Km 34405 – Km 34484_Coronel Andres Sanchez Magallanes - Paraiso
- 8. Mai
- 10 Min. Lesezeit

Und wiederum ist es noch finster als der Wecker läutet. Wir fahren heute sogar noch etwas früher los, die Sonne wird erst in zwanzig Minuten am Horizont erscheinen. Wir verlassen den noch stillen Ort, machen uns auf den schmalen Streifen zwischen Meer und Lagune. Unser Ziel ist Paraiso, nicht ganz 80 km entfernt. Die aufgehende Sonne schimmert durch den Palmenwald neben der Strasse. Es hat kaum Verkehr, nur einige Mopedfahrer. Die Strasse ist mit Schlaglöchern übersäht, wir fahren Slalom. Einmal waren wir nicht aufmerksam und Cynthia ist mit dem Vorderrad schräg in einem Schlagloch abgerutscht. Zum Glück ist ausser kleinen Schürfung nichts passiert.
Auf der OpenStreetMap ist hier so gut wie nichts eingetragen, nur unsere Strasse und ein paar Wege die davon abgehen und doch rollen wir durch einige Siedlungen. Um halb Sieben die erste grössere Pause bei etwa 25 Kilometer. In einem Lädeli kaufen wir Salzchips und ein 7Up, essen dies einige Meter weiter an einer Kirche und schauen uns dabei den Strand an.
Nach 26 Kilometer auf dem dünnen Landstreifen fehlt ein Teil der Strasse, die Umleitung führt in den Palmenwald und dann kurz später wieder auf die Strasse zurück. Hier zwischen zwei Palmen ist ein Seil gespannt mit einem roten Tuch in der Mitte verknüpft. Bevor wir dies erreichen, kommt eine junge Frau und löst die Barriere auf der einen Seite, wir Grüssen, sie sagt kein Wort. OK.
Etwa einen, vielleicht zwei Kilometer weiter fehlt wieder ein langes Stück der Strasse, wir fahren rechts auf die Umleitung durch einen kleinen Weiler, die Kinder kichern und trauen sich erst zu winken, als wir ihnen zuwinken. Wieder auf der Strasse sehen wir den Abbruch richtig gut. Das Meer holt sich das Land zurück. Wir stellen die Velos hin und gehen uns ins Meer abkühlen.
Die Strasse ist nun am Strand, mehr, der Strand geht nahtlos in die Strasse über. Nicht schwer sich vorzustellen, wie es hier bei Sturm, bei hohem Wellengang aussieht. Das Ausweichen durch den Palmenwald häuft sich. Manchmal lässt es fahren zu, immer öfters steigen wir ab und schieben. In einer engen Stelle kommt uns ein Pickup der Telefongesellschaft entgegen. Es reicht nicht, so legen wir die Velos in den Sand und warten bis der Pickup vorbei ist. Diese Chance nutzen die Mücken, die uns sogleich umschwärmen. OFF! Schafft etwas Abhilfe, bei der nächsten Gelegenheit müssen wir eine neue Flasche kaufen, viel ist da nicht mehr drin.
Nach einem kurzen Abschnitt mit Asphalt endet unsere Strasse in einer Sanddüne. Es folgen die heftigsten 18 Kilometer seit langem. Wir schieben die meiste Zeit durch tiefen Sand. Es ist immer dieses Abwiegen: sollen wir umdrehen und uns eine andere Route suchen oder weiterfahren und hoffen, dass es bald besser wird. Wenn wir umdrehen, wissen wir was uns erwartet, der Weg bisher war schon recht anstrengend plus wir haben eine grosse Distanz bereits zurückgelegt, die dann «verloren» wäre. Wenn wir weiter gehen, wissen wir nicht was uns erwartet. Das Heimtückische, mit jedem Meter Asphalt der sich vor einem ausbreitet, ist man sich sicherer, dass es wieder einfacher wird. Man fährt dann wieder ein Stück, ist wieder näher am Ziel als am Ausgangspunkt. Der «Point of no return» ist nicht klar definiert, das macht die Entscheidung jedes Mal schwieriger. Wir hatten die letzten zwei Tage die Stecke geprüft, OSM und Google sagen es ist fahrbar, so sagen wir uns wir machen weiter und trotzdem sind wir nicht ganz sicher. Weiter oder umdrehen.
Nachdem wir wieder fast eine Stunde durch den heissen Sand geschoben haben, erscheint die Strasse wieder, sie führt uns durch einen Mangrovenwald zu einer Ansammlung kleiner Häuser. Die vielen Menschen hier und die riesige zweispurige Brücke geben uns das Gefühl, das Schlimmste hinter uns zu haben. Uns überholen sechs Fischer auf ihren Mopeds in einem Affenzahn und verschwinden hinter der nächsten Biegung. Als wir diese Biegung erreichen, verschwindet die Strasse wieder unter der Düne. Wir schieben erneut.
Anders als zuvor, endet der Sand nicht nach wenigen hundert Metern. Es ist nun zehn Uhr und es brütet. Vor uns liegt eine unbekannte Distanz, der zurückgelegte Weg ist mehr als die Hälfte der geplanten Strecke. Wir schauen uns unser Kartenmaterial an, suchen eine Alternative. Mindestens 7 Kilometer müssen wir weiter, dort gibt es eine Verzweigung die Landeinwärts führt. Diese Strasse wollen wir uns ansehen und allenfalls auch nehmen.
In der Ferne machen wir ein Auto aus, das steht da im Nirgendwo. Endlich. Ein Auto. Seit Stunden sahen wir ausser den Mopeds keine Fahrzeuge. Als wir näherkommen, erkennen wir Männer in den Palmen, die Kokosnüsse ernten. Wir fragen sie, wie es mit der Strasse aussieht. Sie sagen uns der Sand dauert noch etwa vier Kilometer, dann hat es mehr oder weniger festen Belag. Mas o menos.
Es kommt ein Fahrzeug entgegen, er bremst nicht wird nicht langsamer, will sein Momentum nicht aufgeben. Als er anfängt, wie wild zu Hupen ist für uns klar, ab in den tiefen Sand neben der Spur. Er rast an uns vorbei. Da hat einer wohl kein 4x4. Velo aus dem Sand raus und weiter geht es. Wir vermissen auch grad etwas die Untersetzung und den 4x4 von unserem Toyota, wäre aktuell wesentlich einfacher und die kalte Cola aus der Kühltruhe wäre der Hit. In Gedanken sind wir schon am überlegen, ob wir hier eine Nacht rasten sollen und wieder in der Früh weitermachen.
Ein etwas später entgegenkommender eleganter schwarzer Pickup bestätigt uns die Aussage der Kokosnuss Männer, das es besser wird. Wir bitten ihn um eine Flasche kaltes Wasser, denn unser Reservoir ist beinahe aufgebraucht. Wieder ein Mückenschwarm. Wir haben sicher an die fünfzig Stiche kassiert.
Und dann: ein alter Mann in einer Hängematte mit einem Seil zwischen zwei Palmen. Einmal quer über den Weg. Dafür war das gedacht, Anfang und Ende markieren? Etwas weiter vorne ein zweiter, mit dem kann man sogar reden, er bestätigt, dass die Strasse gleich wieder besser wird. Und da in Tuplico stehen sie, duzende Autos, parkiert, die Besitzer tummeln sich am Strand.
Wir können uns kaum noch auf den Beinen halten, als wir das erste kalte Getränk kaufen können. Auf einem alten verbeulten Schild steht Empanadas, nach diesen Fragen wir. Die gute Frau meint sie habe noch keine vorbereitet, wir können aber süsse Tacos mit Käse haben. Wir nehmen dankend an. Serviert werden die mit frittierten Bananen. Wir scheinen einen etwas abgekämpften Eindruck zu machen, so holt sie noch vier Kokosnüsse aus dem Busch. Nach dieser langen Mittagspause, verlangt sie nur 25 Pesos für die dritte Cola. Da wir das Gefühl haben ihr Essen weggegessen zu haben und weil sie uns umsorgt hat, geben wir ihr etwas mehr.
Der Fruchtzucker kommt langsam an, wir bedanken uns und fahren weiter. Für die letzten 34 Kilometer benötigen wir nochmals drei Stunden. Dann erreichen wir Paraiso. Zuerst mal ein Glace. Und dann: neues OFF kaufen.
Unser Hotel finden wir schnell. Wir checken ein, duschen und essen etwas. Wir sind total auf den Felgen. Abends gehen wir noch italienisch essen. Bei einem Sarden. Es gibt Focaccia, Pizza und Pasta. Perfekt.
Am kommenden Tag beschliessen wir nach dem Aufwachen, dass wir noch einen Tag länger bleiben. Und da sind wir nun. Mitten in Paraiso. Morgen fahren wir weiter.
***
And once again, it’s still pitch black when the alarm goes off. We’re setting off even a little earlier today; the sun won’t appear on the horizon for another twenty minutes. We leave the still-quiet village and head out onto the narrow strip of land between the sea and the lagoon. Our destination is Paraiso, just under 80 km away. The rising sun glimmers through the palm forest beside the road. There is hardly any traffic, just a few moped riders. The road is littered with potholes; we’re weaving our way through them. Once we weren’t paying attention and Cynthia’s front wheel slipped sideways into a pothole. Fortunately, apart from a few minor grazes, nothing happened.
There is virtually nothing marked on OpenStreetMap here, just our road and a few paths branching off it, and yet we cycle through several settlements. At half past six, we take our first proper break after about 25 kilometres. We buy some salted crisps and a 7Up from a small shop, eat them a few metres further on by a church and look out at the beach.
After 26 kilometres on this narrow strip of land, a section of the road is missing; the diversion leads into the palm forest and then, shortly afterwards, back onto the road. Here, between two palm trees, a rope is stretched out with a red cloth tied in the middle. Before we reach it, a young woman comes along and unties the barrier on one side; we say hello, she doesn’t say a word. OK.
About a kilometre or two further on, another long stretch of the road is missing; we turn right onto the diversion through a small hamlet. The children giggle and only dare to wave once we wave back at them. Back on the road, we can see the erosion really clearly. The sea is reclaiming the land. We park our bikes and go for a dip in the sea to cool off.
The road is now on the beach – or rather, the beach merges seamlessly into the road. It’s not hard to imagine what it looks like here during a storm, with high waves. We find ourselves having to swerve through the palm forest more and more often. Sometimes we can cycle through, but more and more often we get off and push. In a narrow spot, a telephone company pick-up truck comes towards us. There isn’t enough room, so we lay the bikes in the sand and wait until the pick-up has passed. The mosquitoes seize this opportunity and immediately swarm around us. OFF! provides some relief; we’ll have to buy a new bottle at the next opportunity – there isn’t much left in this one.
After a short stretch of tarmac, our road ends at a sand dune. What follows are the toughest 18 kilometres we’ve faced in a long time. We spend most of the time pushing our bikes through deep sand. It’s always a balancing act: should we turn back and find another route, or carry on and hope things improve soon? If we turn back, we know what to expect; the route so far has already been quite gruelling, plus we’ve covered a long distance that would then be ‘wasted’. If we carry on, we don’t know what lies ahead. The tricky thing is that with every metre of tarmac that stretches out before you, you feel more certain that it will get easier again. You ride a bit further, and you’re closer to your destination than to where you started. The ‘point of no return’ isn’t clearly defined, which makes the decision harder every time. We’d checked the route over the last two days; OSM and Google say it’s rideable, so we tell ourselves we’ll carry on, and yet we’re not entirely sure. Carry on or turn back.
After trudging through the hot sand for nearly another hour, the road reappears, leading us through a mangrove forest to a cluster of small houses. The crowds of people here and the huge two-lane bridge give us the feeling that the worst is behind us. Six fishermen on their mopeds overtake us at breakneck speed and disappear around the next bend. When we reach this bend, the road disappears again beneath the dune. We push on once more.
Unlike before, the sand doesn’t end after a few hundred metres. It is now ten o’clock and sweltering. An unknown distance lies ahead of us; the distance covered is more than half of the planned route. We look at our maps, searching for an alternative. We have to go at least another 7 kilometres; there is a junction there that leads inland. We want to check out this road and, if necessary, take it.
In the distance, we spot a car, standing there in the middle of nowhere. At last. A car. For hours we’ve seen no vehicles apart from mopeds. As we get closer, we see men in the palm trees harvesting coconuts. We ask them about the road. They tell us the sand stretches for another four kilometres or so, then the surface becomes more or less solid. Mas o menos.
A vehicle is coming towards us; it doesn’t brake or slow down, refusing to give up its momentum. When it starts honking wildly, we know what to do: off into the deep sand beside the track. It races past us. Looks like that one doesn’t have a 4x4. We get the bike out of the sand and carry on. We’re actually missing the low gear and the 4x4 from our Toyota a bit right now; it would be much easier, and a cold Coke from the fridge would be just the thing. We’re already thinking about whether we should rest here for the night and carry on again in the morning.
An elegant black pick-up truck coming towards us a little later confirms what the coconut men said: things are getting better. We ask him for a bottle of cold water, as our supply is almost gone. Another swarm of mosquitoes. We’ve definitely got about fifty bites.
And then: an old man in a hammock strung between two palm trees. Right across the path. Was that what it was meant for, to mark the start and end? A little further on, a second one – you can actually talk to him; he confirms that the road gets better again straight away. And there in Tuplico they are, dozens of cars, parked, their owners bustling about on the beach.
We can barely stand on our feet by the time we manage to buy our first cold drink. An old, battered sign reads ‘Empanadas’, so we ask for some. The kind lady says she hasn’t made any yet, but we can have sweet tacos with cheese. We gratefully accept. They’re served with fried bananas. We seem to look a bit worn out, so she fetches four coconuts from the bush. After this long lunch break, she asks for just 25 pesos for the third Coke. As we feel we’ve eaten her food and because she’s looked after us, we give her a bit more.
The fructose is slowly kicking in; we thank her and carry on. The last 34 kilometres take us another three hours. Then we reach Paraiso. First things first: an ice cream. And then: buy a new OFF.
We find our hotel quickly. We check in, have a shower and eat something. We’re absolutely knackered. In the evening, we go out for an Italian meal. At a Sardinian restaurant. There’s focaccia, pizza and pasta. Perfect.
The next day, after waking up, we decide to stay another day. And here we are. Right in the middle of Paraiso. Tomorrow we’ll carry on.

