Km 22407 - Km 22886_Ceduna – Port Augusta


Die zwei Nächte und somit fast zwei ganzen freien Tagen auf dem Campingplatz in Ceduna waren super. Für die erste Nacht bekamen wir für unser Zelt ein schnusiges Plätzchen, ganz in der Nähe der Campingkitchen. Und auch zu den Sanitäranlagen war es ausnahmsweise nicht allzu weit.

Back in Civilisation bedeutet für uns auch, dass wir wieder einmal Zugriff auf das Weltweite Netz haben. Ping, Ping, Ping, Ping. Es dauert eine ganze Weile, bis wir uns durch all die Botschaften aus Nah und Fern gelesen hatten. Leider war jedoch das WIFI nicht ausreichend, um damit zu arbeiten, geschweige denn, den Blog oder gar unsere Fotos hochzuladen. Also genau genommen, war das Guthaben bereits aufgebraucht, nachdem wir die Google Startseite geöffnet hatten. Nach einigen Fehlversuchen beschliessen wir, dass uns das Internet für die zwei Tage in die Schuhe blasen kann und wir lieber die Zeit vor Ort geniessen. So spazieren wir an den Jetty, marschieren die meisten Wege des Städtchens ab und köcherln ein feines Znacht aus den frisch ergatterten Lebensmitteln. Nach der ersten Nacht gibt es lecker Frühstück mit Eier, Speck und Toast. Anschliessend packen wir das Zelt wieder zusammen und machen uns bereit für die grosse Züglete. Heute gönnen wir uns nämlich etwas - eine Übernachtung in einem der Containerhäuschen auf dem Camping. Das war super. Das Häuschen hat auf seinen ungefähr dreissig Quadratmetern ein Schlafzimmer, ein Badezimmer, einen Wohnbereich, eine Küche und ein kleines Kinderzimmer Schrägstrich was auch immer man machen will. Und, es hat eine Terrasse. Genau euses Ding. Der zweite Tag auf dem Camping verläuft noch entspannter und gemütlicher als der erste. Wir kochen nämlich fein in unserer nun eigenen Küche, haben Zeit zum Nähen, Basteln, Lesen und allerhand mehr. Cool, mal wieder ein richtiges Zuhause zu haben. Au wenns nume för ei Tag isch. Zum Abendessen dann gehen wir noch einmal Einkaufen. Wir haben die Bestidee ever und machen Fajitas zum Znacht. Mmmmmh. Happytime.

Am nächsten Morgen schlafen wir nochmal zünftig aus, braten Speck, Eier und Bohnen und ziehen wieder - völlig erholt - aus dem Container aus. Im Verlauf der kommenden Tage führt uns der Eyre Highway in Richtung Port Augusta. Ursprünglich wollten wir uns ja die Wallaroo Lucky Bay Ferry gönnen, aber diese scheint gerade nicht so lucky und wurde vorübergehend eingestellt. Na dänn - fahremer halt de Umwäg.

Am ersten Fahrtag sind wir wieder einmal etwas müde. Kein Wunder, nach diesem nöscheligen Tag gestern. Und so lassen wir es gemütlich angehen. Doch unsere Ruhe wird bald schon gestört - the flies are back. Gopfertori. Hunderte Fliegen nerven um uns herum und versuchen unsere Augen, Ohren oder Nasenlöcher zu beziehen. Das Netz muss her. Sodeli. Besser. Nun aber fangen unsere Nasen an zu laufen, die Augen jucken und irgendwie sind wir figufertig. Was kann denn das sein? Haaatschi. Haaaaaatschi. Oh no - wir haben Heuschnupfen. Seit einer gefühlten Ewigkeit litten wir nicht mehr darunter, und nun hier mitten in den Weizenfeldern wird uns unsere Allergie wieder bewusst. Boah - das haben wir echt nicht vermisst. Zum Glück haben wir noch ein paar Tablettli dabei, die innert kurzer Zeit wirken. Phuu. Aber geschafft sind wir nun trotzdem.

Gegen Abend erreichen wir das Örtchen Wirulla. Wirulla besteht aus einem Silo, einem Dorflädeli, einem Hotel und einem Asphaltplatz mit Toilettenhäuschen. Letztere drei Attraktionen sind auch auf den Postkarten zu finden. Momentan herrscht gerade Stromausfall und wir kaufen im dunklen Lädeli aufs Geratewohl ein. Bei der Besitzerin des Tante-Emma-Ladens kann man auch gleich die Gebühr für den Asphaltplatz aka Camping bezahlen. Durch den Stromausfall konnten wir nun auch kein Benzin für unseren Kocher abzapfen und um das letzte Bisschen Brennstoff zu schonen, kochen wir heute nicht - wir essen Corn Flakes. So gsundi mit Vollkorn und so. Natürlich raspeln wir noch fleissig eine Schoggi rein. Super gsi. Trotz Stromausfall ist das Duschwasser heiss und so können wir uns waschen und hinter einem grossen Silo zu pfuusen entpuppte sich auch als ziemlich gemütlich.

Beim Frühstück am nächsten Morgen, informiert uns ein anderer Camper darüber, dass ein Pärchen auf einem Tandem hinter uns her ist. Wer weiss - vielleicht sehen wir die zwei noch - ist ja doch schon ziemlich lange her, seit wir das letzte Mal auf Gleichgesinnte gestossen sind. Heute ist es um einiges kühler als gestern und durch den Seitenwind kommen wir nur schleppend voran. Wir fahren entlang ewiglanger Felder und essen im Roadhouse Poochera Zmittag. Auch hier gibt es noch immer keinen Strom. Dafür hat es Töfffahrer, die uns zu einem Rennen herausfordern. Wir lehnen ab - wollten die zwei ja nicht in Verlegenheit bringen.

Unser Nachtlager schlagen wir - am frühen Nachmittag - entlang der Strasse, direkt an der unbenutzten Bahnschiene auf. Hier wohnen ganz viele Ameisen, die wir gespannt bei ihrer Arbeit beobachten. Unser Zelt steht dooferweise genau auf ihrem Bau und so finden die armen Tierli abends ihren Heimweg nicht mehr. Sie kauern alle eng beisammen und verharren der Dinge die da kommen. Wir haben Mitleid und offerieren den Ameisen Kekse und Cola. Wer weiss - vielleicht ist das ja auch die Australische Ameisenmasche. Kaum sind Touristen da - möglichst hilflos driigögslen und kräftig Einfachzucker abstauben.

Wir schlafen super und zu unserer Freude scheinen auch die Ameisen Frühmorgens wohlauf zu sein. Die heutigen 95 Kilometer fahren wir wiederum entlang breiter, endloser Felder und vereinzelter Silos. Uns gefällt die Landschaft hier - es erinnert etwas an Zuhause. Unterwegs gönnen wir uns heute viele längere Pausen. Die erste in Wudinna - der grössten Ortschaft seit Ceduna. Anschliessend noch einmal am Strassenrand und einmal auf einer Rest Area. Und dann - dann ist schon fast sechzehn Uhr und wir suchen uns eine weitere Restarea um den Abend ausklingen zu lassen.

Früh morgens schon weckt uns der Vogelschwarm, der in dem Baum direkt über unserem Zelt wohnt. Die grauen Vögel mit rosaroten Köpfen machen einen heiden Lärm und lassen uns aus den Schlafsäcken krabbeln. Nach feinem Frühstück mit Kaffee, Toast, Nutella und Erdnussbutter treten wir wieder in die Pedale. Vereinzelte Hügel haben uns schon gestern angelacht und vermehren sich heute. Es geht hoch und runter und hoch und runter auf dem Eyre Highway. Am Mittag stärken wir uns im Roadhouse von Kimba - der Mitte Australiens - und kaufen uns genügend Wasser und Verpflegung für unseren Endspurt bis Port Augusta. Das Nachtlager stellen wir auf einer der Rest Areas auf. Einsam, abgelegen und gepflegt. Schön da.

Gestern Abend – kurz vor dem Aufstellen des Zeltes – sind wir an einem grossen Waldstück angelangt. Die Bäume reichen weiter, als die Augen sehen. Es ist unbeschreiblich, die Weite der australischen Landschaft. So schön, so frei, so endlos. Richtig Outback halt. Nachdem gestern der Sommer für einen kurzen Moment vorbeigeschaut hat und wir das erste Mal im T-Shirt gefahren sind, nieselt es heute vor sich hin. Es ist kühl, aber noch nicht kalt. Eigentlich genau richtig für einen Fahrradausflug. Auf den ersten Kilometern durchqueren wir weiterhin das Naturschutzgebiet mit seinen ellenlangen Waldflächen. Es scheint auch hier gerade Brutzeit zu sein und da die kurrligen Vögel genau am Strassenrand ihre Nester platziert haben, fühlen sie sich von den nichtsahnenden daher rollenden Pédaleurs bedroht. Es kommt zum Angriff – und wieder attackieren die Vögel unsere Helme und lassen nicht von uns ab, bis wir ausserhalb der Sichtweite sind. Hier im Naturschutzgebiet befindet sich links und rechts der Strasse ein langer Hag. Ausser den Kängurus scheinen alle Tiere zu verstehen, dass es sie vor den Autos schützen soll. Naja. Hinter den Zäunen entdecken wir auch heute wieder eine Emu Mama mit ihren Kindern und einige Ziegen blöken uns auch hindennochen. Ein lautes und klagendes bäääh, bäääh holt uns aus unserer Radlerruhe. Irgendwo auf der anderen Strassenseite jammert ein Tierchen vor sich hin. Wir halten an, machen kehrt und gehen auf die Suche nach dem Geschöpf. Ein kleines Zicklein blökt vor sich hin. Wir dachten, es hätte sein Beinchen vielleicht im Draht verheddert und schauen etwas genauer hin. Da kommt das kleine Geissli – höchstens wenige Wochen alt – auf uns zu und begrüsst uns. Es ist kerngesund und aufgeweckt. Und ein bitzli anhänglich. Das Geissli knabbert an den Schuhen, striehlt um uns herum und lässt sich nicht mehr in die Natur zurückschicken. Zugegeben, wir hätten es am liebsten in den Hosensack gestopft und mitgenommen - es ist soooo schnusig gewesen.

Wenige Minuten später – wieder auf der Strasse – überholt uns ein Motorradfahrer. Und noch einer. Und noch einer. Über dreissig Töffs donnern an uns vorbei, winken und hupen. Scho luschtig. Auch die Auto- und Lastwagenfahrer grüssen uns jeweils herzlich. Mal mit einer Lichthupe, mal mit einem Peacezeichen oder auch mal mit einem melodischen Gehupe.

Nach ungefähr sechzig Kilometern erreichen wir den Ort Iron Knop. Er befindet sich am Anfang einer geraden Fläche. Weite, soweit das Auge reicht. Wahnsinn. Keine Bäume, wenig Sträucher, keine Hügel. Nix, nada. Treeless Plain Nr. 2. Da die Fahrt heute so gut vor sich geht, beschliessen wir, dass wir bereits heute das Etappenziel Port Augusta erreichen wollen. Und so treten wir kräftig in die Pedale. Obwohl wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 20km/h draufhaben, scheint es, als würden wir nicht vom Fleck kommen. Die weite Fläche ist so riesig, dass der Fels, auf den wir zusteuern, sehr nahe scheint. Und so denken wir während zweieinhalb Stunden Dauergestrample, dass wir doch eigentlich schon da sein müssten. Voll die optische Täuschung – ergendwie no cool.

Wir sind gut in der Zeit und werden heute Port Augusta noch vor Sonnenuntergang erreichen. Aber das Örtchen macht es uns nicht leicht – denn auf den letzten dreissig Kilometern beginnt es zu regnen. Eisig kalt sind die Tropfen, die vom Südpol her auf uns einprasseln. Und Gääägewend – oh Gäägewend.

Ziemlich abgekämpft, aber happy, erreichen wir gegen halb fünf Uhr abends Port Augusta und somit das Ende des Eyre Highway. Huere Geil. Nun könnten wir links abbiegen und auf dem Stuart Highway in Richtung Alice Springs pedalieren – aber, wir biegen rechts ab und checken in einem Caravanpark ein.

Trotz des Versprechens von gutem Internet ist die WiFi Verbindung mies. Unglaublich, wie das WLan in diesem Land gehandhabt wird. 1995 lässt grüssen. Aber zum Glück gids ja de Mc Donalds…

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