Polen - Ungarn

28.Juni-3.Juli 2012

Ich bin motiviert, komme wieder rasch voran, der Wind und der Regen haben nachgelassen. Es geht nach Istanbul, diese Planänderung benötigt ein bisschen Planung und neues Material, aus diesem Grund fahre ich in Warschau ein. Die Einfahrt ist langwierig und anstrengend, immer wieder Umwege und zum Teil sehr komische Radwege. Ein austudierter Student, führt mich dann in die Altstadt zu einem Touristinfo. Als ich fertig bin steht Gregory wieder da, er habe mein Fahrrad gesehen und wollte sehen, ob ich gefunden habe was ich suchte. Auf einen Kaffee hat er aber keine Zeit. Im Fahrradladen „Wygodny Rower.pl“ kriege ich den Computer und die Kette, Schwalbe in 26“ haben sie nicht. Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen suche ich mir ein Zimmer. Im Hostel Tamka kriege ich ein Bett in einem Massenschlag. Während ich durch die Altstadt schlendere, hat es immer mehr Fahrräder. Einer sagt mir dann es sei ein Critical Mass. Ich bin hier in Warschau an einem CM-Tag, zu Fuss? Das geht gar nicht. Wie ein irrer laufe ich zurück zum Hostel, entlade mein Rad und erreiche den „Bienlischwarm“ als er los rollt. Einmal quer durch Warschau, geiler als der „Hop on- Hop off“-Bus, mit geschätzt 5000 oder 6000 anderen Radfahrern. In der Masse treffe ich Tylor, auf einem Reiserad, und komme mit ihm ins Gespräch, irgendwo ist auch seine Freundin in der Menge. Das freundliche Paar aus Amerika, das hier lebt, hat mir Tipps für die Pneus und sind sehr angenehm. Der Schwarm fährt an meinem Hostel vorbei, yeah ich weiss wo ich bin, und wir gehen noch einen zusammen trinken, PVP Powisle. Diesen Abend in Warschau, hätte es nicht planen können. Nach Mitternacht würde ich mich gerne schlafen legen, aber der Kerl unter mir schnarcht so laut und ohne jeglichen Rhythmus, dass ich die Nacht mit der Wäsche, einer grossen Pizza und einem Videoupload verbringe. Und nach drei Stunden Schlaf auf der Couch ist die Nacht rum. Julek, der die Nachtschicht schiebt, ist ebenfalls sehr freundlich und war mir eine Hilfe, nicht nur beim Pizza bestellen. Nach einer Dusche und einem Frühstück, bin ich auch schon fast wach. Der Fahrradladen allerdings noch nicht, so gibt es halt ein Fruchtsaft und ein Schoggibrötli am Zbawiciela-Platz. Der Laden öffnet, obwohl der kleine Junge steif und fest behauptet hat, er sei geschlossen, und der alte Herr weiss was ich will. Er zieht aus einem Stapel Reifen zwei „Schwalbe Marathon“. Der Hacken, er hat nur einen in der Grösse die ich brauche. Ich nehm trotzdem beide, wenn ich in Warschau schon mühe welche zu finden, will ich nicht auf dem Land einen suchen müssen. Als ich auf der Strasse stehe und die sperrigen Dinger aufschnalle, erzählt er jedem der vorbei geht, dass er eben einem Radler der vom Nordkap kommt zwei Pneus verkauft hat. Die Ausfahrt aus der Stadt ist südwärts etwas einfacher, es geht pfeifen gerade, bis zu dem Teil wo ich wieder nicht rauf darf. Die Hitze lässt mich austrocknen, würde ich nicht fünf Liter pro Tag trinken, ich wäre Trockenfleisch. Wieder auf dem Land wechseln die Strassenverhältnisse alle zehn, zwanzig Kilometer. Die kleinen Bitumenbläschen ploppen auf und verkleben alles, nur nicht die Strasse. An einer Bushaltestelle verkaufen zwei junge Frauen Blaubeeren. Ich kaufe welche und koche sie am Abend zu Konfitüre. Der Abend, wer den Camping in Kozienice auf seiner Karte hat, kann ihn streichen. Es finden die Miss Polen Halbfinals-Wahlen statt, schön anzusehen, aber dafür darf ich die Duschen nicht benutzen, es gibt keine Küche wo ich die Konfitüre aus den Töpfen waschen kann und Wasser kriege ich auch keins. Toiletten gibt es nicht, man muss ins Hotel und an der Rezeption fragen und die lassen einem aufs WC, wenn man am Security vorbei kommt. Es ist laut, die Leute ignorieren die Brandgefahr und da, ein betrunkener läuft pinkelnd an meinem Zelt vorbei. Ich packe zusammen. Hoffentlich hat das Holländische Ehepaar, die zur selben Zeit angereist sind, diese Nacht ruhig überstanden. Ich kaufe Wasser an der Tankstelle und fahre in die Nacht hinein. Es hat schon was, an einem Samstagabend durch ländliche Polen zu fahren. Es ist kühl, die Menschen sitzen draussen, grillieren, musizieren und lachen. Der Geruch in den Dörfern ist fabelhaft, mediterran und würzig, geschwängert mit gebratenem, mariniertem Fleisch. Der Mond erleuchtet den Wolkenlosen Nachthimmel. Es wird Zeit zum Schlafen. Inzwischen ist es so dunkel, dass ich nicht weiss, ob mein Plätzchen eine gute Wahl ist. Ich blieb unentdeckt und habe gut geschlafen. Um sieben Uhr ist bereits T-Shirt Wetter, der Kapitän der Fähre verzichtet ganz darauf. Die Luft brennt, bremst mich ab. Von hinten naht ein Fahrrad, er heisst Jalek, ist Pole und befährt sein eigenes Land. Zusammen fahren wir bis nach Sandomierz. Unterwegs wird uns von ein paar die es nicht mehr ganz sehen, Wodka und Bier angeboten, was wir aber ablehnen. Die Sonne drückt, in einem Bushäuschen, der einzige Flecken Schatten, verweilen wir fast zwei Stunden. Ich schliesse mich ihm an, das Hotel hat noch Platz, denn Mielec ist doch noch etwas weiter. Das kleine Hotel finden ist gar nicht einfach, eine Stunde rumpeln und schieben wir über den Kopfsteinpflaster. Der Preis, von jetzt an sollte ich immer mit einem Einheimischen reisen, für keine 8.- gibt es ein Zimmer mit Dusche, Fernseher und kleiner Küche. Der klare Mond verschwindet, ein heftiges Gewitter bricht die Hitze, entlädt seine geballte Kraft. Am Morgen holpern wir zusammen zur Hauptstrasse und verabschieden uns, er nach Osten und südwärts. Kurz vor dem Tagesziel steigt die Strasse lange an. Warum gibt’s die Dinger immer zum Schluss? Es kann heizen, die Haare sind weg. Bei 37,5°C schiebe ich das Velo zur slowakischen Grenze. Auch hier wieder, ich verlasse Polen und habe noch alle meine Habseligkeiten. „Ja in Polen musst du alles anbinden!“ Am meisten sprechen halt schon die Menschen über fremde Länder, die noch nie ausserhalb der eigenen Landesgrenze waren. Danke Polen für die gute Zeit und die Gastfreundschaft.

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