Km 39474 – Km 39569_Cahuita – Bocas del Toro

Nachdem wir unseren Aufenthalt um zwei weitere Nächte verlängert haben, wird es nun aber doch Zeit für neue Abenteuer. Etwas wehmütig verlassen wir unser schönes Zuhause auf Zeit und biegen auf den Corredor Caribe ein.
Bis nach Hone Creek führt uns die Strasse durch sattes Grün, unterbrochen von einzelnen Hotels und Bungalows. Zu unserer Linken erstreckt sich der Nationalpark. Wenig später durchqueren wir das Territorio Indígena Bribri de Keköldi, die Heimat der Bribri, eines der bedeutenden indigenen Völker Costa Ricas. Sie leben in verschiedenen Gebieten des Landes, unter anderem in Kéköldi und in der grösseren Region Talamanca. Die Bribri haben ihre eigene Sprache und ihre eigenen Traditionen. Ihr Weltbild ist geprägt von der engen Verbundenheit zwischen Mensch, Tier, Pflanze und Land. Eine besondere Rolle spielt dabei der Kakao, der für sie weit mehr als ein wirtschaftliches Gut ist: Er besitzt auch eine grosse kulturelle und spirituelle Bedeutung.
Auf den nächsten Kilometern prägen ausgedehnte Bananenplantagen das Landschaftsbild. Dazwischen liegen immer wieder kleine Dörfer, in denen die Plantagenarbeiter leben. Die Häuser sehen alle gleich aus und gehören offensichtlich den Firmen. Wir beobachten, wie die frisch geernteten Bananenstauden an Haken gehängt und anschliessend wie von vollautomatisch in die Fabrikhallen transportiert werden. Bitzli, wie Hemden in einer professionellen Wäscherei. In der Fabrik angekommen werden die Bananen gereinigt und danach für den Weitertransport in unzählige Container verladen. Die Fabriken scheinen sich kaum voneinander zu unterscheiden. Im Grunde sieht jede gleich aus – einzig die Musik, die laut durch die Hallen dröhnt, wechselt von Zeit zu Zeit.
Wir erreichen Sixaola und damit die Grenze zu Panama. Nachdem wir Costa Rica als reich, sauber und sehr geordnet kennengelernt haben, sind wir vom Grenzübergang ziemlich überrascht. Kein Schild, keine Tafel, kein richtig erkennbares Gebäude. Nur eine gelangweilte Frau in einem neonfarbenen Shirt, die uns zu verstehen gibt, dass wir in diese unscheinbare Strasse einbiegen sollen. Also machen wir das. Irgendwann entdecken wir ein Schild mit der Aufschrift «Migración» und halten an. Dass wir bereits ein paar Häuser vorher eine Gebühr bezahlen müssen, hätten wir ohne den herbeigeeilten Helfer wohl gar nicht bemerkt. Alles in allem ist der Grenzübertritt einfach und unkompliziert – für costa-ricanische Verhältnisse aber ziemlich unübersichtlich.
Nun können wir unsere Räder über die Brücke schieben. Der Río Sixaola bildet die Grenze zwischen den beiden Ländern. Auf der anderen Seite angekommen, zeigen wir unsere Pässe und dürfen weiter. Doch ein Stempel fehlt noch. Nichts ist angeschrieben, und es ist nicht ersichtlich, wo wir hinmüssen. Doch wie eigentlich immer steht irgendwo jemand, der pfeift und in irgendeine Richtung zeigt. Und meistens ist das dann auch richtig. Also folgen wir dem ausgestreckten Finger und schieben unsere Räder zwei Nebenstrassen weiter. Schliesslich stehen wir vor dem Hauptgebäude der Migrationsbehörde. Lustig. Völlig abgelegen und ohne jegliche Beschilderung. Egal. Wir haben es gefunden. Den Stempel bekommen wir schnell. Und dann heisst es: ¡Bienvenidos a Panamá!
Ach, wir sind direkt Schockverliebt! Die ersten Kilometer gefallen uns bereits super. Es hat Strassenstände, riecht nach grilliertem Fleisch, die Kinder spielen auf der Strasse, die Fahrzeuge hupen uns zu und die Fahrer winken aus den Fenstern. Wir fühlen uns direkt wohl.
Die offizielle Währung Panamas ist der Balboa. Dieser ist direkt an den US-Dollar gekoppelt. Es gibt sowohl US-Münzen als auch panamaische Balboa-Münzen, die denselben Wert haben. Da es in Balboa jedoch keine Noten gibt, bezahlt man im Alltag hauptsächlich mit US-Dollar. Die Balboa-Münzen wären schon fast ein eigener Eintrag wert. Sie sind sooo hübsch und teilweise haben sie sogar bunte Bilder eingefasst. Fast zu schade zum Ausgeben.
In Changuinola finden wir ein Hotel, in dem wir uns direkt einquartieren. Anschliessend widmen wir uns noch ein wenig der Büroarbeit und beginnen den Film 'Die Unbestechlichen' zu schauen. Danach plagt uns ein Hüngerlein, und wir spazieren zum nächsten Restaurant.
Das Ebony ist ein fantastisches Lokal. Schon beim Vorbeigehen dringt Reggae-Musik durch die Gitter nach draussen. Wir betreten das Restaurant und werden sogleich vom Besitzer begrüsst – einem gross gewachsenen, breitschultrigen Rastafari in traditioneller Kleidung. Zur Begrüssung gibt es einen Faustschlag, ganz unter Freunden.
Als Willkommensgeschenk erhalten wir zwei Sternfrüchte und je ein Glas selbst gebrauten Kefirschnaps. Das Lokal, mehr oder weniger ein Schrein für Bob Marley, ist bunt dekoriert und ein echtes Unikat. Und natürlich klingt er und seine Freunde aus den Lautsprechern - wer sich im Lokal aufhält singt leise mit.
Zu unseren Pouletschenkeln gibt es Rice and Beans – ein hier übliches Gericht aus Reis, roten oder schwarzen Bohnen, Kokosmilch, Knoblauch und Gewürzen. Auch die Patacones dürfen natürlich nicht fehlen. Dafür werden grüne Kochbananen in Stücke geschnitten, frittiert, flach gedrückt und anschliessend nochmals frittiert. Knusprig und ziemlich lecker.
Zurück im Hotelzimmer schaffen wir noch ein weiteres Drittel des Films, bevor wir ziemlich müde einschlafen. Ist ja auch schon spät – schliesslich haben wir die Zeitverschiebung zu verkraften.
Heute fahren wir von Changuinola aus bis nach Finca 4. Dort biegen wir auf eine Strasse ein, die es gemäss Karte gar nicht gibt. Dabei handelt es sich um die alte Eisenbahnstrecke, die erst kürzlich asphaltiert und in eine Strasse umgewandelt wurde. Super für uns. So geht es schön flach dahin, und wir können uns die angekündigte Steigung sparen. Megacool.
Bereits nach knapp dreissig Kilometern erreichen wir unser Zwischenziel Almirante. Hier wollen wir die Fähre nehmen. Doch wir werden abgepässlet und kurzerhand zu einer der Lanchas umgeleitet. Uns soll es recht sein – Hauptsache, unsere Räder kommen mit.
Almirante ist eine Hafenstadt auf dem Festland und einer der wichtigsten Ausgangspunkte für die Überfahrt zur Insel Isla Colón. Dort liegt Bocas Town. Während auf dem Festland Autos und Busse unterwegs sind, übernehmen auf dem Wasser die Lanchas einen Teil des öffentlichen Verkehrs. Das Ticket ist schnell gekauft. Unsere Lancha transportiert nicht nur Passagiere, sondern auch allerlei Waren: Bananenstauden, Stromkabel, Kisten in allen Grössen und Farben und zentnerweise Zwiebelsäcke. Es dauert eine Weile, bis alle Passagiere eingestiegen sind. Danach sind die Velos an der Reihe, die der Kapitän sorgfältig am Heck befestigt. Unser Gepäck fällt etwas umfangreicher aus und findet deshalb direkt im Steuerhäuschen rund um den Fussraum des Kapitäns Platz. Viel der vorher aufgezählten Ware muss auf das nächste Boot warten.
Die Geschichte von Bocas del Toro ist von verschiedenen Kulturen und Einwanderungsbewegungen geprägt. Indigene Gemeinschaften wie die Ngäbe leben seit Langem in der Region und prägen deren Kultur und Lebensweise. Auch die afrokaribische Bevölkerung hat mit ihrer Musik, Küche, Sprache und Architektur deutliche Spuren hinterlassen. Der Bananenanbau und -export spielten früher eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Heute ist Bocas Town ein beliebtes Reiseziel. Daneben sind auch die Fischerei, der Handel und lokale Dienstleistungen wichtige Wirtschaftszweige.
Die Überfahrt von Almirante nach Isla Colón, der Hauptinsel von Bocas del Toro, führt uns auf der Lancha hinaus in eine Welt aus tropischen Inseln, Palmen und türkisblauem Meer. Das geschäftige Festland bleibt hinter uns zurück. Das Wasser glitzert in der Sonne, am Horizont tauchen grüne Inseln auf und die Küste wird allmählich kleiner. Das Meer ist ruhig, während das Boot sanft über die leichten Wellen hüpft.
Nach etwa zwanzig Minuten nähern wir uns Bocas Town. Bunte Holzhäuser heissen uns willkommen. Das Ausladen geht schnell, und schon wenige Minuten später sind auch unsere Velos wieder startklar. Entlang der Uferpromenade herrscht reges Treiben. Zwischen den farbenfrohen Gebäuden reihen sich Restaurants, Bars und kleine Geschäfte aneinander. Das türkisfarbene Wasser, die tropische Vegetation und die karibische Architektur verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre. We love it! Kurz darauf haben wir auch schon unser Hostel gefunden. Hier werden wir ein paar Tage bleiben.
Morgen machen wir einen Tagesausflug zu den umliegenden Inseln. Wir können es kaum erwarten.
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After extending our stay by another two nights, it is finally time for some new adventures. A little wistfully, we leave our lovely temporary home behind and turn onto the Corredor Caribe. The road takes us through lush greenery as far as Hone Creek, with the occasional hotel and bungalow breaking up the landscape. The national park stretches out to our left. A little further on, we pass through the Territorio Indígena Bribri de Keköldi, home to the Bribri, one of Costa Rica’s major Indigenous peoples. They live in various parts of the country, including Kéköldi and the larger Talamanca region. The Bribri have their own language and traditions. Their worldview is shaped by a close connection between people, animals, plants and the land. Cacao plays a particularly important role: to them, it is far more than an economic commodity; it also holds great cultural and spiritual significance.
Over the next few kilometres, extensive banana plantations dominate the landscape. Scattered among them are small villages where plantation workers live. All the houses look the same and clearly belong to the companies. We watch as freshly harvested banana bunches are hung on hooks and then transported to the factory buildings as if by full automation. A bit like shirts in a professional laundry. Once inside the factory, the bananas are washed and then loaded into countless containers for onward transport. The factories seem barely distinguishable from one another. Basically, they all look the same – only the music blaring loudly through the halls changes from time to time.
We reach Sixaola and, with it, the border with Panama. After getting to know Costa Rica as a wealthy, clean and very orderly country, we are quite surprised by the border crossing. No sign, no notice, no clearly identifiable building. Just a bored woman in a neon-coloured shirt signalling that we should turn into an unassuming little street. So we do. Eventually, we spot a sign reading “Migración” and stop. Without the helpful man who comes hurrying over, we probably would not even have noticed that we had to pay a fee a few houses earlier. All in all, crossing the border is easy and straightforward – but by Costa Rican standards, it is rather confusing. Now we can push our bikes across the bridge. The Río Sixaola forms the border between the two countries. Once on the other side, we show our passports and are allowed to continue. But we are still missing a stamp. There are no signs, and it is not clear where we need to go. Yet, as is almost always the case, there is someone standing somewhere, whistling and pointing in some direction. And more often than not, they are pointing us the right way. So we follow the outstretched finger and push our bikes two side streets further. Eventually, we find ourselves standing in front of the main building of the immigration authority. Funny. Completely out of the way and without a single sign. Never mind. We have found it. We get our stamp quickly. And then it is time to say: ¡Bienvenidos a Panamá!
Oh, we are head over heels in love already! We absolutely love the first few kilometres. There are roadside stalls, the smell of grilled meat fills the air, children play in the street, vehicles honk at us, and drivers wave from their windows. We feel right at home. Panama’s official currency is the balboa, which is pegged directly to the US dollar. Both US coins and Panamanian balboa coins are in circulation, and they have the same value. Since there are no balboa banknotes, people mainly pay with US dollars in everyday life. The balboa coins almost deserve a blog post of their own. They are sooo pretty, and some even feature colourful images set into them. Almost too beautiful to spend. In Changuinola, we find a hotel and check straight in. Afterwards, we get a little office work done and start watching the film “All the President’s Men”. Then hunger strikes, and we walk to the nearest restaurant. Ebony is a fantastic place. Even as we walk past, reggae music spills out through the bars to the street. We enter the restaurant and are immediately greeted by the owner – a tall, broad-shouldered Rastafarian dressed in traditional clothing. We exchange a fist bump in greeting, just like old friends. As a welcome gift, we receive two star fruits and a glass each of homemade kefir schnapps. The place, more or less a shrine to Bob Marley, is decorated in bright colours and is truly one of a kind. And, of course, he and his friends are playing through the speakers – everyone in the restaurant quietly sings along. Our chicken legs come with rice and beans, a local dish made with rice, red or black beans, coconut milk, garlic and spices. Patacones are a must, too. To make them, green plantains are cut into pieces, fried, flattened and then fried again. Crispy and pretty delicious. Back in our hotel room, we manage another third of the film before falling asleep, thoroughly exhausted. It is getting late, after all – we still have the time difference to contend with.
Today, we ride from Changuinola to Finca 4. There, we turn onto a road that, according to the map, does not even exist. It is actually the old railway line, which was only recently paved and converted into a road. Great for us. The route stays nice and flat, and we can avoid the climb we had been warned about. Super cool. After barely thirty kilometres, we reach our intermediate destination, Almirante. We want to catch the ferry here. But we are intercepted and promptly redirected to one of the lanchas. That suits us just fine – as long as our bikes come along. Almirante is a port town on the mainland and one of the main departure points for crossing to Isla Colón, where Bocas Town is located. While cars and buses travel on the mainland, the lanchas take over part of the public transport system on the water. Buying a ticket is quick and easy. Our lancha carries not only passengers but all kinds of goods: bunches of bananas, electrical cables, boxes of every size and colour, and hundreds of kilos of onion sacks. It takes a while for all the passengers to board. Then it is the bikes’ turn, and the captain carefully secures them at the stern. Our luggage takes up a little more space, so it is placed directly in the wheelhouse, around the captain’s footwell. Many of the goods mentioned earlier have to wait for the next boat. The history of Bocas del Toro has been shaped by different cultures and waves of immigration. Indigenous communities such as the Ngäbe have lived in the region for a long time and continue to shape its culture and way of life. The Afro-Caribbean population has also left a distinct mark through its music, cuisine, language and architecture. Banana cultivation and exports once played an important role in the region’s economic development. Today, Bocas Town is a popular travel destination. Fishing, trade and local services are also important economic sectors. The crossing from Almirante to Isla Colón, the main island of Bocas del Toro, takes us out into a world of tropical islands, palm trees and turquoise-blue sea aboard the lancha. The bustling mainland recedes behind us. The water sparkles in the sun, green islands appear on the horizon, and the coastline gradually shrinks into the distance. The sea is calm as the boat gently bounces over the small waves. After about twenty minutes, we approach Bocas Town. Colourful wooden houses welcome us. Unloading is quick, and just a few minutes later, our bikes are ready to go again. There is plenty of activity along the waterfront promenade. Restaurants, bars and little shops line the streets between the colourful buildings. The turquoise water, tropical vegetation and Caribbean architecture give the place a special atmosphere. We love it! Shortly afterwards, we have already found our hostel. We will stay here for a few days. Tomorrow, we are going on a day trip to the surrounding islands. We can hardly wait.

