Km 11609 - Km 11731_Agonda - Gokarna


Die ersten paar Tage in Agonda haben wir mit Dave, Phil und Brett verbracht. Schön, mal wieder bekannte Gesichter zu treffen. Am vierten Januar mussten wir uns jedoch wieder verabschieden - die drei Jungs verliessen uns in Richtung Bangalore. Die Tage in Agonda vergehen wie im Flug, weshalb wir unseren Aufenthalt auf insgesamt acht Nächte ausdehnen. Während unserer Zeit in Agonda haben wir sehr gut gefrühstückt, viel geschlafen, gebadet, gelesen, Rückenschmerzen wegmassieren lassen, etwas die zerbrochene Ukulele betrauert und einfach die paar freie Tage genossen. Einmal haben wir uns sogar einen Scooter genommen und sind in einer grossen Acht durch die Region – von Agonda über Margao, bis hin nach Collem und von da aus über Quepem und Palolem zurück in unser Dorf gefahren. Die Ausfahrt hat viel Spass gemacht. Heija – wie schön es doch ist, wenn einmal der Motor anstatt die Wädli gegen den Aufstieg ankämpfen.

Am achten Januar verliessen wir dann doch unsere kleine Bambushütte. Zuerst geht es zum Frühstück beim Nepalesen. Das hier vorhandene WIFI macht uns darauf aufmerksam, dass unsere Teilnahme bei der Ausschreibung der 20 Minuten Früchte getragen hat. Beinahe hatten wir schon vergessen, dass wir vor ein paar Wochen die drei, vier Sätze von unserer Reise beim Teilnahmetalon eingetippselt haben. So ist die Überraschung gross, als wir von mehreren Freunden und Bekannten auf unsere Präsenz in der Zeitung aufmerksam gemacht wurden. Natürlich freuen wir uns darüber. Es war auch spannend, die verschiedenen Kommentar dazu zu lesen. Viele davon haben uns gefreut oder belustigt. Aber eins müssen wir noch zu folgendem Zitat von «Bombay Boy» loswerden. Zitat: «Statt Kinder zu kreieren haben Schweizer komische Hobbies. Dann mit 40 versuchen sie es künstlich und wenn es nicht klappt sind Migranten an der Population schuld. (...) Aus dem Grund sterben die Schweizer aus.» Lieber Bombay Boy, lass dir folgendes gesagt sein: Du bist ein totaler Volldepp und sei doch bitte so gut und behalte deinen dummen und rechten Shit zukünftig für dich. Shame on you. Danke.

Einen genauen Plan für die nächsten Wochen haben wir natürlich wieder einmal nicht. Wir nehmen uns aber vor, gegen Mitte Februar die Fähre nach Sri Lanka zu besteigen. Nach einer kurzen Kartenstudie wird klar, dass wir – wenn wir Sri Lanka an unserem Hochzeitstag betreten wollen – durchschnittlich lediglich fünfundzwanzig Kilometer am Tag zurücklegen müssen. Wunderbar.

Die Fahrt führt uns heute kurz vor Majali. Entlang der Strasse treffen wir auf Kühe, vor Schweiss triefende Glaceverkäufer, welche ihre Ware mit dem Fahrrad auf die hohen Hügel schieben und Affen. Bereits am Mittag erreichen wir nach guten dreiunddreissig Kilometern ein kleines Resort, welches direkt am Strand liegt. Es ist gut, dass wir schon jetzt eine Unterkunft haben, denn Mike hat sich eine Erkältung eingefangen. Das Husten und Schniefen zieht an seinen Kräften. Nach einem kurzen Bad im Meer – die Bucht ist hier so gelegen, dass die Wellen sowohl gegen den Strand als auch gegen das Meer hinaus fliessen - machen wir es uns im Bungalow bequem. Mike schläft seine Grippe aus und Cynthia liest, trinkt Kaffee und geniesst die Einsamkeit der Unterkunft.

Gegen Abend wagen wir einen Strandspaziergang und bestellen anschliessend unser Abendessen im anliegenden Restaurant. Über eine Stunde warten wir auf unser Knoblauchhühnchen. Aber es lohnt sich. Der Knoblauch ist frisch, das Hühnchen saftig und die hausgemachten Pommes wohl die besten der Welt.

Am nächsten Morgen ziehen wir schon bald wieder los. Zurück auf unsere Strasse Nummer 17. Mike ist noch immer etwas angeschlagen und so beschliessen wir am frühen Nachmittag, uns ein Zimmer in einem Hotel in Shedageri zu nehmen. Auf den ersten Blick erschien das Hotel ganz passabel und lud uns förmlich dazu ein, zu bleiben. Wir verbringen den Nachmittag in unserem Hotelzimmer – da wir uns in einem kleinen, armen Dorf befinden und der Strand sehr weit entfernt ist, bleibt uns auch nicht sehr viel Anderes übrig.

Abends geniessen wir ein vorzügliches Thali, wagen noch einen kurzen Spaziergang durch das Dorf und machen uns anschliessend bereit für die Nacht. Was für eine Nacht. Schon am Nachmittag haben wir das eine oder andere Käferli im Bett gesehen. Aber wer will denn schon so heikel sein. in der Nacht aber krabbelten unzählige dieser schwarzen, blöden Vieher aus dem Bett und machen sich über das hingelegte Festmahl her. Schon nach zwei Stunden ist an weiteren Schlaf nicht zu denken. Cynthia reagiert wieder einmal allergisch auf die Stiche und ihre Arme schwellen um das doppelte an. Nachdem wir dann unsere Schlafmatten aufgepumpt, die Bettwäsche im Badezimmer verbarrikadiert und Cynthia eine Tablette gegen die Allergie geschluckt hat, kam die Müdigkeit zurück. Sie schlief anschliessend wunderbar. Mike hingegen wurde die halbe Nacht von den lachenden und johlenden Hotelgästen wachgehalten.

Der nächste Morgen kommt früh und wir können es kaum erwarten, endlich wieder das Meer zu sehen und unsere Glieder ins salzigkühlen Wasser zu tauchen.

Gokarna ist unser heutiges Ziel. Mike leidet noch immer an seiner Grippe und auch Cynthia ist wegen den Stichen nicht so ganz im Strumpf. Aber bereits nach zwanzig Kilometern dürfen wir rechts abbiegen und Gokarna ist beinahe erreicht. Nach weiteren zehn Kilometern fahren wir in eine wuselige, überbevölkerte Stadt ein. Tausende von Menschen tummeln sich auf der Strasse. Menschengruppen, Kühe, Rikshas und Autos versuchen sich durch die Nadelöhrgleichen Gassen zu drängen. Der Ort ist sowohl ein hinduistischer Wallfahrtsort als auch ein Tourismusort. Neben den vielen Indern hat es hier auch wieder Europäer. Es sind jedoch nur wenige Touristen dabei. Die meisten hier sind Aussteiger. Aussteiger die ihresgleichen suchen. Sie wohnen in Bambushütten, haben verfilzte Haare und spielen mit Hula-Hoop-Reifen. Ganz freie Geister eben.

Obwohl es einige Zimmer zur Vermietung gibt, zieht es uns doch eher an einen ruhigeren Strand. Wir beschliessen – auf der Suche nach einer herzigen Hütte – dem Strand in Richtung Norden zu folgen. Immer mehr Weisse begegnen uns und sie und ihre nackigen Kinder auf deren Armen grüssen uns mit einem befreiten «Namaste». Irgendwie schön hier, aber irgendwie auch äh ja, ähm, wie soll man sagen. Ähh. Etwas sehr Europanamaste halt. Weisch wasi meine?

Wir finden keine Unterkunft die uns zusagt und beschliessen, unsere Route in Richtung Süden fortzuführen. Wir wollen die OM Beach erreichen. Der Weg führt über hundert Meter in die Höhe und die Sonne brennt auf unsere Schultern. Es ist heiss und trotzdem will die Erkältung nicht weichen. Als wir am Nachmittag endlich das Namaste-Cafe erreichen, sind wir geschafft und buchen uns direkt für drei Nächte ein. Es hat kein Internet, kein Telefon und kein Geschrei. Es ist wunderschön hier.

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