Km 6183 - Km 6256_Samtredia - Kutaissi


BUMM, BUMM, BUMM… 3:25Uhr. Ein stürmisches Poltern an der Tür holt uns aus dem Schlaf. Wie aus der Kanone geschossen stehen wir voll parat neben dem Bett. Wir sehen uns an, beide denken das Gleiche: Echt jetzt? Unser Verfolger? In der Unterhose öffnet Mike langsam die Tür...

Im Flur steht das junge englische Mädel, das gestern Abend spät mit ihrem Freund angerollt kam. Erin fragt uns nach einem Spital, Ben gehe es ganz schlecht. Er hat eine, in schön ausgedrückt, benennen wir es mal als gröbere Magenverstimmung. Na gut, so Lokal sind wir auch wieder nicht, aber das GPS hat Krankenhäuser gespeichert.

Da die Tür gestern schon nicht ins Schloss fiel, weil das Schloss fehlt und nur die zweite Umdrehung des Schlüssels die Tür zuhält, hat Mike seine Packtaschen in den Türrahmen gestellt. Sieht komisch aus, ist vielleicht etwas paranoid, aber hey wenn da einer (unser Freund und Helfer) im Dunkeln reinstürmt, haut es ihn wenigstens als erstes Mal auf den Latz. Über das Gepäck hinweg verlassen wir also das Zimmer und gehen, bewaffnet mit GPS, mit dem aufgewühlten Mädel mit. Mit Ben kommt Mike etwa auf den gleichen Schluss: Dehydration und Erschöpfung. So etwas Ähnliches hatten wir mit Cynthia in Igoumenitsa. Hier in Samtredia soll es zwei Krankenhäuser geben. Das eine haben wir gesehen, ist wahrscheinlich aber seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion keines mehr. Das zweite liegt in der Nähe des Bahnhofs. Die Dame vom Hotel gesellt sich auch dazu und quatscht non-Stopp in Georgisch auf Mike ein. Die Information reicht den beiden erstmal. Wir gehen zurück in unser Zimmer, der Krankenhausbesuch wird erstmal aufgeschoben. Du kannst dich jetzt doch nicht wieder hinlegen, so sagen unsere beiden Gewissen dass sie nicht schlafen wollen. Wir stehen also nochmals auf, graben aus der Esstasche eines der Not-Cola und Salzige Cracker und gehen nochmals zum Nachbarzimmer. Da wir auch nicht gerade Ärzte sind, können wir ihm sonst nur noch eine Hühnerbrühe anbieten und den Rat: Ruhen, viel trinken und mit Salzigem den Verlust ausgleichen. Die Suppe lehnen sie dankend ab.

Am Morgen geht Cynthia, auf dem Weg zum Bäcker, bei den Zweien vorbei. Sie möchten nichts haben, wir sollen aber tschüss sagen bevor wir gehen. Nach den meeega feinen Brötchen, gefüllt mit einer Art Rosinenpaste, packen wir die Velos. Erin kommt uns verabschieden und sagt uns dass sie eine weitere Nacht hier bleiben werden. Get well soon Ben.

Vielleicht ist es ja doch Paranoia, aber wir werden das Gefühl nicht los, noch immer verfolgt zu werden. Gut jetzt kann man sagen der schwarze BMW hat nicht so viele Strassen zur Alternative oder er hat was vergessen und musste nochmals umkehren, aber den Wagen mit dem immer gleichen Nummernschild haben wir jetzt schon fünf Mal gesehen, TIT731.

Gemütlich nehmen wir die 35 Kilometer bis Kutaissi unter die Räder und finden dort rasch ein schönes Hostel. Beim Einchecken werden wir darauf hingewiesen, dass schon ein Schweizer hier sei. Wir gehen erstmal etwas essen. In einem Restaurant direkt am Hauptplatz bestellen wir eine Auswahl von Chinkali, ein Teigtäschli das aussieht wie ein Samichlaussäckli gefüllt mit Käse, Pilzen, Kartoffelpüree oder Fleisch, sehr, sehr fein.

Wieder im Hostel angekommen, treffen wir auf Andres. Er kommt aus Spanien und macht hier Urlaub. Während der gemütlichen Unterhaltung gesellt sich nun auch Lauro - der Schweizer - dazu. Lauro macht mit seinem Vater eine Art Tour d'Europe by Bike. Die letzten Wochen haben sie separate Erkundungen gemacht. Daher lernen wir den Vater nicht kennen. Da Lauro schon eine Weile in Georgien unterwegs ist, fragen wir ihn, ob er auch schon polizeiliches Geleit hatte. Nein Lauro hatte das nicht, er erzählt uns aber, dass es seinem Vater gleich ging. Erst wurde er von zivilen Wagen verfolgt und als er von einem wissen wollte was das soll, wurde der zivile Wagen abgezogen und nun hat er einen Streifenwagen als Satelliten. Scheinbar eine Vorsichtsmassnahme, dass den Touristen nichts zustösst. Wir sind gespannt, ob wir die nächsten Tage wiederum Verfolger haben werden.

Heute bleiben wir hier. In und um Kutaissi gibt es viel zu entdecken. Es ist nicht leicht, eine Auswahl zu treffen. Wir entscheiden uns dafür, das Kloster Galaţi und die Höhlen von Sataplia zu besichtigen. Dafür schwingen wir uns am Morgen zeitig aufs Fahrrad. Als erstes steuern wir das Kloster Gelati an. Dieses ist rund sechs Kilometer nordöstlich von Kutaissi. Es geht steil den Berg hoch, wieder runter, wieder hoch. Und wir sind da. Das Kloster und die dazugehörigen Bauten beeindrucken uns sehr. Ist doch Wahnsinn, wie man all die Steine auf den Berg geschafft hat. Ohne Kran und ohne Lastwagen. Und ohne Strasse. Das Kloster zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. In Gelati sind die bedeutendsten Könige von Georgien begraben. Die zum Kloster gehörende Akademie von Gelati wurde von Dawit dem Erbauer im Jahr 1106 gegründet. Seit 2010 befindet sich die Klosteranlage von Gelati auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Nach der Besichtigung fahren wir die ganze Strecke nach Kutaissi zurück und nehmen anschliessend die Strasse in Richtung Nordwesten.

Unterwegs begegnen wir einem anderen Tourenfahrer. Er winkt uns nur kurz zu. Es ist schon schräg, dass jemand, der offensichtlich schon weit geradelt ist, nicht einmal anhält, wenn er jemand anderem begegnet, der offensichtlich auch schon weit geradelt ist. Das haben wir schon öfters erlebt. Also auf einen Kaffee müssen wir ja nicht jeden treffen. Aber so ein kurzer Schwatz würde aus unserer Sicht schon drin liegen. Komisch.

Nach etwa dreizehn Kilometer - wieder viel hoch, etwas runter, viel hoch - erreichen wir Setaplia. Der Berg Setapli ist ein erloschener Vulkan, welcher vor Millionen von Jahren eine Meeresbucht war. Heute liegt der Ort auf 500 Metern über Meer. Am Eingangstor angekommen, werden wir direkt von zwei Guides aufgehalten. Hier kann man nicht so einfach durchspazieren. Man muss sich einer geführten Gruppe anschliessen. Also machen wir das. Die erste Station sind die Dinosaurierabdrücke. Im Schlick haben sich die Abdrücke über die vielen Jahre super erhalten und wir können noch ganze Fussballen-, Zehen- und Krallenabdrücke erkennen. Weiter geht die Tour durch den Nationalpark. Vorbei an einigen etwas zu klein geratenen Plastikdinosauriern. An einer Felswand werden wir auf die Bienen Aufmerksam gemacht. Diese leben hier schon seit uuuu langer Zeit. Daher ha der Ort auch seinen Namen (Setapia bedeutet Land des Honigs. Oder so ähnlich). Der nächste Teil der Tour - übrigens auf Russisch - geht in die Höhle. Diese ist über 600 Meter lang und voll mit Stalagmiten und Stalaktiten. Diese gleichen dem Turm von Pisa oder auch mal einem menschlichen Herz. Nach der Höhle bekommen wir die Erlaubnis, uns frei zu bewegen. Juhui. Wir spazieren also dem Pfad entlang und kommen zum höchstgelegenen Aussichtspunkt. Dieser ist überhängend und besteht aus Glas. Das Glas hat Sprünge. Brrrr. Wir bleiben nicht lange da. Wieder beim Ausgang angekommen, schnappen wir uns unsere Räder und machen uns an die Abfahrt.

Zum Abendessen geniessen wir in der Gesellschaft von Andres noch einmal fantastische Chinkali. What a great day.

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