Km ۸۰۰۵ – Km ۸۲۱۸_Teheran - Qom


Nachdem wir gestern ziemlich spät nach Hause gekommen sind, fällt es uns heute Morgen besonders schwer, die Sachen zu packen und weiter zu fahren. Aber wir freuen uns natürlich auch. Und so verabschieden wir uns lange von allen unseren neuen Gspändli und den fantastischen Hostelbesitzern. Falls wir wieder einmal in Teheran sein werden, dann checken wir auf jeden Fall wieder bei euch ein. Und Phil, Luca und Andrea wollen wir unterwegs nochmal treffen. Unbedingt. Um die Stadt zu verlassen, müssen wir in Richtung Süden fahren. Wer gut aufgepasst hat weiss, dass es nun bergab geht. Die vierunddreissig Kilometer durch die Stadt gehen rasant. Der Verkehr ist Wahnsinn. Auto von links, Bus von rechts, Schlagloch von vorne und Motorrad will auch noch irgendwie. Es ist richtig was los. Ausser Atem – nicht wegen der Anstrengung sondern wegen den Abgasen – verlassen wir die Stadt. Die Strasse führt uns in Richtung Qom.

Vor der Autobahn steht ein Verbotsschild für Fahrradfahrer. Wir finden aber keine andere Strasse und fragen nach. Da. Die Autobahn, die müsst ihr nehmen. Ach. Aber das ist doch verboten. Neinein, ihr müsst einfach keine Maut bezahlen. Ah. Das Verbotsschild scheint wohl nicht so ernst zu sein. Wir passieren also das Mauthäuschen und fahren gemütlich auf der Autobahn entlang. Die Strecke ist super, denn es hat einen breiten Pannenstreifen und die Lastwagen haben wohl einen anderen – preiswerteren – Weg gewählt. Bei einer Pause stoppt ein junges Paar. Sie fragen uns, ob wir auch nach Isfahan fahren. Ja, in ein paar Tagen wollen wir dort sein. Kurzerhand gibt uns die Dame ihre Adresse. Wir sind bei ihnen eingeladen. Super. Iraner sind echt unglaublich gastfreundlich.

Nach einer Weile verlassen wir die Autobahn und nehmen die Alte Landstrasse in Richtung Qom. Hier sind all die LKWs geblieben. Nun haben wir sie doch noch gefunden. Es scheppert und dieselt und hupt und donnert an uns vorbei. Die Landschaft hat sich innert wenigen Kilometern in die Wüste verpuppt. Bis zum Horizont sind kein Mensch, kein Haus und kein Baum zu sehen. Gerade noch in der Millionenstadt und jetzt im Nichts. Verrückt. Der Anblick überwältigt uns.

Wir entdecken ein schönes Plätzchen nahe der Strasse und stellen schon früh unser Zelt auf. Wen soll es stören? Da ist ja eh keiner. Die Nacht ist ruhig und der Vollmond lässt die Umgebung in sanftem orange erscheinen. Wirklich sehr schön. Wir hoffen, noch mehr solche Nächte verbringen zu dürfen.

Frühstück haben wir keines dabei. Mensch. So fahren wir mit je zwei Guetzli im Bauch los. Es geht den Berg hoch. Es ist anstrengend. Es ist heiss. Nach knapp zwanzig Kilometern kommt ein Laden. Es ist kein Laden, es ist ein Restaurant. Brot gibt’s trotzdem. Also halt das Brot das es da gibt. So eine Art Chlöpfifolie aus Mehl und Wasser. Wir machen uns Chlöpfifolienutellawrap und fahren weiter.

Kurz vor dem Mittag werden wir von der Polizei angehalten. Nach einem Telefonat wird uns der Weg wieder frei gemacht. Die Strasse führt vorbei an einem Salzsee, einem stark bewachten Uranabbaugebiet und Kilometer langem Stacheldraht. Überall stehen Wachmänner auf ihren Türmen. Unsere Empfindung diesem Land gegenüber hat zwei Seiten. Die Menschen sind äusserst gastfreundlich und die Natur ist atemberaubend. Aber da sind eben auch andere Gefühle. Die Geschlechtertrennung, der Verkehr, die Politik, die allgegenwärtige Kontrolle, der Müll, die Bevormundung der Menschen, die Gesetze und all das gibt uns zu denken. Es lässt auch nicht zu, dass wir uns voll und ganz wohl fühlen. Ein freies Leben ist wirklich nicht selbstverständlich. Und unbezahlbar. Auf jeden Fall werden wir von nun an Zuhause zur Urne gehen. Immer und immer wieder.

Am Nachmittag erreichen wir Qom. In Qom werden aufstrebende Imame ausgebildet. Jede Frau trägt hier einen bodenlangen, schwarzen Chador. Auch die Mädchen. Sie können sich noch nicht einmal die rosaroten Schuhbändel an ihren hervorlugenden Sneakers binden, aber das wallende, finstere Gewand verhüllt bereits ihre ganze Erscheinung. In keiner Weise wollen wir über Religion, Sitte und Tradition urteilen. Aber die Ursache der hier spürbaren Befangenheit die von den Menschen ausgeht, diese ist zu verurteilen.

Wir checken in einem sehr schönen Hotel ein. Im Foyer haben sich bereits einige Iranerinnen versammelt. Sie alle wollen ein Foto machen. Nachdem wir noch eine kleine Geographielektion an der übergrossen Weltkarte gegeben haben, werden wir in unser Zimmer geführt. Es ist sehr schön, geräumig und im Bad liegen Kamm, Zahnbürste und Wattestäbchen to go auf. Hossa.

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