Andermatt - Lugano

Was es die ganze Nacht lang gemacht hat, macht es nun weiter. Es regnet. Mit wenig Lust kriechen wir aus unseren Schlafsäcken und zwängen uns in unsere neuen Regenhosen - Grösse 164 und 176. Ernsthaft. Bis Hospental wärmen wir uns mit Treten auf, der Temperatur und der Umgebung nach könnte ebenso gut Herbst sein. Unter der Regenkleidung entsteht so eine Stauhitze, dass ich mich meiner zweiten Schicht entledige. Schon in der ersten Kurve verschwindet die Kapuze und die Kappe, der Regen kühlt den Kopf etwas herunter. Das bergauf fahren wenn es regnet ist weder meins noch Cynthias, man schwitzt vor Hitze und wenn man die Jacke auszieht wird man von oben her nass.

Die Parkbuchten alle hundert bis zweihundert Meter sind ein willkommener Grund für ein Päuschen. Hinter uns sinkt das Tal immer tiefer ab. Mal schneller, mal langsamer. Liegt wohl daran dass wir nicht ein konstantes Tempo haben. In aller Gemütlichkeit passieren wir einen Kilometerstein nach dem andern und nähern uns so dem Hospitz auf dem St. Gotthard Pass. Auf den letzten zwei Kilometern Anstieg erwischt es uns noch einmal besonders hart. Wir nehmen die Tremola. Die Pflastersteine lassen uns zu aller Anstrengung auch noch vibrieren. Cynthia schiebt schon fast die ganze Zeit und fühlt sich als würde sie seit mehreren Stunden zwei Hanteln stemmen, die nun auch noch zu wackeln beginnen. Mir geht es ähnlich mit meinen Oberschenkeln. Die letzten dreihundert Meter sind wirklich hart. Wir freuen uns unglaublich, als wir endlich durchnässt vom Regen und vom Schweiss nach dreieinhalb Stunden den Pass erreichen. Jetzt wird’s Zeit für Nussgipfel und heissi Schoggi. Zuhause fragte Cynthia noch, wozu Handschuhe und Winterkappe mitnehmen, es sind doch Sommerferien? Nun nehmen wir die Serpentinen der Tremola und wären froh wir hätten noch mehr dabei. Es ist saukalt und wir frieren uns einen ab. Einzig die Vibration in den Armen wärmt uns ein bisschen - von wegen Sommerferien. Da die Strasse nass ist, lassen wir uns Zeit mit der Abfahrt. Vorbei an den Militärkasernen rollen wir in Airolo ein, weil kein Grund für eine Pause besteht, geht es weiter Berg ab ohne zu treten (zumindest Cynthia) fahren wir runter bis Piotta wo wir unter den Bahnschienen in einem Tunnel dem Regen entfliehen. Wir machen durch die rasante Abfahrt einige Kilometer gut und vergessen dabei ganz, dass wir ja heute noch den Gotthard gefahren sind. Die bis jetzt erreichten Kilometer erscheinen uns lächerlich. Also wollen wir weiter. Zumindest bis Bellinzona wollen wir es schaffen. Kurz vor Biasca holt uns dann doch die Müdigkeit ein. Die Kälte macht uns wirklich zu schaffen. Wo ist denn jetzt dieser Camping, der auf der Karte vermerkt ist? Wir finden ihn nicht und müssen wohl oder übel weiterfahren. Bis plötzlich wie durch ein kleines Wunder zwei Dörfer weiter ein Schild einer Finca erscheint. Völlig durchnässt klopfen wir an der Tür um nach einem Campingplatz zu fragen. Der freundliche Besitzer bietet uns eine Übernachtung im Stroh an. Grossartig! Genau was wir jetzt brauchen. Wir geniessen den Abend auf der Finca. Oh noch wichtig zu erwähnen: Cynthia hat im UNO einige Male gewonnen. Es hat noch einige Gäste mehr – die meisten davon trudeln aber erst ein, als wir schon tief schlafen. Es muss weit nach acht Uhr abends gewesen sein.

Die Nacht war etwas unruhig, das liegt an dem einen der so unruhig und unrhythmisch geschnarcht hat. So ohne jeglichen Takt, dafür melodiös wie eine ganze Singkapelle mit Pfeifen, Grunzen, Husten und noch mehr Grunzen. Cynthia hat davon wenig mitgekriegt, sie schlief tief und fest.

Nach dem Frühstück geht es weiter nach Lugano, gemütlich.

Vor uns macht sich der Monte Ceneri breit. Fuck, den hatte ich irgendwie ganz vergessen. Wie kann man einen ganzen Berg vergessen?

Im dritten Gang pedalieren wir hinauf, nutzen die hohe Leitplanke des Öfteren um uns ab zu stützen und zu verschnaufen. Oben gibt es ein Glace. Cynthia ist den ganzen Anstieg gefahren, holla! Ich hatte zum Teil meine Mühe.

Der Anstieg ist also geschafft. Wir freuen uns auf eine rasante Abfahrt… wo bleibt die denn? Es geht entweder gerade aus oder ein bisschen abwärts. Es will einfach nicht rasant voran gehen… das Ziel Como haben wir gestrichen. Neu soll es Lugano sein. Ich meine – wenn ohne Planung plötzlich ein Berg erscheint, dann darf man ruhig den Plan etwas ändern… kurz vor Lugano biegen wir ab. Wir wollen auf den Camping etwas oben in den Hügeln. Vorher gehen wir noch einkaufen. Beim Camping eingecheckt wollen wir das Zelt aufstellen und uns ausruhen… aber was ist das? Eine gigantische Vampirmückenplage überfällt uns. Schon nach wenigen Minuten halten wir es nicht mehr aus. Das Zelt wird gezügelt. Keine Besserung. Also müssen wir noch einmal los. Wir kaufen den halben Laden leer und ergattern alle Mückensprays und –spiralen. Auf dem Heimweg gönnen wir uns noch ein Zvieri. Roastbeef auf Rucola. So kann es ja nur gut kommen. Beim Zelt angelangt machen wir uns daran, den Biestern den Garaus zu machen. Es braucht so einiges. Aber wir haben gesiegt!! Ein Hoch auf Mückensprays, ein Hoch auf uns…

Wir geniessen den Abend in Ruhe. Diesmal gewinne ich im UNO. Oh je – Cynthia hat angebissen. Morgen wird sie es mir bestimmt zeigen. Nach dem Abendessen Waschen wir noch und geniessen die ersten Tessiner Sonnenstrahlen dieser Ferien.

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