Km 6516 - Km 6712_Tiflis - Balaken


Zwei Nächte wollen wir in Tiflis bleiben. Mindestens. Den ersten Abend verbringen wir gaaanz gemütlich. Wir gönnen uns einen fetten Fastfoodburger und ziehen uns anschliessend - bewaffnet mit Snacks und Softdrinks - ins Hotel zurück. Nach dem Hochladen des Blogs, einer Dusche und gemütlichen Youtubestunden wollen wir ins Bett. Während Cynthia die letzten Stunden auf dem Boden gesessen ist, lag Mike bereits im Bett. Er klagt schon jetzt über Rückenschmerzen. Vor dem Schlafengehen. Cynthia legt sich knappe zwei Sekunden hin. Es ist klar. Auf dieser Matratze können wir nicht schlafen. Eine richtige Banane. Wir ziehen also das Laken ab und legen es auf den Fussboden. Die Matratze liegt nun nackig vor uns auf dem Bettrost und offenbart ihr wahres Gesicht. Ohjemine. Hat da einer reingeschossen? Die Matratze hat einige durchgehende, fingerdicke Löcher. Sie ist schmutzig und sehr, sehr alt. Naja.

Wir liegen nun auf dem Boden. Oh mann. Das Nachbarspäärchen hat echt viel Spass heute Nacht. Phuu. Die ganze Nacht hören wir Geräusche, die man nun wirklich nicht - ganze neun Mal (!) - hintereinander hören will. AhhAhhAhh. Ok. Einfach ausblenden, Kopfkino ausknipsen. Es ist bereits kurz vor zwei Uhr morgens. Die Toilettenspühlung hört nicht auf zu laufen. Bschbschbschbsch. Ach. Und nun? Jetzt macht es auch noch glingelongglingelongglingelong. Die Klimaanlage des Nachbars scheppert kräftig vor sich hin. Mittlerweilen leicht angenervt von Ahhbschglingelong, beschliessen wir, gleich am morgen früh auszuziehen. Wir buchen also noch mitten in der Nacht ein Guesthouse am Stadtrand. Nach drei Stunden Schlaf packen wir unsere Sachen und checken aus. Zum Glück gibt uns der Hotelier das Geld für die bereits bezahlte zweite Nacht zurück. Jedenfalls das meiste davon.

Das Guesthouse liegt Nordöstlich der Stadt und ist nach etwas mehr als fünf Kilometern erreicht. Wir sind begeistert. Wunderschön. Jedes Zimmer hat eine andere Farbe mit dazu passender Bettwäsche und Nachtlicht. Es ist mega schnuggelig. Die Besitzer sind sehr herzlich, zur Begrüssung bekommen wir einen kräftigen Schluck Weisswein.

Zuerst wird mal gechillt und gedöst. Gegen Mittag machen wir uns auf, in die Stadt. Mit der Metro sind wir schon bald am Liberty Square. Da suchen wir uns ein Restaurant und machen uns nach dem feinen Essen gleich wieder auf den Rückweg. Wir haben einen echten Ahhbschglingelong-Hangover.Nachdem wir uns so richtig ausgeschlafen haben, freuen wir uns, die Stadt zu erkunden. Zuerst nehmen wir die Seilbahn und spazieren anschliessend gemütlich zur Bethlehem Kirche. Von da aus schlendern wir bis zur Funicular und fahren zum Fernsehturm. Von da geniessen wir die Aussicht auf die Stadt, die Berge und die Weite. Auf dem Hügel hat es auch ein Wachsfigurenkabinett, einen Dinosaurierzoo, Restaurants und Achterbahnen. Aber keine Gäste. Auch ein Riesenrad ist da. Aber das quuuiiatschigtschagabumm bei jeder Umdrehung schreckt uns etwas ab. So lassen wir das Riesenrad links liegen. Am Abend entdecken wir zufällig per Facebook, dass Adam in der Stadt ist. Was für ein Zufall. Wir freuen uns und schreiben ihn gleich an. Und so kommt es, das wir an unserem letzten Tag in Tiflis mit Adam zu Mittag essen, allerlei plaudern und noch etwas in der Stadt rumschlendern. Tiflis hat uns sehr gut gefallen. In den letzten Monaten haben wir aber gelernt, dass man - anders als bei einem Kurzurlaub - nicht den ganzen Tag die Stadt besichtigen kann. Wir brauchen auch mal eine Pause. Und so verbringen wir viel Zeit in unserem Zimmer und gönnen uns eine schöne Zeit. Am Abend ist dann noch grosser Skypetermin angesagt. Cynthias Bruder, Schwägerin, Nichte und Göttibueb winken vom Bildschirm. Fantastisch.

Am Sonntag verabschieden wir uns von Tiflis. Wir fahren in Richtung Südost, mit im Gepäck das Fläschli Cognac, das wir von den Betreibern des Guesthouses geschenkt bekommen haben. Als erstes passieren wir einen langen Tunnel. Auf verschiedenen Blogs haben wir schon Ammenmärchen über das dunkle Loch gelesen. Wir kümmern uns nicht darum, am besten ist es sowieso, selber nach zu schauen. Der Tunnel ist wirklich lang. Aber sehr gut erleuchtet und die Autos fahren weite Bogen um uns. Von wegen gefährlich. Humbug. Wir fahren sicher und entspannt durch den Berg. Wir folgen der Strasse Nummer fünf. Von der Strecke gibt es nicht allzu viel zu berichten. Immer schön auf dem Pannenstreifen gerade aus. Mal hoch, mal runter.

Die Aussicht hingegen ist wiederum fantastisch. Georgien ist ein sehr abwechslungsreiches und beeindruckendes Land. War vor dem Likhi Gebirge noch alles grün und saftig, dominieren hier die Steppe und weite Ebenen. Gegen Abend suchen wir uns ein Hotel. In Sagarejo werden wir fündig. Der Besitzer ist ein altes Männlein, das als Sicherheitsvorkehrung einen Stuhl an die Eingangstür gestellt hat. Wann immer jemand eintreten will - wir sind wahrscheinlich die einzigen während der ganzen Woche - scheppert das Stühlchen und der Mann kommt daher geschlurft. Wir entscheiden uns für ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad. Ist ja eh kein anderer da. Das Bad besteht aus zwei Plumpsklos und zwei Wasserhähnen, die leider nur kalt vor sich hintröpfeln. Ach wie schade, haben wir uns doch nach dem Wasserrohrbruch im Guesthouse so sehr auf eine Dusche gefreut. Macht nichts. Katzenwäsche tuts auch. Nachdem wir die Betten bezogen und eingekauft haben, gönnen wir uns ein leckeres Znacht. Cornflakes mit Milch. We love it.

Unser nächstes Ziel ist Znori. Da hat es zwei Hotels und da wir uns mittlerweile sehr nahe an der Grenze befinden - und die Hotels hier in Georgien echt preiswert sind - steuern wir diese an. Die Strecke beträgt knappe siebzig Kilometer und verläuft weiterhin entlang der Strasse Nummer fünf. Es ist heiss und wir sind noch dabei, unsere Erkältung auszukurieren. So ist der Tag etwas anstrengend für uns. Die Aussicht ist fantastisch. Also nicht nur einfach gut. Sie ist meeeega. Wir stehen am Rande eines kleinen Hügels und vor uns liegen vierzig Kilometer flache Ebene. Am Ende der vierzig Kilometer ragen die Berge des grossen Kaukasus aus dem Boden. Im steilen Winkel türmen sich die über dreitausend Meter in die Höhe. Gigantisch. Riesig. Wir sind begeistert. Nur noch einen kleinen Anstieg müssen wir hinter uns bringen und dann haben wir Zsnori - etwas erschöpft - gegen fünf Uhr abends erreicht. Wir switchen langsam in den Ruhemodus und halten nach den Hotels Ausschau.

Das erste Hotel ist geschlossen. Nun gut. Das zweite auch. Was? Aber das heisst. Oh mann. Wir müssen das nächste Hotel nehmen? Das in Lagodekhi? Das Lagodekhi, das noch vierzig Kilometer entfernt ist? Läck doch mer.Die Strasse führt in den Norden. Lagodekhi ist die letzte Stadt vor dem Grenzübergang. Um den Ort zu erreichen fahren wir die oben beschriebene Ebene entlang. Es ist flach und so kommen wir sehr gut vorwärts. Die ersten zwanzig Kilometer verlaufen wie am Schnürli. Vorbei geht die Fahrt an Pferdeherden, Gänsefamilien und Lavendelfeldern. Und immer im Hintergrund die gigantische Aussicht auf den Kaukasus. So macht Fahren Spass. Wir passieren kleine Bauerndörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Wiederum winken uns die Kinder und die Erwachsenen machen es ihnen gleich. Wir überholen überbeladene Pferdekarren und warten geduldig, bis die Kuhherde die Strasse passiert hat. Sehr Idyllisch. Langsam führt nun die Strasse nach oben. Sachtesachte. Wir haben den Tageskilometer einhundert erreicht. Wir sind langsam etwas müde. Nur noch elf Kilometer bis zum Ziel. Die Steigung wird stärker. Es geht Berg hoch. Die Oberschenkel brennen. Am Strassenrand steht ein Mann, der uns mit einem Daumenhoch noch einmal motiviert. YES. Geschafft. Wir sind in Lagodekhi angekommen. Das Hotel ist nicht mehr weit. Nur noch siebenhundert Meter. Am Hang gelegen. Mensch. Pünktlich zum Sonnenuntergang checken wir im Hotel Kiwi House ein. Den Namen hat das Hotel vom eigenen Kiwibaum. Reife Früchte überall. Das Zimmer ist sehr schön und wir freuen uns riesig, dass uns das Schicksal heute hierhin verschlagen hat. Es ist gemütlich und auf dem Balkon hat es sogar Sessel und im Zimmer gibt es einen Wasserkocher. Grosser Luxus. Momentan hat es zwar keinen Strom im ganzen Viertel, aber das macht nichts. Wir kochen uns bei Kerzenschein auf unserem Benzinköcherli unser Abendessen und strecken uns auf dem grossen Bett aus.

Der Tag startet für Cynthia mit heissem Kaffee und einer Lesestunde. Mike geniesst noch die warme Decke. Auf Eile haben wir keine Lust. Gegen zehn Uhr verlassen wir die freundliche Gastgeberin und rollen den Hügel von Gestern wieder herunter. Noch fünf Kilometer trennen uns von Azerbaijan.Die Strasse ist gerade und relativ flach. So erreichen wir die Grenze bereits innert wenigen Minuten. Noch schnell zum Exchange und dann kanns losgehen. Drei Wochen haben wir hier verbracht und es hat uns sehr gefallen. Wir kommen wieder.

Eine Sage erzählt in gekürzter Form folgendes über das Land:

"Als Gott die Länder an die Völker der Welt verteilt hat, sind die Georgier nicht erschienen, weil sie durch Trinken, Tanzen und Feiern abgelenkt waren. Als Gott das fröhliche Volk kennen und lieben lernte, fasste er sich ein Herz und schenkte ihnen dasjenige Land, welches er eigentlich für sich behalten wollte. Das Schönste."

Aus Georgien werden wir schnell entlassen. Ein paar prüfende Blicke müssen wir noch einstecken, weil wir den Personen auf den Passbildern so gar nicht gleichen. Wir haben uns wirklich sehr verändert und würden wohl auch zweimal hinschauen. Nach dem Verlassen von Georgien fahren wir ein paar Hundert Meter durchs Niemandsland. Also diese Niemandsländer gehören wirklich immer zu den schönsten Strecken. Wilde Natur. Leider aber ist hier nicht so ganz der richtige Ort für eine ausgiebige Pause oder eine Fotosession.

So fahren wir weiter und werden vor der Azerbaijanischen Grenze mit dem Schild "Azerbaijanborder Good Luck" begrüsst. Ein Grenzbeamter stoppt uns. Wir müssen kurz warten. Nun dürfen wir einem anderen Grenzbeamten ungefähr fünfzig Meter folgen. Anschliessend - im Abstand von weiteren fünfzig Metern zur Grenze - müssen wir wiederum warten. Knappe zehn Minuten. Der Grenzbeamte ist sehr nett und wir fühlen uns wohl. Etwas gspässig ist, dass die Beamten kein Namensschild sondern ein Schild mit ihrer Blutgruppe über der Brust tragen. Irgendwann dürfen wir bis zum Einlass weiterrollen. Vier Beamte nehmen uns in Empfang. Sie sind sehr herzlich und wir haben das Gefühl, dass sie sich freuen, uns zu sehen. Sie stellen viele Fragen die wir geduldig beantworten. Nach dem Visacheck und ein paar gedrückten Computertasten dürfen wir in Azerbaijan einreisen.

Wir sind gespannt. Was wird wohl hier auf uns warten? Über Georgien haben wir überhaupt nichts gewusst und über Azerbaijan sind wir noch fast etwas weniger informiert.Wir fahren etwa fünfzehn Kilometer bis zur ersten Stadt. Die Landschaft gleicht der von Georgien. Wir passieren Bauern, Pferde, Kühe, Schafe und werden immer wieder herzlich bewunken und angehupt. Die Strasse ist etwas holpriger als im letzten Land, wird aber von Kilometer zu Kilometer besser.

In Balaken heben wir das erste Geld ab. Während Cynthia beim ATM ist, wird Mike sofort von fünf Männern belagert. Wo wir herkommen, wo es hingeht, ob wir Kinder haben, ob wir verheiratet sind, wie viele Kilometer wir gefahren sind und was wir gegen das Muskelkater machen sind nur einige der Fragen. Die Menschen sind sehr freundlich und interessiert, wirken aber nicht aufdringlich. Nach einer Weile lösen wir uns von ihnen und essen seit langem wieder einmal Pide. Feinfeinfein.

Wir beschliessen, hier zu übernachten. Akklimatisierung so quasi. Das Hotel ist sehr chic und wir verbringen den Nachmittag mit Faulenzen und Geniessen.

Wir sind gespannt, was die nächsten Kilometer bringen. Fazit bis jetzt: We like.

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