Km 12735– Km 12879_ Kanniyakumari - Tuticorin


Der Abend verläuft ziemlich unspektakulär, dafür ist die Nacht umso aufregender. Nachdem wir endlich eingeschlafen sind, springt jede Stunde gleich neben unserem Zimmer eine Art Wasserpumpe an. Oh no. Es rattert und scheppert und platscht die ganze Nacht. Morgens um sage und schreibe viertel nach fünf erwacht der Ort. Alle haben den selben Wecker. Es handelt sich um die Tempelmusik. Bis um sieben Uhr schallen die Klänge in einer unsagbaren Lautstärke in jedes noch so verriegelte Hotelzimmer. Aber macht nichts, wir müssen ja sowieso mal aus den Federn. Etwas erledigt blinzeln wir durch das Fenster. Etwa zwanzig Inder schauen vom Nachbarbalkon aus in unsere Richtung. Als wir etwas genauer hingucken, entdecken wir entlang dem Wasser mehrere Hundert Inder. Alle schauen gespannt in Richtung der Thiruvalluvar Statue und sehnen dem Sonnenaufgang entgegen. Um 6:45 Uhr poltert es an unserer Zimmertür. "Tea Coffee, Tea Coffee". Wir nehmen das Tablett entgegen und sind noch etwas verwundert, dass wir gar nicht wählen durften, ob wir gerne Tee oder doch lieber Kaffee hätten. Cynthia hofft inständig auf Kaffee. Als wir uns dann ein Schlückchen nehmen, handelt es sich tatsächlich um Teekaffee. Der Roomservice hat sich also nicht verheddert, sondern es ist wirklich ein Gemisch aus Tee, Kaffee und Milch, was uns hier frühmorgens serviert wird. Danke und Prost. Nach dem Frühstück besteigen wir unsere bereits gesattelten Gäule und traben davon. Während dem wir den südlichsten Punkt Indiens verlassen, packt uns der Frust. Aber voll. Nun haben wir doch endlich dieses Etappenziel erreicht und schaffen es nicht einmal, dies zu feiern. Nicht einmal ein Foto haben wir gemacht, oder uns gegenseitig gratuliert. Wir sind einfach zu ausgelaugt. Schon seit Tagen nistet sich immer wieder eine Unruhe in uns ein. Indien ist aber auch unglaublich anstrengend. Wahrscheinlich tingeln all die von Indien schwärmenden Menschen jeweils von Ashram zu Ashram oder lassen sich in Goa, Varkala und Co die Sonne auf den Bauch scheinen. Denn wie man in diesem Land sonst so zur Ruhe kommen kann, ist uns ehrlich gesagt ein Rätsel. Eine längere Diskussion beschäftigt heute die Pédaleurs. Dass wir die Strecke bis nach Neu Delhi per Fahrrad schaffen, bezweifeln wir nicht. Zeit, Energie und Kraft haben wir genug. Aber ob wir das wollen, ist eine ganz andere Frage. Wollen wir uns wirklich sechs Monate in einem Land aufhalten, das uns psychisch so anstrengt? Wäre es nicht sinnvoller, diese Zeit in andere Länder zu investieren und sich in Indien ein Bahnticket zu gönnen? Aber könnte es denn nicht sein, dass uns die Strecke im Inland und in Richtung Norden mehr zusagt? Wird es ruhiger, entspannter, gemütlicher? Zum Glück hat die Entscheidung keine Eile. Denn zuerst gehts nämlich nach Sri Lanka. Und da wollen wir uns mal richtig erholen. Und dann, dann gucken wir weiter. Ausgerechnet heute wird die Strasse übrigens ruhiger. Viel ruhiger. Wir fahren vorbei an Windrädern, Sumpfgebieten und geniessen viele Momente der Stille. So ist es wirklich schön, dieses Incredible India. Die Menschen haben sich nach dem Provinzübertritt ebenfalls verändert. Sie sind viel freundlicher, sprechen uns an, machen Fotos und winken. Wir fuhren so einige Wettrennen und Hunderte von Kindern haben uns heute zugewunken. Durch die weniger zugebaute Landschaft ist hier natürlich auch die Tiervielfalt viel grösser. Wir sehen Ziegenherden, Eselfamilien, Pfaue und Störche. Es entwickelt sich zu einem richtig tollen Tag. Eine Familie, die einen kleinen Laden betreibt lädt uns sogar auf zwei frische Kokosnüsse ein. Mhhh. Lecker, lecker und so erfrischend! In einem anderen Ort wird uns Bonvonto angeboten. Das klebrige Süssgetränk schmeckt nach Hubbabubbasaft und ist uns - ja uns, die täglich Unmengen an Cola trinken - zu süss. Die Anstrengung von Gestern und die kurze Nacht steckt uns noch immer in den Knochen. Und so kriechen wir heute ziemlich ineffizient daher. Aber kurz vor fünf haben wir es dann doch geschafft und Tiruchendur ist erreicht. Obwohl wir ja stets ohne Reiseführer unterwegs sind, haben wir irgendwie wohl das Gespür für Wallfahrtsorte. Und so ist auch dieses Städtchen übersäht mit Tempeln, Kühen und frisch eingekreideten Indern. Nachdem wir eine Unterkunft gefunden haben, gönnen wir uns ein Dosa und schlendern noch zum Tempel, welcher die Grösse eines Hochhauses erreicht. Tausende von religiösen, liebevollen Details sind in den Tempel eingebaut. Leider hatten wir die Kamera nicht dabei, aber schön wars auf jeden Fall. Nun sind wir aber richtig müde und freuen uns über die heisse Dusche und das saubere Bett. Morgen geht es nach Tuticorin. Da sollte unsere Fähre nach Sri Lanka ablegen. Die Fährverbindung wurde jedoch eingestellt. Oder doch nicht? Die Informationen sind unterschiedlich, und so fragen wir doch einfach am besten vor Ort nach.

Gopf, heute Morgen sind wir aber mal so richtig müde. Kommen fast nicht aus den Federn. Aber die Ungewissheit betreffend der Fähre zieht uns dann doch aus dem Bett. Nachdem wir die Fahrräder wieder beladen haben - das ist echt etwas vom nervigsten, immer dieses auf- und abladen - geht es zum Frühstück im Nachbarhotel. Eieiei, was uns hier erwartet. Es gibt scharf mit scharf. Während dem Essen werden wir von über zehn Indern umringt. Alle beobachten die zwei Weissen und schauen ganz genau zu, wie wir unsere Mägen füllen. Nach knapp zwanzig Minuten haben wir die Prozedur überstanden und verlassen den Ort. Heute ist die Strasse mit Schlaglöchern übersäht. Rumpeldipumpel den ganzen Tag. Nach etwas über vierzig Kilometern haben wir am Mittag Tuticorin erreicht. Zuerst fahren wir zum Hafen. Bei einem der vielen Büros fragen wir nach unserer Fähre. Wir sind direkt am richtigen Ort gelandet, denn der Chef des Hauses weiss Bescheid. Die Fähre gibt es nicht mehr. Oh no. Sie hat zwar existiert, aber da der Break Even pro Halbjahr bei 1200 Passagieren lag und die definitive Passagierzahl phänomenale 80 Nasen betrug, wurde das ganze Unterfangen eingestampft. Blöd für die Reederei. Und für uns. Wir fahren etwas gefrustet ins Stadtzentrum und quartieren uns im SRM Hotel ein. Im Zimmer angekommen beratschlagen wir uns. Wie soll es denn nun weitergehen? Die einzige Möglichkeit, nun nach Sri Lanka zu kommen ist der Flieger. Entweder ab Chennai, was auf unserer Route liegen würde, oder Thiruvananthapuram, was wir bereits passierten. Hmmm. Als erstes überlegen wir uns, im Eiltempo nach Chennai zu radeln. Eiltempo? Darauf haben wir keine grosse Lust. Schnägglen? Ja, das wäre eher unser Ding. Aber da eine liebe Freundin in Sri Lanka auf uns wartet, kommt diese Möglichkeit auch nicht in Frage. Mit dem Zug und den Rädern nach Chennai rattern? Ja, das wäre eine gute Idee. Aber dann könnten wir ja diese besagte Strecke nicht pedalieren und so huschhusch wollen wir uns nicht für eine Radlerabkürzung entscheiden. Wir beschliessen als erstes, die Räder in Indien zu lassen. Für vier Wochen Strandurlaub müssen wir uns die Plagerei mit dem Flieger nicht nochmal antun. Aber wo sollen wir unsere geliebten Räder unterstellen? Nach längerem Hin und Her entscheiden wir uns. Die Räder und das meiste Gepäck bleiben für einen Obulus hier im SRM Hotel in Tuticorin. Nach einem kurzen Gespräch mit dem General Manager ist die Sache geregelt. Anschliessend fahren wir zur Railwaystation und buchen unser Ticket nach Thiruvananthapuram. Danach gehts wieder ins Hotel um den Flug und die Übernachtungsmöglichkeiten für die weiteren Tage zu buchen. Check. Erledigt. Morgen schon gehts los. Und Übermorgen startet unser fahrradfreier Sri Lanka Monat. Ob wir für die Geschichten in Sri Lanka unsere Webseite intucktuckaleurs.ch oder busaleurs.ch umbenennen sollten? Die beiden Schätzchen werden uns sicher fehlen - aber so ein bitzli umenplegeren klingt ja auch toll. Wir freuen uns. Die Wädli auch.

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