Km 4546-Km 4712_Istanbul - Kaynarca


Zur Verabschiedung von Istanbul gönnen wir uns auf der Dachterrasse eines Restaurants traditionelles Otomanes Essen und geniessen noch einmal die Aussicht auf den atemberaubenden Trubel. Istanbul, wir haben dich fest in unser Herz geschlossen.

Nach genau einer Woche verlassen wir früh am morgen des 12. Juli die Stadt. Nach einem Foto vor der Mosche Sultan Ahmed steuern wir auf die Personenfähre zu. Wo man genau das Ticket beziehen muss ist uns bis jetzt nicht klar. Auf der asiatischen Seite war das beim Zeitungsverkäufer. Ist ja logisch. Hier in Europa schaut uns der Kioskmann nur an, als wäre unsere Bitte nach einem Billet bei ihm so richtig total am falschen Ort platziert. Der Mann hat aber ein grosses Herz und bringt uns zum Eingang. Dem Kontrolleur sagt er, wir bräuchten nicht zu bezahlen. Und schwuppdiwupp sind wir im Wartesaal, ohne dass wir ein Ticket gekauft haben. Dankeschön. Die erste Fähre geht um 7:20 Uhr los. Sie fährt alleine. Obwohl der Wartesaal voll ist, werden die Tore nicht geöffnet. Wir warten auf das nächste Schiff. Eine halbe Stunde später schippern wir bereits in Asien ein. Ein grosser Moment. Unsere Fahrräder berühren an der Station Kadyköy das erste Mal asiatischen Boden. Nach einem Zmorgen fahren wir los.

Welche Richtung nun ganz genau die richtige ist, wissen wir nicht. Es hat so viele Strassen und so wenig Schilder. So fahren wir der Nase nach und kommen ohne grosse Umwege ziemlich bald über den ersten Hügel. Von hier aus haben wir eine grossartige Aussicht auf ganz Istanbul. Mega. Fantastisch.Heute ist Sonntag und so haben wir wieder Glück mit dem Verkehr. Für Istanbulische Verhältnisse sind wenig Autos auf der Strasse. Gegen Mittag mehren sich die Fahrzeuge zwar, aber das grosse Chaos bleibt uns erspart. In der Nähe von Alemdar biegen wir auf die 020 ein. Wir entdecken einen Mc Donalds und lassen uns nicht nehmen, nochmal einen Burger zu geniessen. Wer weiss, wann wir das nächste Mal Gelegenheit haben werden. Der Tankwart gleich nebenan kommt zu Besuch und bringt uns Kaffee. Die Menschen sind so freundlich und wir fahren wieder, so wie bei der Einfahrt, wegen dem Winken einhändig gen Norden. Mit einem Mal ist Istanbul weg. Einfach so. Kein Industriegebiet und auch keine Agglomeration, die die Stadt langsam verabschiedet. Wald. Komisch, so ein appruptes Ende. Die ganze Gegend hier wurde seit dem Jahr 1991 gründlich aufgeforstet und wir befinden uns mitten in einem Urwald.

Unser heutiges Ziel ist Sile. Schon lange ist die Stadt am Schwarzen Meer - ein Erholungsgebiet der Istanbuler - angeschrieben. Die Fahrt an sich ist landschaftlich sehr schön. Aber da wir auf dem Pannenstreifen der Schnellstrasse Pedalieren, konzentrieren wir uns mehr auf den Verkehr.

Plötzlich. Da. Etwas liegt am Boden. Und das ist die Geschichte von Berry Barry und seiner neuen Aufgabe als Glücksbringer der Pédaleurs.

Er erzählt sie uns gleich selber…

„Schon früh erkannte ich dass ich etwas an mir hatte, eine Art Ausstrahlung, Sie bestand im Wesentlichen darin, gut zu riechen. Das tat ich seit dem ich mich erinnern kann. Das machte ich schon früh, so zogen mich alle in ihre Nähe wenn es mies roch. Man sagte mir, es sei dieser Waldbeerenduft der von mir ausging.

So hatte ich irgendwie keine Wahl, meine Berufung wurde zu meinem Job. Ich hing eine Weile herum. Bis mich diese junge Dame ansah, weiss nicht genau ob es an meinem Beerenduft lag oder dass ich so gut zu ihrem pinken Wagen passte. Wir hatten es gut, ich kam ordentlich in der Gegend herum. Sie hatte ein so bezauberndes Lächeln.

Lange ging es gut mit uns, doch dann kam was kommen musste, ich verlor meine Fähigkeit gut zu riechen und es dauerte nicht lange und ich flog aus ihrem Leben.

Was folgte, waren harte Zeiten. Ausgeliefert der Witterung und der prallen Sonne, der ewige Staub und ständiger Gestank von Diesel machte meine Situation nicht besser. Ich lag lange einfach nur herum und wollte schlafen.

Bis an diesem sonnigen, heissen Tag, da nahm ich mit meinem Auge einen Schatten war, er kam immer näher und ich hoffte nur dass es nicht wieder ein Tier war das mit mir spielen wollte. Ich verspürte eine sanfte Hand welche mich aus dem Dreck erhob. Sie hat ein so bezauberndes Lächeln. Sie sagt, so etwas Niedliches wie ich hat eine zweite Chance verdient.

Ich bin zwar eher von der harten Sorte aber was soll es. Nach einem Seifenbad und dem Auffinden meines verlorenen Auges kriege ich den Platz mit der besten Aussicht.

Die Pédaleurs nehmen mich mit auf eine weitere Reise."

In Sile checken wir nach knapp 70 Kilometern in einem Hotel ein. Es hat einen Pool. Perfekt. Auch das Abendessen gehört zur Übernachtung. Und so geniessen wir das hausgemachte Essen. Das erste Mal seit langem schlafen wir so richtig gut. Es ist ruhig, kühl und sauber. So machen wir uns am nächsten Tag erst gegen 9:00 Uhr die Mühe, aufzustehen. Zuerst mal Frühstück. Fantastisch, was die Hotelangestellten für uns zaubern. Sogar ein Spiegelei ist dabei. Haben wir eigendlich schonmal erwähnt, dass uns in der Türkei fast ausschliesslich Kinder bedienen? Komisch.

Das Ausschlafen hat gut getan. Aber. Jetzt ist es heiss. So richtig heiss. Wir sind schon nach wenigen Metern total durchgeschwitzt und bereuen es, nicht gleich bei Sonnenaufgang losgefahren zu sein. Aber das Spiegelei. Hmmm. Das war soo lecker.Heute biegen wir bewusst in eine kleiner Strasse ein. Zum einen wollen wir dem Verkehr entkommen und zum andern wollen wir austesten, wie es um die Qualität der kleinen Strassen steht. Qualität ist sehr gut. Verkehr ist sehr wenig. Hügel hat es unglaublich mega viele. Wir schieben den ganzen Tag Hügel hoch, und rasen anschliessend wieder runter. Schieben hoch, rasen runter. Das Runter rasen macht aber leider gar keinen Spass, denn bei der Abfahrt sieht man bereits den nächsten Hügel, der einem erwartet. An die zehn Hügel waren es. Höhenmetertechnisch nicht so wahnsinnig, aber echt anstrengend.

Nach dreissig Kilometern reicht es uns für heute und wir checken in Agva in unserem ersten - wohl auch letzten - türkischen Camping ein. Den Preis hätten wir wohl drücken müssen. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn ein ein taubes Kind den Preis diktiert. Toiletten hat es. Wäh. Duschen auch. Doppelwäh. Aber wir sind froh, haben wir ein Plätzchen gefunden und liegen so den Rest des Nachmittages zwischen Hühnern, Hähnen und Hunden im Gras. Aus Dank für das geliehene Salz bringt uns ein anderer Camper ein paar Pouletflügeli. Nicht von diesen Hühnern. Von andern. Die Nacht ist zwischen Hundegeknurr und Gebell nicht so erholsam wie gehofft. Aber so gelingt uns wenigstens das frühe Aufstehen um so besser. Aus Dank, dass wir den einen Hund von unserem Zelt weggescheucht haben, werden wir nun von einem ganzen Rudel beim Zmörgelen unterstützt.

Aber eines müssen wir hier mal festhalten. Die Hunde in der Türkei sind um einiges angenehmer als die, die wir bereits erlebt haben. Sie sind ruhig, greifen kaum an und sind ziemlich freundliche Zeitgenossen. Wenn mal einer etwas aufmüpfig wird, reicht ein lautes Wort und die Sache ist erledigt. Das gefällt uns.

Die Fahrt geht heute wieder auf der 020 weiter. Die Strecke ist um einiges einfacher als gestern. Auch der Verkehr ist sehr ruhig. All die Warnungen, die wir von den Einheimischen wegen dem Verkehr bekommen haben, können wir noch nicht so nachvollziehen. Wir werden sehen, was da noch an uns vorbeirollt. Es geht sanft die Hügel hoch und wieder runter. Gegen Mittag haben wir bereits das Tagespensum erreicht und gönnen uns in Kandira einen ausgesprochen feinen Zmittag. Nach insgesamt sechzig Kilometern reicht es uns für heute und wir checken im einzigen Hotel in Kaynarca ein. Direkt neben dem Einkaufladen mit dem Namen "How Much". Treffend.

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