Km 25506 - Km 25731_Los Angeles - San Diego


Die drei Tage in Los Angeles vergingen wie im Flug. Uns gefiel es gut da - mitten in der Traumfabrik. Am letzten Abend schlenderten wir nach dem Eindunkeln noch einmal zum Walk of Fame. Ah nein - stimmt ja gar nicht. Wir nahmen nämlich die Metro. Die fährt so ziemlich von Tür zu Tür - ach, wie praktisch, dass wir das am dritten Tag dann auch noch merken. So sparen wir uns wenigstens einen der bis anhin acht einstündigen Märsche. Aber wir spazieren ja gerne... Anyways. Am letzten Abend erreichten wir jedenfalls nach dem Eindunkeln den Walk of Fame, wo gerade an diesem Abend - es ist der erste Advent - die alljährliche Hollywood Christmas Parade stattfindet. Eine grosse Bühne, Scheinwerfer, dutzende Kameras und viele Lämpli und Lichtli sind aufgestellt. Die Parade führt entlang des gesamten Walk of Fame. Es marschieren die Navy, einige Brassbands, etwas Werbung, ein paar Collegebands, Pferde und vieles mehr. Für uns das absolute Highlight waren die Filmfahrzeuge, die ebenfalls durch die Parade tuckerten. Da waren Badmobils, Kitt und sogar der A-Team Van. Zemmli cool. Etwa nach der Hälfte der Parade haben wir genug gesehen. Es war lustig - aber natürlich auch ziemlich Hollywood. Der gesamte Festzug war so aufgebaut, dass die Kameras die besten Szenen festhalten konnten und so dauerte es jeweils Minuten, bis eine neue Gruppe daher zog. Immer wieder wurde gewartet, posiert und alles ins rechte Licht gerückt. Es hat uns zwar Spass gemacht, die Show zu sehen - aber vielleicht kommt die Feststimmung im Fernsehen dann schlussendlich doch etwas besser zur Geltung.

Am darauffolgenden Morgen geht für uns das Abenteuer weiter. Die Stadt zu verlassen war gar nicht so leicht. Über fünfzig Kilometer fahren wir durch die Stadt. Los Angeles ist riesig. Und kaum hört die Stadt auf, ist man schon mitten in der Nächsten. Haus um Haus um Strasse um Ampel. Alles ist vollgebaut und so lassen wir uns mehrere Stunden von Kreuzung zu Kreuzung rollen. Gegen Mittag erreichen wir dann den Los Angeles River mit seinem Fahrradweg. Von nun an können wir grösstenteils dem Fahrradweg folgen und es geht etwas gemütlicher zu und her. In Long Beach begegnen wir Dan. Er ist Amerikaner und radelt gerade kreuz und quer durch die Gegend. Der Junge ist lustig und wir beschliessen, gemeinsam einen Milkshake zu trinken. Nach einem kurzen Schwatz und einigen gegenseitigen Updates rollen wir anschliessend zu dritt in Richtung Hamilton Beach. Hier trennen sich unsere Wege, denn die Pédaleurs haben langsam genug für heute und machen sich auf die Suche nach einem Motelzimmer. Kaum haben wir uns von Dan verabschiedet, werden wir von einem anderen Fahrradfahrer - einem Einheimischen - angesprochen. Seine Einleitung begann damit, dass er nur mal kurz eine kleine Frage hätte... Er erkundigt sich ein bisschen nach uns, worauf wir gerne Antwort geben. Anschliessend kippt das Gespräch und verläuft sich in einen endlosen Monolog seinerseits. Nach einigen Minuten wurden wir des Zuhörens müde und nickten und ah-ten nur noch. Es ist einfach verrückt, wie viele kuriose Menschen es auf der Welt gibt - ganz zu schweigen davon, wie viele davon uns laufend zutexten. Tja. Irgendwann gelang uns dann doch noch der Absprung und wir radelten völlig aufgekratzt und abgestresst weiter. Dieses Monologisieren macht uns irgendwie mehr denn je fertig. Kurz vor Newport Beach werden wir dann fündig und quartieren uns in einem gemütlichen Motel ein. Die Erkältung von Cynthia ist gerade auf Reisen und hat sich vorübergehend bei Mike eingenistet. Er hustet und schnieft - da hilft ausser Schlafen nicht viel und so kuscheln wir uns - bewaffnet mit einer mitwicksbestrichenen Brust - relativ zeitig unter die Bettdecke.

Neuer Tag, gleiche Erkältung, grosse Vorfreude. Am kommenden Morgen wird es so richtig offiziell - und jetzt können wir es ja auch rausposaunen. Cynthia wird ab kommendem Mai wieder bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber einsteigen. Ihre Vorfreude ist gross - GastroSuisse und Forumsfraue: i'll be back :-) Aber bis dahin warten ja noch viele Abenteuer darauf, von uns gelebt zu werden und so starten wir umso motivierter in den neuen Tag. Die Fahrt führt uns weiterhin auf dem Veloweg dem Strand entlang. Unterwegs treffen wir vier uns noch unbekannte Radelverbündete. Sie pedalierten - so wie die meisten, die wir bis anhin trafen - von Vancouver oder Portland entlang der Westküste nach San Diego. Schlussspurt so quasi. Nach einem kurzen Plausch sondern wir uns wieder etwas ab und geniessen die Zeit zu zweit. In San Clemente - herzliche Grüsse an Dani bei dieser Gelegenheit - passieren wir ein wundervolles Villenviertel. Lago Mio, wie einige Menschen leben glaubt man kaum. Riesige Anwesen mit eigenen Yachten, grossen Limousinen und lichtdurchfluteten Räumen mit direktem Blick auf das Meer. Nöd schlächt. Der Tag verläuft ziemlich gemütlich und trotz der triefenden Nase freuen wir uns des Lebens. Znüni gibts auf der Raststätte und pausiert wird an Bushaltestellen. Am Nachmittag erreichen wir das Revier der Navy. Hier dürfen wir die WalkieTalkies nicht verwenden, müssen den Fahrradhelm tragen und dürfen keine Pausen einlegen. Jä dänn halt. Die Fahrt führt entlang der Autobahn durch die Trainingslandschaft und endet für uns heute in Oceanside, wo wir uns wiederum in einem Motel einquartieren. So. Und nun sind es nur noch wenige Kilometer bis nach San Diego und somit bis zur Mexikanischen Grenze. Von unserer Fahrradtour entlang der Westküste von Amerika berichteten wir - so finden wir - irgendwie nicht so auführlich. Also schon ausführlich - aber irgendwie fehlte etwas der Pfeffer. Hhhm. Die Route hat uns zwar sehr gut gefallen, doch war es - naja, wie sollen wir das sagen - ähm, vielleicht etwas aufregungslos? Kein Gehupe, keine Platten, kein Wildcamping und keine Hundeattaken. Auch mal gut für die Seele - weniger spannend zum Schreiben. Die Tour entlang der Westküste der USA empfinden wir als tolle Reise für Leute, die gerne einmal eine Radreise unternehmen wollen, genügend Zeit mitbringen und es schätzen, wenn Sie sich mit der Umgebung vertraut fühlen. Uns gefiel es auch - wir konnten richtig auftanken und fühlen uns nun bereit für die kommenden Abenteuer, die in Mexico sicherlich bereits auf uns lauern. Entlang der Historic Route 101 fahren wir heute weiter entlang der Küste in Richtung San Diego. Unterwegs entdecken wir am Himmel einige Helikopter. Darunter auch so einen Flugzeughelikopter. Wo man helikopterisiert in die Höhe steigt und danach flugzeugmässig vorwärtsbraust. Kurz vor der Stadt erwartet uns noch einmal starker Anstieg. Nicht einmal all die Gümmeler, die uns im Verlauf des Tages überholen schaffen den Hügel ohne zu keuchen und zu schwitzen. Wir kommen zwar etwas langsamer, dafür mit viel weniger Geröchel schlussendlich ebenfalls oben an. Danach gehts mehr oder weniger wieder runter. Unser Motel in San Diego haben wir bereits im Voraus reserviert. Das Gebäude steht etwas abseits der Old Town und wir sind für das Check In eine Stunde zu früh dran. Da kann man halt nichts machen und so radeln wir halt zum nächsten Panda Express und vertreiben das aufsteigende Hungergefühl. Mit vollem Magen erreichen wir anschliessend gerade pünktlich das Motel und beziehen unser Zimmer. Das erste Mal müssen wir hier in den USA die Räder abladen und unser Hab und Gut in den ersten Stock tragen. Kaum sind wir eingerichtet, verlässt Mike mit seinem leeren Fahrrad unsere Unterkunft und macht sich auf die Suche nach einem Fahrradladen um Ersatzteile für die leidige Ortliebtasche zu finden. Er hat Erfolg und die Jungs vor Ort können ihm sogar helfen, die Sattelstange aus dem Rahmen zu ziehen. Das Ding ist völlig verhockt und muss anschliessend ausgewechselt werden. Doch für uns gab es kein Aber, denn die nötigen Ersatzspeichen und ein kleines Sparschwein waren seit unserer Abreise darin eingeklemmt. Während dem Mike abwesend ist, macht Cynthia die Wäsche. Das Motel wird ausser von Touristen hauptsächlich von Crackabhängigen bewohnt. Naja - die Gegend ist vielleicht auch eher nichts für Pauschaltouristen. Egal. Der Waschgang verlief ohne Schwierigkeiten, beim Trocknen wurde es dann aber schwieriger, denn die Crackabhängige Dame, die sich dauernd bei Cynthias Wäsche rumtrieb stahl ihr dauernd die doch so nötigen Quater für den Trocknungsvorgang. Unter unschuldigem Blick häuften sich ihre Trocknungsminuten zusehends, während Cynthias Quater schrumpften und schrumpften. Egal. Die Wäsche wurde dann doch noch trocken.

Also was wir an Crackabhängigen, Obdachlosen, Alkoholikern, verwahrlosten Veteranen und anderen Parkbankbesetzern und Grossstadtzeltlern so gesehen haben, lässt das Bild der grossen Nation schon sehr wanken. Es ist erschreckend, wie vielen Menschen es in diesem Land schlecht geht. Von den verwahrlosten Kindern ganz zu schweigen. Armut haben wir auf unserer Reise weiss Gott viel gesehen - doch dass die Schere zwischen Arm und Reich in den USA dermassen auseinandergeht ist schon sehr alarmierend. Geradezu pervers scheinen dann auch die sich immer und immer wiederholten Würdigungen der Veteranen. Dass Männer welche mit offensichtlich psychischen Störungen oder amputierten Gliedmassen aus dem Krieg zurückkehren und auf der Strasse um jeden Penny betteln, erscheint für uns als Widerspruch zu all den Memorials und den Festtagen zu Ehren der Kriegsveteranen. Aber was wissen wir schon.

Mike kehrte dann übrigens zu Cynthias Erleichterung kurz vor dem Eindunkeln wieder zurück und brachte sogar ein supertolles neues Trikot für Pedaleurine mit. Yess - bitzi Fashionista muss auch sein. Abends bestellen wir unser Essen aufs Zimmer und nöschelen uns im gemütlichen Zimmer ein.

An unserem freien Tag in San Diego stehen wir zeitig auf und machen uns auf Erkundungstour. Zuerst gehts zur Shoppingmall, die hat jedoch noch geschlossen. So steigen wir nochmal in den Trolley und fahren zum Gaslamp Quarter. Eine herzige Region, deren Strassen etwas an Europa erinnern. Es hat Boutiquen, Cafés, Restaurants, Souvenirshop und alles ist bestens zu Fuss erreichbar. Wir schlendern etwas herum, besorgen dies und das und lassen uns vom Tag treiben. Unseren Brunch nehmen wir direkt am Ufer in einem herzigen Restaurant ein. Wir haben eine perfekte Sicht auf die riesigen Flugzeugträger der Navy und können sogar beobachten, wie Helikoptermanöver geprobt werden. Danach spazieren wir zur Flamme der Freundschaft und hüpfen wieder in den Trolley - zurück zur Shoppingmall. Der Weg führt natürlich zum LEGO Store, wo es wieder einmal neue Figuren für Mikes mittlerweile ansehnliche Sammlung gibt. Eine ganze Nalgeneflasche ist schon gefüllt und die Sammlung wird grösser und grösser. Beim nächsten Stopp finden wir dann auch noch die ersehnte Mexicokarte und einen Einkaufsladen. Hier decken wir uns für die kommenden zwei Wochen ein und machen uns anschliessend vollbeladen zurück zum Motel. Nun hier angekommen durften wir Co-Operaid im Namen der Besteller des Fotokalenders 2017 den Betrag von CHF 420.00 überweisen. Das Geld geht an das Projekt Ches Pi Rien, welches wir im Frühsommer besuchten und wird grösstenteils in neue Fahrräder für die Kinder investiert. Gerade schreiben wir den Blog, nöschelen etwas herum, packen die Taschen für das kommende Abenteuer und morgen geht es wieder richtig los - Mexico wir freuen uns.

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