Km 12407 – Km 12585_Ernakulam - Varkala


Da kommt uns doch gerade in den Sinn... Als wir kurz davor waren, Erknakulam zu erreichen, kamen wir in einen kleinen Stau. Zu unserer Verwunderung wurde dieser von über 200 Kindern verursacht. Alle in Karatebekleidung und Barfuss. Die Jungen und Mädchen im Alter zwischen drei und fünfzehn Jahren überqueren der Grösse geordnet die Strasse. Eines nach dem andern dippeln sie in einer Einerkolonne von der einen zur anderen Strassenseite. Die Schlange ist mehrere Hundert Meter lang... Im Hotel angekommen, gelingt uns nach Langem wieder einmal eine Skypesession. Das Internet arbeitet beinahe tadellos und so kann Cynthia mit ihren Eltern plaudern. Sehr schön. Da das Internet ja endlich mal wieder einwandfrei arbeitet, bekommen wir vor lauter Surfen kaum Schlaf. Als wir dann doch mal die Lichter löschen, attackieren uns die Mücken. Grrr. Das Zimmer ist übrigens total grausig. Es liegen gebrauchte Wattestäbli unter dem Bett, ganze Haarknäuel von fremden Menschen in den Ecken und irgendwie ist es einfach schmuddelig. Sowieso ist hier in Indien ja eine andere Auffassung von Hygiene gebräuchlich. Kennt ihr die Fünf Sekunden Regel? Also, alles was weniger als fünf Sekunden am Boden liegt, kann man noch essen? Wir haben die hier etwas abgeändert. Es ist nun die Fünfzentimeter Regel. Also alles, was Indien näherkommt als fünf Zentimeter wird nicht mehr gegessen. Damit kommen wir hier ganz gut durch den Alltag. Am darauffolgenden Morgen verlassen wir Ernakulam. Auf einen kurzen Abstecher nach Kochi verzichten wir. Die Fahrt verläuft anfangs ganz geschmeidig. Ausser dass wir von einem Bus zweimal von der Strasse gedrängt wurden, gab es keine nennenswerten Zwischenfälle. Gegen Nachmittag fahren wir zufällig an einem KFC vorbei. Uns fallen fast die Augen raus. Beinahe mit einer Vollbremse bleiben wir vor dem Laden stehen und schlagen uns anschliessend kräftig die Bäuche voll. Hier sehen wir übrigens die ersten Touristen seit einer Ewigkeit. Wen wunderts. Mitten auf einer Brücke fällt wieder einmal Cynthias Vordertasche vom Rad. Dies geschieht momentan laufend und bedarf normalerweise keine weitere Erwähnung. Aber diesmal ist etwas anders. Sie kann die Tasche nicht mehr selber einhängen. Mike kommt zur Hilfe. Da entdeckt er, dass der vordere Tubus einmal durchgebrochen ist. Der Gepäckträger plampelt in zwei Stücken vom Vorderrad. Shit. Ein Inder springt aus seinem Wagen und zeigt uns den Weg zum nächsten Schweisser. Wir schnallen also das Vordergepäck aufs Hintergepäck und kurven langsam zum Handwerker. Den Schweisser haben wir schnell gefunden, der Brenner hat ihn entlarvt. Wir zeigen dem Mann unser Problem und er uns sein Gehilfe machen sich sogleich daran, den Tubus zu schweissen. Wenige Minuten später ist der Patient geheilt und wir können weiterfahren. Sieht aus, als würde die Schweissnaht im Wert von umgerechnet CHF 1.50 eine ganze Weile halten. Wir fahren noch etwas weiter und nehmen uns nach über 110 Kilometern ein Zimmer in Kayamkulam. Zwar haben wir heute keine Elefanten gesehen, aber trotzdem ganz schön was erlebt. Wir sind Pflätschmüed und gehen früh schlafen. Wie immer, wenn wir kurz vor einem Strand sind, den wir schon lange erreichen wollten, erwarten uns Hügel um Hügel. So auch heute. Es geht hoch und runter und hoch und runter. Eigentlich hätten wir das ja wissen sollen. Warum wundern wir uns überhaupt? Am frühen Nachmittag sind wir dann aber doch endlich auf der Zielgeraden. Nur noch zwei Kilometer bis nach Varkala. Plötzlich entdecken wir wenige Meter vor uns ein entgegenkommendes Radlerpaar. Anke und Thomas. Was für eine Freude. Wir plaudern mit den zwei erfahrenen Radfahrern und freuen uns riesig, endlich mal mit Gleichgesinnten zu quatschen. Sie haben sich im Radforum kennengelernt und reisen nun gemeinsam während sechs Wochen durch Indien. Leider mussten wir uns nach einer knappen halben Stunde wieder verabschieden, denn die beiden hatten heute noch eine grössere Etappe vor sich. Varkala ist erreicht. Alles ist voller Europäer und Russen. Und Amerikanern. Wahnsinn. Wir fragen uns ja schon, was die so in ihrem Urlaub machen. Die kriegen den Fuss wirklich nicht aus ihrem Urlaubsort raus. Irgendwie traurig. Nun gut. Uns freuts, dass wir mal wieder an einem Touristenort sind. So gibt es nämlich Toilettenpapier, Moskitospray, Pizza, warmes Duschwasser, Milchschaum, Badetüchli und solche Sachen eben. Wir nehmen uns genügend Zeit und suchen in aller Ruhe eine geeignete Unterkunft für uns. Schliesslich sind wir ja nicht zum Spass, sondern zum Erholen hier. In Mohan's Resort werden wir fündig. Wir quartieren uns ein und eilen schnell, schnell zur ersten Pizza. Mhhh. Das tut doch einfach gut. Die Zeit hier vergeht wie im Flug und so verlängern wir ständig unseren Aufenthalt. Nach insgesamt acht Nächten werden wir aber am Mittwoch wieder aufbrechen. Zum nächsten Strand. Die Tage hier sind ziemlich ausgefüllt. Wir schlafen viel, gehen Essen, schwimmen im Meer und beobachten die anderen Touristen. Wir fallen überhaupt nicht auf. Das geniessen wir nun richtig. Das Meer hier ist sehr unruhig. Die Wellen sind sehr hoch und klatschen und preschen ans Ufer. Pech für den, der nicht schwimmen kann. Wir aber surfen mit unseren Bäuchen auf den Wellen was das Zeug hält. Einmal aber kam eine besonders Grosse. Zack, Platsch voll an den Hinterkopf. Cynthia trägt wie immer ihre korrigierte Sonnenbrille im Meer. Jaja, mag ja blöd sein. Aber so ganz blind Rumplantschen ist ja auch doof. Nun gut. Es geschah, was man im Nachhinein ja wohl erwarten muss, die Brille ist weg. Shit. Wir suchen und suchen und suchen. Nach über einer Stunde geben wir auf. Das Meer hat sich die Sehhilfe geschnappt. Echt dramatisch, denn ohne geschliffene Sonnenbrille zu radeln ist eine eher unangenehme Aussicht. Wir erkundigen uns nach einem Optiker und fahren ins nächste Dorf. Zu unserem Erstaunen gibt es hier einen super Laden. Wir suchen ein neues Exemplar aus und geben den Brillenpass ab. In wenigen Tagen können wir das verdunkelte Nasenvelo abholen. Uns ist ziemlich flau im Magen. So eine neue Brille haben wir schliesslich nicht budgetiert. Aber die Sorge verfliegt schnell, denn für weniger als fünfundvierzig Franken gibt es eine neue Sonnenbrille, perfekt an die Sehschwäche angepasst. Und das Ergebnis überzeugt. Total. Judihuii. An einem Tag gönnen wir uns einen Scooter. Wieder bekommen wir ein Exemplar mit leerem Tank. Scheint hier üblich zu sein. Nach einem Zwischenstopp an der Petrolstation fahren wir ins Landesinnere nach Thenmala. Kaum haben wir unseren Strand verlassen, sind wir weit und breit die einzigen Touristen. Erstaunlich. Die Fahrt führt uns durch ellenlange Dörfer, Kautschukplantagen, den Dschungel und weitere Dörfer. Kurz vor Thenmala erreichen wir unser Ziel. Den Adventure Park. Wir hatten natürlich mal wieder keinen Plan und so haben wir einfach diesen Ort angepeilt. Irgend ein Ziel braucht man ja. Also nun sind wir da. Tickets müssen wir im Dorf besorgen. Was uns wohl erwarten wird? Nach dem Einlass befinden wir uns direkt auf einem Elavated Walkway. Also einem Weg durch die Baumwipfel. Es knirscht und knarrt. Manche Bretter sind lose oder nicht vorhanden. Uns ist ziemlich flau im Magen. Endlich bekommen wir wieder festen Boden unter den Füssen und erreichen den Treckingpfad. Dies ist eine etwas schäbige Treppe durch den Wald. Unten angekommen, durften wir Pfeilbogen schiessen. Der Pfeilbogen wurde aber vor einiger Zeit mit einem Luftgewehr ersetzt. So versuchen wir uns halt damit. Fail. Totally. Lag aber nicht an uns, sondern am verbogenen Gewehr. Naja. Wenigstens was mit Bogen wars ja. Dann hätte man noch über Hängebrücken klettern, an einem Seil über einen Teich krabbeln oder Flying Fox spielen können. Uns war die ganze Sache nicht so geheuer. Zu viel Rost. Das Adventure im Adventure Park bestand bei uns vor allem daraus, die lottrigen Geräte zu meiden. Lustig war es trotzdem. Im Anschluss fuhren wir in weitem Bogen wieder zurück in unser vorübergehendes Zuhause. Als wir uns dann endlich am sechsten Tag dazu aufraffen konnten, unsere Räder vom elenden indischen Schmutz zu befreien, werden wir von Tibór und Louise angesprochen. Die beiden Münchner sind zur Zeit im Urlaub. Seit mehreren Jahren zieht es sie immer wieder auf den Subkontinent. Am nächsten Abend gehen wir gemeinsam mit ihnen zum Abendessen. Es ist sehr unterhaltsam, spannend und aufschlussreich. Eine tolle Begegnung. Danke für die schöne Zeit - wir freuen uns schon aufs nächste Mal. Es wurde etwas später als geplant, und so packen die Pédaleurs anschliessend bis Mitternacht ihre Sachen zusammen.

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