Km 9854 – Km 9900_Israr Bani Saad – Sohar


Der Camping ist unauffindbar. An der Stelle wo er sein soll liegen nur Trümmer um eine Moschee. Der Junge der uns mit dem Roller zur Stelle begleitet hat weiss auch nicht mehr. So verabschieden wir uns von ihm und folgen noch ein Stück der Strasse. Wir können uns keinen Reim darauf machen, womöglich war hier mal ein Camping, wir sollten wohl der GPS-Karte ein Update verpassen.

Beim ersten Fahrzeug das hupt und winkt fragen wir nach. Die vier Insassen haben auch noch nie von einem Camping gehört. Omar der Fahrer bietet uns seine Hilfe an, wir sollen hier warten. Na gut, es ist nicht mehr lange bis Sonnenuntergang, wir warten. Nach einer kurzen Weile kommt er zurück, er musste nur seine Mitfahrer irgendwo abladen. Er bietet uns an in seinem Dorf unter zu kommen, bei seiner Familie. Wir folgen ihm, vorbei an etwas das wie eine Ferienanlage aussieht.

Vor einer Türe halten wir an, wir sollen warten. Da kommt sein Bruder mit einem Schlüssel heranspaziert, er öffnet uns die Tür und sagt uns wir sollen uns hier einrichten, er komme später mit Essen. Was? Ääh, wow, Danke!

So beziehen wir den Raum, der sonst von Arbeiter genutzt wird. Es gibt eine Küche, Dusche und WC, und den Wohnraum. Was braucht der Mensch mehr? Anschliessend nimmt uns Omar mit zum alten Mann, er sei ein komischer Vogel aber die Leute aus dem Dorf gehen jeden Tag zu ihm um bei ihm Tee zu trinken. So machen wir es ihnen gleich. Wir gehen durch die sandigen Wege und treffen den über neunzig Jahre alten und beinahe blinden Herrn. Er bittet uns auf seiner Bastmatte Platz zu nehmen, nun eigentlich steht er auf und wir sollen auf dem Sofa sitzen.

Nach einem Glas Tee gehen wir an den Strand. Es wird dunkel und wir lernen etwas über „Israr bani Saad“. Nördlich und südlich je etwa zwei Kilometer sehen wir eine lange orange leuchtende Schlange. Dies ist die Autobahn, welche die Emirate mit Muskat verbinden wird. Die ganze Küste wird irgendwann verbaut sein, so auch das Dorf in dem wir jetzt stehen. Die Ferienanlage die wir sahen ist keine. Es sind die zukünftigen Häuser der Dorfbewohner, sie werden im Verlauf der nächsten fünf Monate umgesiedelt und dann wird das Dorf platt gemacht und zur Autobahn umgebaut. Welch eine Schande dieses romantische, freundliche und liebevolle Dorf verschwinden zu lassen.

Nach zwei paar nassen Füssen werden wir weiter umher geführt, vorbei an Jungs die im Sand Fussball spielen zum Jugendtreff. Hier gibt es einen grossen Fernseher und Videospiele, so wird Mike von Omran zu einem Digitalen Fussballspiel herausgefordert. Wir bleiben da bis es draussen dunkel ist, anschliessend gehen wir zu unserem Zimmer. Kaum da kommt das erste Plateau mit Essen an und da noch ein Topf und noch mehr Essen. Alle machen es sich „bei uns“ bequem und wir essen gemeinsam das Znacht. Es gibt Fleischeintopf zum hinein legen, heieiei ist das gut, da gibt es nichts zu bemängeln. Zum Tee wird nach draussen verschoben. Abdullah bringt eine grosse Reliefkarte des Omans und alle Köpfe schweben darüber als wir von unserer geplanten Route erzählen.

Vor dem zu Bette gehen bekommen wir noch einen wichtigen Tipp. Falls jemand an der Tür klopft, sollen wir nicht erschrecken, der Verschlag wird auch Pub genannt. Wir sollen einfach die Aussenlampe ausmachen, das sollte reichen.

Wir haben geschlafen wie zwei Babys, zum Frühstück werden wir abgeholt. Weiterfahren ist heute nicht, schon gestern wurden wir von Omar aufgefordert zu bleiben. So lassen wir uns treiben. Mike bekommt von Omar ein dishdasha, das lange Gewand der Omanis.

Im Haus der Familie wird uns ein leckeres Zmorge mit Fladenbrot, Honig, Dattelpaste, gewürztem Rahm, Konfitüre, Kaffee und Tee aufgetischt. Cynthia bekommt von der Mutter etwas anzuziehen. Danach heisst es ab ans Meer, die Füessli reinhalten.

Wir sitzen in unserem offenen Türrahmen und geniessen die Stille und Ruhe die von diesem Dorf ausgehen. Der Muezzin ruft etwas dezenter zum Gebet als noch bei den Türken, hier wissen die Menschen dass sie beten sollen, ihnen wird es nicht mit 120 Dezibel reingehämmert. Oft entschuldigen sich die Dorfbewohner, dass sie kurz in die Moschee gehen, sie tun dies wirklich aus Überzeugung.

Wir werden von Omar gefragt ob wir Lust hätten, mit zweien seiner Brüder aufs Meer hinaus zu fahren um fischen zu gehen. Auf jeden Fall! Mit dem alten rostigen Land Rover wird das Boot ins Wasser geschoben und schon schaukeln wir aufs Blau hinaus. Um die richtigen Reusen zu finden ist ein GPS dabei bei welchem die Batterien nicht ganz wollen. Doch mit ein paar beherzten Schlägen mit einem Schraubenschlüssel auf die Batterien finden wir die Koordinaten. Die Brüder ziehen die Reusen hoch, viel ist ihnen heute nicht ins Netz gegangen. Das Boot schaukelt sanft vor sich hin, jetzt bloss den Horizont im Auge behalten um das Innenohr nicht zu verwirren.

Bis zu Mittag liegen wir in unserer Hütte, schreiben Tagebuch und lesen, haben immer wieder Besuch. Omran bringt uns Süssgetränke, dann wird auf einmal ein Fischcurry mit Reis aufgetischt und Fisch vom Grill sowie Fladenbrot. Wir essen gemeinsam, hocken, plaudern und nach dem Essen wird gemeinsam geruht. Den Cay gibt es auch heute beim alten Mann zuhause, wie wunderbar familiär. Wir sprechen über Religion und die Ansichten des Oman, so wollen die Omani die Touristen zum Beispiel nicht verkleidet sehen wie die Iraner, Ausländer sollen so sein wie sie sind, so lernt man sich gegenseitig kennen. Klar halten wir uns auch hier an die örtliche Sitte, zeigen keine Schulter und tragen zu kurze Hosen die über den Knien enden. Wir fühlen uns sehr willkommen.

Der ältere Bruder holt uns ab und uns werden im Nachbardorf die Graffitis von der „OOX Crew“ gezeigt. Danach fahren wir an den Fuss der Berge in ein Wadi und sie zeigen uns die Dattelplantagen. Zurück im Dorf sitzen wir alle wieder im Pub – unserem Zuhause – und trinken Tee.

Mit Abdullah und einem weiteren Freund fahren wir in den Pizzahut, Cynthia fing an mit Messer und Gabel zu essen merkt sie schnell dass es sich die Omani nicht gewohnt sind und nur aus Höflichkeit mitmachen. So legt sie das Besteck zur Seite und isst mit den Händen. Anschliessend besuchen wir noch einen Freund, dort schauen wir gemeinsam im Garten fern, während Abdullah kurz zum Barbier fährt.

Wir beschliessen, uns heute Morgen von dem fantastischen Fischerdorf mit seinen liebenswürdigen Bewohnern zu verabschieden. Es fällt uns schwer, Lebewohl zu sagen – aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

So packen wir am Morgen unsere Sieben Sachen und prompt als wir beim Haus der Familie mit unseren Rädern vorfahren wollen kommen uns bereits die ersten Bewohner mit einem grossen Plateau voller Frühstück entgegen. Es gibt köstlichen Honig, frisches Brot, Kichererbsen und natürlich Tee. Fantastisch.

Nach dem feinen Zmorge – das wir in Gesellschaft einiger Dorfbewohner genossen haben – gehen wir noch einmal im Haupthaus vorbei um uns zu verabschieden. Wir bekommen eine grosse Platte frisch zubereiteter Crêpes und andere Köstlichkeiten zum Mitnehmen geschenkt. Der Abschied fällt sehr schwer, die Mutter nimmt Cynthia weinend in den Arm. Wir haben im Oman eine Familie dazu gewonnen und hoffen, dass wir die Familien noch einmal besuchen können und dass sie in ihrem neuen Dorf ein genauso schönes Zuhause schaffen können.

Noch bevor wir die Hauptstrasse erreichen, entdecken wir, dass Cynthia einen Platten in ihrem Vorderrad hat. Ihren ersten auf dieser Reise. So steuern wir als erstes eine Tankstelle an und reparieren das Ding schnell. Die Küstenstrasse ist stark verbaut und so fährt man eigentlich den ganzen Tag über von Fischerdorf zu Stadt zu Fischerdorf. Uns gefallen die Stimmung, die Menschen, das Meer und die Moscheen sehr gut. Bei einer Abzweigung schneidet uns sein pressierter Autofahrer den Weg ab und streift Mike am Vorderrad. Schon wieder hat er riesiges Glück gehabt – denn es ist ihm nichts zugestossen.

Zur Erholung setzen wir uns etwas ans Meer. Wir sind sowieso hundemüde von den Erlebnissen der letzten Tage, dass wir beschliessen, uns für die kommende Nacht ein Hotel zu suchen. In Sohar warten einige Hotels auf uns. Das erste welches wir anfahren liegt direkt am Meer und ist von einer gigantischen Parkanlage umgeben. Grün soweit das Auge reicht. Wir sind gespannt, wieviel da so ein Zimmer kosten mag. Als dann die Rezeptionistin mit mitleidiger Stimme meint es sei nur noch ein Chalet frei, verzichten wir auf die Preisfrage. Wir fahren weiter.

Zu Beginn von Sohar lacht uns das alt bekannte gelbe M an. Wir genehmigen uns ein paar Bürger und nutzen das Internet vor Ort. Nun finden wir auch ein passables Hotel, welches wir direkt buchen. Bereits um 15:00 Uhr checken wir in den Neubau ein. Der Rezeptionist verkündet freudig, dass gerade heute Morgen ein Deutsches Paar mit dem Fahrrad bei ihm ausgecheckt hat. Wer das wohl sein mag und ob wir sie treffen? Wer weiss.

Das Zimmer ist sehr schön. Ein Neubau eben. Alles sauber und angenehm. Wir verbringen einen gemütlichen Abend, erledigen dies und das und mampfen die ganze Ladung Crêpes, welche wir grosszügig mit Nutella bestreichen. Mmmh. Amazing.

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