Km 12224 – Km 12319_Calicut - Guruvayur


Nach über zehn Kilometern verlassen wir wie gesagt den Stadtkern. Aber wir werden bei der heute beinahe einhundert Kilometern langen Fahrt nicht einmal eine unbebaute Parzelle vorfinden. Keine einhundert Meter ohne Haus. Geschweige denn ohne Mensch. Ausser auf einer Brücke. Indien ist wirklich unglaublich vollgestopft. Überall sind Menschen. Wir sind ja mittlerweile in der Provinz Kerala. Gods own country wird die Region gepriesen. Und schön ist es wirklich. Die Menschen haben sich etwas verändert. Sie sind aufdringlicher als zuvor und einige Jungs sind auch richtige kleine Flegel. Immer wieder haben wir Begleitservice von Motorrädern. Nach dem fünften nervts dann schon. Zum Mittagessen kehren wir in einem modernen Laden ein. Es gibt wieder Burger. Direkt aus der Vitrine. Gepinkelt wird in der Wohnung obendrüber. Ist niemand zuhause, so störts wohl auch keinen. Zum Essen dazu gibt es frische Fruchtsäfte. Sehr lecker. Auch die Burger sind gut. Und bis am Abend wurden wir dann auch den Sand zwischen den Zähnen wieder los. Bei einer Pause am Nachmittag setzen wir uns vor ein kleines Geschäft und vertilgen die ergatterten Süsswaren. Ein Mann kommt mit seinem Motorrad gefahren. Dabei ist seine ungefähr drei Jahre alte Tochter. Das Mädchen wird alleine zurückgelassen, während dem der Papa seine Einkäufe erledigt. Auch wenn wir die Sprache nicht verstehen, merken wir, dass das Mädchen freundlich ermahnt wird. Papa weiss wohl schon, was das Kind im Schilde führt. Und tatsächlich. Rutscht doch der Knirps nach vorne, dreht am Schlüssel. Der Motor startet. Wrumm, wrumm, sie zieht an den Gashebeln und das Fahrzeug fährt beinahe davon. Wir brechen in schallendes Gelächter aus. So herzig, die Kleine. Bitzi gefährlich und bei uns undenkbar. Aber trotzdem ganz lustig. Wir beschliessen, uns in Guruvayur einzuquartieren. Kurz vor der Stadt mit den heiligen Hindutempeln entdecken wir ein Elephant Sanctuary. Da wollen wir hin! Wir suchen also ein Hotel und haben den Check-In beinahe schon abgeschlossen, als uns mitgeteilt wurde, dass der Betreiber keine Genehmigung für die Beherbergung ausländischer Touristen hat. Hä? So doof. Also suchen wir noch etwas weiter und werden schnell fündig. Im Hotel angekommen laden wir schnell alles ab und machen uns direkt auf zur nächsten Rikscha. Los gehts, zu den Elefanten. Da angekommen stellen wir fest, dass der Betrieb nur noch eine Viertel Stunde geöffnet ist. Schade. Cynthia ist total enttäuscht, als wir beschliessen, wieder zurückzugehen und morgen nochmal zu kommen. So kurz vor dem Ziel - endlich ein Elefäntli zu Gesicht zu bekommen - klappt es nicht. Mensch. Wir beschliessen also, zwei Nächte in dieser Stadt zu bleiben und den kommenden Tag den Elefanten zu widmen. Perfekt. Zurück in der Stadt suchen wir uns ein Restaurant. Ein totaler Fehlgriff. Danach entdecken wir dank GPS noch ein besseres Lokal. Wir essen somit zweimal zu Abend. Die Stadt ist übrigens sehr schön. Sie ist ziemlich sauber, ruhig für indische Verhältnisse und hat - wir können es kaum fassen - eine Fussgängerzone. Unglaublich. Spät am Abend erfahren wir noch fabelhafte Nachrichten aus der Schweiz. Die zweite Defense innert zwei Monaten ist erfolgreich vollbracht. Liebe Herren Dr. Cattin, wir sind sooooooo stolz auf euch! Früh am Morgen sind wir hellwach. Pünktlich um neun stehen wir wieder vor den Toren der Sancutary. Das Warten hat sich total gelohnt, denn es gibt sooo viel zu sehen. Ganze sechsundvierzig Elefanten zählen wir. Fotografieren ist leider strengstens verboten. Die Tiere scheinen alle aus miesen Verhältnissen zu kommen. Da ein Loch im Ohr, da ein fehlender Schwanz, dann wieder tiefe Schnittwunden im Bauch oder abgebrochene Stosszähne. Sehr traurig. Jeder Elephant hat hier einen bis drei Pfleger. Sie werden gefüttert, gewaschen und scheinen nun sehr gut betreut. Einige der Tiere werden dafür eingesetzt, denn anderen Baumweise Futter zu bringen. Sie spazieren quer durch die Menschenmenge und sind zum Greifen nah. Hui sind die gross. Riesige Tiere sind das. Wir sind ja schon gespannt, wie dann die erste Begegnung auf dem Fahrrad sein wird. Etwas mulmig wird uns dann sicherlich. Nach einem sehr töröötigem Vormittag nehmen wir anschliessend noch die Rikscha an den Strand. Hier kann man aber leider - wie so oft - nicht bädelen. Es ist alles vermüllt und voller Fäkalien. Tja. Wir setzen uns etwas ans Wasser und beobachten die Krebsli und Vögel. Den Nachmittag verbringen wir im Hotel und planen unsere weitere Route bis Nepal. Läck. beaucoup de kilomètre... Beim abendlichen Einkauf erleben wir wieder so einiges. Wirklich. Einen Bericht über so einen Spaziergang in den Shop um die Ecke würde schon den ganzen Blog füllen. Und uns kommen dann immer wieder neue und alte Geschichten in den Sinn, die wir noch gar nicht erwähnt haben. Zum Beispiel gibt es hier Kohlesäurehaltigen Kaffee. Oder abgepackte Schoggimilch mit Nussstückli drin. Die Supermarktkasse wird manuell bedient. Jeder Artikel hat eine Nummer - ähnlich wie bei uns, einfach etwas handglismeter - und die wird dann am Computer eingegeben. Also natürlich nur in den grossen Läden, Computer gibt es hier ja wenig. Jedenfalls wird dann alles nochmal doppelt geprüft. Dafür ist ein weiterer Mitarbeiter zuständig. Er übernimmt dann auch das Piepsen, dass durch die manuelle Kasse entfällt. Bei jedem Doppelgecheckten Produkt gibt er also ein Geräusch von sich, so ein lautes und hohes "Ä". Es ist zum Schreien. Sowieso hat es hier für jeden Brunz einen eigenen Angestellten. Es hat einfach zu viele Menschen. Der eine bringt Getränke, der andere die Karte, der dritte das Essen und der letzte räumt ab. Aber irgendwie wollen alle gemeinsam was zu tun haben. So bestellen wir meistens bereits bevor wir einen Tisch haben und während dem Essen steht die ganze Zeit der Abräumer daneben, bereit für seinen Einsatz. Beim Abendessen in einem Restaurant will es der Kellner besonders gut machen. Nachdem wir uns die Nudeln geteilt haben - anders geht es nicht, die Mengen sind völlig übertrieben - bringt er uns zusammen mit Cynthias Kaffee noch ein weiteres Kaffeeglas. Ein leeres. Zum Teilen so quasi. Wir können uns nur schwer beherrschen, dass wir nicht laut losprusten. Es ist zu komisch. Abends spazieren noch ein paar Elefanten der Sanctuary an unserem Zimmer vorbei. Juhuuu. Elefanten aus der Vogelperspektive. So cool. Und nun steht bereits die Nacht vor der Tür. Ab is Bett.

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