Km 34791 - Km 34857_Bochil – Chiapa de Corzo
- 23. Mai
- 8 Min. Lesezeit

Heute machen wir uns auf den Endspurt, bevor wir uns in Chiapa de Corzo ein paar Tage Pause gönnen werden. Unser letzter freie Tag war vor ungefähr 5800 Höhenmetern und so langsam werden Arme und Beine schwer.
Auch heute wieder: wundervolle Aussichten. Wir schieben während rund vierzehn Kilometern in die Höhe, bis wir danach eine eher flachere Passage geniessen können. Tendenziell geht es danach hinunter, wenn wir auch nach jeder Brücke auf der anderen Seite hinauf schieben müssen. Wir haben den tropischen feuchten Wald nun definitiv durch trockenen, kühlen Nadelwald getauscht. Auf dieser Seite der Berge erinnert uns die Natur mit den roten, trockenen, mit Sträuchern bewachsenen Hügeln etwas an Indien.
Nahe Ixtapa werden wir von einem Hospital móvil – einem fahrenden Spital, das in abgelegenen Regionen im Einsatz ist – überholt. Der riesige Konvoi besteht aus mehreren Fahrzeugen mit Intensivbetten, einer mobilen Zahnarztpraxis, einer Mammographie-Einheit, einer Apotheke, einem EKG sowie einem Generator und vermutlich noch vielem mehr.
Die letzten elf Kilometer hinunter nach Chiapa de Corzo sind steil. Eigentlich klingt das verlockend – wäre da nicht der Gedanke, dass genau diese Strecke in wenigen Tagen wieder hinaufgeht. Oh Mann.
Auf rund 300 Metern über Meer erreichen wir unser Ziel. Eine Wohnung für vier Nächte ist gebucht – und bleibt es nicht lange: Wir verlängern direkt. Eine knappe Woche werden wir hier bleiben, regenerieren und Kräfte sammeln für die nächsten Etappen.
Die letzten Fahrtage stecken uns noch total in den Knochen. Wir haben es während der acht Tage gar nicht so gemerkt, doch nun, wo wir frei haben, holt es uns total ein. Wir sind figufertig, haben Hunger und sind dauernd müde. So sind wir froh, uns für die Verlängerung entschieden zu haben und lassen es uns richtig gut gehen. Wir kochen selber, schlafen viel, planen die nächsten Kilometer, schauen das Internet leer und machen sehr schöne Ausflüge in der Umgebung.
Chiapa de Corzo ist äusserst touristisch. Nichts erinnert an die ärmlichen und ländlichen Kilometer, die hinter uns liegen. Es gibt viele Restaurants, Erholungsflächen, Souvenirläden und ganz viel Glace. Mitten auf dem Hauptplatz erhebt sich das Wahrzeichen der Stadt: der Brunnen La Pila. Das 1552 errichtete Bauwerk mit rund 52 Meter Durchmesser stammt aus der Kolonialzeit und wurde vollständig aus Ziegelsteinen erbaut.
Auf dem Cañón del SumiCañóndero unternehmen wir eine zweieinhalbstündige Bootstour. Die rund dreissig Kilometer lange Schlucht entstand vor etwa 35 Millionen Jahren – geformt vom Río Grijalva, einem der wichtigsten Flüsse im Süden Mexikos. Er entspringt im Hochland Guatemalas, fliesst durch den Bundesstaat Chiapas und weiter nordwärts durch Tabasco, bevor er schliesslich in den Golf von Mexiko mündet.
Die Schlucht ist gewaltig. Die senkrechten Felswände ragen stellenweise bis zu 1000 Meter in die Höhe. Immer wieder verlangsamt das Boot seine Fahrt und wir haben Zeit, die beeindruckende Natur und die majestätischen Felsformationen auf uns wirken zu lassen. Wir entdecken den 'El Árbol de Navidad', beobachten Krokodile (die sind ja mega gross!), sowie Affen, Pelikane und Reiher.
Die Fahrt führt uns bis zur Staumauer, wo das Boot wendet. Auf dem Rückweg nähern wir uns einem anderen Boot: ein fahrbarer Kiosk, von dem aus gekühlte Getränke und kleine Snacks verkauft werden.
Auch besuchen wir - einen Katzensprung von unserer Wohnung entfernt - die Ausgrabungen von Zona Arqueológica Chiapa de Corzo. Bereits vor rund 3000 Jahren entstand hier eine der ältesten bedeutenden Siedlungen Mesoamerikas. Die Menschen gehörten wahrscheinlich zur Zoque-Kultur, die als kulturelle Brücke zwischen den Olmeken und den frühen Maya gilt.
Die Stadt war schon zwischen etwa 700 und 500 v. Chr. ein wichtiges Handels- und Zeremonialzentrum . Über den Grijalva verlief damals eine bedeutende Handelsroute.
Heute sieht man vor allem mehrere pyramidenartige Erdhügel („Mounds“). Viele der sichtbaren Strukturen stammen aus der Zeit zwischen ungefähr 200 v. Chr. und 200 n. Chr., doch darunter liegen deutlich ältere Schichten. Archäologen fanden Hinweise darauf, dass die Stadt über viele Jahrhunderte kontinuierlich erweitert wurde.
Die Ausgrabungsstätte ist sehr ruhig. Wir sind alleine. Gerade deshalb hat der Ort eine besondere Atmosphäre: offene Grasflächen, die Pyramiden mitten in der weiten Landschaft von Chiapas – und im Hintergrund die Hitze und das Summen der Insekten aus dem Grijalva-Tal.
Einen weiteren Ausflug machen wir, um den Canyon von oben zu besichtigen. Das Büssli fährt uns und andere Bewunderer nach Tuxtla Gutierrez und biegt danach scharf rechts ab. Eine Panoramastrasse führt uns während knapp zwanzig Kilometern immer weiter und weiter nach oben. Neben der Strasse geht es steil, beinahe senkrecht, nach unten. Weit unter uns sehen wir die Häuser der Stadt, die immer kleiner und kleiner werden, bis sie sich in Pixel auflösen. Wir fahren Serpentine um Serpentine höher in den Nationalpark. Natürlich geniessen wir, dass wir ausnahmsweise einen Motor haben und die Sackgasse wären wir wohl nie mit den Velos gefahren. Doch es ist schon anders. Die Fenster sind geschlossen, die Klimaanlage läuft, das Trinkwasser ist gekühlt. Es fehlt eine Dimension. Wir freuen uns schon wieder auf das Velo. Doch zuerst geniessen wir noch den Ausflug weiter.
Wir legen an drei verschiedenen Aussichtspunkten einen Stopp ein. Am Mirador La Coyota fällt der Blick weit hinunter auf den Río Grijalva, der sich wie ein grünes Band durch die nahezu senkrecht aufragenden Felswände zieht. Noch intensiver als vom Boot aus ist hier von oben das Gefühl von Höhe und Tiefe – die bis zu einem Kilometer hohen und geraden Canyonwände sind atemberaubend. Rundherum breitet sich dichte, tropische Vegetation aus, begleitet vom leisen Rauschen des Windes und Vogelstimmen.
Am Mirador El Tepehuaje wird die gewaltige Dimension der Schlucht noch deutlicher. Schatten wandern über die steilen Felsflanken, während Greifvögel in den thermischen Aufwinden kreisen und die Geräusche des Dschungels den Raum erfüllen. Den höchsten und zugleich am besten ausgebauten Aussichtspunkt bildet der Mirador La Atalaya. Von hier aus öffnet sich ein weiter Panoramablick über den gesamten Canyon und die umliegenden Berglandschaften von Chiapas. Ziemlich genau drei Stunden nach Abfahrt, steigen wir wieder in Chiapa de Corzo aus. Was für ein schöner Ausflug das war!
Heute nun ist unser letzter Tag hier. Wir lassen es ruhig angehen. Zum Frühstück gibt es Armen Ritter und zum Zmittag Tacos à la Pedaleurs.
Wir sind gespannt, wie sich die kommenden Kilometer fahren werden. Unser nächstes grosse Ziel ist San Christobal – wir planen die Route via Nicolas Ruiz zu nehmen. Ob es dann auch so kommt und wie es war? Das werden wir berichten.
***
Today we’re hitting the home stretch before treating ourselves to a few days’ rest in Chiapa de Corzo. Our last day off was about 5,800 meters above sea level, and our arms and legs are starting to feel heavy.
Once again today: wonderful views. We push our bikes uphill for about fourteen kilometers before we can enjoy a flatter stretch. The route generally heads downhill from there, though we have to push uphill on the other side of every bridge. We’ve now definitely traded the humid tropical forest for dry, cool coniferous forest. On this side of the mountains, the landscape—with its red, dry hills covered in shrubs—reminds us a bit of India.
Near Ixtapa, we’re overtaken by a hospital móvil—a mobile hospital that operates in remote regions. The massive convoy consists of several vehicles equipped with intensive care beds, a mobile dental clinic, a mammography unit, a pharmacy, an ECG machine, a generator, and presumably much more.
The last eleven kilometers down to Chiapa de Corzo are steep. Actually, that sounds tempting—if it weren’t for the thought that we’ll have to climb back up this exact same stretch in a few days. Oh man.
We reach our destination at an elevation of about 300 meters above sea level. We’ve booked an apartment for four nights—but that doesn’t last long: we extend our stay right away. We’ll stay here for just under a week, recharge, and gather our strength for the next stages of the journey.
The last few days of riding are still really taking their toll on us. We didn’t really notice it during the eight days, but now that we have time off, it’s really catching up with us. We’re physically exhausted, hungry, and constantly tired. So we’re glad we decided to extend our stay and are really taking it easy. We cook our own meals, sleep a lot, plan the next leg of the journey, browse the internet, and go on lovely excursions in the surrounding area.
Chiapa de Corzo is extremely touristy. Nothing here reminds us of the poor, rural areas we’ve left behind. There are many restaurants, recreational areas, souvenir shops, and plenty of ice cream. In the middle of the main square stands the city’s landmark: the La Pila fountain. Built in 1552, the structure—which is about 52 meters in diameter—dates back to the colonial era and was constructed entirely of bricks.
We take a two-and-a-half-hour boat tour through the Sumidero Canyon. The gorge, which is about thirty kilometers long, was formed some 35 million years ago by the Grijalva River, one of the most important rivers in southern Mexico. It originates in the highlands of Guatemala, flows through the state of Chiapas, and continues northward through Tabasco before finally emptying into the Gulf of Mexico.
The canyon is immense. The vertical rock walls rise up to 1,000 meters in some places. Time and again, the boat slows down, giving us time to take in the impressive natural scenery and the majestic rock formations. We spot the ‘El Árbol de Navidad,’ observe crocodiles (they’re huge!), as well as monkeys, pelicans, and herons.
The trip takes us all the way to the dam, where the boat turns around. On the way back, we approach another boat: a floating kiosk selling cold drinks and small snacks.
We also visit—just a stone’s throw from our apartment—the excavations at the Zona Arqueológica Chiapa de Corzo. One of the oldest significant settlements in Mesoamerica was established here around 3,000 years ago. The people likely belonged to the Zoque culture, which is considered a cultural bridge between the Olmecs and the early Maya.
The city was already an important trade and ceremonial center between about 700 and 500 B.C. An important trade route ran along the Grijalva River at that time.
Today, what is primarily visible are several pyramid-like earthen mounds. Many of the visible structures date from the period between approximately 200 B.C. and 200 A.D., but significantly older layers lie beneath them. Archaeologists have found evidence that the city was continuously expanded over many centuries.
The excavation site is very quiet. We are alone. That is precisely why the place has a special atmosphere: open grassy areas, the pyramids in the middle of the vast Chiapas landscape—and in the background, the heat and the buzzing of insects from the Grijalva Valley.
We take another trip to view the canyon from above. The minibus takes us and other visitors to Tuxtla Gutiérrez and then makes a sharp right turn. A scenic road leads us higher and higher for nearly twenty kilometers. Next to the road, the slope drops steeply, almost vertically, downward. Far below us, we see the city’s houses, which grow smaller and smaller until they dissolve into pixels. We wind our way up the switchbacks deeper into the national park. Of course, we’re enjoying the fact that, for once, we have a motor—we probably would never have driven this dead-end road on bikes. But it’s different. The windows are closed, the air conditioning is running, and the drinking water is chilled. Something’s missing. We’re already looking forward to getting back on the bikes. But first, we’ll continue to enjoy the trip.
We stop at three different viewpoints along the way. At Mirador La Coyota, the view drops steeply down to the Río Grijalva, which winds like a green ribbon through the nearly vertical canyon walls. Even more than from the boat, the sense of height and depth is striking from above – the canyon walls, rising up to a kilometer, are sheer and breathtaking. Dense tropical vegetation spreads all around, accompanied by the faint sound of wind and birdsong.
At Mirador El Tepehuaje, the immense scale of the canyon becomes even more apparent. Shadows move across the steep rock faces while birds of prey circle in thermal updrafts, and the sounds of the jungle fill the air. The highest and at the same time most developed viewpoint is Mirador La Atalaya. From here, a wide panoramic view opens over the entire canyon and the surrounding mountain landscapes of Chiapas. Almost exactly three hours after departure, we get off again in Chiapa de Corzo. What a beautiful excursion it was!
Today is our last day here. We are taking it easy. Breakfast is French toast, and lunch consists of “Tacos à la Pedaleurs.”
We are curious to see how the coming kilometers will unfold. Our next major destination is San Cristóbal – we plan to take the route via Nicolás Ruiz. Whether it will actually turn out that way and how it will be? We will report back.

