um zwei Uhr Morgens ist der Himmel klar

23.-28.Mai 2012

Dieses Schild hatte recht: „Lieber Besucher, die Distanzen in Schweden sind sehr lang, planen sie die Route sorgfältig.“ Oftmals fahre ich Kilometer weit ohne auf jemanden zu treffen und nur weil ein Dorf ein eigenes Schild schon 96 Kilometer vorher hat, heisst es noch nicht dass es auch einen Laden hat. Jetzt bin ich froh, dass ich „zu viel Essen mit mir herumschleppe. Bevor es mit 6% Steigung, 22 Kilometer den Berg hinauf geht stelle ich mein Zelt auf einen Aussichtsparkplatz und geniesse diese. Die Nächte sind keine mehr, so kurz vor dem Polarkreis ist die ganze Nacht hindurch Abend. Der Körper spielt verrückt um drei Uhr in der Früh liege ich hellwach da und kriege kein Auge zu. Auch mit dem gerechnet ist eine Schlafmaske dabei, doch die tausend Gedanken im Kopf kann man auch damit nicht abdecken. Und doch es ist wunderbar hier zu sein in diesem Moment. Bis Arvidsjaur sind es noch 40 Kilometer, zum Frühstück gibt es Zmittag. Im ersten Hamburgerladen wieder einmal einen Cheeseburger, Fett, Fett, Fett das kaum reicht, darum noch 200g Schoggi, 2 Bananen und eine Birne. Der freundlich Typ ist beeindruckt und schenk mir das Nachfüllen der Cola. Das viele Essen verlangt Aufmerksamkeit, von den Beinen und dem Gehirn wird das Blut ab beordert und fliesst in die Magenwand, Zeit für eine Siesta. Kurz nach Moskosel, das ebenfalls keine Einkaufsmöglichkeit bietet, stelle ich das Zelt an einen gefrorenen See, wasche mich in dem Eiswasser und koche Spaghetti mit Tomatensauce aus Holland. Gegen Nachmittag treffe ich ein paar Rennradler, die einmal Schweden durchqueren. Und einen Franzosen , schwer bepackt, auf dem Weg ans Nordkap. Wir fahren etwa 400 Kilometer zusammen, über den nördlichen Polarkreis, verliere ihn aber aus den Augen weil ich am Morgen schneller Rollfertig bin und nicht ewig warten will. Ist ein komischer Vogel, er fährt mit kurzen Hosen und beklagt sich, dass es in der Nacht im Zelt zu kalt sei ( Mensch du fährst ans Nordkap, da ist es kalt in der Jahreszeit, liegt ja nicht am Mittelmeer). Bisher habe er erst einmal für eine Nacht bezahlt, die Leute liessen ihn bei sich schlafen. Zwei Mal mache ich 200 Kilometer, Finnland habe ich kaum bemerkt. Kurz nach Alta schliesst er auf, überholt mich in der Steigung. Als es dann anfängt zu schneien steht er immer noch in kurzen Hosen da und friert, die Norweger haben ihn bis jetzt immer abgewimmelt. Der Schnee hört nicht auf zu fallen, bei der schlechten Sicht und der Kälte will ich nicht höher steigen. Als ich mein Zelt aufstelle fährt er an mir vorbei. Ich hab es gemütlich warm draussen tobt es. Um zwei Uhr morgens ist der Himmel klar, ich wage es, packe das Zelt zusammen und fahre los. Alles ist gefroren, die Bremsen taue ich mit Pipi auf, bei der Schaltung reicht es nicht. Sie ist völlig fest, es werden vier Stunden vergehen bis ich endlich einen höheren Gang einlegen kann. Bevor es nach unten geht teste ich die Bremsen nochmal, bin unachtsam und rutsche über eine gefrorene Stelle. Beim Sturz hab ich mir nichts getan, der Radcomputer ist voll hinüber. Mit Feuerzeug, sehr viel Isolierband und noch mehr Nerven, kriege ich ihn wieder zum zählen. Es ist sehr kalt, ich bin froh kommt der Wind von hinten, obwohl er mich gut anschiebt, muss ich treten. Die Muskeln müssen in Bewegung bleiben, halte ich an um etwas zu essen zieht die Kälte sofort bis in die Knochen. Das ist ein Höllenritt, die Strasse ist teilweise nur zu erahnen und ich bin erschöpft. Die sechs Stunden Schlaf haben nichts genützt, nur weil es immer hell ist heisst es nicht, dass man immer das Zelt verlassen sollte. Ich darf nicht stillstehen oder hinsitzen, keine Ahnung wie kalt es ist aber kälter als im Tiefkühler einer Küche. Alles gefriert, sogar meine Windjacke könnte ich hinstellen. Ich muss hier weg, komme wegen dem festgefroren kleinen Gang aber auf keine Geschwindigkeit. Fünf Stunden dauert es bis ich aus diesem kalten Schlachtfeld rolle. Ich bin müde, kann kaum die Augen offen halten, die Fahrt wird mit jeder Minute wackeliger. Ein letztes Mal reisse ich mich zusammen, gelange nach Olderfjord. Heute will ich ein warmes Bett, am Empfang ist noch keiner, zwei Holländer die gerade abreisen lassen mir ihre Hütte offen. Wo ist wohl der Kurze-Hose-Mann? Bis ans Nordkap sind es noch 133 Kilometer.

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