Km 6323 - Km 6516_Chiatura - Tiflis


Am Morgen regnet es noch immer. Das Wasser fällt hier - durch die Industrie bedingt - schwarz vom Himmel. Wir sind innert wenigen Minuten pflotschnass und schmutzig.

Auf flacher Strasse fahren wir in das Städtchen Sachkhere. Direkt nach dem Verlassen der Ortschaft werden wir von einem Polizisten angehalten. Unsere Routenplanung scheint ihn zu beruhigen. Kein Wunder, denn bis zur Grenze nach Südossetien ist es nicht mehr weit. Und da dürfen wir ja nicht hin. Wir folgen also heute weiterhin der Strasse Nummer 22. Es ist gewohnt hügelig, doch die wunderschöne Aussicht macht alles wett. Wir sehen meilenweit. Es ist alles grün und weit. Georgien ist ein sehr vielseitiges und wirklich atemberaubendes Land. Nach Korbouli kommen wir der Grenze immer näher. Die Strasse führt direkt im Abstand von einem Kilometer der Grenze entlang. Wir sind froh, als wir am Nachmittag den höchsten Punkt erreichten und es von nun an nur noch bergab - weg von der Grenze - in Richtung Südosten geht.

Die Abfahrt ist super. Ungefähr dreissig Kilometer weit können wir gemütlich vor uns hin trampen. Die Strasse ist andauernd abfällig und es ist ein wahrer Genuss. Die Landschaft hat sich total verändert. Hier ist es karger, trockener und irgendwie so, wie wir uns Azerbaijan vorstellen. Es gefällt uns auch hier sehr gut. Anstelle der Kühe weiden nun Pferde an den Strassen.

Gegen Abend treffen wir in Agara ein. Hier nehmen wir uns wiederum ein Hotelzimmer. Nach einer Dusche essen wir in der Lobby wieder einmal eine Portion Chinkali. Danach geht es ins Bett.

Heute haben wir eine kurze Etappe vor uns. Das Tagesziel ist Gori, das knappe 30 Kilometer entfernt liegt. Die Fahrt verläuft entlang der Autobahn, auf dem Pannenstreifen. Es geht sachte rauf und runter. Kurz vor Gori verlassen wir die Autobahn. Wir verpassen den richtigen Weg und bleiben im Schlamm stecken. Knappe hundert Meter schieben wir durch den Dreck. Das reicht gerade aus, um die Schutzbleche mit Schlamm zuzukleistern. Es fühlt sich an, als würden wir mit angezogenen Bremsen fahren. Nach einem kurzen Putzzwischenstopp nehmen wir die letzten Kilometer nach Gori in Angriff.

Bereits um elf Uhr treffen wir im Guesthouse Nitsa ein. Zuerst sind wir unschlüssig, ob wir am richtigen Ort sind. Denn das Gästehaus ist nicht angeschrieben. Nach kurzer Rücksprache mit dem GPS entscheiden wir uns dafür, anzuklopfen. Die herzliche Lia öffnet uns die Tür und wir fühlen uns vom ersten Moment an willkommen. Zur Begrüssung bekommen wir in der guten Stube Tee und Blinis mit Himbeermarmelade. Köstlich. Wir bekommen ein schönes Doppelzimmer und fühlen uns rundum wohl.

Wir wollen heute Nachmittag nach Uplistsikhe fahren. Lia erklärt uns dafür den Weg zum Bus. Wir spazieren etwas durch Gori – die Geburtsstadt von Stalin – und finden unseren Bus beinahe auf Anhieb. Eine Busfahrt kostet einen Lari. Nachdem wir bezahlt haben, setzen wir uns in den Vierzehnplätzer. Es sind noch nicht viele andere Passagiere da, also müssen wir warten. Während der Wartezeit steigen immer wieder Verkäufer in den Bus und preisen ihre Esswaren, Tabak, Socken oder Batterien an. Man kann sich eine Socke nehmen, begutachten, weiterreichen. Wenns gefällt, dann lässt man ein paar Lari zurück wandern. Ansonsten geht die Socke ihren Lauf und kommt anschliessend beim Verkäufer an der Bustüre wieder an. Der Bus gilt als voll, sobald der achtundzwanzigste Passagier eingestiegen ist. Wir sind überrascht, wieviel Kapazität das Gefährt doch hat. Nach ungefähr zwanzig Minuten Fahrt hält der Bus wieder einmal an. Niemand steigt aus, aber alle drehen sich zu uns rum. Aha. Das wird wohl unsere Station sein. So steigen wir aus und marschieren die zwei Kilometer bis zum Ziel. Uplistsikhe ist eine Höhlenstadt.

Wir verbringen eine ganze Weile mit klettern, staunen und fotografieren. Die Aussicht und auch die Höhlenstadt an sich begeistern uns enorm. Das erste Mal haben wir wirklich das Gefühl, so richtig weit weg von zu Hause zu sein. Unser Blick geht über weite Steppen und der Wind bläst uns um die Ohren, sodass wir fast nicht stehen können. Nach einer Weile machen wir uns – bewaffnet mit honigüberzogenen Erdnüssen – auf den Heimweg. Wir spazieren so lange, bis Vitali – unser Buschauffeur – sich von hinten nähert. Nach kurzem Winken hält er an, lässt uns einsteigen und bringt uns zurück nach Gori. Gori hat einiges zu bieten. Parks, Museen und Statuen. Alles rund um Stalin.

Wir beschliessen, noch einen Fussmarsch auf die Burg zu machen. Die Aussicht ist toll und noch einmal staunen wir über die unsagbar schöne Landschaft. Bevor wir uns auf den Rückweg zu Lia machen, gönnen wir uns noch ein Abendessen. Das Restaurant ist schnell gefunden. Wir sind die einzigen Gäste. Sobald wir eingetreten sind, stellen sich die Chefin und ihre Mitarbeitern neben uns auf und wir müssen in Windeseile bestellen. Schon jetzt wird uns gesagt, was denn das Essen und die Getränke kosten wird. Wir sind einverstanden und nicken. „You pay now“ kriegen wir zu hören. Aha. Wir wirken wohl in unseren verblichenen Shirts und ungewaschenen Haaren nicht sehr liquide. Nachdem das geschäftliche abgeschlossen ist, wird uns ein fantastisches Menü gebracht. Also das Essen hier. We love it.

Der Duft von feinem Frühstück holt uns aus den Federn. Wir spazieren ins Esszimmer und werden von Lia mit einem köstlichen Zmorge verwöhnt. Es gibt neben Fleisch, Brot und Käse auch hausgemachte Konfitüre und eine Art Armer Ritter. Perfekt. Lia ist so unglaublich herzig. Sie lacht die ganze Zeit und man merkt, dass sie es liebt, Gäste zu haben. Als wir so beim Frühstück sitzen, prüft sie ihre eingegangen Mails. Gerade in dem Moment bekommt sie von einem ehemaligen Gast über eine Bewertungsplattform die Bestnote. Die Nummer zehn blinkt über den Bildschirm. Lia ist total aus dem Häuschen. Sie lacht und jubelt und kriegt sich fast nicht mehr ein. Es ist so herzig. Bei der Verabschiedung schenken wir ihr eine Karte von uns. Auch darüber freut sie sich sehr und sie küsst und herzt uns.

Nach dem Abschiedsfoto machen wir uns auf die Reise in die Hauptstadt. Die Fahrt nach Tiflis führt uns wieder der Autobahn entlang. Fünfundachtzig Kilometer legen wir heute zurück. Die Strecke ist fahrtechnisch nicht so spannend. Etwas hoch und runter, ansonsten ziemlich schnurgerade. Am frühen Nachmittag erreichen wir Tiflis. Die Einfahrt ist mindestens genau so aufregend, wie die in Istanbul. Der Verkehr ist sehr stark und wir kurven links und rechts an den Autos vorbei. Dank unserem GPS finden wir schnell das Hostel, welches wir uns ausgesucht haben. Ausgebucht. Wir entscheiden uns für ein Hotel und bekommen ein herziges Zimmer im Dachgeschoss. Hier fühlen wir uns wohl. Wir werden zwei, vielleicht aber auch drei Nächte bleiben.

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