Km 21032 - Km 21345_Esperance - Balledonia


Esperance verlassen wir nach zwei Nächten, mit bis zum Anschlag vollgestopften Taschen und einer kräftigen Portion Bohnen und Toast im Bauch. Indem wir die Stadt verlassen, sagen wir auch dem South Coast Highway Tschüss und biegen nun auf den Coolgardie Esperance Highway ein. Dieser begrüsst uns mit einer ersten starken Steigung. Ob sie wirklich so steil war oder wir einfach durch das viele Essen in den Taschen total auf den Boden gepresst werden, ist im Nachhinein nicht mehr so klar. Fakt ist, dass wir uns fast die Lungen rausgehustet hätten, als wir das Hügelchen endlich erklommen hatten. Kaum waren wir nach den letzten Tagen endlich mal wieder im Schuss, sind wir nun wieder total Schlippschlapp. Zum Gewichtabbau beim Gepäck hilft nur eins. Salami-Käse-Sandwich. Wieder ein um zweihundert Gramm leichteres Velo. Juhui. No chli Schoggi und schon krampfen wir weniger. An diesem Vormittag machen wir eine tierische Erfahrung der anderen Art. Ein Vogel greift Cynthia an. Aber richtig. An die zehn Mal stürzt er krallvoran und kreischend auf ihren Helm zu und versucht sie zu packen. Hmm. Könnte sein, dass die australische Helmpflicht deswegen ins Leben gerufen wurde. Cynthia ist jedenfalls das erste Mal froh darüber. Nein, stimmt nicht. Das zweite Mal. Das erste Mal war, als sie sich den Kopf - oder eben den Helm - an einer Türklinge gestossen hat. Auf der Toilette. Hä? Don´t ask... Hihi, nüüt passiert.

Heute scheint die Sonne und wir kommen nach und nach aber sicher wieder in die Gänge. Und nachdem wir dann in Gibson noch unser erstes Australienglace verdrückt hatten, waren wir wieder on the top. Nach einer Fahrt durch die schöne Landschaft finden wir kurz nach dem Örtchen Grass Patch - ihr könnt euch sicher vorstellen, dass bei einem Ort mit diesem Namen der Koalabär steppt - finden wir einen schönen Übernachtungsort am Rande der Eisenbahnschiene.

Unsere Nacht zwischen dem Highway und der Eisenbahn verläuft ruhig. Gemütlich. Super. Abends und in der Nacht fuhr ein paarmal der Zug vorbei. Er hat zuvorderst zwei Zugfahrzeuge und Wagons in der Gesamtlänge von mehreren hundert Metern, anschliessend noch einmal zwei weitere Zugfahrzeuge und dann nochmal an die fünfzig Wagons. Crazy. Es dauert gute zehn Minuten bis der gesamte Koloss an uns vorbeigezogen ist. In dieser Nacht sehen wir auch zum ersten Mal den Sternenhimmel mit so gut wie keiner Fremdbelichtung. Die Sterne leuchten klar, hell, kräftig. Und die Milchstrasse. Oh die Milchstrasse. Sie zieht sich von dort hinten einmal hier rüber bis ganz dort drüben. Sooo schön. Die Nächte im Zelt, die frische Luft, die Weite. Australien ist wunderbar.

Nach einem kleinen Frühstück pedalieren wir weiter und erreichen nach kurzer Zeit den Ort Salmon Gums. Hier treffen wir zuerst auf saubere, sehr gepflegte, öffentliche Sanitäreinrichtungen. Anschliessend führt uns die Strasse zum Roadhouse. Zur Begrüssung rennt ein Hund; nein ein Kalb; nein, ein Büffel auf Pedaleurine zu. Das Vieh trabt bellend und sabbernd und relativ unsympathisch auf Cynthia zu; lässt sich weder von Herrchen noch von uns stoppen. Der Angriff erscheint beiden Pédaleurs wie in Zeitluppe. Weichi Chnüü ahoi. Im letzten Augenblick besinnt sich dann das Tier doch noch und galoppiert grumplig zu seinem Meister zurück.

Im Roadhouse gönnen wir uns darauf hin ein Schinken-Käsetoast und einen Hamburger zum zweiten Frühstück. Nun lässt auch der Nieselregen nach, die Sonne bricht durch die Wolken und trocknet unsere Sachen. Die Fahrt geht relativ ring und so entscheiden wir uns - wieder einmal entgegen unseren ursprünglichen Plänen - heute noch Norseman zu erreichen. Dies tun wir dann nach knapp 120 Kilometern auch. Ziemlich erledigt. Wir wollen uns ein Hotelzimmer gönnen. So eine letzte Nacht mit richtigem Bett, bevor es in die Wüste geht. Die Zimmer hier haben ihren Preis, ist ja klar. 148 Dollar kostet eine Übernachtung in einem Container auf dem Campingplatz. Tja. Dafür geniessen wir eine heisse Dusche, eine eigene Küche, ein Doppelbett mit Laken und eine Heizung. Juhui. Der Abend vergeht viel zu schnell und wir haben den kurzen Feierabend bei weitem überschätzt. Nach Iinöschelen und so blieben uns nur noch zwei, drei Stunden. So richtig gute Erholung die man als Freitag anrechnen könnte, war das irgendwie nicht. Aber trotzdem schön.

Nach einer überraschend kühlen Nacht trotz Heizung und Wolldecke gönnen wir uns wieder einmal ein super Frühstück. Bohnen, Kaffee, Orangensaft und Toast. Letzterer hat bei der Zubereitung direkt den Feueralarm ausgelöst. Aber einmal kurz aufs Schemeli stehen und den Offschalter drücken und schon herrscht wieder Ruhe am Frühstückstisch. Heute nun ist also der Tag, an dem wir die ersten Kilometer auf dem Eyre Highway abstrampeln. Freu. Als erstes werden wir von einem Schild begrüsst, das uns darauf hinweist, dass es bis nach Ceduna nur wenig Wasser gibt. Ceduna liegt 1230 Kilometer entfernt - wir sind gerüstet. Das nächste Schild zeigt uns einige Distanzen an, die uns in den kommenden Wochen erwarten. Adelaide liegt 1986 Kilometer entfernt. Mikes Geburtsjahr. Es guets Zeiche. Wir sehen den nächsten Tagen freudig entgegen und freuen uns auf jeden Kilometer. Sobald wir Norseman verliessen, lacht uns das Nichts an. So geil. Nur Bäume, Sträuche, Weite und Himmel. Und gleich zu Beginn der Strecke entdecken wir direkt am Strassenrand in einem Busch ein Emu. Mit sechs Jungen im Anhang. Jupiduu. Uns gefällts hier. Super sogar. Unser Zelt schlagen wir halb tiefgefroren vom Eisregen an einem Parkplatz ganz in der Nähe der Fraser Range auf. Hier gibt es sogar eine Toilette und man darf sich 24 Stunden da aufhalten. Wirklich super. Australien hats voll drauf mit Campsites und so.

Am nächsten Morgen lacht uns die Sonne an. Zuerst gibts Ovomaltine, Toast und Kaffee, anschliessend überqueren wir viele kleine Hügelchen, direkt am Rande des Nirgendwo. Am Strassenrand gibt es vieles zu entdecken. Nebst den bekannten Roadkills findet man hier auch Autopneu, Thunfischdosen, einzelne Schuhe oder unzählige PET-Flaschen die mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt sind. Tja - au en Roadtrainfahrer muess mal Bisle. Warum die Flasche dann gut verschlossen aus dem Fenster geworfen wird erschliesst sich uns zwar nicht ganz, scheint aber gang und gäbe zu sein. Gegen Nachmittag kommt wieder der Regen und mit ihm die eisige Kälte daher. Die Kälte macht das Fahren anstrengender. Wir verbrauchen mehr Energie, haben grösseren Hunger. Knapp vor Sonnenuntergang erreichen wir unser erstes Roadhouse. Balledonia. Uns klingelt sofort die bekannte Wildwestmelodie in den Ohren. Weisch die: Aaaa ia iaaaa dammm dauuuu. Weisch weli? Egal. Jedenfalls gibts hier nicht allzu viel zu erleben. Obwohl: Es hat einen Spielplatz, ein kleines Museum, einen Swimmingpool und es gibt Cappuccino. Damit wird jedenfalls geworben. Wir stellen unser Zelt auf dem dreckigen Erdplatz - direkt neben Roadkill Nummer 45 auf unserer Fahrt durch Australien - auf und gönnen uns einen Burger mit Kartoffelschnitzen. Letztere werden hier übrigens mit Sauerrahm und Sweet Chili Sauce serviert. Die Saucen sind gemischt in einem Schälchen. Man lernt nie aus.

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