Km 28170 - Km 28366_Quiroga - Zitacuaro


Nach einer Eeeeeiskalten Nacht, geht es am nächsten Morgen weiter in Richtung Osten. Zuerst wie gewohnt richtig steil hoch. Gopeletti. Seit Tagen ist das schon so. 1'000 hoch, 900 runter. Wir sind es uns somit schon gewöhnt und die Anstrengung hält sich in Grenzen.

Auch heute wieder sehen wir viele, viele VW Käfer. Ob alt, neu, verschrottet, aufgemötzlet, blau, weiss oder kunterbunt - wir freuen uns jedes Mal. Und auch Esel sehen wir wieder einige. Und Hunde. Und Schafe. Und sogar ein Hund, der an einem überfahrenen Kalb knabbert. Zugegeben, nicht so härzig.

Im Verlauf der letzten Tage begegneten uns auch viele Bauern. Sie marschieren meistens entlang der Strasse und schleppen Holz, Mais oder andere Güter vor sich her. Ab und zu darf auch einer auf dem Eseli reiten - doch meistens reitet ein jüngerer Mann und eine alte Frau oder ein alter Mann schleppen schwere Sachen auf dem Rücken oder schieben es mit der quitschigen Schubkarre hinterher.

Am Nachmittag erreichen wir die Hauptstadt Morelia und machen uns zuerst auf die Suche nach einer Unterkunft. Hotel eins ist megateuer, Hotel zwei hat einen unsicheren Parkplatz für die Velos - aber Hotel drei, da ist alles bestens. Super. Wir checken ein und freuen uns über den freien Nachmittag. Unser Zimmer liegt etwas unterhalb der Strasse. Das Gebäude scheint ein altes Herrenhaus gewesen zu sein, und wir wurden im Stall einquartiert. Also natürlich toprenoviert - kein Stroh weit und breit. Aus dem extrem hohen Raum wurden zwei Zimmer gemacht. Einfach einmal kurz einenen Zwischenboden einschieben, und fertig. Doch die Isolation oder die Dämmung oder was auch immer wurde vergessen. Es bitzi vom Stroh häts übrigens auch getan. Aber nix da. Das Zimmer ist so ringhörig, dass wir das Gefühl haben, zu viert in einem Bett zu schlafen. Zum Glück waren unsere Zimmerpartner angenehm - wurden schon von unangenehmeren Geräuschen in den Schlaf gewiegelt.

Nach einer Pause machen wir uns auf den Weg ins nahe gelegene Centro Historico. Hier hat es ein Aquädukt, eine beeindruckende Kathedrale und viele historische Häuser. Diese Historischen Zentren hier in Mexico haben es uns wirklich angetan. Schade, dass wir Südamerika noch etwas verschieben müssen - sicher gibt es auch dort prachtvolle Kirchen, Fussgängerzonen aus Pflasterstein und blühendes Grün. Aber in Europa gibts ja auch so einige Altstädte zu besichtigen - Freuedeus. Nach einem frühen Nachtessen mitten im Geschehen schlendern wir zurück ins Hotel und nöschelen uns ein. Wir sind müde. Keis Wonder. So kuscheln wir uns unter die Decke und plaudern uns in den Schlaf.

Die Stadtausfahrt aus Morelia dauert um einiges länger als geplant. Und weil es nun plötzlich auch noch eine Strasse gibt, die gar nicht auf Google zu finden war, kommt es zu einer kleinen Kabbelei. Links, nei Rächts. You know. Aber Mikes GPS ist natürlich nicht zu versäckeln und so finden wir die richtige Strasse dann doch noch und die kommenden 45 Kilometer verlaufen wie am Schnürchen. Zwar es bitzi ufe und abe, aber das macht ja nichts.

In Querendaro gönnen wir uns einen Kaffee und ein Glace und machen eine lustige Beobachtung. Also. Da ist der Leiternmann. Der Mann, der Leitern verkauft. Ausschliesslich Leitern. Hier. Im Hinterland. Wir können uns zwar nicht vorstellen, dass hier regelmässig viele Leitern gekauft werden, denn wer braucht schon eine Leiter, wenn er oder sein Nachbar bereits eine hat - aber egal. Jedenfalls ist der Leiternmann gerade on tour. Und zwar geht das so. Man nehme zwei Räder und eine Stange, damit sich die Räder stabil halten. Dann legt man eine Leiter quer darüber. Dann eine weitere Leiter obendrauf - etwas nach vorne versetzt - und eine andere, etwas nach hinten versetzt. Das Ganze mit einer weiteren Leiter befestigen, die die beiden Versetzten stützt. Hui. Jetzt wirds kompliziert. Also. Auf den vordersten Spitz der nach vorne versetzten Leiter wiederum eine Leiter stellen - diesmal eine, die man so Dreiecksmässig aufstellen kann. Am Hintersten Punkt des Gefährts nochmal dasselbe. Dann auch noch in der Mitte. So. Nun hat man also eine lange Fläche mit drei stehenden Leitern. Diese kann man nun wiederum mit Leitern beladen und die Zwischenräume mit Besen und Putzeimern - haha, zweites Standbein - füllen. Chömeder no met? Auf jeden Fall kann der Leiternmann nun an der hintersten Leiter schieben, und das ganze Leiterngefährt fährt durch den Ort. Nun muss er nur noch 'Leiter', 'Leiter', 'Leiter' rufen, und das Business läuft wie geschmiert. Und das Beste - sobald er ausverkauft ist, muss er nur noch zwei schwabbelige Räder heimtragen. Perfekt oder?

Kurz nach dem Leiternmann - direkt an der Lagune - machts mal wieder Pffff. Einen Platten. Einen Draht eingefahren. Ja gopf - wie viele liegen denn da in Mexico noch rum? Das Loch ist aber schnell gefunden, der Kleber hält, der Draht ist entfernt. Operation geglückt - es geht weiter.

Nun wirds steil. In den kommenden 15 Kilometern geht es an die 500 Meter in die Höhe. Doch es ist nicht so anstrengend wie erwartet - denn die Steigung ist relativ angenehm. Trotzdem sind wir froh, als wir dann oben angekommen sind. Die Aussicht ist prächtig. Wir sehen die Seen, Nadelwälder, hohe Berge in der Ferne und können frische Luft schnuppern. Also wenigstens dann, wenn nicht gerade eine Dieselrochel mit seinem Auspuff direkt auf uns zielt.

Seit wir unterwegs sind, versucht Cynthia jeweils bei Geburtsdaten von Familie oder Freunden zu stoppen. Also Valentinstag '16 wäre dann beispielsweise Kilometer 14'216 und so. Ums kurz zu machen - sie hats noch nie geschafft. Entweder um wenige Minuten oder sogar auch schon um mehrere tausend Kilometer verpasst. Jänu. Doch heute - und man muss dazu sagen, dass sie seit zwei Tagen nie auf den Gesamtkilometer geguckt hat - heute hat sie eine Eingebung. Einfach so. Aus dem nichts raus denkt sie sich - hey, nun hab ich doch bald mal Kilometergeburtstag. Mitten in der Abfahrt macht sie eine Vollbremse - und siehe da: Kilometer 28'287. Sooooo en Zuefall - ond soooo cool. Oder? Ja ok. Vielleicht nicht soooo cool, aber wenigstens bitzi cool. Sie freut sich jedenfalls. Und ihr wisst nun auch Bescheid - nume na 37-mal schlafe bis zum nächschte Schoggichueche. Hihi.

Wir sind nun also an der Abfahrt - und schwupp ist sie schon wieder vorbei. Es geht nochmals hoch. Dann wieder etwas runter, dann geradeaus. Irgendwie kein Ziel in Sicht. Und so wird es später Nachmittag, bis wir endlich nach 100 Kilometern das Tagesziel Ciudad Hidalgo erreichen. Ein Hotel ist schnell gefunden - doch wir stellen nur kurz die Sachen ab und machen uns anschliessend direkt auf zum Abendessen. Huuuunger. Den ganzen Tag haben wir wieder einmal nichts anstängiges - also Chips und Cola sind nicht so unanständig, aber ihr wisst schon - gegessen.

Pouletflügeli und Pizza sei Dank - wir sind wieder putzmunter und schlendern zurück ins Hotel. Das Zimmer ist zwar schön, aber klitzeklein. So klein, dass wenn einer von uns rumläuft, der andere auf das Bett sitzen und warten muss. Weils einfach keinen Platz hat für zwei Personen. Itzibitzi halt - üs ischs gliich.

Hier im Hotel haben wir auch WIFI - zum Glück. Denn heute - ja heute wollen wir nicht darauf verzichten. Denn heute ist ein grosser Tag. D'Zita chund! Juhuuu. Abends gegen acht Uhr ist es dann soweit und sie kam xsund und munter im Hotel in Mexico City an. Auch Jeannette und Tinu sind da. Juuuuuuupie. Wir freuen uns meeega! Schnellschnell wird ein Gruppenselfie geschickt - es ist also wirklich war. Zita, Jeannette und Tinu habens geschafft - bald treffen wir uns alle fünf.

Natürlich haben wir super geschlafen - wir waren ja auch ausreichend müde. Heute lümmeln wir morgens etwas länger rum - wir können es uns leisten, müssen nur 50 Kilometer radeln. So fahren wir an diesem Tag erst gegen neun Uhr los. Zuerst geht alles gut. Zuerst.

Doch plötzlich macht es tagg. Mikes Radnabe gibt definitv den Geist auf. Wir gucken nach und befinden - das gahd no. Wir radeln weiter. TaggTagg. Nochmal verschlimmert.

Das Rad wackelt mittlerweile gute zwei Zentimeter hin und her. Oh je. Alle drei Kilometer halten wir an, montieren das Rad ab, gucken was zu gucken ist und wollen auf keinen Fall Autostöppeln.

Ja kann ja wohl auch nicht angehen - nur noch 32 Kilometer bis zum Ersatzteil, das muss doch zu schaffen sein!

Das Lager ist komplett geschrotet, die Kügelchen haben den Halterring in dutzend kleine Stückchen gesprengt. Mike studiert und grübelt und bastelt vor sich hin - und hat dann die Idee des Tages. Mit einem Sackmesser schneidet er den Deckel einer PET-Flasche so zurecht, dass sie genau in die Radnabe passt und so das Kugellager ersetzt, dann wird das Ganze mit Öl aufgefüllt. Also anstatt auf kleinen Stahlkugeln, rollt das Rad jetzt auf einem Plastikring der in Öl schwimmt und es hält, zumindest die letzten elf Kilometer. So geil.

Im Schrittempo wackeln wir nun noch die letzten Kilometer bis Zitacuaro, bis das Velo vor dem Hotel endgültig aufgibt. Es cha nümme. Wir verstehen.

Tja so kommt es, dass wir nun die noch verbleibenden 18 Kilometer bis zu den Schmetterlingen - und somit auch bis zum Ersatzteil - per Pickup zurücklegen werden. Das erste Mal auf unserer Reise. Aber eines können wir dir versichern - mer händ werkli kämpft bes zum letschte Augebleck.

Nun machen wir aber zuerst mal einen Tag frei und freuen uns megamega uf morn. Und das Wiedersehen. Endlich. Nach 663 Tagen. Mer säge nume: Juuuuuuupieeeee

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