Aller Anfang ist schwer. I


Lieber Leser - wow, du bist ja ein echter Fan, dass du bei unseren Blogeinträgen bis hier unten gescrollt bist :-) In unseren privaten Tagebüchern sind wir auf die Einträge gestossen, die wir über unsere erste Fahrradreise verfasst haben. Dies war im Jahr 2005 und wir waren knapp Volljährig. Unsere Ausrüstung:

  • Fahrrad Cynthia: Damenstadtvelo, Model Villiger

  • Fahrrad Mike: Militärfahrrad, ein Gang, Rücktritt

  • Gesamtgepäck: 60 Kilogramm - als Rucksack (!)

  • Strecke: Bodensee - Lausanne

Ok, Ok, wir geben zu, damals hatten wir noch keine Ahnung, wie man eine Fahrradtour plant... aber eben. Aller Anfang ist schwer :-) Hier unsere allererste Geschichte... PS: Die Einträge haben wir in Indien - auf unserer Pédaleursreise 10 Jahre später - nach 14´000 Kilometern gelesen. Und wir haben Tränen gelacht :-) Viel Spass!

7. August 2005

Gestern waren wir spät noch weg, obwohl wir wussten, dass wir um 7:15 Uhr raus mussten gingen wir noch nach Luzern ans Seenachtsfest. Wir schauten uns das Feuerwerk an und gingen mit dem 22:45 Uhr Zug nach Hause. Im Bett schauten wir Fern bis etwa halb zwei. Wir wachten um etwa viertel vor acht auf. Nach dem Anziehen konnten wir gleich los, wir hatten am Vortag die Fahrräder bepackt. Wir waren so müde, dass wir kaum aus unseren Augen sahen. Dazu noch das ewige -Umsteigen mit den Fahrrädern, wir waren geschafft, bevor es überhaupt richtig losging.

Nach ca. drei Stunden Zugfahrt und dreimal umsteigen kamen wir dann in Kreuzlingen an. Zuerst mussten wir uns orientieren. Doch schnell fanden wir den richtigen Weg. Der Anfang war bereits ein ziemliches Bergauf fahren. Über Tiboltingen nach Ermatingen, Salenstein, Berlingen bis Steckborn. In Berlingen assen wir zu Mittag in einem Restaurant. Zwischen Steckborn und Mammern fingen wir an, Ausschau nach einem Campingplatz zu halten. Wir wollten es am ersten Tag noch nicht übertreiben. Jedoch konnten wir noch, darum fuhren wir weiter nach Eschenz und schliesslich nach Stein am Rhein wo wir auf einem Zeltplatz das Nachtlager aufschlugen. Wir kochten Suppe auf dem Kocher und legten uns ziemlich früh zu Bett. Es regnete etwas.

8. August 2005

Am folgenden Morgen war es schön, die Wolken rissen auf. Wir waren noch vor dem Wecker raus, gepackt und auf den Weg gemacht. Wir beschlossen erst im Nächten Dorf zu frühstücken. Ein Fehler, wie wir im Nachhinein feststellen mussten. In Etzelwilen gab es keinen Laden, darum mussten wir nach Oberstammheim, vom Camping bis Etzelwilen waren es fast 10 Kilometer und das den Berg rauf. Von Etzelwilen fuhren wir an der Bahnstrasse entlang, wieder etwa 5 Kilometer. Vor Oberstammheim ging es ein Stück hinauf. In Oberstammheim gingen wir in einen Volg, kauften uns Brötchen, Fleisch, Cola, Äpfel und Kekse. Endlich Frühstück nach zwei Stunden harter Fahrt mit leerem Bauch.

Nach einer Pause machten wir uns dann wieder auf den Weg Richtung Baden. Nach Oberstammheim hatten wir Glück, was jedoch nicht lange anhielt, denn nach Waltalingen ging es ziemlich den Berg hinauf. In Oberneunforn dachten wir schon, es gingen nur noch hinunter, doch es wollte nicht und wir hatten wieder einen ekligen Aufstieg nach Ossingen. Wir schoben unsere Fahrräder so nach Ossingen und es ging hinauf und hinauf. Umso schöner war die Abfahrt nach Andelfingen. In Andelfingen machten wir Pause auf einer alten überdachten Holzbrücke. Wir machten ein Foto und Mike pumpte sein Fahrrad. Es verliert Luft, die Gummis sind zu alt. Nach der Brücke ging es wieder so steil hinauf, dass wir schieben mussten. Weiter von Humlikon eine weite, weite Strecke bis Flaach mit schönem ruhigen Fahren, fast ohne Verkehr. Ob Flaach sahen wir schon auf der Karte ein Dorf namens Berg am Irchel. Das verhiess nichts Gutes. Uns so war es dann auch, auf dem Wegweiser stand, dass es 100 Meter steigt, wir sind sicher, das waren mehr.

Bis zum Dorf selber war es steil. Auf Mitte, radelte eine Familie locker fröhlich hinauf an uns vorbei, und wir schoben. Aus dem Dorf Berg hinaus Richtung Teufen mussten wir wieder schieben, nur stellenweise ging es hinunter. Jede Senkung nutzten wir um auf dem Rad zu fahren. Bis zum Pass waren es wahrscheinlich noch einmal 50 Meter höher, verteilt auf etwa 3 Kilometer, die wir teilweise liefen oder fuhren. Bis Teufen ging es dann wieder runter, durch einen Wald, uns kamen viele ältere Leute entgegen. Der Veloweg nach Freienstein ging von der Hauptstrasse ab, durch mehrere Rebfelder vorbei an einem Schlösschen. Wir ahnten, dass wir schon bald wieder „klettern“ mussten, da Freienstein zuunterst in einem Tal lag. Die Abfahrt ging schnell, im Dorf fragten wir nach dem kürzesten Weg nach Bülach. Man riet uns, die Hauptstrasse zu nehmen. Bis zur Hauptstrasse, wie wars zu erwarten, steil hinauf. Dann der Strasse entlang, die hatte so eine eklige Steigung, nicht steil, doch es geht in die Beine. Nach etwa zwei Kilometer beschlossen wir zu Essen.

Mike schmeisst den Kocher an und machte Ravioli. Nach dem Essen riefen wir zu Hause an und teilten mit, wo wir waren. Weiter zu fahren schiss uns an, der Weg schien zu weit. Wir machten kehrt nach Rorbas, denn dort sahen wir einen Wegweiser, dieser Weg war zwar kürzer, dafür mussten wir einen ziemlich hohen Hügel überwinden, der dazu noch verdammt steil. Ein Wegweiser zeigte 6.9 Kilometer nach Bülach, doch es war wahnsinnig steil. Wir hatten etwa eine halbe Stunde für diesen Aufstieg und die halbe Körperflüssigkeit verschwitzt.

Fast an der Hauptstrasse angekommen, die über den elenden Berg führte, bat uns ein Bauer in seine Stube, und lud uns auf einen Kaffee und Kekse ein. Seine Frau und eine Nachbarin kamen dann dazu und hörten sich unsere bisherige Reise an. Die Frau des Bauern holte Basilikum aus dem Garten für die Nachbarin, der Basilikum hatten einen so starken Geschmack, er füllte das ganze Wohnzimmer. So gut. Sie gaben uns wieder etwas Mut und erzählten uns, dass es nicht mehr weit sei bis Wettingen/Baden und erklärten uns, wo es auf und ab ging.

Wir verabschiedeten uns und liefen weiter Bergauf. An der Kreuzung waren es immer noch 5 Kilometer. Wir schoben und schoben und schoben weiter bis zum höchsten Punkt der Strasse. Oben an der Kuppe wurden wir fast angefahren, weil so ein Arsch, einen Traktor überholte und uns übersah. Nach einem kleinen Schock fuhren wir endlich bergab nach Bülach. Cynthia fuhr mit etwas Bremse aus Angst vor einem Sturz. In Bülach fuhren wieder umher, wegen Baustellen wurden jegliche Strassen umgeleitet. Inmitten Bülach haben wir den Weg nicht mehr gefunden, wir fragten. Langsam wurde es mühsam, die letzten Hügel strengten an, wir konnten kaum noch. Weiter nach Steinmaur. Von Steinmaur ging es nochmal hinauf nach Schöfflisdorf. Wir fuhren beziehungsweise liefen den Schienen entlang. Nach Schleinikon ging es noch gerade so. In Obererwenigen kamen wir mit Ach und Krach an. Wir machten Toilettenpause und kauften viele Süssigkeiten, verschlangen eine Cervelat mit Brot und fragten den Busfahrer, wie die Strecke nach Baden sei. Hinauf ein wenig, dann nur noch hinab nach Baden.

Von Oberweningen bis Oberehrendingen kamen wir kaum vorwärts, es schien noch einmal so weit wie bislang, wir waren ja auch schon zehn Stunden unterwegs. Bis und durch Oberehrendingen ging es elend hinauf doch dann nach Baden hinunter, göttlich! In Baden suchten wir die Jugendherberge. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt fanden wir sie. Nach elfeinhalb Stunden fahren und laufen, gute Nacht.

9. August 2005

Tag drei unserer Schweizreise, wir wachten noch vor dem Wecker auf. Zuerst über eine alte überdachte Brücke in die Altstadt von Baden. Anschliessend durch den Tunnel nach Turgi, Windisch, Gebensdorf bis Brugg. Die Einfahrt nach Brugg war beängstigend. Zuerst eine kleine Abfahrt in einen Tunnel, wo wir nach links mussten, ein Stück hinauf zum Bahnhof verfolgt uns ein Lastwagen. Ausser Puste und ohne einen Radstreifen hasteten wir vor dem Laster hinweg bis endlich ein Trottoir kam. Dort atmeten wir ein paar Minuten durch und liefen anschliessend zum Bahnhof auf die Toilette.

Nach einer Pause suchten wir den Weg nach Aarau. Bei einer Abzweigung hörte der Fahrradweg auf, die Wahl stand zwischen Hauptstrasse oder Industrie, wir nahmen den falschen Weg. Wir fuhren der Hauptstrasse entlang als dann das Trottoir aufhörte und wir auf der Strasse fahren mussten wo uns die LKW mit 80 oder so um die Ohren fuhren. Die Steigung nehmen war keine gute Idee, wenn wir keine Kraft mehr hätten oder das Gepäck verloren ginge. So beschlossen wir, kehr zu machen und denselben Weg zurück zu fahren und es bei der Industriestrasse zu versuchen. Wir waren froh, wieder bei dem Ende des Trottoirs zu sein, nach einem leicht gefährlichen Schwenk über die Gegenfahrbahn ohne Sicht, da der Gegenverkehr aus einer Unterführung kam, machten wir ein kleines „ahh.. in Sicherheit“-Päuschen.

Auf dem Industriegelände machten wir eine Pause bei einem Imbiss. Weiter am Ende des Industriegeländes fanden wir den Radweg. Er kam von rechts und ging in unsere Richtung weiter. Den nahmen wir. Er führte uns bis nach Aarau, der Aare entlang. Ein schöner Weg, durch den Wald dem Ufer entlang, fast flach. Dennoch kamen wir nur schleppend voran. Es dauerte Ewigkeiten bis Aarau. Unser Tempo war lahm, wir hatten uns gestern verausgabt. Mit schweren Beinen kamen wir nach drei Stunden in Aarau an. Nach einer Pause gingen wir ins Städtchen, kauften uns Süsses und Milch sowie Wasser. Unglaublich, wie unsere Körper nach Zucker schreien. Ohne grosse Pause hinaus aus Aarau nach Olten. Ausserhalb legten wir unser Fahrrad zu Boden und machten den Kocher an. Wir kochten ein Gemisch von Kartoffelstockflocken und Morchelsauce mit Cervelat. Es sah hässlich flüssig aus. Es war nicht besonders lecker, füllte aber den Magen. Der Rest des Weges nach Olten war genau so mühsam wie Baden-Aarau. Der nächste Camping von Olten war in Aarburg, etwa 4 Kilometer entfernt. In unserer körperlichen Verfassung rollten wir so dahin bis nach dem bezaubernden Städtchen Aarburg das von einem schönen Schloss beschützt wird. Der Camping war eine schöne Überraschung. Günstig, etwas klein, familiär und das Wichtigste – erholsam für uns. Wir kauften uns insgesamt zwei feine Hamburger, eine Portion Pommes und einen Toast sowie drei Colas und zwei Eis für den Zuckerhunger. Dann legten wir uns ins Zelt.

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