Km 22177 - Km 22407_Nullarbor - Ceduna


Wir schlafen nicht gut. Es ist lärmig, unruhig, hell und einfach ungemütlich hier. Darum gönnen wir uns am nächsten Morgen Kaffee und Schoggimilch vom Roadhouse und raffeln eine Extraportion Schoggi in den warmen Brunzliteig. Scho besser. Und als uns dann ein herzlicher Nachbar noch ein paar Orangen schenkt, freuen wir uns umso mehr auf den Tag. Wir haben hin und her studiert, ob wir den Umweg zum Head of the Bight machen sollen. Etwas über zwanzig Kilometer misst die Strecke hin und zurück. Was, wenn wir keine Wale sehen? Das wäre dann echt ein weiter Weg. Aber hey, was sind schon 20 Kilometer bei insgesamt nun bereits 22´000. Nüüt oder.

Also fahren wir bei strahlendem Sonnenschein fünfzehn Kilometer nach Osten und biegen anschliessend zum Meer ab. Das Walobservatorium hat von Mai bis Oktober geöffnet und verlangt 15 Dollar Eintritt pro Person. Wir sind aufgeregt, freuen uns riesig - denn wir beide haben noch nie einen Wal gesehen. Wird es denn heute soweit sein?

Oh ja - und wie. Judihuii. Schon als wir den Steg, der uns zum Meer führt betreten, hören wir ein lautes Pffff. Mike kapiert sofort, während Cynthia zwei Sekunden braucht, bis auch sie versteht: En Wal, en Wal. Wir marschieren einige Meter weiter, bis wir das Ende des Steges erreichen und schauen über die Holzreling hinunter in die Bucht. Es verschlägt uns die Sprache. Rund ein Dutzend Wale sehen wir hier mit ihren Jungen. Die Kälber sind noch klein und trainieren fleissig für ihre grosse Reise, die sie in wenigen Wochen antreten werden. Die Wale schwimmen alle ungefähr zwanzig Meter entfernt der Felsen. Direkt unter uns. Sie winken mit den Flossen, puschten das Wasser in die Höhe, drehen sich im Kreis und sind einfach wunderbar. Soooooooo cool. So, so megacool. Wir freuen uns mega und sind richtig glücklich. Bevor wir das Observatorium verlassen, gönnen wir uns noch ein paar Chips und die besten Scones, die wir je hatten. Anschliessend treten wir den Rückweg zum Eyre Highway an. Dieser geht trotz Gegenwind ganz leicht von statten. Schliesslich sind wir voller Glückseligkeit - die Wale waren einfach klasse. Auf dem Parkplatz sprechen wir noch mit zwei Reisenden. Sie erzählen uns, dass ein weiterer Velofahrer unterwegs ist. Dieser strampelt jedoch in Richtung Westen. Good Luck, Unbekannter - vielleicht bis ja du der erste, der den Schatz findet. Aber kei Angscht - är isch för alli da.

Zum Zmittag kochen wir nochmal Spaghetti. Wir sind aber noch so von den Walfischen abgelenkt, dass eine zünftige Prise zu viel Salz ins Wasser kommt. Gemerkt haben wir es erst beim Essen. Bääääh. Ungeniessbar. So vernaschen wir die Orangen und pedalieren weiter. Die Treeless Plain haben wir schon länger hinter uns gelassen und mittlerweile erreichten wir das Yalata Aboriginal Reserve. Das Reservat ist ziemlich hügelig und es geht zum ersten Mal - also der Aufstieg vor Eucla ausgeschlossen - bergauf. Phu, wir sind uns das gar nicht mehr gewohnt. Ächzend strampeln wir in die Pedale und kämpfen mit der Strasse. Bei der Yalata West Rest Area reicht es uns für heute und wir stellen das Zelt einmal mehr auf. Schön hier - und wir schlafen viel besser als vergangene Nacht im Hühnerstall.

Ein neuer Tag beginnt, ein frischer Haferflocken aka Brunzliteig wird angerührt und wir starten die ersten Hügel. Aber diese Haferflöckli sind irgendwie nichts für uns - zu schnell setzt der Hunger ein. Also gönnen wir uns schon bald eine Pause mit Cracker, Datteln und Snickers. Eben mit dem, was noch da ist. Den Vormittag verbringen wir im Reservat. So gegen Mittag erreichen wir das Roadhouse Yalata. Dieses ist jedoch bereits seit einigen Jahren geschlossen und wurde auf den Reiseinformationen auch grösstenteils gestrichen. Yalata selber besuchen wir nicht, sondern bleiben auf unserem Highway. Einmal rast ein Lastwagen von hinten an uns ran. Wir sehen ihn ausreichend früh im Rückspiegel und weichen auf dem Schotter aus. Wenige Kilometer später sehen wir den Lastwagen wieder. Er hat einen grossen Roadtrain gerammt. Der Roadtrain ist auf der Seite eingerissen, dem Lastwagen fehlt ein Rad und ist in einen Baum auf der anderen Strassenseite gedonnert. Polizei war bereits vor Ort und den beiden Fahrern scheint nichts passiert zu sein. Aber die Fahrzeuge - oh la la.

Kurz darauf verlassen wir das Outback. An unserem Wegesrand hat es Zäune, Farmen und man spürt den Hauch einer Zivilisation. Läck - einmal quer durch Australien entlang der Nullabor gefahren. Super gsi. Wir erreichen das Roadhouse Nundroo, welches auch für die Reservatsbewohner als Einkaufsmöglichkeit dient. Das Roadhouse wird von zwei Deutschen mehr schlecht als recht geführt. Liebloser geht es nicht. Kein Besuch wert - echt schade. Anyways. Wir bekommen dann doch noch etwas Kleines zu Essen, kaufen einen Schoggikuchen und decken uns für die letzten Kilometer bis zum nächsten Supermarkt ein.

Wenige Kilometer später geniessen wir den Schoggikuchen auf einem Rastplatz und entscheiden spontan, uns hier für die Nacht einzurichten. Es ist früher Nachmittag und so bleibt uns genügend Zeit um fehlende Fähnlein nachzunähen, Musik zu hören und den Blog zu aktualisieren. Gegen Abend fährt ein anderer Camper vor. Und ein sehr freundlicher Mann gibt uns Bescheid, dass er einen Feldweg weiter sein Nachtlager aufschlagen wird. Mega zuvorkommend. Gegen Abend macht Mike ein grosses Feuer, Cynthia kocht die letzten Fertignudeln und wir lassen langsam aber sicher das Outback ausklingen.

Nur noch wenige Kilometer stehen uns bis nach Ceduna bevor. Genau genommen sind es noch rund 140. Perfekt, um es in zwei Tagesetappen einzuteilen. Die Fahrt führt uns nun vor allem entlang endloser Landwirtschaft. Genau wie auf der anderen Seite der Nullabor, gleicht die Landschaft auch hier dem Bildschirmschoner von Windows. Die Felder sind grün, der Himmel blau mit einzelnen kleinen Wolken gesprenkelt. Ab und zu lacht uns ein Windrad entgegen oder ein einzelner Baum steht etwas verloren im Acker. Mit der Landwirtschaft und der aufkommenden Wärme - wir fahren mittlerweile die meiste Zeit über im T-Shirt - kommen nun auch die Fliegen wieder aus ihren Verstecken geflogen. Holy. Bss im Ohr, Bss im Nasenloch, Bss unter der Sonnenbrille, Bss einfach überall. Aber - nun hat es sich wenigstens gelohnt, dass wir uns ein Kopfnetz in Perth gekauft hatten. Sieht doof aus, wirkt Wunder. Zum Mittagessen erreichen wir Penong. Der erste Ort seit Norseman, der aus mehr als drei Häusern besteht. Sogar eine Schule hat es hier. Ohalätz. Leider ist auch dieses Roadhouse wieder eine Enttäuschung. Die Mitarbeiter unfreundlich, schluddrig und nicht so ganz bei der Sache. Wirklich schade, waren doch die Roadhouses im Outback so einladend. Naja. Während wir beim Mittagessen sitzen, hält übrigens ein Abschleppwagen neben uns - beladen mit dem kleinen Lastwagen, der gestern eine Kollision mit dem Roadtrain verloren hat. Nach einem lustigen Schwatz mit einigen anderen Reisenden treten wir erneut in die Pedale. Wir wollen heute noch so viele Kilometer wie möglich pedalieren, um dann morgen möglichst zeitig Ceduna zu erreichen. Die Landschaft unterstützt uns mit ganzer Kraft - denn nirgends ist eine annehmbare Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Auch die Restareas bestehen nun nur noch aus einem kleinen, schottrigen Bogen. Eher unpraktisch, das Zelt hier aufzustellen. Ungefähr dreissig Kilometer vor Ceduna erreichen wir dann aber doch noch eine Restarea, die sich für unser moveable Zuhause eignet. Gemeinsam mit zwei anderen Campern und dreizehntausendachthundertundzwölf Mücken teilen wir uns den Platz. Die Camper sind freundlich, die Mücken nervig. Aaaarg. Die Biester stechen sogar durch die Winterjacke, die Hose und die Haare. Richtig anoying. Wir essen unser Abendessen im Zelt und verkriechen uns schon bald in den Schlafsack.

Am nächsten Morgen sind die Biester noch immer da. Ganze Trupps lauern in unserem Vorzelt auf uns - echt ätzend. Trotz Sonnenaufgang, sommerlicher Wärme und ganz viel gutem Zureden unsererseits verziehen sich die Dinger nicht. So verziehen wir uns - etwas blutärmer- zügig weiter in Richtung Osten. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichen wir am frühen Morgen des 15. Tages wieder die Zivilisation. Wir buchen uns direkt zwei Nächte in einem Camping ein und beschlagnahmen die Waschmaschine. Die Fahrt durch das Outback war wundervoll, unvergesslich. Uns bleiben unzählige und unbezahlbare Erinnerungen, tolle Fotos, viele Geschichten und die grosse Vorfreude auf unseren nächsten Besuch.

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