Km 13113 - Km 13187_Shahpur - Jaipur


Wir freuen uns sehr auf unser heutiges Tagesziel und fahren schon früh los. Nach einem feinen Frühstück an einer Raststätte führt uns der Weg auch heute wieder entlang der Autobahn. Wieder hat es Ziegen, Schafe, Kühe, Esel und sogar einen Elefanten. Wir passieren kleine Ortschaften und zirkeln um die riesigen Menschenmassen. Gegen Mittag erreichen wir die Tore der Pink City. Pink ist es zwar auf den ersten Blick nicht, aber total aufregend. Es wimmelt von Menschen, Tucktucks, Rollern, Bussen, Autos, Fahrrädern, Chipslädeli, Strassenverkäufern, Autoscheibenputzerinnen und Trillerpfeifenpolizisten. Richtig was los. Als erstes werden wir hier von einer grossen Menge Strassenkindern begrüsst. Jaipur hat extrem viele Bettler und natürlich versuchen viele von ihnen ihr Glück bei uns. Es ist schon bitter, diese Armut. Die Haare der Kinder sind verfilzt, ihre nackte Haut ist matt vom Strassendreck. Mütter sitzen auf dem Gehsteig und stillen ihre Kinder. Mädchen graben zusammen mit Kühen und Schweinen im Müll - auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Kleinen ertragen hier zuviel Leid. Doch Geld hilft hier wenig und unsere letzten Esssachen haben wir soeben in einem Vorort einem behinderten Jungen geschenkt. Man kann nicht allen helfen. Schon gar nicht, wenn wenige Meter daneben die Menschen im Geld schwimmen. Der Verkehr in Jaipur ist der absolute Wahnsinn. Auf dem Weg zu unserem Hostel sind einige Strassen gesperrt und so drängen sich Tausende von Menschen durch die eine kleine Kreuzung. Im Zentimetertakt geht es vorwärts. Die Pédaleurs verlieren sich ab und zu aus den Augen und warten an der nächsten Ecke. Ein richtiges Durcheinander. Not to say. Nachmittags um Eins haben wir Kilometer 70 geschafft und stehen vor den Toren des Hostels Le Pension. Obwohl wir einige Tage früher dran sind als angekündigt, dürfen wir unser Zimmer bereits beziehen. Wir wollen zehn Tage bleiben und dafür ist das Hostel perfekt geeignet. Wir haben ein eigenes Bad, eine kleine Terrasse, gutes Internet und dürfen den Kühlschrank mitbenutzen. Super Sach. Die Zeit in Jaipur lassen wir entspannt angehen. In einem Supermarkt ganz in der Nähe finden wir Milch, Corn Flakes, Coca Cola und Kitkat. So lässt es sich doch aushalten. Wir kaufen kräftig ein, stopfen den Kühlschrank voll und verbringen den gesamten nächsten Tag in unserem Hostel. Richtig gemütlich. Am nächsten Tag wollen wir in die Altstadt - die eigentliche Pink City - fahren. Dafür steuern wir die Metrostation an. Als die üblichen Sicherheitsbeauftragten dann wiedereinmal ein riesen Abtatschgestürm machen und Cynthia das Feuerzeug wegnehmen wollen, kehren wir auf dem Absatz um und schnappen uns ein Tucktuck. Ist doch einfach nervig all diese Verbote hier, und eine Fahrt im Tucktuck macht e mehr Spass. Und so fahren wir an die Tore der Altstadt. Zuerst schlendern wir etwas durch die wuseligen Gassen. Es erstaunt uns, dass wir keine Touristen zu Gesicht kriegen. Die werden sich wohl gerade was anderes angucken. Mitten in unserem Spaziergang spricht uns ein junger Mann an. Wir sollen unbedingt in den danebenliegenden Tempel und aufs Dach steigen, da hätten wir eine tolle Aussicht. Wir betreten also den Eingang und werden sogleich von einem anderen Herrn angesprochen. Er bringt uns über verwinkelte Treppen und durch geschlossene Türen auf das Rooftop. Die Aussicht über die Stadt ist wirklich schön und wir plaudern ein bisschen mit dem Herrn. Er gibt uns Tipps, was wir uns ansehen sollen, und was "waste of money" sei. Nach einem kurzen Besuch in seinem Kunstladen - dass wir nichts kaufen scheint völlig in Ordnung zu sein - spazieren wir zu seinem ersten Tipp. Eine Edelsteinverarbeitungswerkstadt. Natürlich hat man auch hier keine Chance, das passende Büro selbstständig zu finden. Aber Raj hilft uns. Er spricht uns auf der Strasse an und begleitet uns bis zur Werkstadt. Raj ist richtig lustig und wir unterhalten uns lange mit ihm. Nachdem er uns die Werkstadt gezeigt hat, bringt er uns noch aufs Dach des Hauses. Hier ist die Aussicht noch viel besser und Raj plant für uns die nächsten zehn Tage. Er hat tolle Ideen, was wir denn so machen könnten und kniet sich mit uns auf den Boden und kritzelt fleissig auf unsere Staddtkarte. Wir haben eine richtig lustige Zeit mit ihm. Danach besuchen wir noch seinen Laden. Er ist wirklich sympathisch und wir haben nicht das Gefühl, dass wir etwas kaufen müssen. Nein, es geht ihm wirklich nur um die Begegnung mit uns. Und so kaufen wir dann doch was. Ohrringe für Cynthia. Aus Mondstein. Schön sind sie. Raj bringt uns zum Tucktuck und verhandelt den Preis für die Fahrt. Nach einer herzlichen Verabschiedung verbringen wir nun den restichen Tage anhand seiner Ideen. Zuerst mal zur Stofffactory. Hier wird uns gezeigt, wie die Arbeiter mit einem Stempel die wunderschönen Stoffe für Bettbezüge, Vorhänge, Saris und Hemden bedrucken. Wie geplant, kaufen wir zwei Gewänder für das bevorstehende Holi. Nun ist euch auch klar, warum wir ausgerechnet zehn Tage hier bleiben wollen. Wies dann ist, das Kreidefest, das werden wir euch berichten. Sind schon ganz gespannt darauf. Nach dem Einkauf spazieren wir zum Waterpalace. Kurz gesagt eine Villa auf einem viereckigen See. Schön. Bitzi viel Müll im Wasser aber sonst ist es schön. Und hier sehen wir auch die ersten Touristen. Und Touristenstände. Und den ganzen Trubel der dazu gehört. Wir spazieren weiter und gelangen in einen beinahe menschenleeren Park. Nachdem wir die Jungs, die uns begleiten wollten, abgeschüttelt hatten, sind wir ganz allein. Wir setzen uns auf die Treppe am See und atmen tief durch. Unbezahlbar, diese Ruhe in Jaipur. Nach einer ausgedehnten Pause schlendern wir zurück. Sobald unsere Füsse uns nicht mehr tragen mögen, schnappen wir ein Tucktuck. Wir stehen einfach auf Tucktuck. Sie rattern so schön, und der Wind bläst ins Haar und ach - irgendwie romantisch. Am Abend lassen wir uns wieder einmal von den Kochkünsten des Hosteleigenen Kochs verwöhnen. Der hats richtig, richtig drauf und kocht mit ganz viel Liebe. Sagenhaft. Sooo lecker. Heute stehen wir etwas früher auf. Haben nämlich Pläne. Und so schwingen wir uns nach dem Anziehen, Zmörgelen und Zähne putzen auf die leeren Fahrräder und lassen uns durch den morgendlichen Verkehr Jaipurs treiben. Nach etwa zehn Kilometern haben wir das Stadtende erreicht und fahren durch den Wald in Richtung Galta. Es ist hier so ruhig, dass wir sogar eine zehnminütige Pause unbehelligt geniessen können. Gegen Zehn Uhr erreichen wir den Galta (Monkey) Temple. Ja genau, das ist der mit den Affen. Zuerst schliesen wir unsere Räder an eine Strassenlaterne und bezahlen dafür 10 Rupien. Dass wir nicht gleich zwei Parktickets lösen mussten, überrascht uns. Natürlich kaufen wir richtig Tourimässig ein Säckli Erdnüssli für die Affen. Am Eingang werden wir herzlich begrüsst und zur Kasse gebeten. Wir bezahlen insgesamt dreimal, bekommen aber nicht ganz mit wofür. Aber - es gab sogar eine Quittung. Ja dann. Wir werden sogleich von einem (Touri-)Geistlichen entführt und in einen Tempel gebracht. Hier wird uns mit Düftöhl, Kreidpunkt auf der Stirn und Armbändeli grosses Eheglück versprochen. Ein paar Rupien sind fällig. Naja, Glück ist ja auch kostbar. Dann kommt auch gleich der nächste Mann und zeigt uns in einem grossen Bilderbuch Krishna, Vishnu und seine Gspähnli. Dann wird ganz laut Hare, Hare Krishna gesungen und nach dem Lied - welches etwa fünf Minuten dauerte - gabs nochmal eine Kreidezeichnung auf die Stirn und ein zweites Armbändeli. Nochmal wird kassiert. Wir finden nun, wir hätten genug Glück gesammelt und betreten keinen weiteren Tempel mehr. Stadtdessen machen wir uns mit den Affen und Äfflis bekannt. Sie sind hier zuhause und schnappen sich die Erdnüssli aus den Händen. Teils herzig, teils gruselig. Auf dem Tempelgelände gibt es auch heiliges Wasser. Hier baden die Affen und die Inderinnen gemeinsam. Ein Stück weiter oben führt ein Weg den Hügel hoch. Wir marschieren los und Cynthia verteilt ihre Erdnüssli an all die Äfflis. Oben angekommen geniessen wir eine weite Aussicht über Jaipur. Schön. Auf dem Rückweg werden die Äfflis dreister. Sie reissen den Erdnüsslisack regelrecht aus den Händen und schleichen sich in Gruppen von hinten an. Wie gesagt. Herzig und gruselig. Von beidem ein bisschen. Unten angekommen verwehren wir ein zweites Mal eine Streicheleinlage bei der Cobrafrau und danach verlassen wir auch schon wieder die Tempelanlage. Und nachdem die Parkierscheineinkassierjungs noch jeweils eine Runde auf Mikes Rad gedreht haben, heisst es für uns, Abschied zu nehmen. Nach wenigen Kilometern - wieder im Wald - wollen wir eine Pause machen. Schon nach kurzer Zeit fährt ein junger Mann auf seinem Roller vor. Ein Alter sitzt hinten drauf. Der Alte steigt ab und der Junge ruft: "Here, this is old, poor man". Aha. Wir ignorieren das ganze so weit möglich. Übrigens sieht der Mann nicht wirklich arm aus und wir glauben ehrlich gesagt nicht, dass er eine Ahnung davon hat, wie er uns gerade angepriesen wurde. Zu unserer Überraschung, fährt der Junge nun weg und wir stehen alleine mit dem alten Mann da. Hä? Zmittst in der Pampa. Hmmm. Nach einer Verlegenheitsminute fahren wir nun auch weiter. Sachen gibts. Auf dem Heimweg befahren wir einen anderen Weg und entdecken einen weiteren Teil Jaipurs. Auf einer Strasse befindet sich auf der linken Seite ein grosser Slum. Rechts von der Strasse - die Strasse misst etwa fünfzehn Meter - stehen die Villen. Wie kann man nur ruhig schlafen, wenn man von seiner Villa her den Ausblick auf einen Slum hat? Wie kann man das vor sich rechtfertigen? Hier denkt man eben anders.

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