Km 10577 – Km 10682_As Sulayb – Sur


Wir haben den Wecker gestellt, denn wir wollen vom Bett aus den Sonnenaufgang über dem Meer betrachten. Gesagt getan. Ein perfekter Start in den Tag. Nach feinem Frühstück geht es auf einer weiteren sandigen Strasse wieder zurück an unsere Hauptstrasse. Guten Morgen Wind.

Wind, Wind, Wind. Heute ist schon der dritte Tag, an dem er uns so richtig ins Gesicht lacht. Sooo aasträngend. Eigentlich gibt es zur heutigen Strecke nicht viel mehr zu sagen als dass Gegenwind nervt und dass wir in sechs Stunden Fahrzeit sechzig Kilometer geschafft haben. Die Strasse war übrigens Flach. Richtig Flach. Gegenwind nervt. Echt jetzt.

Nach vierzig Kilometern – kurz nach Ad Daffah - haben wir genug. Aber wo sollen wir das Zelt hinstellen? Nirgendwo lacht uns ein Plätzchen an. Keine schützenden Bäume oder Hügel weit und breit. Wir pedalieren und schimpfen und pedalieren und jammern. In fünfzehn Kilometer Entfernung befindet sich bereits das Turtle Research. Eigentlich haben wir nicht damit gerechnet, dass wir dies heute noch erreichen. Aber kurz vor Sonnenuntergang fahren wir dann doch dort ein. Auf einer Strecke von rund dreihundert Metern haben wir dann tatsächlich noch Rückenwind. What a great moment.

Ziemlich geschafft rollen wir in Richtung Turtle Research, als uns der Wüstenwürfel entgegenkommt. Wir haben Thorsten beinahe nicht erkannt und fuhren schon an ihm vorbei, als uns das folgende Motorrad dann doch zum Stutzen bringt. Ja klar – es ist Lawrence. Die Freude über das Wiedersehen mit den beiden Jungs von der Fähre von Bandar Abbas nach Sharjah ist gross. Und auch Tanja, Thorstens Frau, ist mit von der Partie.

Thorsten und Tania wollen noch etwas in der Stadt Sur erledigen und zeigen uns vornweg den Platz, wo sie übernachten wollen. Das Motorrad und die beiden Fahrräder versuchen tapfer dem geländetauglichen Mercedes über den Hügel zu folgen. Die Tour führt auf eine schottrige Anhöhe, von der aus wir uns wieder nach unten in ein etwas sandigeres Gebiet rollen lassen. Die beiden Deutschen ziehen nun los und wir drei Schweizer machen uns im Mondschein auf die Suche nach einem flachen Platz für die zwei Zelte. Der Wind ist noch immer sehr stark. Es braucht alle Hände und einiges an Geduld um die Zelte in Position zu bringen. Und da passiert es - eine unserer Zeltstangen kriegt einen Riss. Shit. Also wird geflickt. Noch immer reisst der Wind an unserem Zuhause und lässt es aufblähen. Irgendwann sind dann alle Stangen bereit für ihren Einsatz und die Heringe sollen den Feinschliff machen. Zack Bumm. Der Kopf eines Herings bricht ab. Lagomio. Schon wieder. Blödes Spielzeug. Die Pédaleurs sind genervt. Nach einer guten Stunde vollem Körpereinsatz stehen nun die Zelte bombenfest und wir beginnen, die Mätteli und so weiter einzuräumen.

Vom Strand her kommt ein Auto gefahren. Ein Ranger ist im Anmarsch. Ohne es zu merken, befinden wir uns hinter den Schranken – in Mitten des Schildkrötenresorts. Wir müssen verschwinden. Richtig ärgerlich.

Also packen wir wieder alles zusammen und fahren im Dunkeln raus aus der Anlage. Was für ein Tag. Kurzerhand fragen wir den Wachmann vor der Anlage, ob wir das Zelt direkt am Eingang aufstellen dürften. Kein Problem. Wir sind froh, einen sicheren Platz gefunden zu haben und stellen also unser Zelt auf, während Lawrence sich zuerst mit den noch nicht zurück gekehrten Deutschen absprechen will.

Zwei Stunden nach der Abfahrt kehren Tania und Thorsten zurück. Sie wollen auch hierbleiben. So stellt Lawrence sein Zelt auf und Thorsten schmeisst den Grill an, während die Pédaleurs Tania beim Abendessen kochen helfen dürfen. Cynthia darf das Gemüse schnippeln, während Mike unter Aufsicht das Pastawasser aufkocht. Ja, ihr merkt – wir haben eher wenig von uns erzählt. Jedenfalls schmeckt das Essen am Ende sehr gut und Mike wird für seinen Glückstreffer mit der Pasta gelobt. Hey – der Glückspilz. Hahaha.

Es ist schon spät geworden und wir müssen uns beeilen, denn schon bald beginnt die Turtlestour. Im Wartebereich treffen wir noch auf ein weiteres Schweizer Paar. Es waren wohl noch viel mehr da – aber wer will sich denn gleich outen.

Die Tour war super. Richtig super. Im Vollmond haben wir die riesigen Schildkröten beim Verbuddeln der Eier beobachtet, Babyschildkröten auf ihrem Weg ins Meer angefeuert und schlussendlich noch die Mama bestaunt, wie sie träge durch den Sand stapft, um dann elegant im Wasser zu verschwinden.

Es war imposant, fantastisch, atemberaubend. Echt cool. Uns haben die Turtles super gefallen und es hat sich voll gelohnt, die Tour zu machen.

Nach einer guten Stunde kehren wir wieder zu unserem improvisierten Campingplatz zurück. Wir machen den Abwasch, Duschen und plaudern noch etwas. Einiges nach Mitternacht kriechen die Pédaleurs ins Zelt. Wir sind müde. Die letzten Tage waren anstrengend und heute ging es einfach zu lang. Richtig schlippschlapp sind wir.

Nachdem wir uns von den noch schlafenden Freunden verabschiedet haben, fahren wir los in Richtung Sur. Die Beine sind schwer, die Glieder steif und wir sind irgendwie noch ziemlich müde. Aber uns stehen ja nur knappe 45 Kilometer bis Sur bevor. Das schaffen wir.

Der Wind ist noch immer da und macht uns das Leben schwer. Und plötzlich geht es den Hügel hoch. Nachdem wir die letzten Tage jeweils eine flache Strasse genossen – oder hätten geniessen können, denn der Gegenwind macht einem ja echt alles mies – kämpfen wir heute wieder mit Anstiegen.

Nach viel auf und ab erreichen wir am frühen Nachmittag die Hafenstadt Sur. Das Hotel ist schnell gefunden und wir checken ein. Beim Abendessen in einer Burgerbude werden wir herzlich von einem Araber unterhalten und im Oman willkommen geheissen. Wie wir erfahren, werden bis nach Muscat steile Anstiege auf uns warten. Phuu. Wir beschliessen, zwei Nächte in Sur zu bleiben und wieder richtig Kraft für die nächsten Kilometer zu sammeln.

Den freien Tag verbringen wir mit Nichtstun. Aber richtig nichts. Schön.

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