Km 33769 – Km 33832_Martinez de la Torre - Casitas
- vor 1 Tag
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Die ersten Kilometer führen uns auf der 129 bis nach Maria de la Torre, wo wir auf die 127 wechseln.Es ist früh schon ziemlich warm. Jede kleine Steigung wird zur schweisstreibenden Arbeit, wir schieben. Ein Pickup entschleunigt neben uns, das Fenster geht runter. Wohin es geht? Das wissen wir selbst nicht ganz genau. Der weitere Verkehr staut sich hinter ihm und hupt, er fährt ein Stück vor und stellt sein Auto an den Strassenrand. Poza Rica sei keine schöne Stadt, wir sollen lieber an die Küste, das sei viel hübscher.
Wir reden eine Weile, da kommt ein zweiter Herr mit seiner Tochter hinzu, wir sahen sie etwas vorher in der Siedlung. Der zweite bringt uns einen Plastiksack mit Wasser und einem Powerade. Wir stehen am Strassenrand und bereden, wo wir herkommen, wo wir hingehen. Die Tochter lernt Englisch, traut sich aber nicht, wir verstehen es. Wir lernen auch noch unser Spanisch. Nach ein paar Fotos bekommen wir vom ersten noch ein Säckli mit warmen «Bocoles», wir hoffen, dies war der Name, eben unser Spanisch: eine flache Tortilla, gefüllt mit pikanter Bohnenpaste. War superlecker – ¡Muchas gracias!
So verlassen wir im nächsten Dorf die grosse Strasse und fahren quer hinunter ans Meer. El Tajin werden wir uns mit dem Bus anschauen gehen. Es liegt der Duft von Orangenblüten in der Luft und ganz neue Vogelstimmen in unseren Ohren. Nur wenige Motorräder begegnen uns, ein älterer Mann sogar mehrmals, dieser freut sich, dass er uns immer wieder ein Stück weiter der Strasse entlang sieht. Wir fahren durch Sonzapotes, die Hunde im Dorf scheinen nicht ganz einverstanden zu sein, ein Gebell geht durch die Strassen.
Die Sonne drückt und es ist windstill, in jedem Schatten bleiben wir stehen und leeren unsere Wasserreserven. Die Hügel und unser Weg werden immer sanfter, auf jeder Anhebung schauen wir erwartungsvoll nach Nordosten. Es ist nicht mehr so weit, und doch ziehen sich die wenigen Kilometer ewig in die Länge. In El Fuerte de Anaya verlassen wir nun auch den festen, gepressten Strassenbelag und holpern auf mega losem Schotter. Der grosse gelbe Grader, der uns entgegenkommt, levelt zwar die tiefen Löcher aus, doch sein Kielwasser oder «Kiel-Kies» ist nun so lose, dass es uns schwerfällt, die Räder in einer geraden Spur zu halten.
Nicht nur wir suchen Schatten vor der Sonne, auch die Kühe und Pferde auf den grasigen Feldern suchen Zuflucht unter Palmen und Bäumen, teilen uns das Letzte der warmen Bohnenbrötchen. Wir warten noch immer auf die kühlende Meeresbrise. Am Ende des letzten Kilometers schimmern wie eine Fata Morgana die Autos, die im 90°-Winkel auf der Strasse vorbeirauschen. Das ist die leicht erhobene Küstenstrasse – fast geschafft. Erst wenige Meter davor, der Strassendamm versperrt noch die Sicht, sehen wir das smaragdgrüne Wasser der Costa Esmeralda. Wir rollen bis ganz nah heran, bis der weiche Untergrund den harten Reifen nachgibt und die Velos im Sand einsinken. Verwundert wird uns hinterhergeschaut, als wir die Velos hinlegen und samt Kleidern in den Wellen stehen. Nun spüren wir auch den kühlen Wind, der vom Meer herkommt. Einige Zeit sind wir am Strand, dann geht es auf Unterkunftssuche.
Zurück auf der Strasse ist es wieder brütend heiss, die vierzig bis fünfzig Meter Palmen und Hotels wirken wie ein Puffer. Die Hotels sind ziemlich ausgebucht, es ist Osterwochenende und das ganze Land hat frei. Die paar wenigen Hotels mit noch freien Zimmern sind ziemlich teuer. So rollen wir dahin, entschliessen uns bereits heute, zu einem von Freunden empfohlenen Campingplatz zu fahren, hierher wollten wir eigentlich erst in ein paar Tagen, aber wenn es rollt, dann rollt’s.
Auf dem Weg kaufen wir einen Bikini und eine Badehose. Das haben wir nicht mitgenommen, passten vor drei Monaten nicht mehr in die alten rein und beim Packen war Winter. Jetzt, mit dem vielen Velofahren, Veloschieben, Velotragen und dem ganzen Gepäck herumtragen, schwindet nach und nach der Umfang. :D
Wir erreichen das «Coco Loco» und auch hier scheint alles ausgebucht zu sein, doch ein Platz für unser Zelt findet sich.Der Platz gehört Martin, einem Luzerner, der sich in Mexiko niedergelassen hat. Am platzeigenen Foodtruck bestellen wir bei seiner Tochter zwei Cheeseburger.
Von unserem kanadischen Nachbarn Brian erhalten wir einen «Lifestraw»-Filterstift, er meint, wir würden diesen wohl eher benötigen. Danke, Brian.
Hier bleiben wir etwas länger als erst gedacht, aus drei werden fünf Nächte.Auch um einen Geburtstag zu feiern. Das ist alles, was zum Geburtstag gewünscht wurde: unterwegs zu sein, vielleicht bereits in Mexiko, wenn möglich an einem schönen Strand mit Sand an den Füssen. So muss der 40igste gefeiert werden.
So sehen unsere paar Tage hier recht entspannt aus: in der Sonne an der gleichmässigen Bräune arbeiten, Arme und Hände sind schon viel weiter als alles andere, jeden Tag ins Meer, um zu baden und dann beim Fussmarsch am Strand entlang bis ins Dorf wieder lufttrocknen. Einkaufen, Wäsche in der Wäscherei abgeben, zurückspazieren, kochen, Tagebuch schreiben, im Meer baden, duschen, am Abend etwas zu essen am Foodtruck kaufen. So in etwa.
Der Strand nahe dem Ort ist von Freitag bis Sonntag nachmittags rappelvoll. Musik, Verkaufsstände, Sandspielzeug, Autos und Quads, Bananenboote und Bademeister, die das Gewusel im Blick behalten. Vermisste Kinder werden gefunden, im Sand eingegrabene Väter fast nicht mehr. Es wird ausgelassen gegessen und getrunken.
In der einen Nacht prüfen wir die Funktionalität der Abspannleinen unseres Zeltes, also nicht direkt wir, sondern das Unwetter, das über uns hinwegzieht. Alles gut, kann so verwendet werden. Und am nächsten Tag sitzen wir wieder am Strand.
El Tajin haben wir nicht besucht. An dem Morgen haben wir uns früh aufgemacht, sind ins Dorf gegangen, um einen Bus zu erwischen, uns war dann aber der Gedanke, eineinhalb Stunden pro Strecke in einem Bus zu sitzen, nicht so recht. Die eine Pyramide lassen wir aus, wir sehen dann noch andere auf unserer Route. Da haben wir uns um entschlossen, haben die Schuhe ausgezogen, sind am Strand entlang zurück und haben den Tag im Wasser und mit Sticken verbracht – ja, Sticken, man braucht Hobbys.
Die Tage sind schnell vergangen.
***
The first few kilometres take us along the 129 to Maria de la Torre, where we switch to the 127.
It’s already quite warm for the time of day. Every slight incline becomes a sweat-inducing struggle; we push our bikes. A pick-up slows down beside us; the window rolls down. Where are we headed? We’re not entirely sure ourselves. The traffic behind him is building up and honking; he drives a little further on and parks his car at the side of the road. Poza Rica isn’t a nice town, he tells us; we’d be better off heading to the coast, which is much prettier.
We chat for a while, then a second man joins us with his daughter; we’d spotted them earlier in the settlement. The second man brings us a plastic bag containing water and a Powerade. We stand by the roadside and talk about where we’ve come from and where we’re going. The daughter is learning English but doesn’t dare to speak; we understand that. We’re also brushing up on our Spanish. After a few photos, the first man gives us another little bag of warm ‘bocoles’ – we hope that was the name, given our limited Spanish: a flat tortilla filled with spicy bean paste. It was absolutely delicious – ¡Muchas gracias!
So, in the next village, we leave the main road and head straight down to the sea. We’ll go and see El Tajin by bus. The scent of orange blossom hangs in the air and we hear completely new birdsong. We pass only a few motorbikes; one older man we see several times – he’s delighted to spot us again and again further down the road. We ride through Sonzapotes; the dogs in the village don’t seem entirely pleased, and a chorus of barking echoes through the streets.
The sun is beating down and there’s not a breath of wind; we stop at every patch of shade to top up our water supplies. The hills and our path are becoming gentler; at every rise, we look expectantly towards the north-east. It’s not that far now, and yet those few kilometres seem to drag on forever. In El Fuerte de Anaya, we now leave the firm, compacted road surface behind and bump along on extremely loose gravel. The large yellow grader coming towards us does level out the deep potholes, but its wake – or ‘keel gravel’ – is now so loose that we struggle to keep the wheels in a straight line.
It’s not just us seeking shade from the sun; the cows and horses in the grassy fields are also taking refuge under palm trees and other trees, sharing the last of the warm bean buns with us. We’re still waiting for the cooling sea breeze. At the end of the last kilometre, the cars rushing past at a 90° angle on the road shimmer like a mirage. That is the slightly elevated coastal road – we’re almost there. Just a few metres away, with the road embankment still blocking our view, we catch sight of the emerald-green waters of the Costa Esmeralda. We cycle right up to the water’s edge, until the soft ground gives way beneath our hard tyres and the bikes sink into the sand. People look on in amazement as we lay our bikes down and stand in the waves, fully clothed. Now we can feel the cool breeze coming in from the sea. We spend some time on the beach, then set off in search of accommodation.
Back on the road, it’s sweltering again; the forty to fifty metres of palm trees and hotels act as a buffer. The hotels are pretty much fully booked – it’s the Easter weekend and the whole country is on holiday. The few hotels with rooms still available are quite expensive. So we roll along, deciding today to head to a campsite recommended by friends; we’d actually only planned to come here in a few days’ time, but when things get rolling, they get rolling.
On the way, we buy a bikini and a pair of swimming trunks. We hadn’t brought them with us; we didn’t fit into our old ones three months ago and it was winter when we packed. Now, with all the cycling, pushing bikes, carrying bikes and lugging all our luggage about, our waistlines are gradually shrinking. :D
We reach the ‘Coco Loco’ and here too everything seems to be fully booked, but we manage to find a spot for our tent.
The site belongs to Martin, a man from Lucerne who has settled in Mexico. We order two cheeseburgers from his daughter at the site’s own food truck.
Our Canadian neighbour Brian gives us a ‘Lifestraw’ filter pen; he reckons we’re more likely to need it. Thanks, Brian.
We end up staying here a bit longer than we’d first thought – three nights turn into five.
Partly to celebrate a birthday. That’s all he asked for: to be on the road, perhaps already in Mexico, if possible on a beautiful beach with sand between his toes. That’s how you celebrate your 40th.
So our few days here look pretty relaxed: working on an even tan in the sun – arms and hands are already much further along than the rest – going into the sea every day for a swim and then air-drying on the walk along the beach back to the village. Shopping, dropping off laundry at the launderette, walking back, cooking, writing in my diary, swimming in the sea, showering, buying something to eat from a food truck in the evening. Something like that.
The beach near the village is absolutely packed from Friday to Sunday afternoons. Music, stalls, sand toys, cars and quads, banana boats and lifeguards keeping an eye on the hustle and bustle. Lost children are found, fathers buried in the sand are almost impossible to find. People eat and drink exuberantly.
One night, we put the guy ropes of our tent to the test – well, not us directly, but the storm that swept over us. All good, they’re fit for purpose. And the next day, we’re back on the beach.
We didn’t visit El Tajin. That morning we set off early, went into the village to catch a bus, but then the thought of sitting on a bus for an hour and a half each way didn’t really appeal to us. We’ll give that one pyramid a miss; we’ll see others along our route. So we changed our minds, took off our shoes, walked back along the beach and spent the day in the water and doing some embroidery – yes, embroidery; one needs hobbies.
The days flew by.

