, we turn onto the little road that supposedly either doesn’t exist at all or barely exists. Well, surprise! The road is extremely busy — at least at the beginning. We cycle right through the region’s banana plantations. Bananas grow in ideal conditions in Costa Rica: warm all year round, very humid, and with plenty of rainfall. We pass endless rows of banana plants, with irrigation and drainage ditches in between, as well as small rail or cable systems used to transport the heavy bunches of bananas. The bananas are harvested while still green so that they don’t become overripe during the long journey to our muesli bowls. They are then washed, sorted, and packed into cardboard boxes. Trucks take them to the port, where large ships transport the bananas to Europe. There, they are ripened and then delivered by truck to the shops. Before long, the traffic gets lighter, and eventually the asphalt disappears altogether. For around thirty kilometers, we ride along the dusty gravel road through the plantations. Monkeys run across the road in front of us, and crested caracaras hop along beside us. And who knows what else is watching us from the bushes. Crop-spraying planes fly low directly over our heads, spraying pesticides over the banana plants. The pilots are incredibly skilled. In an exact choreography, they cover the entire area. Eventually, we reach asphalt again and stop at a soda — that’s what the simple local restaurants are called here — for a second breakfast. Super delicious: gallo pinto, with either pollo or huevos estrella. By the way: we’re now on the Caribbean side of Costa Rica. Whoop whoop! In Guápiles, we’ve booked an Airbnb and arrive there around three o’clock. We’re staying with an older couple in a separate room with our own bathroom. Perfect! The heat, the dust, the bumpy roads — we’re pretty exhausted. Luckily, the little shop isn’t far away, so we can soon retreat with a few snacks.
In Puerto Limón, we’ve rented an apartment for the next few days. Yippee! We’re looking forward to a little break and some air conditioning. And after this break comes another one — because we’ll be spending a few more days in a bungalow right on the beach. We’re really, really looking forward to that. But first, there’s some cycling to be done. We leave Guápiles behind and cycle through the Caribbean lowlands. Along the road, we see large stretches of pasture, individual cattle fields, banana and pineapple plantations, scattered houses, and little shops. In between: dense greenery and patches of forest. Several bridges take us over large rivers and smaller waterways. Green macaws fly over our heads. Today, we follow Highway 32. Hundreds of trucks pass us — most of them loaded with bananas and heading for the port. Today, we treat ourselves to another second breakfast at a soda. The ride is exhausting. Over the past few days, we haven’t been eating quite enough and haven’t been getting enough sleep either. Speaking of food: we need soooo much of it. It’s unbelievable. We could eat all the time and still be hungry. Crazy.
When we reach Puerto Limón — we’ve actually been here once before, a few years ago — we’re faced with another brutal climb. Guess where our apartment is? Exactly. Where the transmission towers are. And where are the towers? Exactly. Right at the very top. Eventually, we make it there and immediately feel at home. We even have a washing machine. And a shop just around the corner. Today, we’re completely spent, so absolutely nothing else is happening. In the evening, we manage to summon enough energy to cook something. Afterwards, we collapse into bed, utterly exhausted.

