Km 12138 – Km 12224_Kannur - Calicut


In Indien erlebt man immer was. Unglaublich. Wo soll man nur anfangen. Beispielsweise die Autos. Die sind alle beschriftet, bemalt und an den Windschutzscheiben zugekleistert. Da wir ja die meiste Zeit on the road verbringen, haben wir viel Zeit um uns die Beschriftungen einzuprägen. In grossen - teilweise aus Pappmasche aufgeklebten - Lettern prangert hier abwechselnd "Masallah", "Vishnu" oder "Jesus Christ" oberhalb der Windschutzscheibe. Hauptsache irgendjemand passt auf das Fahrzeug auf, während der Lenker wie der Henker fährt. Dann gibt es aber auch für weniger Bescheidene die Aufschriften "I am God" oder "God drives this car". Hier kommen wir ja noch so einigermassen mit. Aber auch des öfteren springt einem ein "I love you" oder ein "I miss you" entgegen. Hmmm. Ok. Und dann gibt es noch die dritte Kategorie. Die völlig Sinnfreien. Wie beispielsweise "we two ours one" Hä? Oder ganz geil - momentan unser Favorit des Sinnfreien: "key, bee, yes." Was? Hä? Da fährt ein riesiger Truck entgegen mit der farbigen, Arial dreihundert grossen Aufschrift "Schlüssel, Biene, Ja." Aha. Apropos Sinn frei. Davon entdecken wir hier so einiges. Also vielleicht ist es gar nicht Sinn frei, aber wir checkens einfach überhaupt nicht. Zum Beispiel wirbt die Kommunistenpartei mit einem Foto von Che Guevara. Oder in der Bakery gibt es weder Brot noch Backwaren sondern ausschliesslich Kaugummi und Süssgetränke zu kaufen. Ein Hotel ist keineswegs eine Beherbergungsmöglichkeit, sondern einfach ein Ort an dem es Essen gibt. Egal was. Von der Teestube im Bretterverschlag über das Fishcurrylädeli bis zum richtigen Hotel ist alles mit Hotel beschriftet. Anfangs war das noch irreführend. Mittlerweile finden wir uns zurecht. Heute passiert etwas, womit wir schon lange rechneten, aber seit Azerbaijan nicht mehr erlebten. Uns fahren vollbepackte Tourenradler entgegen. Wir sind ganz aus dem Häuschen. Ein Paar. Wow. Wir winken, klingeln und rufen. Aber der Mann, der voraus fährt, sieht uns nicht und die Frau die ihm folgt schafft es nicht ihn zu stoppen. Schwupp, weg sind sie. Oh no. Wir haben uns so gefreut, eeeeendlich mal wieder ein paar Gleichgesinnte zu treffen. Die hatten die gleich verranzten Taschen wie wir und sahen aus, als hätten sie Ähnliches zu erzählen. Die Frau schaut uns an und winkt. Wir sehen ihr an, dass sie sehr gerne gestoppt hätte, aber der Mann war bereits einige Hundert Meter weiter auf einer Abfahrt. No Chance. Sooo schade. Wäre sicher toll gewesen, etwas zu plaudern und sich auszutauschen. In einem Laden geht Mike einkaufen. Alle anwesenden Inderinnen im Laden scheinen sich sofort zu verlieben. Ein weisser Mann mit blonden Haaren und grünen Augen bringt sie ganz aus dem Häuschen. Es wird still und Mike wird angehimmelt. Die Frau, die von ihm nach den Getränken gefragt wird hat beinahe einen Ohnmachtsanfall. Alle sind völlig aus dem Häuschen. Kaum tritt er im Anschluss in die Schlange, nehmen alle Kundinnen ihre Ware vom Tresen und lassen ihn unter ständiger Beobachtung vor. Es ist schon sehr herzig. Cynthia hat während dem auch ganz schön zu tun. Zuerst kommt der Wachmann und fragt sie über dies und jenes aus. Anschliessend kommt ein weiterer Angestellter des Ladens daher und will auch noch so einiges wissen. Gemeinsam suchen die beiden Herren dann fleissig den Motor bei den Velos. Etwas irritiert geben sie auf. Aber Moment, fragt sich der Wachmann. Was ist das? Er zeigt auf unsere Getränkeflaschen und glaubt erst, dass es sich um Wasser und keinen Treibstoff handelt, nachdem Cynthia einen zünftigen Schluck genommen hat. Als die beiden Pédaleurs dann wieder zueinander gefunden haben, geht es gemeinsam weiter des Weges. Schon nach wenigen Kilometern entdecken wir ein Restaurant, das uns gefällt. Kaum parkieren wir unsere Räder, wird bereits die Bestellung aufgenommen. Wir zwängen uns zwischen den Tischen hindurch an einen Eckplatz. Der Kellner geht vor und verscheucht einen dort essenden Inder. Weg da, die Touristen kommen. Der arme Kerl muss den Platz räumen. Es geht alles so schnell. Nun muss Cynthia auch noch zur Toilette. Der Kellner geht wieder voraus und die Menge macht Platz. Es geht zwei Häuser weiter und direkt neben dem Möbelladen in eine kleine Gasse. Dem Geruch an sind wir auf dem richtigen Weg. Eine alte Inderin wollte gerade das Häuschen betreten, als der Kellner sie brutal webschubst und Cynthia vorschickt. Unglaublich. Kaum ist der Herr aus dem Blickfeld, tauschen die Ladies selbstverständlich wieder die Plätze in der zweiköpfigen Warteschleife. Das Essen wird geliefert. Mehr hätte auf dem Teller keinen Platz gefunden. Der Teller ist bis über den Rand gefüllt. Eine grosse Reishalbkugel, dreimal festgepresst, pro Person. Die Menge würde für zwei Grossfamilien reichen. Wir mampfen tapfer, brechen aber bereits im ersten Viertel beinahe zusammen. Zum Abschied versammelt sich noch einmal eine Menschentraube. Die Leute hier sind wirklich sehr lieb. Einfach etwas viel. In einer grösseren Stadt quetschen wir uns noch mit ungefähr dreihundert Rikschas durch ein Nadelöhr und dann ist auch dieser Fahrtag langsam zu Ende. In Calicut - diese Stadt hat wie so viele Orte hier an die drei Namen - finden wir ein ansprechendes Hotel. Direkt nach dem Check-In spazieren wir an den nahe gelegenen Strand. Da haben wir nämlich ein Café entdeckt und das ist eine wahre Seltenheit in diesem Land. Ein Café. So ein richtiges. Mit einer Getränkeauswahl und Milchschaum und so. Cynthia bekommt einen feinen Latte Macchiato, Mike den wohl besten Lime-Mint-Juice der ganzen Reise und zusammen teilen wir uns ein grosses Stück Schoggikuchen. Sevent Heaven. Auf dem Heimweg kaufen wir uns bei einem Süsswarenhändler Datteln aus Saudi-Arabien und Schöggeli die schmecken, als wären sie direkt aus Kilchberg importiert. Zurück im Zimmer wird geschlemmt, geschrieben und gelesen. Am Abend führt uns der Weg wiederum in das Café. Es gibt Bruger. Fabelhaft. [if !supportLineBreakNewLine]Im Hotel hat es fünf weitere Europäer. Dies freut uns mittlerweile richtig, so fallen wir nicht so auf. Aber bereits beim Frühstück wird unsere Euphorie etwas gedämpft, als ein Italiener den Kellner richtiggehend beschimpft, weil das Ei zu spät serviert wurde. Mann, wie kann man sich nur so aufführen. Etwas fremdbeschämt packen wir unsere sieben Sachen und verziehen uns. Gerochen haben wir sie zwar bereits gestern, aber nun sehen wir das erste Mal die Stadt bei Tageslicht. Hui. Das Bandar Abbas von Indien. Gruusig. Und gross. Es dauert über zehn Kilometer, bis wir die Stadt verlassen. In einer Gasse entdecken wir einen Motorfahrzeug-Friedhof. Das ist echt spannend. Tausende von Helmen, Pneus, Schrauben, Steuerräder, Türen und Frontscheiben, hängen da an den Fassaden. [endif][endif]

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