Km 24613 - Km 24830_Goulburn - Sydney


In der Nacht lässt der Regen nach und am kommenden Morgen erwartet uns heiter Sonnenschein. Zwar ist es noch immer eisig kalt, aber man kann ja nicht alles haben. Nach dem Frühstück radeln wir los. Heute geht es richtig gut vorwärts. Obwohl wir wieder knapp achthundert Höhenmeter zurücklegen, kommen wir gut voran. Rückenwind sei Dank. Ab und an machen wir einen Sandwichstop oder kaufen uns an einer Tankstelle einen Cookie. Die Lebensgeister sind endgültig wieder in die müden Knochen eingekehrt und wir freuen uns wieder ob jedem Kilometer. Via Berrima erreichen wir am Nachmittag das Tagesziel Mittagong. Zuerst gehen wir Einkaufen. Also Mike - Cynthia wartet draussen. Kaum ist sie alleine, wird sie von einem munteren Herrn angesprochen und zugebrabbelt, bis Mike nach zwanzig Minuten zurückkehrt. Der Mann ist lustig. Er erzählt von seinem Besuch in der Schweiz, schwärmt vom Titlis und bewundert die Räder. Er findet es gut, dass wir nicht mit Clicks fahren - die würden ihm nämlich Angst machen. Er sei immer beim Rennradeln etwas nervös, dass er sich verheddert und dann hängen bleibt. Und dann, dann würde er sein Bein verlieren. Während dem er seinen Scherz erzählt, lacht er laut und zeigt Cynthia seine Beinprothese. Lustiger Kauz.

Beim Campingplatz angekommen, bekommen wir den letzten freien Platz. Mittlerweile herrscht nämlich bereits regen Betrieb in der Campingwelt und schon öfters waren wir unter den letzten, die sich für die Nacht einen Platz suchen. Aber mit Zelt hat man eigentlich ja immer noch was frei. Und so bekommen wir anstelle des letzten Platzes - der wurde nämlich von irgendjemandem nun doch noch besetzt - einen Platz den es gar nicht gibt. Irgendwo mittendrin. Uns gefällts - denn so haben wir nun Tisch und Bank ganz für uns. Wunderbar. Die letzten Stunden hatten es in sich. Zuerst der lustige Einkaufskauz, dann der Campingwärter der zusammen mit Pedaleurine auf Erkundungstour durch den Camping geht und ihr währenddem er auf sie einschwatzt ein Plätzchen zeigt, dann ein Motorradfahrer der sich bei ihr nach der Route erkundigt und dann anschliessend noch ein anderer Mann, der ihr unbedingt ein Eis spendieren will. Und alle - aber alle halten ihre Hand irgendwann während dem Gespräch zwischen den eigenen. Oookay. Nach dem Zelt aufstellen verkriechen wir uns in die Campingkitchen und köcherln, was Mike so feines eingekauft hat. Schweinefleisch mit Couscous, Zucchetti, Pilzen und Zwiebeln. Yummie. Während dem Essen bekommen wir Besuch von einer Familie. Sie scheint hier auf dem Platz zu leben und macht den Anschein, als würde sie hmmm naja, irgendwie eher zu den weniger Cleveren gehören. Die Eltern schauen stumpf vor sich hin, währen das magere Mädchen auf der Couch rumturnt und der unglaublich übergewichtige Junge im Kreis rennt. Der Junge ist ungefähr vier Jahre alt und ausser dass er rennt, hört man nicht viel von ihm. Mama kocht, Papa schneidet Poulet. Dann auf einmal dreht sich Mama vom Herd weg und legt dem Jungen die Vorspeise auf die Tischplatte. Zwei Handvoll Zuckerschlagen. What? Wir als Radler müssen beim Anblick beinahe würgen. Und der Junge irgendwie auch. Also richtig verstehen - er hat weder gejammert noch geklöhnt noch irgendetwas. Er sass einfach nur da und bekam dann die Vorspeise serviert. Lustlos und irgendwie apathisch stopft er langsam die Zuckerdinger in sich rein. Danach gibts den Hauptgang. Je eine kleingeschnittene Pouletbrust für Junge am Tisch und Mädchen auf Sofa. Kein Besteck, kein „guten Appetit“ oder sonstwas. Nur einen lieblosen Teller voll Fleischstückchen für die Kiddies und dazu eine halbe Flasche Ketchup. Na dann - bon apetit. Jaja, wir wissen schon - wir Pédaleurs sind kein Essensvorbild. Aber - so gahds nöd.

Den Rest des Abends wird geschrieben, gelesen, geduscht und vergeblich versucht, den Blog hochzuladen.

Trotz der schrägen Schlaflage, der Eisenbahn, dem Verkehr und dem knatternden Helikopter verbrachten wir eine erholsame Nacht. Der nächste Morgen startet mit Ausschlafen, Frühstücken und Zähneputzen. Und dann – dann traten wir schon wieder in die Pedale. Heute geht es vorwärts wies Bisiwätter. Von rund 700 Metern über Meer rollen wir während ungefähr Fünfzig Kilometern gemächlich auf 160 Meter über Meer. Super. In Windeseile geht es vorwärts. Pausen machen wir an Raststätten und sitzen anschliessend wieder entspannt auf die Sättel und lassen die Räder vor sich her rollen.

Der eigentliche Plan heute war, dass wir uns in Bass Hill – etwas östlich von Liverpool – für zwei Nächte auf einem Campingplatz einquartieren. Da wollten wir das Zelt putzen, waschen, etwas rumlümmeln und anschliessend das gebuchte Hostel in Sydney anfahren. Aber die ganze Sache kam wieder einmal anders als geplant. Denn nachdem wir Bass Hill endlich erreichten – ihr ahnt schon, es ging den Hügel hoch – mussten wir feststellen, dass es sich bei angekündigtem Camping nicht um einen Caravanpark, sondern um eine Alterseinrichtung handelt. Hmm. Ein Fehler im GPS – da kann man nichts machen.

Über neunzig Kilometer haben wir heute zurückgelegt, und eigentlich wären wir bereit für den Feierabend. Doch der rückt in weite Ferne, als wir nach einem zweiten Blick auf das GPS feststellen mussten, dass es weit und breit keinen anderen Campingplatz gibt. So suchen wieder einmal den nächstbesten Fastfoodladen auf und loggen uns im WiFi ein. Der nächste Plan war, das gebuchte Hostel umzubuchen und bereits heute Sydney zu erreichen. Aber wie es eben so ist – das Hostel ist ausgebucht. Tja. Wir buchen auf die schnelle ein anderes Zimmer für zwei Nächte und machen uns auf den Weg, die restlichen dreissig Kilometer bis Sydney abzupedalieren. Und genau ab dem Moment fing die Misere an. Phuuu. Wir sind definitiv nicht mehr im Outback. Aus Rural wurde Plural und es wimmelt Menschen, Verkehr und Abgasen. Die Autofahrer scheinen alle sehr gestresst zu sein und hupen und drängeln was das Zeug hält. Der eine oder andere findet wenig Freude an unserer Anwesenheit auf seiner Strasse und so wissen wir nun wie einige Mittelfinger der Australier aussehen – aber wir liessen uns nicht lumpen und zeigten ihnen auch die unseren. Zum Glück fanden wir nach einigen Kilometern einen Fahrradweg entlang eines Flusses und konnten den Widerlichkeiten des Feierabendverkehrs ausweichen.

Nach unzähligen Abzweigungen, vielen Hügeln, dutzenden roten Ampeln, weiteren siebenhundert Höhenmetern und einigen Kilometern Distanz erreichten wir am späten Nachmittag die Stadt Sydney. Boah – waaaahnsinn. Sind wir doch glatt einmal quer über den Kontinent gefahren. So geil. Natürlich lassen wir uns nicht lumpen und fahren als erstes zum Opera House. Nach einigen Fotos und herzlichen Glückwunschentgegennahmen von Passanten setzten wir uns ein letztes Mal auf die Sättel und fuhren die verbleibenden Kilometer bis zu unserem Übergangshostel.

Und nun erwartet uns nur noch eine letzte Hürde – unser Zimmer befindet sich nämlich im obersten Stock, hinter drei Feuertüren, am Ende eines schmalen Ganges. Na dann prost beim Ausladen. Aber nach einer knappen halben Stunde ist auch das geschafft und die Pédaleurs freuen sich. So richtig.

Wie es weitergeht? Na wenn wir das wüssten....

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