Norwegen - Nordkap

16.-22.Mai 2012

So nah an diesem Fluss, das Rauschen hat mich in die tiefe fallen lassen, ich war so tief in Morpheus Reich, dass ich die ganze Nacht durchgeschlafen und wirr geträumt habe. Das Rauschen ist es, das mich wieder rauf holt, ganz verwirrt ab der gelben Stoffwand bin ich nicht sicher wo ich bin. Ich hätte schwören können ich lege zuhause auf dem blauen Sofa und führe ein Gespräch mit Cynthia. Das Gepäck ist aufgeladen, ich bin wieder da. Die Ampel an der Brücke, ich habe ihr jetzt 5 Minuten zugeschaut, schaltet so willkürlich und ohne bestimmten Rhythmus, dass es schwierig wird rüber zu kommen. Ich habe Grün, fahre los, mitten auf der schmalen Spur sehe ich wie der Gegenverkehr los fährt. Es wird eng, sie hupen, doch kaum ist der zweite losgefahren, beginnt schon der hinter mir seinen Motor auf Touren zu bringen. So was. Es geht hinauf, den ganzen Tag werd ich hinauf fahren. Zwar nicht sehr hoch, doch die Strasse ist auf den Schwerverkehr ausgelegt und daher sehr lang mit einer sanften Steigung. Die Art von Steigung für die es keinen Gang gibt, ich trete wie blöde denn schon einen höher geht es in die Knie. Das Tal ist eng, schon von weitem hört man die schwer beladenen Lastwagen, die dicke Dieselschwaden aus dem Auspuff rauchen lassen. Und doch schaffen sie es mit überhöhter Geschwindigkeit, Fingerbreit an mir vorbei zu rauschen. Sie sind im Stress, die Wahre muss ausgeliefert werden, davon zeugen auch die Dutzenden PET-Flaschen mit gelber Flüssigkeit im Strassengraben. Nicht einmal für eine Pinkelpause finden sie die Zeit. Da, schon wieder,…, rauscht einer so nah an mir vorbei, dass es mir den Hut vom Kopf weht. So stehe ich da im losen Kies vom Strassengraben, lasse der ganze Kolone von Lastwagen, Caravan und Autos an mir vorbei fahren und hole meinen Hut. In Kopperaa hat man schon fast das Gefühl es geschafft zu haben, doch auf der Karte zeigen die beiden Klammern an der Orangen Linie, dass es noch ein rechtes Stück weiter nach Oben geht. Oben angekommen mache ich eine Pause, filtere Wasser aus dem inzwischen kleinen Fluss. Auf der langen Gerade entdecke ich am Strassenrand zwei Rentiere, ich bringe sie sogar auf ein Foto. Auf den nächsten Kilometer sind es 8% Steigung, das ist wenigsten einfacher zu fahren als die ersten paar Stunden. Beim Grenzschild zu Schweden ist es noch nicht geschafft. Das Ende ist vor Storlien, wo ich in einem riesigen Laden noch was für die Nacht einkaufe. Der Laden ist Wahnsinn, es gibt hier alles, von Exotischen Früchten über Fisch von Überall bis zu Tennissocken. Zudem alles Kiloweise, schwer für mich ohne Kühlschrank. Jetzt sehe ich auch warum die Norweger Car weise hier hinauf fahren, Duty Free. Mit Koffer voller Zigaretten, Schnaps und Bier kehren sie zu den Bussen zurück. Auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen für die Nacht, passiert es zum zweiten Mal. Auf der langen übersichtlichen Strasse, setzt einer zum überholen eines Lastwagens an. Er kommt auf meine Spur, es wird knapp, er schert weiter aus. Da ich als Kühlerfigur keine gute Gattung mache, halte ich die Lenkstange fest und fahre ins tiefe Kies, komme abrupt zum stehen. Eingehüllt in eine feuchte Wolke stehe ich da, schreie ihm alle Schande hinterher. Das tolle daran, keines der folgenden Fahrzeuge wird auch nur langsamer um zu schauen. Zum Glück wurde ich nicht von einer dieser, mit Reflektorband beklebtem Bambusstangen aufgespiesst. Trottel zum zweiten. Es regnet, Nonstop. Die ersten Tage war wenigstens das Innenzelt trocken, doch selbst das kann ich vergessen. Das war die Wahl, Bergauf und Bergab in Nordnorwegen oder Regen in Schweden. Da ist Regen auf Dauer das kleinere Übel, hab mich langsam daran gewöhnt, selbst der Weg nach Zermatt war einst so verschifft und das Matterhorn habe ich dann auch nicht gesehen. Auch zwischen Rödön und Frösön wurde das Storsjöungeheuer gesehen, dieses Sagenumwogene Getier das hier seit 1635 sein Unwesen treibt. Ob es das Nessi von Schottland kennt? Auf jeden Fall profitiert der Tourismus ganz gut davon, von Spoting-Plätzen am See bis Stofftiere ist alles vorhanden. Auf dem beinahe leeren Camping in Östersund muss ich dann trotzdem auf die, sehr feuchte Campingwiese und weil das Klohäuschen noch verriegelt ist darf ich mit dem Fahrrad 400m aufs Klo. Doch die heisse Dusche und Skype sind es Wert. Nach einem Ruhetag geht es auf der E45 in den Wald. So viel Wald hab ich glaub noch nie gesehen. Nein, wirklich nicht. Einzig kleine Dörfer und hie und da ein Häuschen mit Garten bringen Abwechslung. Die Nächte oder die Zeitperiode die als Nacht gelten würde, sind hell, klar und kalt, so kalt dass die Abspannleinen vom Zelt durchfrieren. Die sind so hart dass sie nicht nachgespannt werden können. Der Regen hat zeitweise aufgehört, ich bin in Lappland und bis ans Nordkap sind es angeblich noch 1150 Kilometer, so steht zumindest auf einem selbstgemachten Schild.

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