Km 10915_Muscat


Heute ist Zügeltag. Wir sind froh, können wir das grausige Hotel verlassen und in Alis Haus einziehen. Bereits früh am Morgen packen wir unsere sieben Sachen und machen uns daran, die rund zwanzig Kilometer, die zwischen den beiden Unterkünften liegen, abzustrampeln.

Als erstes lacht uns einen Platten an. Dies ist nun der vierte auf unserer Reise. Die ersten zehntausend Kilometer gab es einen, die restlichen eintausend Kilometer drei Platten. Nun gut. Repariert ist der Schaden schnell und die Distanz bis zur Unterkunft ist in kurzer Zeit auch geschafft.

Die Wohnung haben wir heute ganz für uns allein. Super. Wir waschen unsere Schmutzwäsche, spülen die Pfannen und Wasserflaschen und dann geniessen wir die Zeit und das Internet auf der Terrasse und im Zimmer.

Wir liegen schon im Bett, als Ali vorbeikommt. Ein anderes Gästezimmer muss noch hergerichtet werden, denn Yasmin aus Deutschland wird heute Abend spontan einziehen. Als Yasmin eintrifft schlafen wir bereits tief und fest und so haben wir erst am nächsten Morgen die Freude, sie kennen zu lernen.

Yasmin ist mit Ali befreundet und kommt gerade von ihrem Urlaub aus Nepal zurück. Die Arme hat sich ausgerechnet an ihrem ersten Urlaubstag den Fuss gebrochen und muss so noch einige Wochen mit Gips verbringen. Nach dem gemeinsamen Frühstück und ein bisschen Plauderei erhalten wir eine SMS von Ali. Er will heute Campen gehen und fragt uns, ob wir Lust hätten, ihn zu begleiten. Natürlich haben wir Lust.

Und so packen wir eine Stunde später Zelt, Schlafsack und Flipflop in Alis riesiges – typisch omanisches – Auto und fahren los. Zuerst geht’s zum Supermarkt. Der ist gigantisch. Insgesamt werden neun Leute am Campingausflug teilnehmen. Wir kaufen also für die ganze Gruppe Snacks, Abendessen, Getränke, Plastikgeschirr, Zelte und was auch immer. Wir finden sogar original Gruyère, den wir direkt vor Ort verdrücken. Mit dem völlig überfüllten Einkaufswagen geht es zur Kasse und anschliessend zum Auto.

Noch immer haben die Pédaleurs keine Ahnung wo es hingeht und wer denn alles so vor Ort sein wird. Erklärungen scheinen aber unnötig und so sitzen wir während fast zwei Stunden im Auto und cruisen entlang des Meeres in Richtung Osten. Irgendwann hupt Ali einem anderen Auto zu, welches uns von nun an folgt. Aha. Das werden wohl die andern sein.

Am Nachmittag erreichen wir den schönen Sandstrand und lernen die gesamte Gruppe kennen. Neben Ali und Yasmin sind noch zwei Portugiesen, ein Australier, eine Brasilianerin und eine Schottin mit dabei. Die fünf arbeiten alle für eine Fluggesellschaft und haben zurzeit ein paar freie Tage. Wen wer hier warum kennt wissen wir nicht genau. Spielt ja auch keine Rolle.

Nach dem Zeltaufstellen springen viele von uns ins Meer. Das Wasser ist warm, klar, ruhig. Traumhaft. Anschliessend wird am grossen Feuer getrunken und gegrillt. Es ist ein schöner Abend und Ali erzählt uns viel über die Omanische Kultur, den Sultan und die allgemein politische Lage.

Am nächsten Morgen zaubert Mike mit Hilfe von Alufolie und dem Lagerfeuer ein paar feine Frühstückseier. Wir toasten Brot und geniessen es mit Nutella, Orangensaft und Kaffee.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen und machen uns an die Heimfahrt. Schön war es. Zum Mittagessen gehen wir alle noch ins Restaurant, essen Kamelfleisch und verabschieden uns von den flight attendants.

Kaum zuhause angekommen müssen wir die Nachrichten auf dem Handy prüfen. Denn die Pédaleurs haben noch einen Termin. In zwei Stunden werden wir mit Sack und Pack für ein Interview mit dem Muscat Daily Newspaper erwartet. Charishma und Shafeer warten am besprochenen Treffpunkt bereits mit Fotokamera und Notizblock auf uns. Zuerst werden wir fotografiert. Ein paar Mal vor dem imposanten Eingang des Hotel Chedi, anschliessend fahrend entlang der Hauptstrasse und zu guter Letzt posieren wir noch am Sandstrand. Die Fotoausrüstung und die beiden Fahrräder locken einige Schaulustige an. Schon komisch war das. Nach der Fotosession steht das eigentliche Interview an. Charishma setzt sich mit uns auf eine Mauer und fragt und über unsere Beweggründe, die Reise und Erlebnisse aus. Wir stehen so gut wie möglich Red und Antwort. Nach zwei Stunden ist der offizielle Teil beendet. Das Interview soll in den nächsten Wochen veröffentlicht werden. Wir plaudern noch etwas mit der indischen Charishma über ihr Heimatland, ihre Ehe und ihre Träume und machen uns anschliessend wieder auf den Heimweg. Der Bericht über uns erscheint in den nächsten Wochen.

Zuhause kochen wir schnell ein paar Arme Ritter für Yasmin und uns und ziehen uns dann auch bald schon wieder zurück. Während der nächsten Tage geniessen wir eine Pause. Wir schauen Youtube, schmökern in Blogs anderer Reisenden, koordinieren einige Verabredungen die wir in Muscat noch wahrnehmen wollen, aktualisieren unsere Bilder auf Flickr und bestellen ein grosses Päckli Ersatzmaterial in Zürich.

Die Tage in Muscat vergehen wie im Flug. Immer ist etwas los. So richtig chronologisch kriegen wir die Sache gar nicht mehr zusammen. Einmal mehr haben wir sehr viel erlebt.

Einmal fuhren wir mit Ali, Yasmin und zwei Deutschen Touristinnen an den Souq in Seeb. Dieser ist sehr traditionell und wir entdecken so einige Gemüsesorten, die wir bis anhin noch nie gesehen haben. Anschliessend führt uns Ali in ein Restaurant am Meer, in dem wir fangfrischen Fisch geniessen.

An einem weiteren Abend sind die Pédaleurs bei Frank eingeladen. Er hat uns bei unserem Interview entdeckt und uns spontan zum Grillfest eingeladen. So dürfen wir mit ihm und seinen Freunden seinen fünfzigsten Geburtstag feiern.

Ein anderes Mal veranstalten wir mit Yaro und Mareike – das sind die zwei, die dauerhaft in der Wohnung leben - einen Grillabend und spielen Carrom. Kindheitserinnerungen werden wach. Es ist schliesslich eeeewig her, seit wir dieses Spiel das letzte Mal gespielt haben.

An einem Freitag treffen wir endlich Peter und Annelies aus der Schweiz. Sie sind gerade in Urlaub im Oman und wir freuen uns sehr, dass sie uns treffen wollen. So verbringen wir einen superschönen Nachmittag im Qurm Park und essen anschliessend leckere pakistanische Köstlichkeiten.

Und dann waren wir auch noch auf Alis Farm eingeladen. Er lebt in Mussanah, einem idyllischen Dorf ungefähr einhundert Kilometer westlich von Muskat. Wir lernen die örtlichen Dromedartrainer kennen, üben die Namen der Tiere, trinken Kaffee und schlemmen Datteln. Anschliessend bewundern wir die schöne Farm der Familie. Es hat einen Gemüse- und Obstgarten, einige Ziegen und Alis Dromedar. Eine hübsche junge Dame, die bald schon eine stolze Mama sein wird. Die Familie Al Jaradi lebt in einem riesigen Anwesen und verpflegt uns fürstlich.

Wie gesagt – es war immer etwas los.

Eines Abends bekommen wir per E-Mail eine Einladung der indischen Botschaft. Sie wollen uns betreffend unseres Visaantrages sprechen. Dies ist nicht üblich bei der Visabeschaffung und hat uns daher auch etwas überrascht. Wir sind somit früh morgens auf die Botschaft getingelt und haben während mehreren Stunden auf unser Schicksal gewartet. Irgendwann wurden wir von einem Metallstuhlwartesaal in einen Polstersesselwartesaal umverfrachtet. Da haben wir nochmals eine Stunde gewartet. Anschliessend kam eine Empfangsdame, händigte uns Besucherausweise aus und schickte uns in die Büroräume der Botschaftsmitarbeiter. Oha. Wir nehmen also den Lift in den ersten Stock. Wir klopfen am Büro des ersten Sekretärs an und werden hineingebeten. Nach einem herzlichen Empfang dürfen wir mit dem Herrn etwas über unsere Reise plaudern. Irgendwann fragt er, wie lange wir denn nach Indien möchten - unser Antrag auf sechs Monate wurde letzte Woche ja auf 3 Monate gestutzt. Wir sagen also, wir würden schon gerne ein halbes Jahr nach Indien. Daraufhin fragt er, ob wir denn mehrmals einreisen möchten - auch dies schien letzte Wochen schwierig. Wir bestätigen. Der First Secretary des Ambassador of India kritzelt eine sechs auf unseren Antrag und verabschiedet uns. Am Nachmittag sollen wir wiederkommen. Die folgenden Stunden vergingen soooo langsam. Irgendwann war dann doch noch vier Uhr und wir haben uns nochmal in die Embassy begeben. Nach wenigen Minuten wurde uns unsere Pässe mit jeweils einem Visa für Sechs Monate und Multiple Entry ausgehändigt. Suuuuuuuper. Wir dürfen also nun bis und mit 10. Juni 2016 so oft wir wollen rein und raus in Indien. *freu*

Eigentlich könnte es jetzt ja gleich losgehen. Aber da wir noch auf ein Päckli mit Ersatzmaterial aus der Schweiz warten, bleiben wir unseren Mitbewohnern wohl noch etwas erhalten. Die ganze Sache mit dem Päckliversand gestaltet sich sowieso sehr langwierig. Und teuer. Aber nun gut. Ohne Ersatzmaterial kommen wir ja auch nicht weiter. Die Pneu, die wir noch bestellt haben, mussten schlussendlich leider zuhause bleiben. Zu gross wäre das Packet geworden und es wäre beinahe günstiger gewesen, jedem einzelnen Pneu ein Flugticket zu kaufen, als den Plunder per Post zu senden. Aber hey, welches Rad braucht schon einen Pneu. Unsere Drahtesel sollen sich mal nicht so haben. Nun ja.

Nach nun einem Monat im Oman läuft unser Touristenvisum aus. Wir brauchen eine Verlängerung, da wir ja noch Post erwarten. So pedalieren wir wieder einmal quer durch die Stadt und kommen vor dem internationalen Flughafen zum Stehen. Die Verlängerung zu erhalten ist kinderleicht. Einmal am Schalter anstehen, Pass durchreichen, nett lächeln, Kreditkarte durchreichen. Tabamm, Tabamm. Die Stempel sind drauf. Wir dürfen theoretisch nochmal einen Monat hierbleiben.

Der Plan, gemeinsam mit unseren Freunden die wir auf der Reise getroffen haben, in Goa die Festtage zu feiern, geht leider nicht auf. Zwar sind die meisten von ihnen vor Ort, sie werden aber wahrscheinlich noch vor Weihnachten weiterreisen. Nachdem wir die Schiffe und Flüge nach Goa geprüft haben, kamen wir zum Schluss, dass es besser ist, wenn wir direkt nach Mumbai reisen und dann gemächlich – ganz ohne Weihnachtsstress – in Richtung Goa tingeln.

Da wir nun ja gerade am Flughafen sind, besuchen wir den Schalter der OmanAir und kaufen uns ein Ticket in die grösste Stadt Indiens. In vier Tagen geht es los. Um unsere Räder sicher zu transportieren brauchen wir noch eine Transportbox. Wir erkundigen uns am Flughafen über die Möglichkeiten. Gar nicht so einfach. Also fahren wir kurzentschlossen zurück zu unserer Wohnung und fragen beim Shoppingcenter um die Ecke nach ein paar alten Kartons. Wir dürfen uns bei der Anlieferung bedienen und uns einige Kartons aussuchen. Die beiden indischen Gastarbeiter knöpfen uns zwar den einen oder anderen Baisa pro Karton ab, aber wir sind zufrieden. Bewaffnet mit Klebeband und Schnur werden wir daraus sicherlich einen passablen Koffer basteln können.

Nun sind also unsere Pläne wieder einmal total über den Haufen geworfen, aber trotzdem sind sie so konkret wie lange nicht. Reiserouteaktualisierung gefällig? Mumbai, Goa, Sri Lanka, Delhi, Nepal. That’s the plan. Gerne würden wir ihn dir noch etwas genauer erläutern, wissen aber selber noch nicht mehr. Wir freuen uns, dir dann davon zu berichten.

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