Km 12883 - Km 12889_Chennai - New Delhi


Kaum sind wir aufgewacht, schwirren die neuen Pläne schon wieder im Kopf rum. Wir sind angespannt. Und der gstabige Hotelbesitzer ist mit seiner 24h Check-Out Time so unflexibel, dass wir für die Zeit von acht Uhr morgens bis fünfzehn Uhr Nachmittags tatsächlich nochmal eine ganze Nacht bezahlen müssen. Aber was solls, wir müssen ja schon sechs Stunden am Bahnhof lungern, da wären vierzehn wirklich etwas zu viel. Also bezahlen wir die Zeche und lassen uns nochmal in die Mall fahren. Heute gibts Starbucks. Judihuii. Danach fahren wir wieder in unser Zimmer zurück und halten die Pläne von gestern schriftlich fest. Endlich mal eine Übersicht. Mit farbiger Tabelle und so. Yes. Gegen fünfzehn Uhr bepacken wir unsere Räder und fahren die zwei Kilometer an die Central Station. Zuerst peilen wir das Luggage Office an. Appu ist nicht da. Aber ein Kollege. Er nimmt alle Informationen nochmal auf und während Cynthia bei den Rädern Wache schiebt, lässt Mike eine halbstündige Ansteh- und Papierkramsession über sich ergehen. Gegen sechzehn Uhr ist das dann alles geschafft. Wir dürfen unsere Räder ausnahmsweise nochmal vom Luggage Counter entfernen und bringen so unser Gepäck ans Gleis 4. Cynthia schiebt wieder Wache und Mike bringt die Räder zurück. Er versichert sich nochmal, dass das auch alles klappt mit Delhi. Uns stehen nun sechs Stunden Wartezeit auf dem Bänkli auf Gleis vier bevor. Tick, Tack. Tick, Tack. Die Zeit vergeht eigentlich ziemlich schnell, denn hier ist so einiges Los. Fliegende Händler, putzende Frauen, orientierungslose Passagiere und einsatzbereites Wachpersonal marschieren vor uns her. Wir fühlen uns etwas wie im Kino. Direkt vor unserer Nase wartet der Zug in Richtung Mangalore auf den Anpfiff. Insgesamt wird er über vier Stunden auf dem Gleis stehen. Während dieser Zeit kommen laufend Menschen daher gerannt und springen in den Zug - als ob dieser gleich wegpreschen würde. Es wird gewunken, verabschiedet, wieder ausgestiegen, wieder eingestiegen, gerannt, gelacht, gespuckt, geschnuddert und Biryani gegessen. Ziemlich was los hier. Irgendwann fährt dann der Zug los und wir warten angespannt auf die Ankunft unseres Zuges. Nur eine halbe Stunde vor Abfahrt trifft dieser ein. Dies ist in indischen Verhältnissen ziemlich knapp bemessen. Nun zeigt sich auch, warum im vorhergehenden Zug die Leute so früh eingestiegen sind. Wer keine Reservierung hat, muss nämlich gucken, dass er einen Platz findet. Und das geht am besten so früh wie möglich. Als unser Zug noch am Einfahren ist, ist die zweite Klasse bereits übervoll. Diese Menschen werden die nächsten zwei Stunden dicht gedrängt und stehend die Ratterei in Kauf nehmen. Unseren Wagen finden wir schnell und dank einiger Erfahrung schaffen wir es, das Gepäck unbeschadet und vollständig in den Waggon zu hieven. Wir haben uns für diese Fahrt ein Ticket erster Klasse gegönnt. Und dies können wir nur empfehlen. Abgesehen von dem bitzli mehr Komfort, hat man eben auch mehr Platz für das Gepäck und teilt das Abteil nur zu viert. Dies gibt eine bessere Übersicht. Natürlich ketten wir aber - wie alle anderen auch - unsere Gepäckstücke aneinander. Unser Abteil teilen wir die nächsten 36 Stunden mit zwei Indern. Sie sind ganz nett und ausser der lauten Telefoniererei und dem ewigen Rumrülpsen auch sehr angenehm. Die erste Nacht verläuft gut. Wir schlafen überraschend viel und können uns richtig gut auf den Klappbetten ausstrecken. Den Tag über kommen immer wieder Händler vorbei und so sind wir auch gut mit Kaffee und Wasser versorgt. Da die beiden Herren die meiste Zeit über - fragt uns nicht wo - auf der Leutsch sind, haben wir ausreichend Platz im Abteil. Wir gucken aus dem Fenster und sehen die sagenhafte Landschaft des mittleren Indiens an uns vorbeiziehen. Im Tigergebiet gucken wir besonders gut, aber es lässt sich kein Kätzli blicken. Zwischendurch lesen und schreiben wir und ab und zu gibts auch ein Snickers. Der Abend kommt ziemlich bald und wir legen uns wieder schlafen. Diese zweite Nach verläuft nicht so entspannt. Viermal kommt der Wachmann vorbei und blendet mit der Taschenlampe umher. Einer unserer Abteilskollegen hat sein Handy nicht versteckt und der Wachmann scheint sich wegen Diebstahl zu sorgen. Seine einzige Idee, das Problem zu lösen liegt da, uns alle zu wecken und den Mann in einer Lautstärke anzumotzen. Nachdem das Handy sicher verstaut ist, dürfen wir dann wieder für kurze Zeit einnicken, bis es wieder einen Grund zur Belästigung gibt. Aber naja, dem armen Kerl wars wahrscheinlich einfach nur langweilig so ganz alleine wach. Pünktlich um sieben Uhr treffen wir in New Delhi ein. Die ganze Sorge um den Auslade- und Bewachungsprozess war umsonst. Niemand kommt uns zu nahe, niemand steht im Weg. Alles verläuft bestens und die Räder haben wir innert wenigen Minuten wieder in unserem Besitz. Es ist so entspannt, dass es sogar noch für einen Plausch reicht. Anschliessend beladen wir die Räder und schieben sie zum Parcel Office. Anders als in Chennai, ist das hier auch eher entspannt. Der Papierkram beschränkt sich auf einen Stempel und eine Unterschrift. Anschliessend dürfen wir die New Delhi Station verlassen. Hallo grosse Weltstadt. Also mal vorweg: uns gefällt es. Richtig gut. Delhi ist eine Mischung aus modernen und traditionellen Elementen. Es hat breite Hauptstrassen und verwinkelte Ecken. Grüne Flächen und fäkalbeschmierte Trottoirs. Moderne Häuser und bettelnde Kinder. Schicke Autos und Fahrradrikshas. Richtig was los. Und irgendwo im ganzen Getümmel hat es nun auch noch zwei Pédaleurs. Unsere Unterkunft in der Nähe des Rajiv Chowk haben wir bereits im Voraus gebucht. In einer Hintergasse werden wir fündig. Und hier, genau hier zwischen all den winkeligen Ecken entdecken wir sogar einige Touristen aus dem Westen. Die Besitzer des Hostels sind sehr freundlich. Da die Check-In Zeit jedoch erst in vier Stunden ist, müssen wir etwas warten. Dafür dürfen wir uns in die Lobby eines anderen Hotels setzen. Man kennt sich. Früher als erwartet wird unser Zimmer frei. Durch enge Treppengänge schleppt Mike das gesamte Gepäck und die Räder nach oben. Kurz nach unserer Ankunft wird auch gleich unser defekter Ventilator ersetzt. Wunderbar. Uns geht’s bedeutend besser. Nun erstmal durenschnufen und luege wies wiitergahd.

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